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    gedaechtnis01Die Honigbiene produziert bei weitem nicht nur Honig. Vielmehr leistet sie durch die Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen einen großen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Sie sichert die Ernten der meisten Kulturpflanzen. Sie liefert Propolis und Wachs. Die Medizin nimmt Ihre Pollensammlung und benutzt das Bienengift und und und.

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Immer noch nicht wahrgenommene Erkenntnisse

Dr. Werner Kratz von der FU Berlin fasst hier zusammen, welche neuen Erkenntnisse hinsichtlich des Einflusses von Neonikotinoiden auf das Verhalten von Insekten – hier Hummeln – gewonnen wurden.

Aber warum müssen jetzt alle Insektengattungen separat untersucht werden? Der Gebrauch der Logik in einem gesunden Menschenverstand zeigt uns doch viel einfachere Zwänge auf. Vernichten die Herbizide die überwiegend erforderliche Nahrungsgrundlage einmal nur der meisten Insekten, bleiben diese mehrheitlich den behandelten Flächen fern. Stellt man zudem noch fest, dass nach Behandlung der vom Kraut beseitigten Flächen und einer weiteren Behandlung mit Neonikotinoiden weitere Bestäuber und andere Insekten ausbleiben, dann muss man etwas an dieser Verfahrensweise ändern.

Einerlei wodurch das Verschwinden der Insekten und Bestäuber zu erklären ist, muss zunächst der kausalen Vermutung gefolgt werden, dass es mit der Ausbringung der Pestizide zu tun hat. Es ist dabei nicht von primärer Bedeutung, ob es sich um einen ökologischen, ökonomischen oder beim Menschen gesundheitlichen Schaden handelt.
Hier ist ganz schnell etwas in Ordnung zu bringen, was der Mensch offensichtlich durch Unachtsamkeit in Unordnung gebracht hat. Das bedeutet, dass zunächst großflächig (200 ha und mehr) alle Pestizidgaben für die nächsten fünf Jahre zu unterlassen sind. Habitate und Wasserquellen sind wieder einzurichten.

Kehren jetzt die Insekten in angemessener Vielfalt zurück, muss man die Forschung für diese Erkenntnisse nicht bemühen. Man wird sehen, es funktioniert. Plausibilitäten sind so leicht aufzuzeigen. Warum aber macht man davon so selten Gebrauch? Weil eben ganz andere Interessen im Vordergrund stehen. Das aber sollte, nein, es muss ganz schnell geändert werden.

So aber müssen wir zunächst froh sein, wenn spezielle Forschungseinrichtungen noch speziellere Ergebnisse erarbeiten und publizieren wie hier die Beeinflussung der Neonikotinoide auf das Verhalten der Hummeln. Das sind dann eben die unpraktischen Erkenntnisse, die man Steinchen für Steinchen zusammenfügen muss. Dann erreicht man das Ergebnis, dass die überwiegende Zahl der Pestizid-Rezepturen den meisten Pflanzen, den Tieren und auch dem Menschen schadet. Die Robusten werden diesen Fahrplan zeitlich und gesundheitlich überstehen.

So ist es zur Zeit nur gut, wenn Menschen wie Dr. Kratz diese kleinen Erkenntnisbausteine verbreiten. So sollen auch wir versuchen, andere auf diese Gefahren hinzuweisen eben Steinchen für Steinchen, wenn es denn nicht anders geht.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
16.11.2017

Umweltforschung: Das Schweigen der Hummeln

Getreide, Kartoffeln, Tomaten – viele Nutzpflanzen sind, nicht nur für einen hohen Ertrag, auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Dass Pestizide das Bestäubungsverhalten von Hummeln beeinträchtigen, haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der University of Stirling herausgefunden. Ihre Ergebnisse stellen sie in der Fachzeitschrift Scientific Reports vor.

Hummeln setzen Pollen per Vibrationsbestäubung frei: Sie erzeugen mit ihrem Flügelschlag Frequenzen, die die Pollen aus der Blüte herausschütteln. So entsteht das bekannte Summen, das zwei Zwecken dient:
Bestäubung anderer Blüten und Sammeln von Nahrung.

„Wir haben die Wirkung des Pestizids Neonicotinoid auf Hummeln untersucht und herausgefunden, dass es die Vibrationen, und somit auch das Summen, negativ beeinflusst“, sagt Dr. Penelope Whitehorn. Die Biologin, die jetzt am Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU) des KIT forscht, leitete die Studie an der University of Stirling.

Zusammen mit Dr. Mario Vallejo-Marin, University of Stirling, untersuchte sie durch das Pestizid belastete Hummelkolonien, überwachte deren Verhalten und nahm über einen längeren Zeitraum das Summen mit Mikrofonen auf. Danach analysierten die Wissenschaftler das akustische Signal, das die Hummeln bei der Vibrationsbestäubung erzeugen, um Veränderungen im Summen festzustellen. Sie fanden heraus, dass die permanente Belastung durch das Pestizid die Vibrationen verringert. Dies wiederum reduziere die Menge der gesammelten Pollen und somit die Nahrung der Hummeln, so die Forscher.

„Hummeln einer Kontrollgruppe, die dem Pestizid nicht ausgesetzt waren, lernten in ihrer Entwicklung nach und nach dazu, wie sie mehr Pollen sammeln und besser Blumen bestäuben können“, so Whitehorn. „Die Hummeln, die mit dem Pestizid in Berührung kamen, entwickelten ihre Fähigkeiten nicht weiter. Sie sammelten am Ende des Experiments zwischen 47 und 56 Prozent weniger Pollen als die Kontrollgruppe.“

„Unsere Forschungsergebnisse leisten einen wesentlichen Beitrag zu der Frage, wie sich Pestizide auf die Hummelpopulation und ihre Bestäubungsleistung auswirken. Sie weisen auch darauf hin, dass die Belastung durch Pestizide die Fähigkeiten der Hummeln beeinträchtigen kann, komplexe Verhaltensweisen wie die Vibrationsbestäubung weiterzuentwicklen“, sagt Vallejo-Marin. „Der nächste Schritt unserer Forschung wäre nun, den Mechanismus zu bestimmen, durch den das Pestizid die Hummeln beeinflusst. Wir glauben, dass Pestizide sich auf das Gedächtnis und die kognitiven Fähigkeiten von Hummeln auswirken. Beides sind wichtige Voraussetzung für komplexe Verhaltensweisen.“

Das Paper „Neonicotinoid pesticide limits improvement in buzz pollination by bumblebees“ veröffentlichten die Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift Scientific Reports: Reports.

Privatdozent Dr. Werner Kratz

Freien Universität Berlin, Institut für Biologie
Himbeersteig 18
14129 Berlin

kratzw@zedat.fu-berlin.de

Bienen- und Imkerwinter 2017/2018

Auf unserer letzten Versammlung haben wir uns ausgetauscht über die anstehenden Handgriffe, die der Imker zum Wohlergehen der ihm anvertrauten Tiere doch beachten sollte, ehe es so richtig kalt wird. Es wird ruhiger am Bienenstand und dennoch müssen wir kontrollieren, ob alles in Ordnung ist mit dem Kampf gegen die Varroa und dem Schutz der Bienen auch gegen Mäuse.


Mäusekeil und Fluglocheinengung gegen die leider bis zum ersten Frost immer noch räuberischen Wespen müssen nun eingesetzt werden.

Doch der Winter erinnert uns auch an die wiederholt anstehende Teilnahme an der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Einen großen Themenkreis sollten wir Imker des Vereins in Zehlendorf und Umgebung beherrschen. Im Oktoberprotokoll wird sicherlich einiges zu lesen sein.

Unseren Wünschen hinsichtlich der Standorganisation ist im Wesentlichen entsprochen worden. Außer, dass beide Tische nach wie vor 1,00 m Durchmesser haben, ist man unseren Vorstellungen gefolgt. Aber wir haben erkannt, dass das Bundesministerium sparen muss. Obwohl, das muss man nun doch festhalten, ist auch wieder die Bienen-App mit ihren zwei Tablets an unseren Stand geschraubt. Doch wird hier sicherlich eine Aktualisierung stattgefunden haben, denn die App gibt es ja schon einige Jahre. So bereiten wir uns vor und lesen schon einmal die neue Version. Doch wenn man damit beginnt, ist man dem Internet als ewig Neugieriger ausgeliefert.
Eine neue Rubrik wird aufgerufen: Jetzt Bienen füttern mit dem Smartphone.

Das lassen sich der Herr Minister Schmidt und natürlich auch unser Bundesvorsitzender Maske nicht nehmen, diese neue App-Ergänzung auf einer (War es eine Messe?) kleinen Zusammenkunft in Meckenheim vorzustellen. „Bundesminister Schmidt vor Ort“ wird die Aktivität des BMEL überschrieben. Und der Herr Minister hält eine flammende Rede: Ohne Bienen können wir nicht leben. Das Ökosystem wäre gefährdet. Ein jeder kann seinen Beitrag leisten und in seinem Garten etwas tun, damit die Bienen ganzjährig Nahrung finden.

Aber es ist dem Herrn Minister wohl noch gar nicht aufgefallen, dass das Problem überhaupt nicht mit dem möglicherweise schlecht bepflanzten Blumenkasten zusammenhängt. Aber die App und wohl auch der eingespielte Trailer sind nicht für das Fachpublikum gedacht, sagt der Herr Minister. Doch warum soll die breite Bevölkerung nicht so schlau werden wie diejenigen, die sich mit der heutigen Problematik um das Bienensterben auseinandersetzen. Warum suggeriert man hier, dass man am Balkonkasten das Bienendilemma in eine positive Richtung drehen kann? Warum scheut man eine sachdienliche Auseinandersetzung?

Also sucht man weiter nach Gründen für das Bienensterben an Orten, wo es dies Problem nicht gibt. Warum fordert und fördert man ein Bienenmonitoring? Doch was ist das? Ein Monitoring ist die systematische Erfassung von Daten, um möglicherweise ein Problem lösen zu können. Ist es ein Bienenmonitoring dann sollte es sich um den Versuch der Problemlösung hinsichtlich des Bienensterbens z.B. handeln. Warum werden die Probleme der Vertreibung aller Insekten aus landwirtschaftlichen Regionen nicht auch im beschaulichen Meckenheim angesprochen? Da genügt es nicht, die Rettung in den Gartencentern der Region zu starten. Und die Datensammlungen bringen nicht viel, wenn man sie nicht bewertet und konstruktiv daraus Konsequenzen herleitet.

Dies nicht enden wollende Warum macht natürlich weiter neugierig; und man klickt sich durchs Netz, um wieder bei dem elenden Thema Glyphosat zu landen. Doch diesen Artikel des Tagesspiegel wollen wir nicht vorenthalten, wenn wir ihn denn nun schon gefunden haben. Wir wollen informiert bleiben über den Stand der Dinge bei der Abstimmung über die weitere Zulassung dieses Herbizids, dieses Breitbandantibiotikums, dieses Giftes, das wohl doch der Hauptverursacher ist für das Bienensterben in landwirtschaftlich genutzten Bereichen ist, unabhängig von den Krebsverdächtigungen. Hoffen wir, dass Minister Christian Schmidt ebenfalls diesen Artikel liest; und hoffen wir, dass unser Landwirtschaftsminister sich zusammen mit der Frau Ministerin für Umweltschutz sich nunmehr gegen eine Verlängerung der Zulassung für Glyphosat ausspricht. Glauben wir fest daran, dass es für die Bienen auch auf dem Lande wieder eine gute Zukunft gibt.

Reinhardt Löwe
31.10.2017

EU: Bundesregierung will Glyphosat-Einsatz retten
Der Tagesspiegel, Wirtschaft, 17.10.2017 19:23 Uhr

Das deutsche Agrarministerium verhandelt über einen Kompromiss: Das Gift soll noch weitere zwei bis drei Jahre zugelassen werden.

VON MARKUS GRABITZ


Über Jahrzehnte haben Landwirte Breitbandherbizide auf Glyphosat-Basis auf ihre Felder gebracht und wollen darauf nicht mehr…FOTO: IMAGO/BLICKWINKEL

Berlin arbeitet an einem Plan B, um die weitere Verwendung des umstrittenen Wirkstoffs Glyphosat auf Äckern EU-weit sicher zu stellen. Nach Tagesspiegel-Informationen will Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) durchsetzen, dass der Wirkstoff, dessen Zulassung am 15. Dezember ausläuft, auf EU-Ebene für weitere zwei bis drei Jahre eine Genehmigung erhält. Wie zu hören ist, verhandelt das Landwirtschaftsministerium mit den beiden SPD-geführten Bundesministerien für Wirtschaft sowie Umwelt. Auch die Grünen, die demnächst Sondierungsgespräche über die Bildung der Bundesregierung führen und als Anwärter für das Bundesumweltministeriums gelten, sind in diese Gespräche eingebunden.

2016 war eine Verlängerung der Zulassung um zehn Jahre gescheitert, weil die SPD plötzlich ihr Veto gegen einen ausgehandelten Kompromiss einlegte und sich die Bundesregierung laut Koalitionsvereinbarung dann bei der Abstimmung in Brüssel enthalten musste.

Die Zeit drängt: Im Dezember läuft die Zulassung des Wirkstoffs ab, dem die beiden EU-Agenturen für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie für Chemikalien (ECHA) Unbedenklichkeit bescheinigen, den aber die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (IARC) für „wahrscheinlich Krebs auslösend“ hält. Am 25. Oktober will die EU-Kommission unter den 28 Mitgliedsländern die Verlängerung der Zulassung für Glyphosat um zehn Jahre abstimmen lassen. Sollte der Abgesandte der Bundesregierung aus Berlin dabei, wie so häufig in den letzten Jahren, nicht die Weisung für ein klares Ja oder klares Nein mitbringen, geht die Hängepartie weiter. Dann kommt vermutlich wieder keine qualifizierte Mehrheit zustande, weil nicht mindestens 16 Mitgliedsländer mit „Ja“ oder „Nein“ stimmen, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Dann könnte die Kommission selbst entscheiden.

Doch EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis hat bereits mehrfach angekündigt, dass die Kommission dies nicht will. Sie will nicht den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen für die Zulassung eines Mittels, das in weiten Teilen der Bevölkerung nicht mehr gewünscht wird.

Wenn Plan B scheitert, wird die Zulassung auslaufen

Klar ist: Sollte der Plan B von Minister Schmidt nicht aufgehen, würde die Zulassung für Glyphosat, das im Ackerbau im großen Stil eingesetzt wird, unweigerlich auslaufen. Für die Bauern würde es schwierig. Vermutlich wäre noch die nächste Ernte gesichert. Doch nach einer Übergangsfrist von bis zu 18 Monaten würden sowohl der Verkauf als auch der Einsatz des Mittels in der EU verboten, das als Allround-Pflanzenschutzmittel vielfach mit einem Breitband-Antibiotikum verglichen wird.

Die Debatte um Glyphosat wird immer emotionaler geführt. Die Gegner von der Initiative „Stop Glyphosate“ haben mit über eine Million genügend Unterschriften zusammen bekommen, um als EU-Bürgerinitiative von der EU-Kommission anerkannt zu werden. Sie fordern ein Verbot sowie eine Reform der Pestizid-Zulassung in der EU. Die Kommission wird in den nächsten Wochen in den Dialog mit der Bürgerinitiative treten, ist letztlich aber rechtlich frei, wie sie mit den Forderungen umgeht.

Die Gegner versuchen zu mobilisieren. Immer wieder lassen sie etwa Tests durchführen und weisen auf Rückstände des umstrittenen Wirkstoffes hin. Mal findet er sich im Urin, mal im Speiseeis. Im Eis fanden sich Konzentrationen, die unterhalb der Grenzwerte liegen. Zuletzt warfen die Gegner dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das federführend an der Risikoprüfung beteiligt war, unseriöse Arbeitsmethoden vor. Das BfR, so der Vorwurf der Kritiker, habe Passagen von der Industrie abgeschrieben. Das BfR verwahrt sich entschieden gegen den Vorwurf eines Plagiats: Die Gesetzgebung sehe explizit vor, dass der berichterstattende Mitgliedsstaat – im Fall von Glyphosat Deutschland – alle Informationen der durch die Antragsteller eingereichten Dokumente auf Plausibilität und Korrektheit prüft. „Wenn der berichterstattende Mitgliedstaat mit einer bestimmten Zusammenfassung oder Bewertung der Antragsteller übereinstimmt, kann er diese direkt in seinen Bericht integrieren.“ Abweichende Bewertungen würden durch eigene Kommentare ausgedrückt.

Unterdessen wurde bekannt, dass einer der exponiertesten Glyphosat-Gegner einen Interessenkonflikt haben soll, den er jahrelang verschwieg. Der Forscher Christopher Portier war als „externer Spezial-Ratgeber“ beteiligt, als die IARC zu dem Urteil kam, Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserregend“. Nach Recherchen eines US-Bloggers stand Portier auf dem Lohnzettel von zwei US-Großkanzleien, die Schadensersatz vom Glyphosat-Hersteller Monsanto wegen Krebserkrankungen erstreiten wollen. Er soll bis Juni 2017 ein Honorar von 160 000 US-Dollar bekommen haben.

Das unbekümmerte Handeln der Monsantos & Co

Im Anhang findet Ihr eine Zusammenstellung, wie Monsanto und andere Firmen Wissenschaft und sicher geglaubte Beurteilungskriterien manipuliert haben. Das ist schon lesenswert und macht doch Angst. Es erinnert ein wenig an die kleine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung aus dem Juli 2017 im Abgeordnetenhaus incl. der detaillierten Antwort. Es wird viel zu wenig gelesen, nur gesammelt und abgelegt. Es erfolgt keine Bewertung.

Anton Safer hat uns die Neuigkeiten zugespielt.

Was wir Imker nicht verstehen können ist der Verlust an einfacher, dem Menschen eigener Plausibilität.

Glyphosat oder round up oder wie man es immer nennen mag ist ein anerkanntes Herbizid. Es ist eine chemische Substanz, die fast alle Pflanzen vernichtet bis auf die eine, die man profitabel ernten möchte. Damit vernichtet man das Futter für die meisten Insekten und die anderen der ganz Kleinen im Sichtbaren und im Untergrund. Damit zerstört man die Artenvielfalt der kleinen und in der Folge der größeren und dann auch der ganz großen Tiere. Die Pflanzen und auch die Gehölze hat man schon in der Vorbereitungsphase vernichtet.

In dieser einfachen Form der Beschreibung müsste der zu erwartende Schaden doch jedem Menschen verständlich sein. Über die komplizierte Schiene der Gesundheitsgefährdung möchten einige Verantwortliche das Verbot oder die Reduzierung der Verbreitung erreichen. Ein langer zeitlicher Beweis wäre erforderlich. Also wird die Vernebelung der Chemie oder anderweitige Verbreitung dieser Substanz weiter geduldet. Wie sagt da die Landwirtschaft: Wir machen nichts Ungesetzliches. Das ist im Prinzip richtig. Doch man kann doch mit dieser Aussage nicht zufrieden sein und auf die Teilnahme des Verstandes verzichten.

Warum ändern die vielen Verantwortlichen nicht den Beurteilungsvorgang in eine logische Vorgehensweise. Warum trennen wir uns nicht einmal von der Betrachtung der Gewinnerwartung der Chemie verarbeitenden Unternehmen sowie der Landwirtschaft. Warum denken wir nicht einfach einmal an den immensen Schaden, der durch die Vertreibung und Vernichtung allein der Bestäuber angerichtet wird. Das heißt, warum denken die Verantwortlichen Volksvertreter nicht einfach einmal an die althergebrachten und bewährten Nachhaltigkeitsprinzipien der Natur. Das wäre nicht unbedingt neu, ist aber aus der Mode gekommen.

Die neuartige Zauberformel Blühstreifen sollten wir überhaupt nicht mehr erwähnen. Die Blühstreifen sind wie das Hauptfeld wenn nicht mit Herbiziden dann mit Neonikotinoiden vergiftet. Sind sie es ausnahmsweise einmal nicht, was unwahrscheinlich ist, bieten sie doch keine Habitate und bleiben damit unerreichbar für die meisten vertriebenen Bestäuber. Zwar hat das Institut für Bienenkunde in Celle ermittelt, dass es wohl Honigbienen gibt, die eine Entfernung bis zu 8 km zurücklegen können. Das aber wird nicht die Regel sein. Wissenschaftler aus den Niederlanden sehen den Einzugsradius von Honigbienen eher bei 2 km, den von Wildbienen bei 0,7 – 1,0 km. Das bedeutet, dass diese wohl historischen Bienenmodelle nicht einmal den Acker einer modernen Monokultur überqueren können.

In diesem Sinne bitte lesen, wenn es auch nicht einfach ist. Was aber noch wichtiger ist, verbreitet doch bitte weiter unser ganz einfaches der Natur zugewandtes Gedankengut. Bleibt neugierig und werdet in dieser Richtung noch redseliger. Macht es den Betrügern schwer, sich immer wieder durchzusetzen; oder aber wie im angefügten Artikel: entlarvt sie.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
14.10.2017

Anhang
Gillam 2017 Presentation_Decades od Deceit-REVELATIONS FROM THE MONSANTO PAPERS

Arte | Dokumentation | Wissenschaft: Roundup, der Prozess

Imkerfahrt in den Spreewald 2017

IGW 2018 (19.01. – 28.01.2018 Halle 23a)

Die IGW 2018 (19.01. – 28.01.2018 Halle 23a) rückt näher und soll von uns wieder im Rahmen der Sonderschau des BMEL farbig präsentiert werden. Gut positioniert, wie in den vergangenen Jahren, werden wir wieder ein breit gefächertes Publikum zu erwarten und zu bedienen haben.

Wettbewerb „Zukunftspreis 2017“ der psd Bank

Liebe Freunde der Bienen und Insekten,

schon wieder wagen wir etwas Neues. Bekommen wir einen Förderpreis, dann wollen wir das Thema „Trachtverhalten“ weiter vertiefen in Richtung Rekultivierung.

Das Wettbewerbssystem ist ein klein wenig ungewöhnlich. Es scheint hier schwerwiegend auf die Volkesstimme anzukommen. Das ist dann so ähnlich wie beim „Eurovision Song Contest“. Für einen Wettbewerb, der dem Naturschutz mit fast wissenschaftlichen Wurzeln verbunden scheint, ist das schon eher sehr ungewöhnlich. Doch die psd-Bank ist kein gemeinnütziger Verein und möchte wohl auch ein wenig Werbung für die Großherzigkeit betreiben. Das darf man als angemessen betrachten.

Dennoch sind Zuwendungen – in welcher Höhe auch immer – für einen Verein wie den Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V., der sich ausschließlich gemeinnützig dem Thema Bienen und Naturschutz verschrieben hat, von stets großer Bedeutung. Und wir werden damit sehr redlich umgehen.

Über diesen Link könnt Ihr täglich neu Eure Zustimmung geben. Es wäre toll, wir könnten da ganz vorne landen. Bis jetzt sind wir abgeschlagen.

Beste Grüße

Reinhardt Löwe, 26.9.2017

BERLINER IMKERTAG 2017

Am Sonntag, den 8. Oktober 2017, findet zum 7. Mal der Berliner Imkertag statt. Die Vorträge und die Podiumsdiskussion versprechen auch dieses Mal wieder äußerst interessant zu werden. Im Anschluss sind Sie eingeladen das bunte Erntefest mit seinen Marktständen auf der Domäne Dahlem zu besuchen. Es besteht die Möglichkeit zum Fachsimpeln, Informieren oder Bummeln.

Der Imker- und Gartenmeister Jaesch wird auf der Domäne mit einem Verkaufsstand präsent sein. Möchte man spezielle Blumenwünsche oder Gehölze für die Bienen haben, gibt es die Möglichkeit der rechtzeitigen Vorbestellung beim „Immengarten Jaensch“ per Internet. Die Ware stünde dann auf der Domäne zur Verfügung. Weiterhin wird Herr Krüger für Diskussionen für sein Varroa-Sound-Abwehrsystem zur Verfügung stehen.

Datum: Sonntag, 8.10.2017
Uhrzeit: 10:00 bis 16:00 Uhr

Adresse:
Freie Universität Berlin
Großer Hörsaal der Anorganischen und Analytischen Chemie
Fabeckstraße 34/36
14195 Berlin

Eintritt: 5 Euro
(der Tagungspreis beeinhaltet den Eintritt für das Erntefest auf der Domäne Dahlem)

Themen und Referenten

  • Umweltmonitoring – Mit Bienenvölkern in der Stadt und auf dem Land
    Referent: Dr. Werner von der Ohe, Institut für Bienenkunde Celle
  • Rechts und Links der Honigbiene
    Referentin: Dr. Melanie von Orlow, Sprecherin der Facharbeitsgruppe Hymenopterenschutz im Naturschutzbund Deutschland
  • Wassergehalt des Honigs – Schicksal oder Leidenschaft?
    Referent: Dr. Jens Radtke, Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf

Weitere detaillierte Informationen zum Programm und den Vorträgen finden Sie im Programmheft als PDF zum Herunterladen.

Pressemitteilung: Globale Forschung dokumentiert neue, bedrohliche ökologische Auswirkungen von Neonikotinoid-Pestiziden

Hallo Imkerinnen und Imker,
Freunde der Bienen und der anderen Nützlinge,

das hier ist keine Pressemitteilung. Es ist die Definition der Neonikotinoide. Es ist ein sehr ernst zu nehmendes Ergebnis von 3 Jahren Recherche und unabhängiger Bewertung von veröffentlichten Forschungsergebnissen. 
Namhafte Wissenschaftler aus den verschiedensten Ländern dieser Erde haben sich zusammengeschlossen. Sie veranstalten Kongresse und tauschen sich laufend aus. Sie machen nichts Geheimnisvolles sondern veröffentlichen die Ergebnisse unabhängiger Forschungen, die sie unentgeltlich zusammenstellen, unter ihrem Namen. Durch diese Bekenntnisse wären sie angreifbar, wenn sich diese Ergebnisse als falsch oder gar getürkt (Dies Wort hat heute eine aktuelle Bedeutung.) oder haltlos erweisen. Leider sind viele Institutionen, Verbände, Parteien verstrickt und vernetzt in einem solchen Beziehungskonvolut, dass ein gemeinsames Bekenntnis zum Verbot der Pestizide in Natur und Landwirtschaft bis heute nur sehr zögerlich durchsetzbar ist.
So sollten wir uns glücklich schätzen, dass uns unsere Informanden auf dem Laufenden halten über die schädlichen Substanzen, die den Bienen und der Natur so schlimm zusetzen und die auch für uns Menschen sicherlich nicht verträglich sind.

Reinhardt Löwe, 21.09.2017

Pressemitteilung der Internationalen Taskforce für Systemische Pestizide (TFSP.info) vom 19.09.2017

Globale Forschung dokumentiert neue, bedrohliche ökologische Auswirkungen von Neonikotinoid-Pestiziden

Die Übersichtsarbeit der Task Force für systemische Pestizide 2017 zeigt in der Bewertung der Neonikotinoide neue Risiken für Biodiversität und Ökosysteme auf

OTTAWA, KANADA  — Pestizide aus der Klasse der Neonikotinoide stellen weltweit ernsthafte Bedrohungen für Ökosysteme dar. Dies zeigen neue Informationen, die in einem Update zur weltweit umfassendsten wissenschaftlichen Überprüfung der ökologischen Auswirkungen von systemischen Pestiziden enthalten sind.

Die Task Force für systemische Pestizide (TFSP) veröffentlichte die zweite Auflage ihrer weltweiten integrierten Bewertung der Auswirkungen von systemischen Pestiziden auf Biodiversität und Ökosysteme („Worldwide Integrated Assessment of the Effects of Systemic Pesticides on Biodiversity and Ecosystems“) heute in Ottawa, Kanada. Es ist eine Überblicksarbeit und Zusammenschau aus mehr als 500 wissenschaftlichen Veröffentlichungen seit 2014, darunter einige von der Industrie geförderte Studien. Die Überprüfung umfasst auch das in Europa verwendete Fipronil, ein eng verwandtes systemisches Pestizid.

Neonikotinoide sind auch bei sehr niedrigen Dosen toxisch. Sie sind wasserlöslich und sehr persistent (d.h. nicht leicht abbaubar) im Boden, was zu einer anhaltenden und chronischen Exposition in terrestrischen und aquatischen Umgebungen führt. Die umfangreiche und routinemäßige Anwendung von Neonikotinoiden in der Landwirtschaft führt zu einer großflächigen Umweltverschmutzung und einer erheblichen Bedrohung der Biodiversität.
 
Die Toxizität der Neonikotinoide wurde zuerst in Verbindung mit dem sog. Bienensterben beschrieben; inzwischen wurde erkannt, dass sie auch die Bereiche unserer Nahrungsmittelproduktion kontaminieren können. Fipronil, ein mit den Neonikotinoiden eng verwandtes systemisches Pestizid, steht derzeit im Brennpunkt eines um sich greifenden Lebensmittelsicherheits-Skandals in Europa, nachdem Eier und daraus hergestellten Produkte mit unzulässig hohen Rückständen des toxischen Insektizids in in 15 EU-Staaten sowie in der Schweiz und in Hongkong verkauft worden waren. Millionen von Eiern wurden wegen Bedenken aus Geschäften und Lagerhäusern in ganz Europa zurückgerufen, da Rückstands-belastete Eier ein ernstes Sicherheitsrisiko für Verbraucher darstellen könnten.
 
Die aktualisierte Bewertung bestätigt, dass der Einsatz von Neonikotinoiden massive Auswirkungen hat und eine weltweite Bedrohung für Biodiversität, Ökosysteme und Ökosystemdienstleistungen darstellt. In den 1990er Jahren eingeführt, sind Neonikotinoide derzeit die weltweit am häufigsten verwendeten Insektizide. Ihr Einsatz in der Landwirtschaftlichen umfasst Saatgutbehandlungen, Bodenbehandlungen, Blattspritzungen und Rasenprodukte. Neonikotinoide werden auch in der Forstwirtschaft, zur Flohbehandlung bei Haustieren sowie bei Haus- und Gewerbe-Rasenpflegeprodukten eingesetzt.
 
„Die heutigen Erkenntnisse bestätigen die Notwendigkeit, den massiven Einsatz von systemischen Pestiziden zu beenden, einschließlich der dringendsten vorbeugenden Verwendung bei der Saatgutbehandlung“, sagte Jean-Marc Bonmatin, Wissenschaftler am französischen Centre National de la Recherche Scientifique und stellvertretender Vorsitzender der TFSP. „Die Verwendung dieser Pestizide steht im Gegensatz zu umweltverträglichen landwirtschaftlichen Praktiken. Es bietet keinen wirklichen Nutzen für die Landwirte, verringert die Bodenqualität, schadet der Biodiversität und verunreinigt Wasser, Luft und Nahrung. Es gibt keinen Grund mehr, diesen Weg der Zerstörung fortzusetzen. “
 
Der Bericht besteht aus drei Veröffentlichungen, die neue Daten über die Wirkungsweise, den Stoffwechsel, die Toxizität und die Umweltkontamination von Neonikotinoiden und Fipronil untersuchen: die tödlichen und subletalen Wirkungen von Neonikotinoiden und Fipronil auf Organismen und deren Auswirkungen auf Ökosysteme, die Wirksamkeit von Neonikotinoiden und Fipronil in der Landwirtschaft sowie alternative Ansätze zur Schädlingsbekämpfung.
 
„Nur ein kleiner Bruchteil der Verwendung von Pestiziden dient dem Zweck, Schädlinge zu bekämpfen. Am häufigsten wird die Umwelt durch vorbeugende Pestizidverwendung verunreinigt – mit umfangreichen Schäden an Nicht-Ziel-Organismen“, sagte Faisal Moola, Honorar-Professor für Ökologie an der Universität von Toronto.
 
Im Jahr 2013 hatte die Europäische Union ein Moratorium für bestimmte Verwendungen der Neonikotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam bei Bienen-attraktiven Kulturpflanzen verhängt und erwägt nun die zur Fortsetzung und Erweiterung dieses Moratoriums zu empfehlen. Frankreichs neues Biodiversitätsgesetz beinhaltet eine Bestimmung, die alle Neonikotinoide ab September 2018 verbietet.
 
„Insgesamt erweist sich das globale Experiment mit Neonikotinoiden als ein klares Beispiel für das Versagen in der Schädlingsbekämpfung“, sagte Bonmatin. „Regierungen auf der ganzen Welt müssen dem Vorbild von Ländern wie Frankreich folgen, Neonikotinoide verbieten und zu nachhaltigen, integrierten Methoden der Schädlingsbekämpfung übergehen – ohne jede Verzögerung.“
 
Das TFSP-Update 2017 wird in einer kommenden Ausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift Environmental Science and Pollution Research veröffentlicht.

Die Task Force on Systemic Pesticides ( tfsp.info) ist eine internationale Gruppe unabhängiger Wissenschaftler, die von der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) einberufen wird; sie ist die Antwort der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf die Bedenken in Bezug auf die globalen Auswirkungen von Neonikotinoid-Insektiziden auf die Biodiversität und Ökosysteme.
 
Im Jahr 2015 erstellte die TFSP die weltweit erste umfassende wissenschaftliche Bewertung der ökologischen Auswirkungen von Neonikotinoiden: Die weltweit integrierte Bewertung der Effekte von systemischen Pestiziden auf Biodiversität und Ökosysteme (Worldwide Integrated Assessment of the Effects of Systemic Pesticides on Biodiversity and Ecosystems, WIA). Diese bahnbrechende Review-Arbeit betrachtete mehr als 1.100 Peer-reviewte wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie Daten von Herstellern. Es wurden deutliche Beweise für die Schädigung von Honigbienen sowie eine Vielzahl anderer nützlicher Arten, einschließlich der Wasserinsekten an der Basis der Nahrungskette, an Bodenarthropoden wie Regenwürmern und verbreiteten Vogelarten (bedingt durch Kaskadeneffekte) identifiziert.
 
Neonikotinoid-Pestizide („Neonikotinoide“) sind Insektizide auf Nikotin-Basis, die auf das zentrale Nervensystem der Insektenschädlinge zielen. Sie wirken systemisch, das heißt, sie werden von der Pflanze aufgenommen und in alle Pflanzengewebe verteilt und integriert – Wurzeln, Stängel, Blätter, Blüten sowie Pollen und Nektar. Neonikotinoide sind auch bei sehr niedrigen Dosen toxisch. Sie sind wasserlöslich und sehr persistent (d.h. nicht leicht abbaubar) im Boden, was zu einer anhaltenden und chronischen Exposition in terrestrischen und aquatischen Umgebungen (Boden und Wasser) führt. Die umfangreiche und routinemäßige Anwendung von Neonikotinoiden in der Landwirtschaft führt zu großflächiger Umweltbelastung und dadurch zu erheblichen Auswirkungen auf die Biodiversität (Vielfalt der Lebewesen und Pflanzen); dies stellt eine massive Bedrohung für alle Ökosysteme dar.

Für weitere Informationen oder zur Vereinbarung eines Interviews wenden Sie sich bitte an:

Prof. Dr. med. Klaus-Werner Wenzel    
Tel.: +49 – (0) 30 – 802 40 21
Kwwenzel@gmx.de

oder

Dr. Anton Safer
Tel.:+49 – (0) 1752957435
antonsafer@gmail.com

 

Neonikotinoide – Pestizide bedrohen Wildbienen und Schmetterlinge

SPIEGEL Online, 17.08.2017

Die Zahl der Wildbienen und Schmetterlinge geht stark zurück. Nun verdichten sich die Hinweise, dass bestimmte Pflanzenschutzmittel, sogenannte Neonikotinoide, die wichtigen Bestäuber gefährden.


Foto: DPA, Biene auf dem Lohrberg in Frankfurt am Main

Eine Studie des britischen Zentrums für Ökologie und Hydrologie (NERC) legt einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Neonikotinoiden und dem Rückgang von Wildbienen-Populationen nahe.

Forscher um den Insektenkundler Ben Woodcock haben untersucht, wie sich der großflächige Einsatz von Neonikotinoiden auf 62 Wildbienenarten in Großbritannien von 1994 bis 2011 ausgewirkt hat. 2002 waren die Pestizide dort erstmalig zugelassen worden.

Neonikotinoide wirken als Fraß- oder Kontaktgift auf die Nervenzellen von Insekten und sollen Pflanzen sowohl vor saugenden als auch beißenden Schädlingen schützen. Bei ihrer Einführung galten sie noch als besonders schonende Pestizide, die gut von Pflanzen über deren Wurzeln in die Blätter aufgenommen werden.

Das Ergebnis der im Fachblatt „Nature Communications“ veröffentlichten Analyse: Bei Wildbienenarten, die sich vorrangig von mit Neonikotinoiden behandeltem Raps ernährten, schrumpften die Populationen dreimal stärker als bei jenen Arten, die andere, nicht behandelte Pflanzen bevorzugten. Bei fünf der untersuchten Wildbienenarten könne man sogar davon ausgehen, dass der Einsatz der Mittel 20 Prozent der lokalen Populationen vernichtet habe.

Wer hat die Studie finanziert?

Drei der beteiligten Forscher erhalten derzeit Gelder von den Pestizidherstellern Syngenta und Bayer CropScience, um auf einem Testfeld den Einfluss von Neonikotinoiden auf Bienen zu untersuchen. Die aktuelle Studie wurde jedoch nicht von den Firmen, sondern vom britischen Natural Environment Research Council unterstützt.

Das Datenmaterial stellte „The Bees, Wasps and Ants Recording Society“ zur Verfügung, ein Verband von Naturfreunden, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts akribisch Informationen über Bienen, Wespen und Ameisen auf den britischen Inseln sammeln.

„Als blühendes Getreide ist Raps sehr nützlich für bestäubende Insekten“, erklärt Woodcock in einer Mitteilung. „Dieser Nutzen scheint aber durch die Effekte der Neonikotinoid-Behandlung für eine ganze Reihe von Wildbienenarten mehr als aufgehoben.“ Wildbienen leben – im Gegensatz zu den Honigbienen – meist als Einzelgänger.


Kohlweißling auf einer Rapsblüte

Orientierung und Geruchssinn beeinträchtigt

Nach Ansicht des Neurobiologen Randolf Menzel, der zu den führenden Bienenforschern Deutschlands zählt, zeigt die Studie, wie groß der Einfluss der Neonikotinoide wirklich ist – und das über einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum.

„Bei experimentellen Studien wird oft bezweifelt, wie aussagekräftig diese für das gesamte Ökosystem sind“, so Menzel. Jene Zweifel würden nun widerlegt. Er sieht sich in seiner Grundannahme über die Wirkweise der Nervengifte bestätigt. Der Neurobiologe hatte in seiner Forschung an der Freien Universität Berlin bereits belegt, dass Bienen schon nach kleinsten Dosen der Insektizide ihre Orientierung und ihr Gedächtnis verlieren.
Allerdings hätte er sich eine genauere Aufschlüsselung der verwendeten Neonikotinoide gewünscht: So seien etwa Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in Großbritannien seit vergangenem Jahr wieder zugelassen. „Bei ebenjenen drei ist sehr wahrscheinlich, dass sie großen Schaden anrichten“, erklärt Menzel.

Andere Experten betonen, dass es auch andere Gründe für den Rückgang von Bienen-Populationen gibt, darunter die Varroamilbe.

Gefahr für den Nachwuchs

Mainzer und Frankfurter Wissenschaftler hatten kürzlich entdeckt, dass Neonikotinoide selbst in geringen Konzentrationen den im Futtersaft von Ammenbienen enthaltenen Botenstoff Acetylcholin vermindern. Das Signalmolekül ist für die Larvenaufzucht von Honigbienen wichtig.
„Unsere Forschungsergebnisse bestätigen das von Neonikotinoiden ausgehende Risiko für die Brutentwicklung von Honigbienen“, sagte Professor Ignatz Wessler vom Institut für Pathologie an der Universitätsmedizin Mainz. Die Ergebnisse ihrer Forschung veröffentlichten die Wissenschaftler aus Mainz und der Frankfurter Universität in der Fachzeitschrift „Plos One“.

Immer weniger Schmetterlinge in Kalifornien

Nicht nur Bienen scheinen unter den Mitteln zu leiden: Eine Studie aus den USA legt nahe, dass der Bestand von Schmetterlingen mindestens ebenso durch die Pestizide bedroht ist wie durch die fortschreitende Vernichtung ihres Lebensraums.

Die Forscher um den Biologen Matthew Forister von der Universität von Nevada untersuchten das Vorkommen von 67 Schmetterlingsarten in Nordkalifornien anhand von Daten aus den vergangenen 40 Jahren. Die Studie wurde im Fachmagazin „Biology Letters“ veröffentlicht.

Das Ergebnis: Die Zahl der Schmetterlingsarten geht dramatisch zurück – und das vor allem seit 1995, als Neonikotinoide in der Region erstmals eingesetzt wurden.

Strengere Regeln in der EU

Bereits im April 2015 hatten Forscher der Europäischen Union berichtet, dass es starke Beweise für negative Auswirkungen von Neonikotinoiden auf andere Organismen wie Motten und Schmetterlinge gebe. Auch auf insektenfressende Vögel hätten die Pestizide Auswirkungen, hieß es damals.

Die Brüsseler Behörde hatte 2013 als Reaktion auf das massenhafte Bienensterben den Gebrauch der umstrittenen Insektizide in der EU stark eingeschränkt. Ihr Einsatz bei der Behandlung von Saatgut, im Boden und beim Besprühen von Pflanzen wurde weitgehend verboten.

Andreas Reeg / DER SPIEGEL