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Imkerpraxis

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Zufällig Heilmittel gegen Bienenfeind Varroa-Milbe entdeckt

Lithiumchlorid verfüttert

Quelle: www.forschung-und-wissen.de//nachrichten/umwelt/zufaellig-heilmittel-gegen-bienenfeind-varroa-milbe-entdeckt-13372512
Von: Dennis L.
10. Februar 2018 » 10:50 Uhr

Stuttgart (Deutschland). Forschern der Universität Hohenheim könnte durch Zufall ein langerwarteter Durchbruch im Kampf gegen das Bienensterben gelungen sein. Die deutschen Forscher haben entdeckt, dass Lithiumchlorid möglicherweise ein Heilmittel sein kann, das ganze Bienenvölker vor der gefährlichen Varroa-Milbe schützen kann. Laut den Wissenschaftler kann Lithiumchlorid während der normalen Fütterung verabreicht werden. Die Kosten und der Arbeitsaufwand für den Einsatz neuen Medikaments sind damit sehr gering.

Die Studie wurde im renommierten Magazin Nature veröffentlicht. Bisher konnten die Forscher keine bedeutenden Nebenwirkungen beim Einsatz des Medikaments auf die Bienen, Imker und Verbraucher feststellen. Der untersuchte Honig wies keine Ablagerung des Lithiumchlorids auf. Es spricht also alles dafür, dass das in der Natur reichlich vorkommende Mittel bald im größeren Stil eingesetzt werden kann.
Erfolg stellt sich schnell ein

Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde erklärte, dass „Lithiumchlorid Bienen in Zuckerwasser aufgelöst verfüttern werden kann. Bei unseren Versuchen haben bereits geringe Mengen der Lösung ausgereicht, um innerhalb weniger Tage die auf den Bienen aufsitzenden Milben abzutöten – ohne Nebenwirkungen für die Bienen“.

Das Leichtmetall Lithiumchlorid kommt in großen Mengen in der Natur vor. Weltweit werden die Vorräte auf über 40 Millionen Tonnen beziffert. Es kommt als Lithiumchlorid-Salz in Salzlaugen, Salzseen und Heilquellen vor. Bisher wird das Salz vor allen als Trocknungsmittel und Enteiserlösung eingesetzt. In der Medizin wird es aber auch seit Mitte des 20. Jahrhunderts zur Behandlung depressiver Menschen eingesetzt.

Die Forscher arbeiten nun daran die optimale Dosierung festzustellen, bevor der Wirkstoff als Medikament auf den freien Markt kommen kann. Durch eine möglichst niedrige Dosierung soll erreicht werden, dass Nebenwirkungen auf Bienen und Konsumenten des Honigs so klein wie möglich ausfallen. Die Forscher verhandeln bereits mit Unternehmen, die die Entwicklung weiterführen wollen.
Zufällig Entdeckung nach zwei Jahren Forschung

Die Wissenschaftler verfolgten eigentlich einen wesentlich komplexeren Ansatz zur Bekämpfung der Varroa-Milbe, bei dem Gene der Milbe ausgeschaltet werden sollten. Dazu sollten den Bienen RNA-Bruchstücke (Ribonukleinsäure) verabreicht werden, die die Milben dann durch das Blut der Bienen aufnehmen. Die aufgenommene Ribonukleinsäure zerstört dann in der Milbe zum Leben notwendige Gene. Bei Kontrollexperimenten stellen die Forscher fest, dass die Milben auch bei der Verwendung unspezifischen RNA-Bruchstücken getötet wurden.

Später bemerkten die Forscher, dass nicht die RNA-Bruchstücken sondern das Lithiumchlorid für den Tod der Milben verantwortlich war. Während der Experimente haben die Wissenschaftler Lithiumchlorid eingesetzt, um die RNA-Bruchstücke zu isolieren bevor sie den Bienen verabreicht wurden.

Anton Safer schrieb am 02.Februar 2018:
auf Youtube findet man manchmal auch Vernünftiges,
so zum Beispiel diesen Bericht zur Eignung von Lithiumchlorid für die Varroabehandlung: Lithiumchlorid – ein neues Varroamittel?
Wegen der Bruttoxizität von LiCl wird vor dessen unbedachtem Einsatz gewarnt!!!!!

IGW 2018

Internationale Grüne Woche – Berlin

Zehn Tage vom 18. – 28.Januar waren wieder viele unserer Mitglieder im Einsatz. Zusammen mit Mitarbeitern der FU Berlin wurde Öffentlichkeitsarbeit betrieben, um die weitgehend unwissende Mehrheit der Besucher über die Probleme bei der Bienenhaltung zu informieren. Dabei ist die Halle 23a eine Besonderheit. Wir stehen hier auch für das BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft). Es war damit schon eine eigenwillige Mission. Wie sollte man erklären, dass ein Minister, der Schirmherr dieser Halle war, Glyphosat für die Landwirtschaft gutheißt. Es bleibt immer ein schlechtes Gefühl gepaart mit einer Vermutung, dass Politiker selten sachdienlich handeln; dafür aber von völlig unerklärlichen Beweggründen getragen werden.

So haben wir uns denn durchgewurstelt durch den reichhaltigen Themenkreis. Wir haben klar gemacht, dass das Bienensterben wenig in den Städten stattfindet. Das Problem der Varroa wurde dabei nicht kleingeredet. Wir haben die unterschiedlichen Bienendichten in Stadt und Land erklärt. So waren auch die Wirkungsweisen der unterschiedlichen Pestizide für manchen Besucher neu in dieser Ausprägung.

Eine wiederholt gute Positionierung war wieder Indiz für die Wichtigkeit unserer Themen und die Ernsthaftigkeit unseres Auftretens. Es war ein guter Stand mit einer immer wieder gern gesehenen repräsentativen Ausstattung. Wir sollten das beibehalten, wenn man uns lässt. Wohl nirgends auf der Messe wird sonst ein so breites Angebot an Antworten für einen riesigen Fragenkatalog angeboten.

Dass Frau Heimbach als Ausstellungschefin des BMEL uns in diesem Jahr ein letztes Mal begleitet, weil sie nunmehr außerhalb der politischen Felder etwas für die Seele tun will, muss man bedauern. Die vielen inhaltlichen – auch ein wenig die formalen – Auseinandersetzungen waren immer sportlich geprägt. Allein das wird fehlen. Aber so ist das im Leben, wenn man denn doch loslassen kann. Sie soll es vom Sommer an besser haben und sich doch immer wieder gerne an unserer Zusammenarbeit auf der Sonderschau in der Halle 23 a erinnern.

Die Organisation des Standes ist in der Zwischenzeit Routine, die Betreuung aber ist immer wieder eine große Herausforderung. Unseren vielen Mitarbeitern und auch denen der FU möchte ich bei dieser Gelegenheit herzlichen Dank sagen.

Reinhardt Löwe
07.02.2018

Deutsches Bienenmonitoring DeBiMo

Schlussbericht für den Zeitraum 01/2014-12/2016

Zugespielt von unserem Natur-, Bienen- und Menschenfreund dem Toxikologen Werner Kratz macht dieser Titel doch auch den einfachen Imker neugierig -, unkommentiert auf 98 Seiten ein hartes Brot. Es wurde zusammengetragen von 6 „Bieneninstituten“ unterstützt vom Fachzentrum Mayen sowie der LUFA und vorgelegt bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Wer aber de facto Auftraggeber war, wer die Arbeit finanziert, erschließt sich nicht so recht.

Doch was ist eigentlich ein Deutsches Bienenmonitoring – deutsch ist klar, also regional auf Deutschland bezogen – ? Es ist die Protokollierung von Beobachtungen und Messdaten, die nach einer definierten Dauer Schlussfolgerungen für spätere Entscheidungen zulassen soll für die Probleme, hier die Biene betreffend, in der Landwirtschaft und der Imkerei. Dass es sich bei dieser Betrachtungsebene nur um die Untersuchung der Honigbiene handelt, ist einem kritischen Betrachter zu wenig. Die Welt der Bestäuber und anderer Insekten scheint doch in Gefahr. Das gesamte Ökosystem ist in Gefahr. Aber gut, beschränken wir die Betrachtung auf die Probleme um die Honigbiene.

Blättert man diese 98 Seiten einmal konzentriert aber quer durch, ist das für einen Menschen mit durchschnittlicher Begabung für die Zusammenhänge in der Natur zunächst imponierend. Mit den vielen Beschreibungen von Vorgehensweisen, chemisch-analytischen Untersuchungen, die immer in graphischen Bildern enden, glaubt man an den wissenschaftlichen Wert dieser Arbeit. Man wird aber skeptisch, dass nun zum Abschluss wieder nur die Varroa der Grund für das nicht nur von Imkern gefürchtete Bienensterben ist. Unbedeutend scheinen Einfluss und Wirkung von Herbiziden und Neonikotinoiden zu sein.

Eingereicht und vorgelegt bei der Bundesanstalt (BLE) – immerhin ein Gremium mit rd. 1.350 Insassen – , bitte ich diese Anstalt für meine Kollegen ohne Internet um 3 Druckexemplare. Nein, Gedrucktes gibt es hier nicht aber ein pdf, zur Verfügung gestellt von der Universität Hohenheim. Das legt den Verdacht nahe, dass dies so wichtige Papier keine Auftragsarbeit der BLE war, sondern ganz andere Auftraggeber mit völlig anderen Interessen als Basis hatte. Damit aber deklassiert sich dies hochrangige Institutsgremium ohne Ross mit nunmehr zweifelhaftem Reiter selbst.

Man beginnt nunmehr nach der Wissenschaftlichkeit dieser Arbeit zu fahnden. Repräsentativ bei weniger als 1/1.000stel der verbandgebundenen Imkerschaft, d.h. weniger als Mikrozensus, geht nicht. Wo haben diese untersuchten Imker ihren Sitz? Wo stehen diese Bienenvölker? Das alles bleibt zunächst verborgen. Eine kleine Karte gibt globalen Aufschluss über die Verteilung der Untersuchungsstandorte. Schleswig-Holstein ist dabei wieder nicht berücksichtigt. Da scheinen sich Institutionen einig. Auch bei der F.R.A.N.Z. – Studie des Thünen-Instituts aus dem September 2017 ist das so gewesen. Doch was will man machen, wenn man Höfe mit min. 2.000 ha Größe sucht. Vier Imkereien in Berlin sind natürlich wichtig bei der Frage ums Bienensterben! Es ist noch nicht so bekannt, dass die Probleme in Stadt und Land doch erhebliche Unterschiede zeigen sowohl hinsichtlich der Sterblichkeit der Bienen wie im Ernteergebnis. Es sind ebenso viele Imker in Berlin untersucht worden wie in Brandenburg! Mecklenburg-Vorpommern mit 3 ausgesuchten Imkern an der polnischen Grenze und 4 Beobachtungsstandorten in der Mitte eines Agrarflächenlandes lässt doch schon bei diesem Auswahlverfahren Zweifel an der Redlichkeit wissenschaftlichen Arbeitens aufkommen.

Wer denkt sich denn so etwas aus?

Für die Ziele und die Aufgabenstellung wird geschrieben, dass für die Beobachtung möglichst dieselben Methoden im Vordergrund stehen sollen. Da muss man doch kein Wissenschaftler sein. Das ist doch eine Grundbedingung. Wer also hat die Ergebnisse hier erarbeitet, bewertet und veröffentlicht. Wer ist denn erstaunt, dass er im Bienenbrot wenig Neonikotinoide findet? Ein Abgleich der Untersuchungsergebnisse mit den Spritzprotokollen der landwirtschaftlichen Betriebe mit dem Standort der Bienen und dem mehr oder weniger belasteten Bienenprodukt findet nicht statt. Dass viele Bienen nach solch belasteter Nektaraufnahme auf Grund des gestörten Orientierungsvermögens den Weg nicht mehr in den Stock finden, bleibt unerwähnt.

Glyphosatbelastungen in Honig und Bienenbrot mit möglichem Einfluss auf das Verhalten der Bienenvölker waren bis auf zwei wohl eher unbedeutende Ausreißer eher nicht signifikant.

Wozu also und für wen werden diese Untersuchungen gemacht – für das BLE? Das ist wohl kaum der Fall. Es geht ja hier nur um die Honigbiene. Bienensterben und Wildbienen, diese Begriffe in diesem Zusammenhang scheinen von untergeordneter Bedeutung.

Durch den Verweis auf das pdf für den Schlussbericht, wird man neugierig, wie diese Anstalt (BLE) organisiert ist und womit sie sich beschäftigt. Ein großer Auftritt im Internet wird ausgebreitet für die Rechtfertigung von 1.350 Mitarbeitern. Da findet man Abhandlungen über die „Biologische Vielfalt und genetische Ressourcen“. Man findet den Ansatz über die Strategie des BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) zur Agrarbiodiversität – welch eine Wortschöpfung. Da wird auch tatsächlich eine Blüte mit einer Hummel abgebildet. „Blüte der Wegwarte mit Hummel als Bestäuber“ steht darunter. Es soll auch die Agrarbiodiversität erhalten bleiben. Dass es die zumindest in den meisten landwirtschaftlich genutzten Regionen in Deutschland überhaupt nicht mehr gibt, hat man dort noch nicht gemerkt. Die Wichtigkeit dieser biodiversen Hoffnungen betont auf diesen vielen Seiten auch in einem Vorwort die Frau Ilse Aigner. Wie aktuell ist das denn?

Die Biene aber weder als Wild- noch als Honigbiene auch nicht die vielen anderen Bestäuber werden, soweit ich das festgestellt habe, an keiner Stelle erwähnt. Die Honigbiene als drittwichtigstes Nutztier in der Landwirtschaft wird in der Anstalt des Ministeriums vergessen.

Das mag schon ein Vorgriff auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung in unserem Land sein. Entgegen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird der Einfluss der Pestizide auf das Bienensterben wie auch der entstehende Schaden in diesem Werk, so wie von den Herstellern der Produkte klein geredet.

Für das Bienensterben ist nach diesem Schlussbericht fast nur die Varroa verantwortlich. Das scheint auch das Ziel der Untersuchung gewesen zu sein. Schließlich war das Ergebnis ja auch schon 2013 erarbeitet worden.

Verwirrend ist zudem, wenn man beim Stöbern Arbeiten von Klaus Wenzel, Peter Hoppe und Anton Safer aus den Jahren 2014/2015 findet. Sie haben schon damals die Vorgängerversionen für ein Monitoring 2003/2013 in ihrer Wissenschaftlichkeit für ausgesprochen fragwürdig angesehen und dies auch detailliert dargelegt. Das Ergebnis der Arbeit (DeBiMo) war schon damals entsprechend dem heutigen anzusehen.

Wozu und für wen wird also dieser Aufwand betrieben?

Die Imker werden ratlos bleiben. Die landwirtschaftlichen Betriebe können nach „bewährtem“ Muster weiter machen wie bisher. Die Frage nach dem Rückgang der Insekten und hier vornehmlich der Bestäuber bleibt für diese Institutionen offen. Doch die wilden Insekten leiden doch so gar nicht unter der Varroamilbe. Die Milbe existiert für die solitär lebenden Verwandten der Honigbiene nicht. Und dennoch sterben die Solitärinsekten oder verschwinden. Was sagt denn das Monitoring zu einem solchen Nebenschauplatz?

Schade, dass die Plausibilität nicht einfach hinterfragt wird.

Herbizide und Fungizide verhindern das Wachstum der meisten Pflanzen. Damit werden die Insekten ferngehalten – auch die Honigbienen. Das kann man doch wohl auch ohne Monitoring kapieren!

Für den interessierten Imker geben wir hier die Möglichkeit, den Schlussbericht, anzusehen. Der Ausdruck als Hilfe für mögliche Maßnahmen gegen das Bienensterben, der lohnt nicht.

Ein solches Deutsches Bienenmonitoring macht einen Imker, einen der Natur verbundenen Menschen, einen Mitbürger, der sich auch für diese Entwicklung mit verantwortlich sieht, unglücklich, ratlos oder zornig. Nützliche, wissenschaftliche und wohl auch finanziell geförderte Arbeiten sollten solider sein. Die Beherrschung der Varroa haben die meisten Imker, selbst die, die das nur im Nebenberuf betreiben, ganz gut im Griff. Dazu werden heute keine 98 Seiten eines Schlussberichts mehr benötigt.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
07.01.2018

Ein Lichtblick zum Weihnachtsfest und eine gute Nachricht für 2018

Liebe Imkerfreunde in Steglitz-Zehendorf und anderswo,

die Politik hat uns im vergangenen Jahr zusammen mit Lobbyisten der chemischen Industrie leider nicht nur Diskussionsstoff geboten. Sie hat uns vor allem mit für die Insektenwelt ganz fürchterlichen Fehlentscheidungen versorgt. Glyphosat und all die noch nicht genau identifizierten Neonikotinoide haben flächendeckend nicht nur die Honigbienen außerhalb der Städte in die Flucht geschlagen oder aber gezielt vernichtet. Fast alle Insekten hat es getroffen. Weiterhin können die Landwirte nun wieder sagen „wir machen alles gesetzeskonform“. Dass das wieder für die nächsten Jahre möglich ist mit dem JA der deutschen Bundesregierung, führt das ganze Gerede um Renaturierung und Biodiversität ad adsurdum.

Wir haben darüber mehr berichtet als über die kleinen Probleme der Bienenpflege unserer Imkerschaft. Das sollte sich ändern, wenn wir vor allem mit unseren Leidensgenossen in den landwirtschaftlich genutzten Regionen verkünden können, dass der Pestizideinsatz auf dem Rückzug ist. Das aber ist nur durch Öffentlichkeitsarbeit zu erreichen. Und für diesen Ansatz gibt es nun eine neue Perspektive.

Es war wieder Klaus Wenzel, der wie auch viele andere, mit denen wir verbunden sind, für die Insekten im Netz immer unterwegs ist, der mir diese frohe Kunde zugetragen hat. Es ist gut, dass man nicht nur immer Schlimmes findet. Es ist wieder eine dieser kleinen Chancen, die man sofort ergreifen muss. Wir Imker in den Städten müssen die Sorge nicht zwingend teilen. Doch wir haben die Verpflichtung und Verantwortung, unser Wissen um die Probleme bei der Pflege der Honigbienen nicht nur in die Nachbarschaft sondern soweit wir können, auch in die Welt zu tragen.

So wollen wir denn zunächst den 20. Mai dick in unseren Bienenkalender schreiben. Auf Antrag der Slowenischen Imker, unterstützt von den EU-Mitgliedsstaaten (unsere Politiker müssen gefehlt haben) ist dieser Tag

von der UN zum Weltbienentag

ausgerufen worden. Nutzen wir diese Chance, um allen, die wir kennen, nun vor allem an diesem Tag alle Probleme um die Bienenhaltung und die Insektenwelt mitzuteilen.

Vor allem wir Imker sind die Anwälte für diese so gefährdete Tiergattung. Das Jahr 2018 kann damit der Start auch für erfolgreiche Verkündungen sein. Es wäre dabei unerlässlich, wenn auch unsere Politiker sich das ganz besonders zu Herzen nähmen.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin Zehlendorf und Umgebung e.V.
26.12.2017

UN führt Weltbienentag ein

Von: Samuel White | EURACTIV.com | translated by Tim Steins
21. Dez. 2017 (aktualisiert:  21. Dez. 2017)


Ab sofort ist der 20. Mai Weltbienentag. [Shutterstock]

Die Vereinten Nationen haben den 20. Mai zum Weltbienentag ausgerufen. Der Vorschlag dafür kam aus Slowenien. Er wurde von allen EU-Mitgliedstaaten unterstützt. Mit dem Bienentag soll das Bewusstsein über die wichtige Rolle der Insekten und die schwindenden Bestände geschärft werden.

Die Entscheidung wurde am gestrigen Mittwoch bei der UN-Generalversammlung in New York getroffen. Mit dem Weltbienentag soll „durch Bildung und Aktivitäten das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Bienen und anderen Bestäubern, die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind sowie ihr Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung erhöht werden,“ heißt es in der Entschließung.

Bienen und andere Bestäuber sind essenziell wichtig für die globale Lebensmitteproduktion und tragen zur Lebensmittelsicherheit bei. Laut Schätzungen des Weltrats für Biologische Vielfalt (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) schaffen sie mit ihrer „Arbeit“ einen wirtschaftlichen Wert von bis zu 577 Milliarden US-Dollar.

Außerdem sind die Insekten ein wichtiger Bestandteil vieler Ökosysteme und werden als guter Indikator für ein gesundes Ökosystem angesehen.


Bienen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Lebensmittelproduktion auf der ganzen Welt. [Olga Kok/Shutterstock]

Spanisches Landwirtschaftsministerium warnt: Das Bienensterben geht weiter

Die Honigproduktion ist gesunken, warnt das spanische Landwirtschaftsministerium. Das Bienensterben sei eine ernste Gefahr für die globalen Lebensmittelketten.

In Europa sind die Bestände an Bestäuber-Insekten in den vergangenen 30 Jahren um bis zu drei Viertel zurückgegangen. Die genaue Ursache dafür ist unklar, viele Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass der vermehrte Einsatz von Neonikotinoiden als Pflanzenschutzmittel eine wichtige Rolle spielt.

Diese weitläufig genutzten Pestizide haben Auswirkungen auf die Nervensysteme von Insekten sowie auf ihr Gewicht und ihre Fortpflanzungsorgane. Normalerweise werden sie vor der Aussaat auf Samen aufgetragen. Tatsächlich absorbieren die späteren Pflanzen jedoch weniger als 20 Prozent der Chemikalien; der Rest sickert in die Umgebung ein.

Slowenien, das den Antrag für den Weltbienentag gestellt hatte, verbietet seit 2011 die Nutzung von Neonikotinoiden und ist somit eines der ersten EU-Länder, das in dieser Hinsicht gehandelt hat. Die EU hatte im Jahr 2013 einen Stopp für drei Neonikotinoid-Verbindungen verfügt. Inzwischen wird über ein Komplettverbot diskutiert.

In Slowenien hat die Bienenhaltung eine lange Tradition. Jeder 200. Slowene ist Imker – der höchste Wert weltweit. Das Land hatte sich bereits seit drei Jahren bei der UN für einen offiziellen Weltbienentag eingesetzt.
Vize-Premierminister Dejan Židan begrüßte die Entscheidung der UN-Generalversammlung. Er erklärte: „Dies ist nur der Anfang eines schwierigen Prozesses zum Schutz der Bienen und anderer Bestäuber. Um erfolgreich zu sein, müssen wir die Regierungen aller Länder, die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft an Bord holen.”

Er forderte weiter, es müssten konkrete Maßnahmen ergriffen werden, um die Bienenhaltung überall auf der Welt voranzutreiben.

Slowenien will nun eine internationale Imkerschule aufbauen, in der (angehende) Imker aus aller Welt, insbesondere aus Entwicklungsländern, Grundwissen für den Umgang mit den wichtigen Insekten erlernen sollen.

Imkerkurse 2018

Das Institut für Veterinär-Biochemie am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin bietet zusammen mit dem Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V. kostenlose Imkerkurse an.

Die Imkerei ist ein faszinierendes Hobby, für das sich immer mehr Menschen in Berlin und Brandenburg begeistern.

Mit der Bienenhaltung ist jedoch eine Verantwortung verbunden, sowohl den Bienen als auch den Mitmenschen gegenüber.

Zur Aneignung der Grundkenntnisse der Bienenhaltung empfiehlt sich den zukünftigen Imkern entsprechende Fachliteratur und ein Besuch bei unseren Imkerkursen.

Für Imker und Imkeranfänger:
Vorbereitung zu einer praktischen Weiterbildung in Vereinen

Samstag, 17.03.2018
Geschichte und Einführung in die Imkerei
Verschiedene Rähmchengrößen und Bienenbeutentypen
Bienen in Berlin, Vorteile – Nachteile für die Imkerei in der Stadt

Samstag, 14.04.2018
Erste Völkerkontrolle: Volksstärke, Königinnenrichtigkeit, richtige Brut, Temperatursicherheit f. die wachsenden Völker, etc.
Imkerarbeiten im Frühling, Tote Bienen entfernen, Abnahme v. leeren Waben

Samstag, 26.05.2018
Völkerführung in der Stadt
Völkervermehrung/Ablegerbildung um den Völkerbestand zu erneuern und erweitern
Schwarmvorbeugung

Samstag, 16.06.2018
Königinnenzucht, Tipps für Hobbyimker
Bienenprodukte: Honig, Pollen, Wachs, etc.

Samstag, 25.08.2018
Imkerarbeiten im Herbst
Varroosebekämpfung, Milbenbekämpfung mit unterschiedlichen Methoden und Mitteln
Wintervorbereitung, Futterversorgung, Wintersitz, Beutesicherung

Veranstaltungsort:
Institut für Zoologie, Großer Hörsaal Nr. 110
Königin-Luise-Str. 1 – 3
14195 Berlin

Beginn:
jeweils um 10:00 BIS 14:00 Uhr

Referent:
Dr. Benedikt Polaczek
Imkermeister an der Freien Universität Berlin
Institut für Veterinär-Biochemie
Tel.: 030 838 53945
Email: polaczek@zedat.fu-berlin.de

Veranstalter:
Institut für Veterinär-Biochemie
Fachbereich Veterinärmedizin
Freie Universität Berlin
14161 Berlin
Leitung: Univ.-Prof. Dr. Dr. Ralf Einspanier Oertzenweg19b

Diese Kurse dienen der Weiterbildung und als Vorbereitung für ein praxisorientiertes Lernen in Vereinen.

Bei einer Teilnahme an mindestens vier Terminen, kann eine offizielle Teilnahmebescheinigung erstellt werden.

Für die Ausstellung dieser Bescheinigung berechnen wir eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 5,00 €

Eine vorherige Anmeldung zu den Kursen ist nicht nötig.

Bienen bekommen in diesem Jahr keine Weihnachtsgeschenke

Unkrautvernichter: Glyphosat wird weitere fünf Jahre zugelassen
Glyphosat ist umstritten, weil es möglicherweise Krebs erregt. Doch auch
Deutschland stimmte der Zulassungsverlängerung zu – sehr zum Ärger des Koalitionspartners SPD.
27. November 2017, 15:44 Uhr, Aktualisiert am 27. November 2017, 19:09 Uhr
Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

Ein Traktor bringt Glyphosat auf einem Feld bei Göttingen aus. © Steven Lüdtke/Forum Moderne Landwirtschaft/dpa

Die EU-Kommission verlängert die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat um fünf Jahre. 18 der 28 EU-Länder stimmten in einem Vermittlungsausschuss für einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission, wie eine Sprecherin mitteilte. Neun Staaten votierten dagegen, einer enthielt sich. Deutschland stimmte nach Angaben aus EU-Kreisen für die Verlängerung – anders als bisher. Die Behörde will den Beschluss nun schnell
umsetzen.

Die Bundesregierung, die seit der Bundestagswahl nur noch geschäftsführend im Amt ist, ist sich dabei nicht einig. Das CSU-geführte Landwirtschaftsministerium war für und das SPD-geführte Umweltministerium gegen eine weitere Zulassung. Wegen dieses Widerspruchs enthielten sich deutsche Vertreter bei den bisherigen Abstimmungen – ein wesentlicher Grund dafür, dass weder für noch gegen die Zulassung die nötige Mehrheit der Mitgliedsstaaten zustande kam.

Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kritisierte die deutsche Zustimmung zur Verlängerung. Sie habe ihrem Kabinettskollegen, Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), noch am Montag erklärt, sie sei „mit einer Verlängerung der Zulassung von Glyphosat weiterhin nicht einverstanden“. Dennoch habe der Vertreter des Landwirtschaftsministeriums in Brüssel für eine Verlängerung gestimmt. Wer an „Vertrauensbildung zwischen Gesprächspartnern interessiert“ sei, könne sich so nicht verhalten. Auch SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles sprach von einem „massiven Vertrauensbruch“ innerhalb der geschäftsführenden Bundesregierung. Es stelle sich die Frage, ob Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre eigenen Leute noch im Griff habe. „Wir empfinden das wirklich als schwere Belastung“, sagte sie auch mit Blick auf anstehende Gespräche mit der Union über eine mögliche Regierungsbildung. Man habe nach zwei Monaten gerade eine gescheiterte Jamaika-Sondierung erlebt. „Und ich kann nur hoffen, dass dieser Crash-Kurs jetzt nicht fortgeführt wird.“

Schmidt hingegen verteidigte die Entscheidung: „Mit unserer heutigen Zustimmung zur weiteren Zulassung von Glyphosat für fünf Jahre konnten wir wichtige Bedingungen durchsetzen“, sagte er der Rheinischen Post. Der Minister nannte die „Stärkung der Rolle von Biodiversität und Tierschutz“, weitere Aufklärung im Hinblick auf die gesundheitlichen Gefahren für den Menschen und eine „Prüfung der Optimierungsmöglichkeiten des Genehmigungsverfahrens für Pflanzenschutzmittelwirkstoffe“. Schmidt begründete das deutsche Abstimmungsverhalten in Brüssel damit, dass die EU-Kommission „sich ohnehin für die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat entschieden“ hätte. „Die Kommission hätte damit den Wirkstoff ohne diese Bedingungen verlängert.“ National werde man zusätzliche Maßnahmen im Sinne restriktiverer Anwendungen ergreifen, versprach Schmidt.

Letzte Chance im monatelangen Streit

Über die Zukunft von Glyphosat in Europa wird seit Monaten gestritten. Bis zum 15. Dezember musste über die weitere Zulassung der Chemikalie entschieden werden, denn dann läuft die bisherige Lizenz aus. Der Ausschuss war der letzte Versuch, einen Kompromiss zwischen den EU-Mitgliedsländern und der EU-Kommission zu erzielen. Ohne eine Einigung hätte die Entscheidung bei der EU-Kommission gelegen.

Der Unkrautvernichter Glyphosat ist sehr wirksam, gilt als preiswert und wird weltweit in der Landwirtschaft genutzt, um Ernten zu verbessern. Entwickelt wurde der Wirkstoff vom US-Konzern Monsanto – den der deutsche Konkurrent Bayer übernehmen will. Das Mittel wird aber auch von mehr als 40 weiteren Herstellern vertrieben. Umstritten ist es wegen des Verdachts, es könnte Krebs erregen und die Umwelt schädigen.

So stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation das Herbizid im März 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen ein. Allerdings sehen die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa, die Europäische Chemikalienagentur Echa und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung keine ausreichenden Belege für ein solches Risiko. Unabhängig davon gibt es Bedenken, unter anderem beim Umweltbundesamt, gegen die Vernichtung von Kräutern und Gräsern auf Ackerflächen. Damit werde Insekten und Feldvögeln großflächig die Lebensgrundlage entzogen.

Glyphosat – Hintergrund
DAS MITTEL: GLYPHOSAT
KREBSERREGEND ODER NICHT?
RÜCKSTÄNDE IN DER NAHRUNG

Erstmals wurde Glyphosat 1950 synthetisiert. Seit den Siebzigerjahren wird der Stoff in der Landwirtschaft eingesetzt. Als wesentlicher Inhaltsstoff etwa des Pflanzenschutzmittels Roundup des Konzerns Monsanto tötet es Unkraut auf Feldern mit Raps, Mais und anderen Nutzpflanzen. Heute ist Glyphosat das mit Abstand am meisten eingesetzte Pestizid. Sein Einsatz hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, wie die Studie eines Pestizidforschers zeigt (Benbrook et al., 2016). In Deutschland kaufen Landwirte pro Jahr rund 5.000 Tonnen an Glyphosat-Pflanzenschutzmitteln – der Anteil des Wirkstoffs an allen verkauften Herbiziden beträgt gut ein Drittel. Zunächst wurde die Chemikalie vor allem vor der Aussaat verwendet, um Äcker von Unkraut zu befreien. Doch seit es gentechnisch veränderte Pflanzen gibt, die gegen Glyphosat resistent sind, kann es auch nach der Saat eingesetzt werden. Alle Artikel zum Thema Glyphosat gibt es auf der ZEIT-ONLINE-Themenseite. Die EU-Kommission wollte ursprünglich eine Verlängerung der Lizenz um zehn Jahre. Dafür bekam sie aber im Kreis der EU-Mitgliedsländer keine Unterstützung. Auch ein neuer Antrag auf Verlängerung um fünf Jahre fiel Anfang November durch. Daraufhin beantragte die Brüsseler Behörde das Vermittlungsverfahren. Zuvor hatte die Kommission betont, sie hoffe auf breite Rückendeckung der Mitgliedsstaaten. Selbst nach der neuen europäischen Zulassung für Glyphosat kann nach Darstellung der Kommission jedes Mitgliedsland noch selbst entscheiden und bei ernsten Bedenken den Verkauf verbieten. So hat Frankreich angekündigt, Glyphosat in spätestens drei Jahren verbieten. Präsident Emmanuel Macron teilte per Twitter mit, der Einsatz des umstrittenen Mittels werde untersagt, sobald es eine Alternative gebe, spätestens aber in drei Jahren.

Das Europaparlament hatte sich im Oktober dafür ausgesprochen, den Unkrautvernichter ab sofort nur noch sehr eingeschränkt zuzulassen und bis 2022 schrittweise zu verbieten. Die Hersteller von Glyphosat hatten nach Tagesspiegel-Informationen zwischenzeitlich mit Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe gedroht, sollte der Stoff nicht wieder zugelassen werden und es dabei zu „Rechtsverstößen“ kommen. Für möglich gehalten wurden demnach Summen von bis zu 15 Milliarden Euro.

Frankfurter Allgemeine
UMSTRITTENES PFLANZENGIFT: Agrarminister nun für Glyphosat-Teilverbot
AKTUALISIERT AM 15.12.2017 – 08:58
Glyphosat: Alle Nachrichten und Informationen der F.A.Z. zum Thema

Nach seinem Alleingang bei der Glyphosat-Abstimmung in der EU strebt Christian Schmidt einem Zeitungsbericht zufolge ein nationales Verbot im Haus- und Kleingartenbereich an.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will einem Zeitungsbericht zufolge zumindest für ein Teilverbot des umstrittenen Pflanzengifts Glyphosat sorgen. „Im Rahmen der nationalen Umsetzung strebe ich nun Beschränkungenbeziehungsweise ein Verbot der Glyphosat-Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich sowie eine Anzeigenpflicht bei der Spätanwendung im Getreide an“, zitierte die „Rheinische Post“ am Freitag aus einem Brief Schmidts an Unionsabgeordnete. Zudem müsse nun intensiv nach Alternativen zu Glyphosat geforscht werden.

Schmidt hatte mit seinem Alleingang bei der Glyphosat-Abstimmung in der EU dafür gesorgt, dass die Genehmigung für das Mittel um fünf Jahre verlängert wurde. Er hatte das gegen den Wunsch seiner Kollegin aus dem Umweltressort, Barbara Hendricks (SPD), getan, die für ein Verbot des Mittel eintritt. Wegen seines Abstimmungsverhaltens war Schmidt auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gerügt worden. Hendricks und die SPD streben nun an, auf nationaler Ebene die Glyphosat-Nutzung zu unterbinden.

Und der Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V. ?

Ganz sprachlos sind wir noch nicht, wir Imker, Kommentatoren zusammen mit den ungebundenen Wissenschaftlern aus aller Welt. Doch schlimme Nachrichten sind es für Imker, Bienen, Bestäuber, Insekten, Bodenorganismen, Vögel, Reptilien, Menschen im Allgemeinen und auch für Landwirte, die aber Entwicklung, Verquickung und Zeitgeschehen nicht verinnerlichen. Sie haben es verlernt, die Zusammenhänge der Natur zu begreifen.

Und die Politik, ist sie ratlos, unwissend oder unverantwortlich gewissenlos?
In Norddeutschland nennt man es schnacken, was da passiert. Doch hat die Mehrheit der Bürger die Volksvertretung dafür gewählt? Sie sollen uns doch eigentlich verantwortlich vertreten. Stattdessen entlassen sie uns in ein Maß der Hilflosigkeit, deren Vielfalt unerschöpflich erscheint. Da rufen die EU-Vertreter zur Kommentierung auf für eine EU-Pollinator Initiative, die bis zum 29.12.2017 in englischer Sprache und in Kurzform einzureichen ist. Das hatte zur Folge, dass das Netzwerk sachtauglicher Wissenschaftler angeworfen wurde. Es geht also um einen Aufruf zur Rettung der Bestäuber. Doch will die Politik hier überhaupt rettend eingreifen? Warum verschließt sich unser Landwirtschaftsminister den vielen wissenschaftlichen Argumenten gegen den überschwänglichen Gebrauch von Pestiziden? Da wird selbst bei den Task Force-Wissenschaftlern das Herzklopfen groß und es beginnt, die sachdienliche Argumentation zu versagen, weil die Entscheidungsträger sie nicht lesen. Es bleibt für den Unterzeichner noch unklar, ob die Politiker das nicht verstehen wollen oder es wegen des fehlenden Sachverstandes nicht können.

Es wird wohl so sein, wie Peter Hoppe schreibt: Ich halte die Pollinator Initiative der EU für ein Greenwashing Projekt, das einen einzigen Zweck verfolgt: die Neonics im Markt zu halten – und das auf Kosten der europäischen Bürger, die sich seit Jahren gegen die flächendeckende Vergiftung der Landschaft durch Neonics wehren. Welche Unverfrorenheit und Chuzpa !

Den Wortlaut des Kommentars von Dr. Peter Hoppe mag man nicht weiterleiten. Er ist geistreich treffend. Doch er zeigt eben auch die Verletzlichkeit der Wissenschaft, die sich gegen die schnöden Ziele der Pestizidindustrie (Monsanto, Bayer, Syngenta) immer nur mit der gewohnten Sachkunde zur Wehr setzt.

Für all die Menschen, die sich zeitgerecht gewohnt informieren wollen, um ein gesundes Leben zu erwarten, wird es schwer. Die Wahrheit (s.a. Zeit-Artikel vom 07.12.2017 „Der Krieg gegen die Wahrheit“) wird durch die hemmungslosen nur noch ökonomischen Vorteile so verbogen, dass man schließlich an den Vorteil der vielen Gifte glauben mag. Wir Imker, wenn wir denn in den Städten noch einige Völker am Leben erhalten können, werden den Pestizid-belasteten Honig nur noch selber essen dürfen. Oder es werden die Belastungswerte auf dem Etikett vermerkt sein. Wer hätte es jemals für möglich gehalten, dass unsere Politiker sich dieser Desinformationskampagne der industriellen Profiteure anschließen. Es bleibt die Augenwischerei mit den Eh-da-Flächen und den Blühstreifen. Das aber ist ein derart dünnes Glaubensbekenntnis, dass ein ernsthaft Mitdenkender wohl besser in Zukunft den staatlich gelenkten Kongressen fern bleibt.

Für die Honigbienen und die vielen anderen Bestäuber – den Pollinators – sind das keine guten Aussichten und für den Menschen auch nicht.

Liebe Imkerinnen und Imker des IV Berlin-Zehlendorf bleibt mit Euren Bienen bloß in der Stadt. Was ist schon der Feinstaub gegen die Giftmischungen der chemischen Industrie für die Landwirtschaft. Haltet Eure Gärten sauber, beeinflusst die Nachbarn, es auch zu tun. Pflegt die Biodiversität von Fauna und Flora.

Ein besinnliches Weihnachtsfest, einen ruhigen Jahreswechsel und bei bester Gesundheit wieder gemeinsam ein erfolgreiches Jahr mit den Bienen auch 2018.
Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
22.12.2017

Herbststürme

sie schaden den Bienen nicht

Verfolgt man den Kalender der Blüten, dann geht immer im August/September das gute Jahr für die Bienen und die vielen anderen Insekten vorbei. Sie nutzen die letzten Sonnenstrahlen und die letzten Tage des Jahres, an denen die Temperatur über die Marke von 10°C steigt. In diesem Jahr konnten die vielen Insekten es bis zum Anfang des November schaffen.

Nun aber geht den Meisten doch die Puste aus. Wespen vor allem haben sich auf die Königinnen reduziert. Doch auch der Goldkäfer sucht sich doch wohl schnell den rettenden Misthaufen, nachdem er die letzten Blüten der Herbstaster vernascht hat.

Dazwischen aber feiern wir das wohl verdiente Sommerfest noch schnell im August.
Mal ist es besinnlich, mal nachdenklich, mal anregend und manchmal nur eben
heiter.

Doch vergessen wir auch nicht den Erntedank. Es waren vornehmlich unsere Pflegekinder, die trotz eines nicht gerade von der Sonne verwöhnten Sommers wieder einen reichen Ernteseegen bescheert haben. Ohne Bienen keine Früchte!

Die Zeit wird dunkler; und auch die Imker ziehen sich zurück, ohne eine Kugel bilden zu müssen. Ein Treffen bei den Veterinären in Zehlendorf gab Einblicke in den neuen Wirkungskreis mit neuem Namensschild und einem kleinen aber feinen Bienengarten. Alles wurde registriert, verinnerlicht und denn doch auch verkündet.

Es wurden auch die letzten bienentauglichen Pflanzen aus der Tüte gezogen.Doch das Jahr geht unweigerlich zu Ende mit dem Efeu, der die letzte Pollen- und Nektarspende bereit hält für eine Vielzahl von Insekten.

Die letzten Herbstastern halten durch, bis ihnen das Wasser in diesem Jahr bis zum Halse steht. Nur die Frucht der wilden Rosen leuchtet, bis die Vogelschaar das letzte Winterfutter im Frühjahr 2018 vernichtet hat. Es wird still und friedlich im Garten.

Doch es kommen noch die Stürme des Herbstes, die in diesem Jahr noch vermehrt sogar die ganz Großen noch kippen ließen. Sie hatten häufig nicht mehr rechtzeitig die Blätter verloren. Doch es ist nicht die Sturmkonstante, die ihnen zu Schaffen macht. Es sind die gleich frequenten Böen, die die Statik durcheinanderbringen. Wie schlimm das enden kann zeigt dieser kleine historische Film vom Zerbersten der Takoma Bridge . Da werden auch die staunen, die mit der Statik von Bauwerken nicht so recht vertraut sind.

Was kommt nun noch?

Die Weihnachtsfeier findet noch in geschlossenen Räumen statt. Doch wir arbeiten ja daran, dass wir auch in Nordeuropa bald unter freiem Himmel dies Fest begrillen können – natürlich ökologisch einwandfrei, so wie hier noch im August.

Das gilt dann nur noch für die Städte, da der Herr Minister nun ausgerechnet am 27. November 2017 befohlen hat, die Landwirtschaft bienenfrei zu machen.

Ganz bitter ist das.

Die Varroa beherrscht der Imker in der Zwischenzeit ganz gut. Den Minister aber mit seinen Freunden der Chemieindustrie kann man wohl weder mit Ameisensäuredämpfen noch mit Buttersäure vertreiben. Die Verdunster sind einfach viel zu klein. Wer hätte gedacht, dass unsere Honigbienen und die vielen anderen Insekten einmal so große Feinde haben werden.

Und noch etwas war in diesem Jahr. Es war der Versuch, einen von der psd-Bank ausgelobten Preis zu gewinnen.

Wer lange genug sucht, findet auch unser Logo zwischen den über 100 Bewerbern. Doch wir waren nicht bei den Gewinnern (hier bei der Präsentation am 21.11.2017 in der Urania in Berlin). Aber, es haben viele sozial Benachteiligte Zuwendungen erhalten, die es wahrlich nötiger haben als wir gemeinnützigen Imker eines sehr großen Vereins. Freuen wir uns, dass es uns mehrheitlich gut geht; und dass wir uns weiter gut austauschen können für ein wieder erfolgreiches neues Bienenjahr auch ohne zusätzliche finanzielle Förderung.

Im Namen eines redaktionellen Spitzenteams
Reinhardt
im November 2017

Immer noch nicht wahrgenommene Erkenntnisse

Dr. Werner Kratz von der FU Berlin fasst hier zusammen, welche neuen Erkenntnisse hinsichtlich des Einflusses von Neonikotinoiden auf das Verhalten von Insekten – hier Hummeln – gewonnen wurden.

Aber warum müssen jetzt alle Insektengattungen separat untersucht werden? Der Gebrauch der Logik in einem gesunden Menschenverstand zeigt uns doch viel einfachere Zwänge auf. Vernichten die Herbizide die überwiegend erforderliche Nahrungsgrundlage einmal nur der meisten Insekten, bleiben diese mehrheitlich den behandelten Flächen fern. Stellt man zudem noch fest, dass nach Behandlung der vom Kraut beseitigten Flächen und einer weiteren Behandlung mit Neonikotinoiden weitere Bestäuber und andere Insekten ausbleiben, dann muss man etwas an dieser Verfahrensweise ändern.

Einerlei wodurch das Verschwinden der Insekten und Bestäuber zu erklären ist, muss zunächst der kausalen Vermutung gefolgt werden, dass es mit der Ausbringung der Pestizide zu tun hat. Es ist dabei nicht von primärer Bedeutung, ob es sich um einen ökologischen, ökonomischen oder beim Menschen gesundheitlichen Schaden handelt.
Hier ist ganz schnell etwas in Ordnung zu bringen, was der Mensch offensichtlich durch Unachtsamkeit in Unordnung gebracht hat. Das bedeutet, dass zunächst großflächig (200 ha und mehr) alle Pestizidgaben für die nächsten fünf Jahre zu unterlassen sind. Habitate und Wasserquellen sind wieder einzurichten.

Kehren jetzt die Insekten in angemessener Vielfalt zurück, muss man die Forschung für diese Erkenntnisse nicht bemühen. Man wird sehen, es funktioniert. Plausibilitäten sind so leicht aufzuzeigen. Warum aber macht man davon so selten Gebrauch? Weil eben ganz andere Interessen im Vordergrund stehen. Das aber sollte, nein, es muss ganz schnell geändert werden.

So aber müssen wir zunächst froh sein, wenn spezielle Forschungseinrichtungen noch speziellere Ergebnisse erarbeiten und publizieren wie hier die Beeinflussung der Neonikotinoide auf das Verhalten der Hummeln. Das sind dann eben die unpraktischen Erkenntnisse, die man Steinchen für Steinchen zusammenfügen muss. Dann erreicht man das Ergebnis, dass die überwiegende Zahl der Pestizid-Rezepturen den meisten Pflanzen, den Tieren und auch dem Menschen schadet. Die Robusten werden diesen Fahrplan zeitlich und gesundheitlich überstehen.

So ist es zur Zeit nur gut, wenn Menschen wie Dr. Kratz diese kleinen Erkenntnisbausteine verbreiten. So sollen auch wir versuchen, andere auf diese Gefahren hinzuweisen eben Steinchen für Steinchen, wenn es denn nicht anders geht.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
16.11.2017

Umweltforschung: Das Schweigen der Hummeln

Getreide, Kartoffeln, Tomaten – viele Nutzpflanzen sind, nicht nur für einen hohen Ertrag, auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Dass Pestizide das Bestäubungsverhalten von Hummeln beeinträchtigen, haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der University of Stirling herausgefunden. Ihre Ergebnisse stellen sie in der Fachzeitschrift Scientific Reports vor.

Hummeln setzen Pollen per Vibrationsbestäubung frei: Sie erzeugen mit ihrem Flügelschlag Frequenzen, die die Pollen aus der Blüte herausschütteln. So entsteht das bekannte Summen, das zwei Zwecken dient:
Bestäubung anderer Blüten und Sammeln von Nahrung.

„Wir haben die Wirkung des Pestizids Neonicotinoid auf Hummeln untersucht und herausgefunden, dass es die Vibrationen, und somit auch das Summen, negativ beeinflusst“, sagt Dr. Penelope Whitehorn. Die Biologin, die jetzt am Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU) des KIT forscht, leitete die Studie an der University of Stirling.

Zusammen mit Dr. Mario Vallejo-Marin, University of Stirling, untersuchte sie durch das Pestizid belastete Hummelkolonien, überwachte deren Verhalten und nahm über einen längeren Zeitraum das Summen mit Mikrofonen auf. Danach analysierten die Wissenschaftler das akustische Signal, das die Hummeln bei der Vibrationsbestäubung erzeugen, um Veränderungen im Summen festzustellen. Sie fanden heraus, dass die permanente Belastung durch das Pestizid die Vibrationen verringert. Dies wiederum reduziere die Menge der gesammelten Pollen und somit die Nahrung der Hummeln, so die Forscher.

„Hummeln einer Kontrollgruppe, die dem Pestizid nicht ausgesetzt waren, lernten in ihrer Entwicklung nach und nach dazu, wie sie mehr Pollen sammeln und besser Blumen bestäuben können“, so Whitehorn. „Die Hummeln, die mit dem Pestizid in Berührung kamen, entwickelten ihre Fähigkeiten nicht weiter. Sie sammelten am Ende des Experiments zwischen 47 und 56 Prozent weniger Pollen als die Kontrollgruppe.“

„Unsere Forschungsergebnisse leisten einen wesentlichen Beitrag zu der Frage, wie sich Pestizide auf die Hummelpopulation und ihre Bestäubungsleistung auswirken. Sie weisen auch darauf hin, dass die Belastung durch Pestizide die Fähigkeiten der Hummeln beeinträchtigen kann, komplexe Verhaltensweisen wie die Vibrationsbestäubung weiterzuentwicklen“, sagt Vallejo-Marin. „Der nächste Schritt unserer Forschung wäre nun, den Mechanismus zu bestimmen, durch den das Pestizid die Hummeln beeinflusst. Wir glauben, dass Pestizide sich auf das Gedächtnis und die kognitiven Fähigkeiten von Hummeln auswirken. Beides sind wichtige Voraussetzung für komplexe Verhaltensweisen.“

Das Paper „Neonicotinoid pesticide limits improvement in buzz pollination by bumblebees“ veröffentlichten die Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift Scientific Reports: Reports.

Privatdozent Dr. Werner Kratz

Freien Universität Berlin, Institut für Biologie
Himbeersteig 18
14129 Berlin

kratzw@zedat.fu-berlin.de

Bienen- und Imkerwinter 2017/2018

Auf unserer letzten Versammlung haben wir uns ausgetauscht über die anstehenden Handgriffe, die der Imker zum Wohlergehen der ihm anvertrauten Tiere doch beachten sollte, ehe es so richtig kalt wird. Es wird ruhiger am Bienenstand und dennoch müssen wir kontrollieren, ob alles in Ordnung ist mit dem Kampf gegen die Varroa und dem Schutz der Bienen auch gegen Mäuse.


Mäusekeil und Fluglocheinengung gegen die leider bis zum ersten Frost immer noch räuberischen Wespen müssen nun eingesetzt werden.

Doch der Winter erinnert uns auch an die wiederholt anstehende Teilnahme an der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Einen großen Themenkreis sollten wir Imker des Vereins in Zehlendorf und Umgebung beherrschen. Im Oktoberprotokoll wird sicherlich einiges zu lesen sein.

Unseren Wünschen hinsichtlich der Standorganisation ist im Wesentlichen entsprochen worden. Außer, dass beide Tische nach wie vor 1,00 m Durchmesser haben, ist man unseren Vorstellungen gefolgt. Aber wir haben erkannt, dass das Bundesministerium sparen muss. Obwohl, das muss man nun doch festhalten, ist auch wieder die Bienen-App mit ihren zwei Tablets an unseren Stand geschraubt. Doch wird hier sicherlich eine Aktualisierung stattgefunden haben, denn die App gibt es ja schon einige Jahre. So bereiten wir uns vor und lesen schon einmal die neue Version. Doch wenn man damit beginnt, ist man dem Internet als ewig Neugieriger ausgeliefert.
Eine neue Rubrik wird aufgerufen: Jetzt Bienen füttern mit dem Smartphone.

Das lassen sich der Herr Minister Schmidt und natürlich auch unser Bundesvorsitzender Maske nicht nehmen, diese neue App-Ergänzung auf einer (War es eine Messe?) kleinen Zusammenkunft in Meckenheim vorzustellen. „Bundesminister Schmidt vor Ort“ wird die Aktivität des BMEL überschrieben. Und der Herr Minister hält eine flammende Rede: Ohne Bienen können wir nicht leben. Das Ökosystem wäre gefährdet. Ein jeder kann seinen Beitrag leisten und in seinem Garten etwas tun, damit die Bienen ganzjährig Nahrung finden.

Aber es ist dem Herrn Minister wohl noch gar nicht aufgefallen, dass das Problem überhaupt nicht mit dem möglicherweise schlecht bepflanzten Blumenkasten zusammenhängt. Aber die App und wohl auch der eingespielte Trailer sind nicht für das Fachpublikum gedacht, sagt der Herr Minister. Doch warum soll die breite Bevölkerung nicht so schlau werden wie diejenigen, die sich mit der heutigen Problematik um das Bienensterben auseinandersetzen. Warum suggeriert man hier, dass man am Balkonkasten das Bienendilemma in eine positive Richtung drehen kann? Warum scheut man eine sachdienliche Auseinandersetzung?

Also sucht man weiter nach Gründen für das Bienensterben an Orten, wo es dies Problem nicht gibt. Warum fordert und fördert man ein Bienenmonitoring? Doch was ist das? Ein Monitoring ist die systematische Erfassung von Daten, um möglicherweise ein Problem lösen zu können. Ist es ein Bienenmonitoring dann sollte es sich um den Versuch der Problemlösung hinsichtlich des Bienensterbens z.B. handeln. Warum werden die Probleme der Vertreibung aller Insekten aus landwirtschaftlichen Regionen nicht auch im beschaulichen Meckenheim angesprochen? Da genügt es nicht, die Rettung in den Gartencentern der Region zu starten. Und die Datensammlungen bringen nicht viel, wenn man sie nicht bewertet und konstruktiv daraus Konsequenzen herleitet.

Dies nicht enden wollende Warum macht natürlich weiter neugierig; und man klickt sich durchs Netz, um wieder bei dem elenden Thema Glyphosat zu landen. Doch diesen Artikel des Tagesspiegel wollen wir nicht vorenthalten, wenn wir ihn denn nun schon gefunden haben. Wir wollen informiert bleiben über den Stand der Dinge bei der Abstimmung über die weitere Zulassung dieses Herbizids, dieses Breitbandantibiotikums, dieses Giftes, das wohl doch der Hauptverursacher ist für das Bienensterben in landwirtschaftlich genutzten Bereichen ist, unabhängig von den Krebsverdächtigungen. Hoffen wir, dass Minister Christian Schmidt ebenfalls diesen Artikel liest; und hoffen wir, dass unser Landwirtschaftsminister sich zusammen mit der Frau Ministerin für Umweltschutz sich nunmehr gegen eine Verlängerung der Zulassung für Glyphosat ausspricht. Glauben wir fest daran, dass es für die Bienen auch auf dem Lande wieder eine gute Zukunft gibt.

Reinhardt Löwe
31.10.2017

EU: Bundesregierung will Glyphosat-Einsatz retten
Der Tagesspiegel, Wirtschaft, 17.10.2017 19:23 Uhr

Das deutsche Agrarministerium verhandelt über einen Kompromiss: Das Gift soll noch weitere zwei bis drei Jahre zugelassen werden.

VON MARKUS GRABITZ


Über Jahrzehnte haben Landwirte Breitbandherbizide auf Glyphosat-Basis auf ihre Felder gebracht und wollen darauf nicht mehr…FOTO: IMAGO/BLICKWINKEL

Berlin arbeitet an einem Plan B, um die weitere Verwendung des umstrittenen Wirkstoffs Glyphosat auf Äckern EU-weit sicher zu stellen. Nach Tagesspiegel-Informationen will Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) durchsetzen, dass der Wirkstoff, dessen Zulassung am 15. Dezember ausläuft, auf EU-Ebene für weitere zwei bis drei Jahre eine Genehmigung erhält. Wie zu hören ist, verhandelt das Landwirtschaftsministerium mit den beiden SPD-geführten Bundesministerien für Wirtschaft sowie Umwelt. Auch die Grünen, die demnächst Sondierungsgespräche über die Bildung der Bundesregierung führen und als Anwärter für das Bundesumweltministeriums gelten, sind in diese Gespräche eingebunden.

2016 war eine Verlängerung der Zulassung um zehn Jahre gescheitert, weil die SPD plötzlich ihr Veto gegen einen ausgehandelten Kompromiss einlegte und sich die Bundesregierung laut Koalitionsvereinbarung dann bei der Abstimmung in Brüssel enthalten musste.

Die Zeit drängt: Im Dezember läuft die Zulassung des Wirkstoffs ab, dem die beiden EU-Agenturen für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie für Chemikalien (ECHA) Unbedenklichkeit bescheinigen, den aber die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (IARC) für „wahrscheinlich Krebs auslösend“ hält. Am 25. Oktober will die EU-Kommission unter den 28 Mitgliedsländern die Verlängerung der Zulassung für Glyphosat um zehn Jahre abstimmen lassen. Sollte der Abgesandte der Bundesregierung aus Berlin dabei, wie so häufig in den letzten Jahren, nicht die Weisung für ein klares Ja oder klares Nein mitbringen, geht die Hängepartie weiter. Dann kommt vermutlich wieder keine qualifizierte Mehrheit zustande, weil nicht mindestens 16 Mitgliedsländer mit „Ja“ oder „Nein“ stimmen, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Dann könnte die Kommission selbst entscheiden.

Doch EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis hat bereits mehrfach angekündigt, dass die Kommission dies nicht will. Sie will nicht den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen für die Zulassung eines Mittels, das in weiten Teilen der Bevölkerung nicht mehr gewünscht wird.

Wenn Plan B scheitert, wird die Zulassung auslaufen

Klar ist: Sollte der Plan B von Minister Schmidt nicht aufgehen, würde die Zulassung für Glyphosat, das im Ackerbau im großen Stil eingesetzt wird, unweigerlich auslaufen. Für die Bauern würde es schwierig. Vermutlich wäre noch die nächste Ernte gesichert. Doch nach einer Übergangsfrist von bis zu 18 Monaten würden sowohl der Verkauf als auch der Einsatz des Mittels in der EU verboten, das als Allround-Pflanzenschutzmittel vielfach mit einem Breitband-Antibiotikum verglichen wird.

Die Debatte um Glyphosat wird immer emotionaler geführt. Die Gegner von der Initiative „Stop Glyphosate“ haben mit über eine Million genügend Unterschriften zusammen bekommen, um als EU-Bürgerinitiative von der EU-Kommission anerkannt zu werden. Sie fordern ein Verbot sowie eine Reform der Pestizid-Zulassung in der EU. Die Kommission wird in den nächsten Wochen in den Dialog mit der Bürgerinitiative treten, ist letztlich aber rechtlich frei, wie sie mit den Forderungen umgeht.

Die Gegner versuchen zu mobilisieren. Immer wieder lassen sie etwa Tests durchführen und weisen auf Rückstände des umstrittenen Wirkstoffes hin. Mal findet er sich im Urin, mal im Speiseeis. Im Eis fanden sich Konzentrationen, die unterhalb der Grenzwerte liegen. Zuletzt warfen die Gegner dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das federführend an der Risikoprüfung beteiligt war, unseriöse Arbeitsmethoden vor. Das BfR, so der Vorwurf der Kritiker, habe Passagen von der Industrie abgeschrieben. Das BfR verwahrt sich entschieden gegen den Vorwurf eines Plagiats: Die Gesetzgebung sehe explizit vor, dass der berichterstattende Mitgliedsstaat – im Fall von Glyphosat Deutschland – alle Informationen der durch die Antragsteller eingereichten Dokumente auf Plausibilität und Korrektheit prüft. „Wenn der berichterstattende Mitgliedstaat mit einer bestimmten Zusammenfassung oder Bewertung der Antragsteller übereinstimmt, kann er diese direkt in seinen Bericht integrieren.“ Abweichende Bewertungen würden durch eigene Kommentare ausgedrückt.

Unterdessen wurde bekannt, dass einer der exponiertesten Glyphosat-Gegner einen Interessenkonflikt haben soll, den er jahrelang verschwieg. Der Forscher Christopher Portier war als „externer Spezial-Ratgeber“ beteiligt, als die IARC zu dem Urteil kam, Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserregend“. Nach Recherchen eines US-Bloggers stand Portier auf dem Lohnzettel von zwei US-Großkanzleien, die Schadensersatz vom Glyphosat-Hersteller Monsanto wegen Krebserkrankungen erstreiten wollen. Er soll bis Juni 2017 ein Honorar von 160 000 US-Dollar bekommen haben.