Bienendichte

Welcher Politiker kennt dieses Wort?

Imker unterscheiden sich von anderen Menschen durch ihre Ausdauer, in der Regel durch Zuverlässigkeit, vor allem aber durch die unerschöpfliche Neugierde.

Und wenn der Deutsche Imkerbund e.V. (D.I.B.) – diesmal etwas früher als sonst, nämlich schon zur Internationalen Grünen Woche 2018 in Berlin – auf seiner immer prägnanten gelben Deutschlandkarte die Imkerzahlen und die der Bienenvölker des Vorjahres präsentiert, dann scheint doch die Welt immer in Ordnung zu sein.

Bild 1 Angabe der Imker und Bienenvölker / Landesverband und Zusammenstellung der Großstädte, die gesondert zu berücksichtigen wären

Ist die Bienenwelt wirklich in Ordnung? Da wird immer wieder beteuert, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Doch wer hinterfragt einmal diese Zahlen? Sind sie redlich? Sind sie ausreichend für die Bestäuberversorgung in diesem Land? Wie verteilen sich die Bestäuber und die Honigbienen in diesem Land?

Seit einigen Jahren hat sich der Verfasser dieser Zeilen die Mühe gemacht, diese Zahlen einmal aufzugliedern und an die Flächen der Bundesländer, so gut es eben geht, anzupassen. Es ist schwierig, weil die Flächen der Landesverbände sich nicht immer mit den Flächen der Bundesländer decken. Nur Letztere sind weitgehend definiert. Damit ergeben sich automatisch kleine Rechenfehler, die jeder dem Lehrerberuf zugetaner Mensch sofort akribisch entdecken und möglicherweise auch errechnen kann. Doch es macht sich sonst niemand die Mühe, die Wertigkeit der Deutschlandkarte des D.I.B. einmal auf den Prüfstand zu stellen. So ergibt sich denn eine Liste mit einem unglaublichen Zahlenkonvolut.

Bild 2 Entwicklung der Imker- und der Bienenvölkerzahlen in den Bundesländern

Doch sieht man dann etwas genauer hin, wird man viele Dinge ablesen können.
Zunächst einmal soll Erfreuliches berichtet werden.

Die Entwicklung der Imkerei und der Anzahl der Bienenvölker hat sich in den letzten zwei Jahren insgesamt verbessert.

Doch dann schauen wir noch genauer hin. Wie sieht sie denn aus, die Entwicklung in den mehrheitlich landwirtschaftlich genutzten Regionen? Da kommt eine Gesundung leider nur sehr mühsam in Gang oder eben gar nicht. 3 Bienenvölker / km² sollte es als Minimum geben, um die Blütenversorgung und Fruchtentwicklung einigermaßen sicherzustellen. Das erreichen wir als Deutschland-weiten Durchschnittswert – immerhin. Das aber ist Augenwischerei. Entnehmen wir wieder einmal nur die deutschen Millionenstädte aus der Wertung, ist nicht einmal eine positive Entwicklung festzustellen. Und die Flächenländer der Landwirtschaft sie sind mit weniger als einem Bienenvolk/km² häufig unterversorgt. Dafür aber erfahren die großen Städte eine unglaubliche Entwicklung. Hier soll einmal nicht nach den Ursachen gefragt werden, wenngleich das leicht zu beantworten wäre. Die Großstädte entwickeln sich zur Arche für Bienen und auch für die vielen anderen Bestäuber, die man hier noch vielfach findet. Schaut man aber etwas genauer hin, wird man auch die Modeerscheinung einer wenig verantwortlichen Bienenhaltung erkennen. Da muss nun niemand aufschreien. Aber es macht sicherlich keinen weder ökonomischen noch ökologischen Sinn, Bienen auf dem Berliner Dom zu pflegen. Für die öffentliche Aufmerksamkeit war es gut. Nun aber muss man sich wieder auf die Verantwortung für Biene und Mensch besinnen.

Und da fragt man doch sofort, wie sich denn die Entwicklung der Bienenhaltung in einer Stadt wie Berlin so entwickelt hat. Man kann vorwegnehmen, dass diese Entwicklung unglaublich ist. Von einer Bienendichte 3,12 im Jahr 2001 registrieren wir im Dezember 2017 eine Bienendichte von 7,94 Bienenvölker/km². Doch stimmt diese Zahl? Sie stimmt eben nur nach den Mitgliedsmerkmalen des D.I.B.

Bild 3 Entwicklung der Imker- und der Bienenvölkerzahlen in Berlin und Umgebung

Dieser Ausschnitt macht deutlich, mit welchen Problemen die Imkerei in Deutschland zu kämpfen hat. Nimmt man nicht im D.I.B. organisierte Imkerverbände und ungemeldete Vereine als Schätzung mit hinzu, ergeben sich völlig andere Werte. Dem Verfasser ist nicht bekannt, dass es hier eine seriöse Erfassung aller Imker und deren Bienenvölker in dieser und Umgebung gibt. Die Mehrung beruht daher auf Schätzungen, die aber doch eben so beobachtet wurden. Danach entwickelt sich die Bienendichte in dieser Stadt im saisonalen Standardbereich von 7,94 auf 10,07 Bienenvölker/km². In Mecklenburg-Vorpommern sind es 0,78 und in Brandenburg 0,88 – 1,1 unter Berücksichtigung anderer Verbände. Wirft man weiter die Beobachtungen zur Zeit der Robinien- und Lindenblüte mit in die Waagschale und bewertet die Wanderung nach Berlin in dieser Zeit mit 20%, dann kommt man auf eine saisonale Bienendichte von ca. 21,42 Bienenvölker/km².

„Welch ein Erfolg“ könnte der D.I.B. vermelden! Doch eben dieser Aufschwung birgt auch Gefahren. Damit nicht der Verdacht des Futterneids aufkommt, sollte man festhalten, dass diese Stadt auch für noch viel mehr Insekten Nektar- und Pollenreserven zur Verfügung hält. 440.000 Straßenbäume, viele Parkanlagen, Kleingartenkolonien, Privatgärten und nicht zuletzt der Grunewald mit seinen 22,3 km² – weitgehend als Mischwald – stellen ein Schlaraffenland für alle Insekten, Vögel, Amphibien und anderes Kleingetier dar. Die Gefahr aber liegt in der Möglichkeit der Verbreitung von Krankheiten und Parasiten und das in jede Richtung. Es bleibt in dem Zusammenhang verborgen, wie sich die Veterinärämter mit diesem Problem auseinandersetzen. Der Versuch, zu erfahren, wie die Veterinäre in dieser Stadt miteinander vernetzt sind, ist erbärmlich fehlgeschlagen. Für Berlin gibt es z.B. keine gültigen Aussagen zum Stand der Sperrbezirke für die AFB. Glaubt man öffentlichen Registern, dann hat es die AFB in Berlin in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Das aber ist einfach falsch.

Wie also kann man Bienen bei einer solchen Dichte schützen? Wie ist die Verständigung zwischen den Stadtteilämtern organisiert? Wie ist die Leitung des Landesverbandes eingebunden? Wer organisiert die Aufstellung der „Wandervölker“? Erfolgt eine Kontrolle der Völker trotz des vorliegenden Gesundheitszeugnisses?

Viele Fragen beunruhigen sowohl den sesshaften wie auch den wandernden Imker in der Stadt und auch den, der von außerhalb kommt, wenn ihm denn bewusst ist, wie dicht die Bienen in dieser Stadt zusammensitzen bzw. –fliegen. Unabhängig von der Gefahr der Krankheits- und Parasitenübertragung wird dadurch auch die Pflege eigener, sauberer Bienenrassen immer schwieriger. Die Carnica, in Berlin mehrheitlich bevorzugt, soll besonders sanftmütig und leistungsstark sein. Das aber sagen auch die Buckfastimker von der Biene, die Bruder Adam mit so viel Hingabe entwickelt hat. Man ist auch geneigt eben das zu glauben, wenn man die Berichte der Buckfast-Zuchtgruppe im „Der Buckfastimker“ verfolgt. Da wünscht man sich insgeheim, dass auch die eigenen Verbände mit der gleichen Hingabe und Sorgfalt sich um die Pflege der Bienen kümmern. Das aber ist alles gefährdet bei einer Bienendichte von 21,42 Bienenvölkern/km². Es scheint daher dringend geboten, eine Organisation und ein Regulativ für die vielen Bienenstandorte bei dieser Bienendichte zu schaffen. Ernähren kann man sie alle. Doch man muss auch alles dafür tun, damit jeder Imker seine gesunden Bienen ohne Verluste bei verantwortlicher Pflege über den Winter bringt.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
06.03.2018