20. Mai ist Weltbienentag !

Noch zum Weihnachtsfest 2017 haben die Vereinten Nationen (UN) den 20. Mai zum Weltbienentag erklärt, weil die Bienen für die Ernährung der Weltbevölkerung wichtig sind. Vor allem aber soll das Bewusstsein der Menschen dieser Welt dahingehend geweckt werden, da viele Probleme um die Honigbiene, die wilden Artgenossen und die vielen anderen Insekten verschlafen werden.

Was machen wir nun daraus? Unserem kleinen Redaktionsstab ist da nicht viel zugetragen worden. Es wäre eine Chance gewesen, der Presse mitzuteilen, dass alle Imker dieser Stadt an diesem Tage ihre kleinen Imkereien öffnen.

Was macht der D.I.B.? Er stellt Poster und Werbemittel zur Verfügung – kostenlos oder gegen Gebühr. Warum gibt es da nicht ein Angebot für ein Werbebanner für die freiwillige Anbringung an den vielen deutschen Bienenständen? Das sollte sich in Zukunft ändern. Wir haben nun noch eine Woche Zeit, um zu Pfingsten doch einigen Interessierten die Probleme um die Imkerei und die Bienen zu erklären. Wir in Zehlendorf haben da ja reichlich Übung durch unsere aktive Beteiligung an der jährlich stattfindenden Internationalen Grünen Woche.

Doch wir sollten uns auch kritisch mit den Inhalten der Newsletter des D.I.B. (Newsletter) befassen. Für den Unterzeichner reicht diese Binsenweisheit nicht, dass man sich über das Verbot von drei wichtigen Neoniks im Freiland der Agrarregionen freut. Auch dass man weitere Schritte zum Erhalt der Artenvielfalt durch die Bundesregierung erhofft. Die Artenvielfalt muss man erst einmal wieder herstellen. Die ist durch die industriell geprägte Landwirtschaft weitgehend vernichtet worden.

Aus der Sicht des Unterzeichners ist es dabei unerträglich, dass die EU oder die Bundesregierung Entschädigungen und Förderungen zu leisten hat, wenn man zurückkehren will zur biologischen Vielfalt von Pflanze und Tier. Das alles wurde doch sehenden Auges vernichtet wegen des wirtschaftlichen Vorteils. Das ist doch bitte nun nicht durch den Steuerzahler finanziell auszugleichen.

Undifferenziert wird immer von Pflanzenschutzmitteln (PSM) gesprochen. Dabei vernichten die Herbizide alles Grün und lassen keine Blüte zu. Das ist kein Pflanzenschutz nur wegen der einen Gattung, die man bequemer ernten kann. Und die Neonikotinoide, die schützen eine Pflanze nur hinsichtlich des Angriffs einiger weniger Insekten. Sie vergiften dabei aber nicht nur den einen Schädling sondern fast alle Insekten. Dabei wird der allgemeine Verzehr dieser Pflanzen doch wohl auch mit viel Risiko zu betrachten sein. Dazu schreibt der D.I.B., dass nur vitale, gesunde Bienen mit den PSM besser umgehen können. Was ist das denn für eine Empfehlung! Wir machen uns damit zu Schergen dieser industriellen landwirtschaftlichen Entwicklung. Die Giftausbringung durch „Dropleg-Düsen“ soll gefördert werden, weil die Technik angeblich die Bienen schützt. Die vernichtende Eigenschaft der Chemikalie bleibt ungebrochen bestehen. Da ist der D.I.B. auf der IGW 2018 der Meinung, dass durch diese Technik 50% weniger Bienen vernichtet werden. Das aber bleibt wohl eher im Bereich der Glaubensbekenntnisse. Unabhängige Wissenschaftler sollten hier einmal neu bilanzieren.

Wir Stadtimker kennen viele dieser Probleme glücklicherweise nicht. Nur, wer in den Raps oder andere Massenblüten auf landwirtschaftlichen Flächen wandert, muss sich damit auseinandersetzen und eben die Imker außerhalb der Städte.

Wenn wir also am 20. Mai, dem Weltbienentag, unsere Bienenstände öffnen, dann sollten wir über diese Problemfelder berichten. Und wir sollten weitergeben, dass der von unseren Bienen erzeugte Stadthonig von besonderer Qualität ist, wenn der Imker auf eine sach- und bienengerechte Bienenhaltung achtet. Das Bienensterben, das in so mancher Textzeile hervorgehoben wird, ist in der Stadt bei verantwortlicher Pflege glücklicherweise eine seltene Feststellung. Dabei sollen wir den Glauben nicht verlieren, dass wir eines Tages unseren Enkeln wieder die blühenden Landschaften wiedergegeben können, in denen alle Insekten und auch unsere Honigbiene wieder die ihnen zustehende Nahrung finden, ohne die Gefahr der Vergiftung.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
10.05.2018