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    gedaechtnis01Die Honigbiene produziert bei weitem nicht nur Honig. Vielmehr leistet sie durch die Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen einen großen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Sie sichert die Ernten der meisten Kulturpflanzen. Sie liefert Propolis und Wachs. Die Medizin nimmt Ihre Pollensammlung und benutzt das Bienengift und und und.

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Imkerbrief

Umfangreiche und aktuelle Informationen finden Sie im Bienen-Infobrief des Fachzentrums Bienen und Imkerei Rheinland Pfalz. Zahlreiche Fachleute der Bieneninstitute informieren zur aktuellen Imkerpraxis.

Bestellt kann der Infobrief Bienen@Imkerei hier.

Blüten mit Bienen und anderen Insekten 2017

Betreff: Glyphosat und Krebs ++ Bienengifte: Klage gegen Bundesamt ++ Verstrahlter Fisch?

Glyphosat und Krebs: Systematischer Regelbruch durch die Behörden

… die Skandale um die gesundheitliche Bewertung von Glyphosat sind uferlos: Immer wieder kommen Informationen über geheim gehaltene Studien von Monsanto und Co., das gezielte Weglassen von relevanten Daten und die Beeinflussung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ans Licht.

Heute erscheint in Wien eine neue Analyse, in der der Toxikologe Dr. Peter Clausing nachweist, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) und die Europäische Chemikalienbehörde (ECHA) systematisch Hinweise auf eine krebserzeugende Wirkung von Glyphosat aussortieren. Bei der Auswertung von sieben Studien verstießen die Behörden zudem eindeutig gegen ihre eigenen Richtlinien. …

Hier weiterlesen.

Reiner

Die Veränderung des Horizonts

2017.07.08_Leserbrief_in_der_Walsroder_Zeitung

2017.07.11_Leserbrief_WZ_Backhaus

Bereits im 5. Jahrhundert vor Christi Geburt hat man zunächst vermutet, dann berechnet, dass die Erde doch wohl keine Scheibe ist sondern eine Kugel. Das bedeutete: Der Horizont wurde erweitert. Man hat es über einen langen Zeitraum ausprobiert. Selbst die Christen, zum Teil schlaue Wissenschaftler und Gelehrte, wollten es dennoch lange nicht glauben. Dann hat man sich aber doch einen Ruck gegeben und eingestanden, dass es viel mehr zu entdecken gibt, viel mehr zu erfahren gibt als das, was man vom Kirchturm aus sehen konnte.

Nun möchte ich einen großen Zeitabschnitt, der sich mit der Entwicklung des Lesens, Verstehens und Wissens beschäftigte, überspringen. Die Elektronik, die Mobiltelefone, das Internet gibt uns ziemlich schlagartig die Möglichkeit, wenn man es nicht schon geschafft hat, den Horizont zu erweitern. Doch es wird immer noch vielfach versäumt, weil diese Technik auch viel Unfug zur Verfügung stellt.

Wir Imker aber nun wollen neugierig bleiben, weil wir sonst erfolglos sind mit der Pflege um den Fortbestand der Honigbiene und ihrer wilden artverwandten. Darum informieren wir uns verstärkt über die Gefahren, die es für die Insekten zu beseitigen gilt.

Doch wir wollen nicht nur Informationen aufnehmen, sondern sie auch weitergeben. Wir wollen all die darauf aufmerksam machen, die unsere Bienen vertreiben, vergiften oder orientierungslos machen, was nicht besser ist. Wir wollen versuchen, den Horizont zu verändern. Und wir wollen versuchen, den Schriftverkehr zwischen einem Landwirt Backhaus und einem besorgten Bürger Berwardt im Bereich der beschaulichen Örtchen Walsrode und Gilten im niedersächsischen Heideland zum Anlass zu nehmen, hier einige Hinweise zu geben.

Hat man den Leserbrief des Landwirts Backhaus mehrfach gelesen, ist man geneigt, ihn eigentlich nur zur Kenntnis zu nehmen. Herr Backhaus hat danach überhaupt nicht verstanden, was seine Vorfahren angerichtet haben. Er hat aber auch nicht seinen Horizont erweitert, wenn er nur Probleme und Kostenentwicklungen sieht bei der Wiederentdeckung ökologischer Vorteile. Doch was macht denn nun ein neugieriger Mensch wie ich? Der schaut sich das Satellitenbild von Google an. Das Copyright empfiehlt hier die Eigensuche. Doch man muss lange suchen, bis man die 3,2 km Hecke des Landwirts Backhaus in Gilten auszumachen glaubt. Man entdeckt eher Fläche neben Fläche, farbig leicht unterschiedlich aber ohne Baum und Strauch. So ist das heute in der intensiven Landwirtschaft üblich.

Es führt nun zu weit, hier ausführlich zu erklären, wozu Hecken, Strauchwerk und schließlich Bäume erforderlich und gut sind. Herr Backhaus muss einfach besser informiert werden, wenn er es nicht von sich aus macht. Und Hecken pflegen kann ganz einfach sein. Man muss nicht Weißdorn oder Schwarzdorn pflanzen, wenn man weiß, dass sie schwer zu bändigen sind.

Und auf den kleinen Artikel in der Walsroder Zeitung vom 08.07.2017 gibt es daher einen lesenswerten Brief von einem besorgten Herrn Berwardt aus Walsrode. Es wäre gut, wenn Herr Backhaus sich diese wirklich fundierten Ausführungen langsam und gut durchliest. Da verändert sich der Horizont, wenn man denn will.
Doch nun sollen sich unsere Leser ihre eigene Meinung bilden und möglicherweise immer wieder auf die einwirken, die es versäumt haben, die Veränderung des Horizonts wahrzunehmen.

Reinhardt Löwe
13.07.2017

Unter die Flügel greifen

Süddeutsche Zeitung Magazin
Nr. 21, 26.Mai 2017, AUS HEFT 21/2017 NATUR

VON SUSANNA BINGEMER  ILLUSTRATION: ELISABETH BUKANOVA
Forscher warnen seit Jahren vor dem Bienensterben. Aber jeder kann etwas tun, um den Insekten zu helfen. Ein Ratgeber.

Die Bienen sind wieder los. Wie jedes Jahr um diese Zeit begeben sie sich auf Pollensuche. Doch das große Summen könnte bald leiser werden. 

Glaubt man den Mahnungen der Forscher, die mittlerweile jede Bienensaison drängender werden, steht es nicht gut um unsere Bienen. Was wiederum schlecht für uns ist, denn so lästig sie sein können, wenn man sie reizt: Als Blütenbestäuber gehören Bienen zu unseren wichtigsten Nutztieren. Mehr als neunzig Prozent aller Blütenpflanzen sind auf den Pollentransfer durch Insekten wie Bienen angewiesen, um Früchte zu tragen. Die Rede ist nicht nur von Honigbienen – die bestäuben in Deutschland höchstens die Hälfte der Nutzpflanzen. Ebenso wichtig sind Hummeln und Wildbienen. 

Den vergangenen Winter haben in Deutschland laut ersten Um- fragen unter Imkern bis zu zwanzig Prozent der Honigbienenvölker nicht überlebt. Als normal gelten jährliche Verluste von zehn Prozent. Der Klimawandel, der milde Winter und zu frühe Blütephasen, aber auch Parasiten setzen den Tieren zu, zudem finden sie in den Monokulturen der Landwirtschaft nicht mehr genug Futter. 

Initiativen wie der World Save Bee Fund oder »Deutschland summt!« engagieren sich für den Schutz der Bienen. In den USA hatte Barack Obama eine Bienen-Taskforce eingesetzt, um das Problem in den Griff zu bekommen – ob auch Donald Trump den Bienen gewogen ist, ist noch unklar. Jedenfalls: Allmählich regt sich etwas. Es ist auch kein Zufall, dass in den vergangenen Jahren das Hobbyimkern zur Mode geworden ist. Allerdings ist es ein Hobby, das viel Zeit und Mühe erfordert. Zum Beispiel bräuchten Bienen in unseren Regionen im Winter meistens zusätzliches Futter, selbst wenn man ihnen vollständig ihren Honig lasse, sagt Eckard Radke, Präsident des Landesverbandes Bayerischer Imker. Außerdem müsse jeder Imker die Varroa-Milbe, den gefährlichsten Feind der Bienen, konsequent bekämpfen. Andernfalls drohten hohe Verluste. Und unter der nachlässigen Arbeit eines einzigen Imkers litten auch die Bienenvölker benachbarter Kollegen. 

Um Bienen zu unterstützen, muss man allerdings nicht unbedingt zum Imker werden. Die größte Hilfe ist simpel: Blumen säen. Im Garten, auf Brachen, auf dem Balkon. Denn hungrige Bienen sind schwache Bienen und damit anfälliger für Krankheiten. Heute können Bienen in den Städten sogar mehr Nahrung finden als auf Äckern – aber es reicht längst nicht. Damit sie das ganze Jahr über genug Nahrung haben, brauchen die Tiere viele verschiedene Pflanzen, die zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr blühen, nicht nur im Frühling. Als Faustregel für die Bepflanzung rät der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, kurz BUND: Je vielfältiger, desto besser. Am meisten fliegen Bienen auf nektar- und pollenreiche Blüten wie die von Wiesenklee oder Obstbäumen. Und sie bevorzugen heimische Gewächse – vor allem Wildbienen können mit exotischen Blüten nichts anfangen. 

Außerdem meint der BUND, man solle beim Kauf von Blumen, Stauden und Sträuchern darauf achten, dass sie nicht mit Insektiziden behandelt wurden. Seit Jahren streiten sich Chemiekonzerne und Umweltschützer darüber, wie schädlich denn nun die sogenannten Neonicotinoide für Bienen sind. Zurzeit sind viele dieser Mittel für den privaten Gebrauch verboten, jetzt wird auf EU-Ebene auch ein Verbot für die Landwirtschaft erwogen. Für Tomas Brückmann, beim BUND für Pestizide und Biodiversität zuständig, ist generell klar: »Pestizide haben einen erheblichen Anteil am Sterben der Bienenvölker.« Auch auf dem Balkon oder im Garten hätten Pestizide deshalb nichts verloren. 

Bienen freuen sich zudem über etwas Wildnis in Blumenkästen und Beeten. Die Ordnungsliebe vieler Hobbygärtner mit gestutztem Rasen, pflegeleichten (aber nahezu blütenfreien) Nadelbäumen und unkrautfreien Beeten verwehrt den Insekten ihre Nahrungsquellen. Also einfach mal wachsen lassen. Und Bienenhotels aufstellen – das sind Nisthilfen, die aus Holzblöcken mit Bohrlöchern bestehen, in die Wildbienen und andere Insekten geschützt ihre Nester bauen können. Damit sie nicht zu feucht werden, sollten diese Bienenhotels an Plätzen stehen, auf die einige Stunden am Tag die Sonne scheint. Und woran viele nicht denken: Auch Bienen haben Durst. Im Sommer stellt man in die Nähe blühender Pflanzen am besten ein flaches Schälchen mit Wasser und legt Kiesel hinein, die etwas herausragen – wie bei einer Vogeltränke, nur in Insekten klein. 

Auf Balkon und Fensterbrett

Legen Sie sich Kräuter zu. Bienen lieben Rosmarin, Bohnenkraut, Thymian, Minze, Basilikum, Salbei, Schnittlauch oder Zitronenmelisse. Sie können Sie diese Kräuter auch sehr gut zum Kochen verwenden, aber lassen Sie für die Bienen immer genug blühen und schneiden Sie die Blüten nicht ab. Ebenfalls gut geeignet für Blumenkästen: Buschzinnie, Studentenblume, Vanilleblume, Männertreu, Steinkraut, Lavendel, Wicken und Winden. Halbschatten vertragen zum Beispiel Katzenminze, Knäuelglockenblume, Berglauch oder Kuhschelle. Auch Kletterpflanzen wie die Waldrebe, Kapuzinerkresse oder Efeu sind prima für Balkone und Bienen. 

Im Vorstadtgarten 

Krokus, Winterling, Blaustern und Märzenbecher sind im Frühjahr die ersten Nahrungsquellen für Insekten. Im Sommer sind zum Beispiel Sonnenblume, Königskerze, Mohn, Kornblume und Margerite eine gute Wahl. Ins bienenfreundliche Staudenbeet passen Fetthenne, Kugeldistel, Löwenmäulchen, Phlox, Flockenblumen, Malven und Vergissmeinnicht. Auch Rosen eignen sich gut – aber es müssen ungefüllte Sorten sein: In gefüllten Blumensorten von Rosen, Pfingstrosen oder Astern finden die Bienen vor lauter Blätterwänden keinen Weg in die Blüte. Eine Enttäuschung für Bienen sind auch Geranien. Sie versprechen durch Farbe und Duft köstlichen Nektar, haben aber gar keinen zu bieten. Pflanzen Sie lieber noch ein paar Brombeer- oder Johannisbeersträucher. Davon können Sie später auch Beeren ernten. Die Blüten vieler Gemüsepflanzen wie Zucchini oder Kürbis bieten ebenfalls viel Nektar und Pollen. 

Im großen Garten

Säen Sie eine Bienenweide! Das ist eine bunte Blumenwiese aus einer Mischung regionaler Kultur- und Wildarten. Saatgut gibt es im Fachhandel. Bekannt ist die »Tübinger Mischung« mit vor allem einjährigen Kulturarten wie Phacelia, Buchweizen, Ackersenf, Ringelblume und Koriander. Sie eignet sich für fast alle Standorte und Lagen außer für trockene Sandböden. Noch mehr Vielfalt bieten die mehrjährigen Blühmischungen »Blühende Landschaft mehrjährig« oder »Veitshöchheimer Bienenweide«. Diese Weiden sollten Sie vom Rasenmäher weitgehend verschonen. Oder Sie lassen beim Mähen einige Blumeninseln stehen. Der Imker Eckard Radke hält Obstbäume wie Apfel, Birne, Quitte oder Sauerkirsche für die noch bessere Wahl: »Sie sind sehr bienenfreundlich, aber viel nachhaltiger als einjährige Blumenmischungen.« Einmal gepflanzt, haben Mensch und Tier jahrzehntelang etwas von ihnen. Genauso ist es mit Kastanie, Linde, Haselnuss oder Ahorn. 

Bienen: Warum sterben sie?

ZEITmagazin – Zeit Online

Milben, Gifte, Überzüchtung: Es ist umstritten, warum Bienen weltweit eingehen. Zwei nicht perfekte Studien zeigen wie schädlich Neonicotinoid-Pestizide sind.

Von Anja Garms
29. Juni 2017, 20:02 UhrQuelle: ZEIT ONLINE, dpa, dal

Voll bepackt mit Blütenstaub fliegt eine Biene eine Sonnenblume an. Weltweit sind Bienenvölker bedroht. © Patrick Pleul/dpa

INHALT
1. Warum sterben sie?
2. Methodische Schwächen im Feldversuch

Vergiften Pflanzenschutzmittel unsere Honigbienen? Steckt die zerstörerische Varroamilbe dahinter? Oder hat der Mensch durch Züchtung und Massenbienenhaltung aus wilden Urvölkern zu anfällige Zuchtrassen gemacht? Wahrscheinlich stimmt alles ein bisschen. Nur, wie es genau in verschiedenen Teilen der Erde zusammenwirkt: Das wissen Forscher bis heute nicht genau. 

WAS HONIGBIENEN MACHEN

WIE HONIG ENTSTEHT

Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) produziert nicht nur Honig und Wachs, sondern trägt mit der Bestäubung von Blüten entscheidend zur Nahrungsversorgung bei.

Vier Fünftel der bei uns heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind nach Angaben von Bienenforschern auf die Arbeit der Bienen angewiesen, Obstbäume ebenso wie Erdbeeren und Sonnenblumen. Der Ertrag von Raps geht zu 35 Prozent auf das Konto der Bienen.

Von den rund 25.000 Bienenarten sind nur neun Spezies Honigbienen, davon stammen acht aus Asien und eine aus Afrika. Echte Wildbienen gibt es in Europa nicht mehr.
Was die Giftigkeit von Pestiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide angeht, ist die Sache für Bienenforscher Randolf Menzel ziemlich klar: Sie schaden Bienen und Hummeln, sagt der Neurobiologe von der FU Berlin, der fast sein ganzes Wissenschaftlerleben der Bienenforschung gewidmet hat. Menzel selbst zeigte unter anderem, dass die Substanzen das Gedächtnis der Insekten beeinträchtigen (ZEIT ONLINE berichtete). Auch viele Umweltschützer und Imker fürchten, dass diese Insektizide das Überleben der Bienenvölker gefährden. Zwei im Magazin Scienceveröffentlichte Studien scheinen ihnen nun recht zu geben. Auch wenn beide Studien methodische Mängel haben.

Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide werden häufig verwendet, um Saatgut zu beizen – ein altes chemisches Verfahren, um etwa Rapskörner, Mais oder andere Nutzpflanzensamen vor Pilzbefall oder Schädlingen, wie Insekten oder Vögeln, zu schützen. Das Problem: Die darin enthaltenen Wirkstoffe – die bekanntesten sind Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam – verteilen sich beim Wachsen der Pflanze in Stängel, Trieben und Blättern. Sogar in den Pollen sind sie noch nachweisbar. Bienen, die Nektar und Pollen von diesen Pflanzen sammeln, nehmen das Gift auf. Zuletzt zeigte eine Studie, dass Bienen genau diese neonicotinoidhaltigen Pollen fatalerweise sogar besonders attraktiv finden (Nature: Kessler, Tiedeken et al., 2015).

Hummeln und Bienen schadete das Gift
Schweizer Forscher fanden außerdem heraus (Proceedings B: Straub et al., 2016), dass bestimmte Pestizide dieser Art die Fruchtbarkeit männlicher Honigbienen verringern und deren Lebensspanne senken. 2013 beschloss die Europäische Kommission daher ein Moratorium, das die Anwendung der drei als besonders gefährlich erachteten Wirkstoffe in der EU stark einschränkt. Kritiker des Moratoriums bemängeln allerdings, die zugrunde liegenden Studien seien nicht unter realistischen Bedingungen erfolgt, Belastungen der Insekten in den Experimenten seien viel höher gewesen als im Freiland zu erwarten. Sie verweisen auf Arbeiten, die keine oder nur geringfügige negative Effekte zeigten.

Ein Team um Ben Woodcock vom britischen Natural Environment Research Council hat nun Freilandversuche in Deutschland, Ungarn und Großbritannien gestartet (Science: Woodcock et al., 2017). Finanziert wurden sie von Bayer CropScience und Syngenta, den Herstellern der getesteten Neonicotinoide Clothianidin und Thiamethoxam. Die Forscher setzten in den drei Ländern Honigbienen, Erdhummeln und Rote Mauerbienen neben Rapsfeldern aus. An allen Standorten wuchsen auf einem Teil der Felder Pflanzen, deren Samen mit Neonicotinoiden behandelt worden waren. Ein Ergebnis: In Großbritannien und Ungarn sank die Überwinterungsfähigkeit der Honigbienen neben den so behandelten Feldern. In Deutschland fanden die Forscher diesen Effekt nicht. Warum, können sie nicht genau erklären. In allen drei Ländern schmälerten Neonicotinoid-Rückstände in den Nestern zudem den Fortpflanzungserfolg der Hummel- und der Wildbienen-Art.
Methodische Schwächen im Feldversuch

Unabhängige Kollegen, die vom Science Media Center (siehe Kasten) zur neusten Forschung befragt wurden, bewerten die Studie in Teilen als problematisch. Es gebe methodische Schwächen, die gemessenen Parameter seien sehr grob. So variiere die Menge an Neonicotinoiden, die ausgebracht wurde, kritisiert etwa der Ökotoxikologe Carsten Brühl von der Universität Koblenz-Landau. Dennoch zeige die Studie klare Effekte auf Honig- und Wildbienen. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig ergänzt: „Die Studie scheint mir bezüglich des Versuchsaufbaus nicht angemessen gut vorbereitet worden zu sein.“ Eine Ansicht, die auch der Berliner Forscher Menzel teilt. 

Science Media Center (SMC)
DAS DEUTSCHE SCIENCE MEDIA CENTER
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In der zweiten Studie maßen kanadische Forscher um Nadia Tsvetkov (Science: Tsvetkov et al., 2017) von der York University in Toronto die Pestizidbelastung in Kolonien von Honigbienen, die neben Feldern oder fernab davon lebten. In diesen fanden sie häufiger Rückstände der Neonicotinoide und anderer Chemikalien, sowohl im Körper der Insekten als auch in Pollen und im Honig. Dies deute darauf hin, dass sich die wasserlöslichen Substanzen von den Feldern in die Umgebung ausbreiten. Die Experimente offenbarten auch, dass das Hygieneverhalten der Bienen beeinträchtigt wurde und dass Fungizide – also chemische Mittel gegen Pilzbefall – die Giftwirkung der Neonicotinoide verstärken. 

Ohne Bienen wären wir aufgeschmissen
„Beide Studien liefern keinerlei Anhaltspunkte für eine Entwarnung, ganz im Gegenteil“, sagt Menzel. Die Studien zeigten erneut die negativen Auswirkungen auf blütenbesuchende Insekten, was in politische Entscheidungen zum vollständigen Neonicotinoidverbot in der EU einbezogen werden sollte, sagt auch Brühl. Ob die Daten zu einem dauerhaften Verbot der Substanzen führen, ist indes offen.

Das in Wellen auftretende Sterben ganzer Bienenvölker seit der Jahrtausendwende – vor allem in den USA und Europa – ist ein massives Problem für die Landwirtschaft. 35 Prozent der weltweiten Anbaupflanzen werden von Bienen, Fledermäusen und Vögeln bestäubt. Die summenden Insekten sind dabei die wichtigsten Bestäuber. Japanische Forscher entwickeln sogar schon Minidrohnen (ZEIT ONLINE berichtete), die diese Aufgabe übernehmen sollen, falls das Bienensterben weiter voranschreitet. In einigen Teilen der Erde müssen Menschen diesen Job schon übernehmen: Dort werden Nutzpflanzen von Hand bestäubt.

Umweltausschuss pro Bienenschutz

DNR
DEUTSCHER NATURSCHUTZRING
Dachverband der Deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen

Naturschutz & Biodiversität

Heute hat der Umweltausschuss des EU-Parlaments eine Resolution abgelehnt, die gegen ein Teilverbot von bestimmten Insektengiften Einspruch erhoben hat.

Mit großer Mehrheit votierten die Abgeordneten gegen die entsprechende Resolution, die sich gegen ein Verbot dreier Neonikotinoide richtet. „1:0 für die Bienen“, kommentierte der agrar- und umweltpolitische Sprecher der Fraktion der Grünen/EFA, Martin Häusling, das Ergebni s. Neonikotinoide stören die Weiterleitung von Nervenreizen bei Insekten – sie sind hochwirksam, gefährden aber auch Bienen. Umweltverbände wie Mellifera, die Aurelia-Stiftung, der NABU und das Pestizid-Aktionsnetzwerk PAN setzen sich für ein Verbot ein.

Häusling geht das Verbot von nur drei der bienengefährlichen Mittel nicht weit genug. Es werde dem Anspruch eines Totalverbotes nicht im Ansatz gerecht. Häusling forderte: „Es muss darum gehen, die gesamte Wirkstoffgruppe hochgefährlicher systemischer Nervengifte, die für den massiven Verlust von Bienen und Biodiversität verantwortlich ist, aus der Anwendung zu verbannen. Und das sowohl im Freiland als auch im Gewächshaus.“ [jg]

22.06.2017
Quelle:

Umweltausschuss ENVI
Bündnis Bienenschutz
Martin Häusling

Biodiversität – Neustart

Liebe Bienenfreunde,

Frau Ministerin Hendricks ist eine der wenigen Politakteure, die sich trotz vieler Rückschläge vehement für den Naturschutz und damit auch für den Schutz der Bienen engagiert. Sie scheut sich auch nicht, die Auseinandersetzung mit dem BMEL zu führen wie in Sachen Glyphosat vor dem EU-Parlament. Doch was hat all das bis heute gebracht? Was wird es in Zukunft bringen? Werden wir immer neue Kongresse besuchen, an immer neuen Diskussionsrunden teilnehmen und immer wiederkehrende Fragen hoffnungsfroh beantwortet bekommen?

Die Freie Universität Berlin richtet ein neues Institut mit dem Schwerpunkt Biodiversität ein. Es sollen nunmehr auch Sachverständige ausgebildet werden. Und das u.a. Presse-Info endet mit dem Schlusssatz:

Akzeptanzbildende Maßnahmen der Informationen und Kommunikation tragen dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu stärken.

Das wird genau nicht funktionieren. Wird einem Landwirt nicht gesetzlich untersagt, Herbizide und Neonikoide einzusetzen oder sie wenigstens zu reduzieren, wird ihn das gesellschaftliche Bewusstsein nicht daran erinnern, dass er mit dem Einsatz dieser Pestizide zur Vernichtung der Biodiversität beigetragen hat. Er hat die Bestäuber vernichtet. Das macht er seit Jahrzehnten. Dass er damit zu Einkommenseinbußen der Obst- und Gemüsebauern beiträgt, wird er überhaupt nicht realisieren. Solange Pestizide in dieser überschwänglichen Form gesetzlich für die Landwirtschaft zugelassen sind, wird sich in diesem Bereich kein gesellschaftliches Bewusstsein für die biologische Vielfalt entwickeln. Ein Landwirt wird ohne Förderung überhaupt nicht darüber nachdenken, Buschwerk und Gehölze wieder anzupflanzen. Er hat sie doch schließlich mit Billigung der Gemeinden abgeschnitten, um immer größere Flächen immer einfacher maschinell bestellen zu können. Das wird kein Umweltaktivist so schnell auf freiwilliger Basis zurückdrehen können auch nicht Frau Ministerin Hendricks.

Und dennoch ist es gut, die Diskussion immer wieder anzuschieben.

Reinhardt Löwe
06.06.2017


BMUB-Pressedienst Nr. 183/17 – Naturschutz Berlin, 29. Mai 2017

Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN)

„BienABest“: Wildbienen im Fokus
Neues Projekt soll Arten und Bestäubungsleistung sichern

Mehr als die Hälfte der 561 Wildbienenarten stehen in Deutschland bereits auf der Roten Liste. Das Projekt „BienABest“ soll helfen, dem Bienensterben Einhalt zu gebieten und die Bestäubungsleistung nachhaltig zu sichern. Das sechsjährige Projekt, in fachlicher Begleitung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), wird aus Mitteln des Bundesprogramms Biologische Vielfalt des Bundesumweltministeriums gefördert.

Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks: „Unser Umgang mit der Natur hat massive Auswirkungen auf die Wildbienen: Es wird viel zu viel gemäht, gedüngt und gespritzt, ganze Lebensräume verschwinden. Mit dem Blütenangebot nimmt auch die Nahrungsgrundlage für die kleinen Natur-Dienstleister ab. Wir brauchen darum dringend Projekte wie dieses, die den Wildbienen neuen Lebensraum geben. Denn Natur und Menschen sind dringend auf die Bestäuber angewiesen.“ BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel: „Heute sind mehr als die Hälfte der 561 Wildbienenarten in ihrem Bestand bedroht und werden deshalb in der Roten Liste Deutschlands geführt, mit steigender Tendenz. Hier muss dringend etwas geschehen. Deshalb freue ich mich, dass das neue Projekt beispielsweise mit der Entwicklung von Saatgutmischungen und der Erprobung und Anlage von Nahrungshabitaten – speziell für Wildbienen – versucht, wichtigen Ursachen für den Rückgang der Bienen entgegenzuwirken.“ Wildbienen übernehmen eine Schlüsselrolle in der Bestäubung und erfüllen so eine wichtige Funktion im Ökosystem. Sie sichern die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Damit sind sie auch ein Garant für die Erzeugung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und stellen damit eine bedeutende Ökosystemleistung zur Verfügung.
Der Projektname „BienABest“ steht deshalb für „Standardisierte Erfassung von Wildbienen zur Evaluierung des Bestäuberpotenzials in der Agrarlandschaft“. Ein Kernstück von BienABest ist die Entwicklung eines Bestimmungsschlüssels. Dieser ermöglicht die Artbestimmung der Mehrzahl der Wildbienenarten direkt im Gelände. Das Besondere: Die Wildbienen können lebend bestimmt und anschließend wieder freigelassen werden. So sollen in Zukunft Aussagen über die Bestandsentwicklung getroffen werden können, ohne durch Entnahme in die Populationen einzugreifen.

Das Projekt wird auch Sachverständige ausbilden, die entlang der zu entwickelnden Methoden und Standards beraten und prüfen können. Die Ergebnisse dienen dann als wichtige Grundlage für den Schutz der Wildbienen. Die neuen Standards werden in vier VDI-Richtlinien festgeschrieben. Sie sind somit dauerhaft verfügbar und können deutschlandweit übertragen und auch für ein Monitoring genutzt werden.
Koordiniert wird das Projekt von dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI e.V.). Verbundpartner ist die Universität Ulm.

Hintergrund
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt
Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) wird seit 2011 durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt.
Gefördert werden Vorhaben, denen im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders beispielhafter Weise umsetzen. Die geförderten Maßnahmen tragen dazu bei, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umzukehren. Sie dienen dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung sowie der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über die rechtlich geforderten Standards hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen der Informationen und Kommunikation tragen dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu stärken.


Es gibt sie noch, die kleinen biodiversen Ecken – vor allem aber in den Städten.

Glyphosat-Prozess – Was die Monsanto-Mails verraten

Süddeutsche Zeitung
2. April 2017, 07:31 Uhr


Den Unkrautvernichter Roundup gibt es in vielen Garten-Centern zu kaufen, wie hier in Paris neben anderen Produkten.
(Foto: Charles Platiau/Reuters)

Der US-Prozess gegen den Glyphosat-Hersteller Monsanto wird international mit großem Interesse verfolgt: Im Verfahren werden brisante firmeninterne E-Mails publik.
Möglicherweise zeigen die Dokumente, wie der Konzern die wissenschaftliche Einschätzung des Unkrautvernichtungsmittels beeinflusste.

Monsanto erklärt, die E-Mails seien aus dem Zusammenhang gerissen, um ein falsches Bild zu zeichnen.
Von Silvia Liebrich

Darf der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat in Europa weiterhin eingesetzt werden? Darüber müssen die EU-Länder in den nächsten Monaten entscheiden. Viele Landwirte wollen das Mittel nutzen, kein anderes Pestizid wird weltweit so häufig eingesetzt. Behörden in Europa, den USA, Japan und Kanada halten den Wirkstoff für relativ sicher.

Doch nun wirft ein Zivilprozess in den Vereinigten Staaten neue Fragen über die Sicherheit von Glyphosat und das daraus hergestellte Produkt Roundup auf. Der amerikanische Konzern Monsanto, der das Mittel in den Siebzigerjahren auf den Markt brachte, muss sie beantworten. Es steht der Vorwurf im Raum, die Firma habe mögliche Risiken verschwiegen und heimlich Einfluss auf Behörden, Forscher und Studien genommen. Monsanto weist dies alles zurück. Die Süddeutsche Zeitung erklärt, welche Bedeutung das Verfahren hat, worum es geht und was in den Dokumenten steht, die ein US-Gericht Mitte März veröffentlicht hat:

Wer klagt?
In dem Prozess vor einem kalifornischen Gericht (United States District Court, Northern District of California) sind 15 Verfahren mit 60 Klägern aus mehreren US-Bundesstaaten zusammengefasst. Er hat also exemplarischen Charakter. Geklagt haben Betroffene, die am Non-Hodgkin-Lymphom – einer bösartigen Erkrankung des Lymphsystems – leiden oder Angehörige dadurch verloren haben. Sie machen Glyphosat und Roundup dafür verantwortlich. Sie stützen sich dabei auf das Urteil der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC). Diese schätzt den Stoff im Gegensatz zu Behörden als möglicherweise krebserregend ein.

In den Vereinigten Staaten sind darüber hinaus Hunderte ähnlicher Verfahren anhängig, viele der Kläger kommen aus der Landwirtschaft. Ein Urteil des kalifornischen Gerichts ist nicht so schnell zu erwarten. Ziel sei es, solche Verfahren innerhalb von drei Jahren zu lösen, sagt eine Gerichtssprecherin. Häufig werden solche Verfahren aber mit einem Vergleich vorzeitig beendet, auch das könnte Monsanto viel Geld kosten.

Der Prozess wird weltweit beachtet. „Wir haben in den vergangenen Wochen erlebt, wie sich dieses Thema von einem einfachen Prozess zu einem globalen öffentlichen Gesundheitsthema entwickelt hat“, meint Timothy Litzenburg von der Anwaltskanzlei The Miller Firm, die Kläger vertritt. Selbst Regierungsstellen anderer Länder zeigten Interesse. Das Besondere ist, dass erstmals brisante Firmendokumente in großem Umfang publik werden, gegen den Widerstand des Konzerns. Die Papiere machten für alle Seiten sichtbar, wie Monsanto hinter den Kulissen agiere und wissenschaftliche Literatur manipuliert habe, meint Litzenburg. Monsanto widerspricht: Die veröffentlichten Dokumente und Mails seien aus dem Zusammenhang gerissen, „um ein falsches Bild von Glyphosat zu zeichnen“, heißt es.


„Du kannst nicht sagen, dass Roundup keinen Krebs verursacht. Wir haben keine Krebsstudien mit Roundup gemacht.“ Mail vom 21. September 2009


„Wir könnten die Kosten niedrig halten, wenn wir das Schreiben übernehmen und sie würden nur bearbeiten und mit ihrem Namen zeichnen.“ Mail vom 19. Februar 2015


„Wenn ich es schaffe, das zu killen, sollte ich eine Medaille bekommen.“ Mail vom 28. April 2015

Was das für Bayer bedeutet
Brisant ist das Verfahren auch aus deutscher Sicht. Monsanto steht kurz vor der Übernahme durch die Bayer AG – mit einem Volumen von 66 Milliarden Euro eine der teuersten weltweit. Ein Prozess bedeutet also auch ein finanzielles Risiko für den deutschen Konzern. The Miller Firm ist nur eine der Kanzleien auf der Klägerseite. Sie ist auf Sammelklagen spezialisiert und hat nach eigenen Angaben Hunderte Millionen Dollar für Opfer schädlicher Diätnahrung, Medikamente oder Medizinprodukte erstritten.
Bei Bayer hält man sich bedeckt: „Aussagen zu den finanziellen Risiken aufgrund der Unwägbarkeiten des gerichtlichen Verfahrens wären derzeit rein spekulativ“, heißt es in einer Stellungnahme. Der Komplex sei aber bei den Übernahmegesprächen berücksichtigt worden. „Auf die Übernahme von Monsanto wird der Ausgang des Verfahrens keine Auswirkungen haben“, betont Bayer.

 

2. April 2017, 07:31 Uhr
Glyphosat-Prozess
Wie zuverlässig sind die Studien von Monsanto?

Wie schädlich ist Roundup?
Eine wichtige Rolle spielt die Frage, wie sicher Roundup ist. Das glyphosathaltige Markenprodukt wird von Monsanto hergestellt und verkauft, auch in Deutschland. Im Verfahren wird deutlich, dass Monsanto offenbar viele Studien über mögliche Krebsrisiken von Glyphosat erstellt hat, aber nicht zu Roundup, also dem Mittel, mit dem Anwender tatsächlich in Berührung kommen. Im Prozess gibt eine Monsanto-Mitarbeiterin zu Protokoll: „Wir haben keine Krebsstudien mit Roundup gemacht.“ (Mail vom 21. 9. 2009)

Nach außen erweckte das Unternehmen jedoch einen anderen Eindruck. Einem Kollegen in Australien empfahl die Monsanto-Managerin bei Medienanfragen zu antworten: „Basierend auf unseren Kurz- und Langzeittests kann festgestellt werden, dass Roundup keine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellt, wenn es entsprechend der Anweisung auf der Verpackung angewendet wird.“

Monsanto kritisiert, die Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen. Man müsse nur die einzelnen Bestandteile betrachten, um zu wissen, dass Roundup nicht krebserregend sei. Überprüfen lässt sich das von außen schwer, weil die exakte Mischung geheim ist.

Dass für die Zulassung von Pestiziden nur der reine Wirkstoff wissenschaftlich geprüft werden muss, wird immer wieder kritisiert. Denn das Endprodukt, das später auf Äckern, in Privatgärten oder Stadtparks zum Einsatz kommt, kann erheblich schädlicher sein. Glyphosat wirkt erst in Verbindung mit Hilfsmitteln richtig, denn die helfen etwa dabei, dass die Pflanze das Gift aufnehmen kann und abstirbt. Dazu gehört etwa Tallowamin, ein Netzmittel, das in Europa inzwischen verboten und durch andere Zusatzstoffe ersetzt wird.

Wie Monsanto ein Verbot von Glyphosat verhindert
Viele Studien, die das Pestizid zuletzt als unbedenklich einstuften, stammen von Forschern, die mitunter in enger Verbindung zu Monsanto stehen. Von Silvia Liebrich

Eine Behörde unter Verdacht
Klären muss das Gericht außerdem, wie unabhängig das Urteil der US-Umweltbehörde EPA ist. Im vergangenen Jahr hat sie eine Einschätzung vorgelegt, die das Urteil der WHO-Krebsforscher klar widerlegt: nicht krebserregend, nicht erbgutschädigend, heißt es da.

Doch die Dokumente zeigen, dass der für den Bericht zuständige EPA-Direktor im Vorfeld engen Kontakt zu Monsanto-Mitarbeitern hatte. Auch soll er Hilfe zugesagt haben, um eine geplante Studie des US-Gesundheitsministeriums zu verhindern. In einer E-Mail vom 28. April 2015 wird er mit den Worten zitiert: „Wenn ich es schaffe, das zu killen, sollte ich eine Medaille bekommen.“ Die Untersuchung fand nie statt. Kurz danach ging der Direktor in den Ruhestand. Ein Umstand, den man sich bei Monsanto laut einer E-Mail zunutzen machen wollte. Monsanto weist den Vorwurf der Einflussnahme zurück. Dabei war die Beurteilung von Glyphosat innerhalb der US-Behörde in der Vergangenheit durchaus umstritten. In einem Urteil aus den Achtzigerjahren hatte die EPA den Wirkstoff als möglicherweise krebserregend bezeichnet, das Urteil später aber revidiert.
Eine ehemalige EPA-Toxikologin erhebt in einem Brief an den ehemaligen Direktor der Pestizid-Abteilung schwere Vorwürfe. Er habe Schlussberichte zugunsten der Industrie verändert, außerdem habe er Mitglieder des Analyse-Teams eingeschüchtert. „Mach einmal das richtige, und treffe deine Entscheidungen nicht danach, wie sie deinen Bonus beeinflussen“, heißt es in dem Brief, der auf den März 2013 datiert ist. Des Weiteren listet die Schreiberin 14 Punkte auf, die aus ihrer Sicht verdeutlichen, dass Glyphosat Tumore verursachen kann. Die Behörde äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen. Die Toxikologin, die den emotionalen Brief verfasst haben soll, kann nicht mehr aussagen. Sie ist inzwischen an Krebs gestorben.

Ghostwriting von Studien
Andere veröffentlichte E-Mails legen den Verdacht nahe, dass Monsanto-Mitarbeiter als Ghostwriter an Studien mitgeschrieben haben, die später im Namen unabhängiger Forscher veröffentlicht wurden. „Wir könnten die Kosten niedrig halten, wenn wir das Schreiben übernehmen, und sie (gemeint sind die Wissenschaftler) würden nur bearbeiten und mit ihrem Namen zeichnen, sozusagen“, heißt es in einer Mail vom 19. Februar 2015. Der Monsanto-Mitarbeiter erinnerte zugleich daran, dass dies bei einer Studie aus dem Jahr 2000 schon einmal so gehandhabt worden sei. Monsanto weist den Vorwurf des Ghostwriting zurück. Monsanto-Mitarbeiter, die zu den Studien beigetragen hätten, seien im Anhang öffentlich einsehbar genannt worden.

EU-Behörde wartet ab
Es gibt strenge Vorgaben für die Zulassung von Pestiziden in der EU. Wissenschaftliche Studien, die von der Industrie selbst oder unabhängigen Forschern kommen, sind dafür entscheidend. Die Behörden in Europa halten Glyphosat derzeit für relativ unbedenklich, auch deutsche Behörden waren wesentlich an dieser Einschätzung beteiligt. Damit könnte der Unkrautvernichter, dessen Genehmigung Ende des Jahres ausläuft, erneut zugelassen werden.

Doch Zweifel bei den Kritikern dürften nach den Veröffentlichungen in Amerika nicht ausgeräumt sein. Laut Lebensmittelaufsicht Efsa sind die zwei Studien, die in Verbindung mit Ghostwriting gebracht werden, auch in deren letzte Risikobewertung eingeflossen. Das sei aber kein Grund für eine Neubewertung, so ein Efsa-Sprecher. Eine unerlaubte Einflussnahme auf den Bericht durch die Industrie sei nicht erkennbar. Die Bundesregierung hat sich nach Angaben des zuständigen Agrarministeriums bisher nicht mit dem Verfahren in den USA befasst.

Weitere interessante Infos unter: https://actions.sumofus.org/a/bienenkiller-verbieten?source=homepage und in der Zeitschrift GEO