Bienen- und Imkerwinter 2017/2018

Auf unserer letzten Versammlung haben wir uns ausgetauscht über die anstehenden Handgriffe, die der Imker zum Wohlergehen der ihm anvertrauten Tiere doch beachten sollte, ehe es so richtig kalt wird. Es wird ruhiger am Bienenstand und dennoch müssen wir kontrollieren, ob alles in Ordnung ist mit dem Kampf gegen die Varroa und dem Schutz der Bienen auch gegen Mäuse.


Mäusekeil und Fluglocheinengung gegen die leider bis zum ersten Frost immer noch räuberischen Wespen müssen nun eingesetzt werden.

Doch der Winter erinnert uns auch an die wiederholt anstehende Teilnahme an der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Einen großen Themenkreis sollten wir Imker des Vereins in Zehlendorf und Umgebung beherrschen. Im Oktoberprotokoll wird sicherlich einiges zu lesen sein.

Unseren Wünschen hinsichtlich der Standorganisation ist im Wesentlichen entsprochen worden. Außer, dass beide Tische nach wie vor 1,00 m Durchmesser haben, ist man unseren Vorstellungen gefolgt. Aber wir haben erkannt, dass das Bundesministerium sparen muss. Obwohl, das muss man nun doch festhalten, ist auch wieder die Bienen-App mit ihren zwei Tablets an unseren Stand geschraubt. Doch wird hier sicherlich eine Aktualisierung stattgefunden haben, denn die App gibt es ja schon einige Jahre. So bereiten wir uns vor und lesen schon einmal die neue Version. Doch wenn man damit beginnt, ist man dem Internet als ewig Neugieriger ausgeliefert.
Eine neue Rubrik wird aufgerufen: Jetzt Bienen füttern mit dem Smartphone.

Das lassen sich der Herr Minister Schmidt und natürlich auch unser Bundesvorsitzender Maske nicht nehmen, diese neue App-Ergänzung auf einer (War es eine Messe?) kleinen Zusammenkunft in Meckenheim vorzustellen. „Bundesminister Schmidt vor Ort“ wird die Aktivität des BMEL überschrieben. Und der Herr Minister hält eine flammende Rede: Ohne Bienen können wir nicht leben. Das Ökosystem wäre gefährdet. Ein jeder kann seinen Beitrag leisten und in seinem Garten etwas tun, damit die Bienen ganzjährig Nahrung finden.

Aber es ist dem Herrn Minister wohl noch gar nicht aufgefallen, dass das Problem überhaupt nicht mit dem möglicherweise schlecht bepflanzten Blumenkasten zusammenhängt. Aber die App und wohl auch der eingespielte Trailer sind nicht für das Fachpublikum gedacht, sagt der Herr Minister. Doch warum soll die breite Bevölkerung nicht so schlau werden wie diejenigen, die sich mit der heutigen Problematik um das Bienensterben auseinandersetzen. Warum suggeriert man hier, dass man am Balkonkasten das Bienendilemma in eine positive Richtung drehen kann? Warum scheut man eine sachdienliche Auseinandersetzung?

Also sucht man weiter nach Gründen für das Bienensterben an Orten, wo es dies Problem nicht gibt. Warum fordert und fördert man ein Bienenmonitoring? Doch was ist das? Ein Monitoring ist die systematische Erfassung von Daten, um möglicherweise ein Problem lösen zu können. Ist es ein Bienenmonitoring dann sollte es sich um den Versuch der Problemlösung hinsichtlich des Bienensterbens z.B. handeln. Warum werden die Probleme der Vertreibung aller Insekten aus landwirtschaftlichen Regionen nicht auch im beschaulichen Meckenheim angesprochen? Da genügt es nicht, die Rettung in den Gartencentern der Region zu starten. Und die Datensammlungen bringen nicht viel, wenn man sie nicht bewertet und konstruktiv daraus Konsequenzen herleitet.

Dies nicht enden wollende Warum macht natürlich weiter neugierig; und man klickt sich durchs Netz, um wieder bei dem elenden Thema Glyphosat zu landen. Doch diesen Artikel des Tagesspiegel wollen wir nicht vorenthalten, wenn wir ihn denn nun schon gefunden haben. Wir wollen informiert bleiben über den Stand der Dinge bei der Abstimmung über die weitere Zulassung dieses Herbizids, dieses Breitbandantibiotikums, dieses Giftes, das wohl doch der Hauptverursacher ist für das Bienensterben in landwirtschaftlich genutzten Bereichen ist, unabhängig von den Krebsverdächtigungen. Hoffen wir, dass Minister Christian Schmidt ebenfalls diesen Artikel liest; und hoffen wir, dass unser Landwirtschaftsminister sich zusammen mit der Frau Ministerin für Umweltschutz sich nunmehr gegen eine Verlängerung der Zulassung für Glyphosat ausspricht. Glauben wir fest daran, dass es für die Bienen auch auf dem Lande wieder eine gute Zukunft gibt.

Reinhardt Löwe
31.10.2017

EU: Bundesregierung will Glyphosat-Einsatz retten
Der Tagesspiegel, Wirtschaft, 17.10.2017 19:23 Uhr

Das deutsche Agrarministerium verhandelt über einen Kompromiss: Das Gift soll noch weitere zwei bis drei Jahre zugelassen werden.

VON MARKUS GRABITZ


Über Jahrzehnte haben Landwirte Breitbandherbizide auf Glyphosat-Basis auf ihre Felder gebracht und wollen darauf nicht mehr…FOTO: IMAGO/BLICKWINKEL

Berlin arbeitet an einem Plan B, um die weitere Verwendung des umstrittenen Wirkstoffs Glyphosat auf Äckern EU-weit sicher zu stellen. Nach Tagesspiegel-Informationen will Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) durchsetzen, dass der Wirkstoff, dessen Zulassung am 15. Dezember ausläuft, auf EU-Ebene für weitere zwei bis drei Jahre eine Genehmigung erhält. Wie zu hören ist, verhandelt das Landwirtschaftsministerium mit den beiden SPD-geführten Bundesministerien für Wirtschaft sowie Umwelt. Auch die Grünen, die demnächst Sondierungsgespräche über die Bildung der Bundesregierung führen und als Anwärter für das Bundesumweltministeriums gelten, sind in diese Gespräche eingebunden.

2016 war eine Verlängerung der Zulassung um zehn Jahre gescheitert, weil die SPD plötzlich ihr Veto gegen einen ausgehandelten Kompromiss einlegte und sich die Bundesregierung laut Koalitionsvereinbarung dann bei der Abstimmung in Brüssel enthalten musste.

Die Zeit drängt: Im Dezember läuft die Zulassung des Wirkstoffs ab, dem die beiden EU-Agenturen für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie für Chemikalien (ECHA) Unbedenklichkeit bescheinigen, den aber die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (IARC) für „wahrscheinlich Krebs auslösend“ hält. Am 25. Oktober will die EU-Kommission unter den 28 Mitgliedsländern die Verlängerung der Zulassung für Glyphosat um zehn Jahre abstimmen lassen. Sollte der Abgesandte der Bundesregierung aus Berlin dabei, wie so häufig in den letzten Jahren, nicht die Weisung für ein klares Ja oder klares Nein mitbringen, geht die Hängepartie weiter. Dann kommt vermutlich wieder keine qualifizierte Mehrheit zustande, weil nicht mindestens 16 Mitgliedsländer mit „Ja“ oder „Nein“ stimmen, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Dann könnte die Kommission selbst entscheiden.

Doch EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis hat bereits mehrfach angekündigt, dass die Kommission dies nicht will. Sie will nicht den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen für die Zulassung eines Mittels, das in weiten Teilen der Bevölkerung nicht mehr gewünscht wird.

Wenn Plan B scheitert, wird die Zulassung auslaufen

Klar ist: Sollte der Plan B von Minister Schmidt nicht aufgehen, würde die Zulassung für Glyphosat, das im Ackerbau im großen Stil eingesetzt wird, unweigerlich auslaufen. Für die Bauern würde es schwierig. Vermutlich wäre noch die nächste Ernte gesichert. Doch nach einer Übergangsfrist von bis zu 18 Monaten würden sowohl der Verkauf als auch der Einsatz des Mittels in der EU verboten, das als Allround-Pflanzenschutzmittel vielfach mit einem Breitband-Antibiotikum verglichen wird.

Die Debatte um Glyphosat wird immer emotionaler geführt. Die Gegner von der Initiative „Stop Glyphosate“ haben mit über eine Million genügend Unterschriften zusammen bekommen, um als EU-Bürgerinitiative von der EU-Kommission anerkannt zu werden. Sie fordern ein Verbot sowie eine Reform der Pestizid-Zulassung in der EU. Die Kommission wird in den nächsten Wochen in den Dialog mit der Bürgerinitiative treten, ist letztlich aber rechtlich frei, wie sie mit den Forderungen umgeht.

Die Gegner versuchen zu mobilisieren. Immer wieder lassen sie etwa Tests durchführen und weisen auf Rückstände des umstrittenen Wirkstoffes hin. Mal findet er sich im Urin, mal im Speiseeis. Im Eis fanden sich Konzentrationen, die unterhalb der Grenzwerte liegen. Zuletzt warfen die Gegner dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das federführend an der Risikoprüfung beteiligt war, unseriöse Arbeitsmethoden vor. Das BfR, so der Vorwurf der Kritiker, habe Passagen von der Industrie abgeschrieben. Das BfR verwahrt sich entschieden gegen den Vorwurf eines Plagiats: Die Gesetzgebung sehe explizit vor, dass der berichterstattende Mitgliedsstaat – im Fall von Glyphosat Deutschland – alle Informationen der durch die Antragsteller eingereichten Dokumente auf Plausibilität und Korrektheit prüft. „Wenn der berichterstattende Mitgliedstaat mit einer bestimmten Zusammenfassung oder Bewertung der Antragsteller übereinstimmt, kann er diese direkt in seinen Bericht integrieren.“ Abweichende Bewertungen würden durch eigene Kommentare ausgedrückt.

Unterdessen wurde bekannt, dass einer der exponiertesten Glyphosat-Gegner einen Interessenkonflikt haben soll, den er jahrelang verschwieg. Der Forscher Christopher Portier war als „externer Spezial-Ratgeber“ beteiligt, als die IARC zu dem Urteil kam, Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserregend“. Nach Recherchen eines US-Bloggers stand Portier auf dem Lohnzettel von zwei US-Großkanzleien, die Schadensersatz vom Glyphosat-Hersteller Monsanto wegen Krebserkrankungen erstreiten wollen. Er soll bis Juni 2017 ein Honorar von 160 000 US-Dollar bekommen haben.