Deutsches Bienenmonitoring DeBiMo

Schlussbericht für den Zeitraum 01/2014-12/2016

Zugespielt von unserem Natur-, Bienen- und Menschenfreund dem Toxikologen Werner Kratz macht dieser Titel doch auch den einfachen Imker neugierig -, unkommentiert auf 98 Seiten ein hartes Brot. Es wurde zusammengetragen von 6 „Bieneninstituten“ unterstützt vom Fachzentrum Mayen sowie der LUFA und vorgelegt bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Wer aber de facto Auftraggeber war, wer die Arbeit finanziert, erschließt sich nicht so recht.

Doch was ist eigentlich ein Deutsches Bienenmonitoring – deutsch ist klar, also regional auf Deutschland bezogen – ? Es ist die Protokollierung von Beobachtungen und Messdaten, die nach einer definierten Dauer Schlussfolgerungen für spätere Entscheidungen zulassen soll für die Probleme, hier die Biene betreffend, in der Landwirtschaft und der Imkerei. Dass es sich bei dieser Betrachtungsebene nur um die Untersuchung der Honigbiene handelt, ist einem kritischen Betrachter zu wenig. Die Welt der Bestäuber und anderer Insekten scheint doch in Gefahr. Das gesamte Ökosystem ist in Gefahr. Aber gut, beschränken wir die Betrachtung auf die Probleme um die Honigbiene.

Blättert man diese 98 Seiten einmal konzentriert aber quer durch, ist das für einen Menschen mit durchschnittlicher Begabung für die Zusammenhänge in der Natur zunächst imponierend. Mit den vielen Beschreibungen von Vorgehensweisen, chemisch-analytischen Untersuchungen, die immer in graphischen Bildern enden, glaubt man an den wissenschaftlichen Wert dieser Arbeit. Man wird aber skeptisch, dass nun zum Abschluss wieder nur die Varroa der Grund für das nicht nur von Imkern gefürchtete Bienensterben ist. Unbedeutend scheinen Einfluss und Wirkung von Herbiziden und Neonikotinoiden zu sein.

Eingereicht und vorgelegt bei der Bundesanstalt (BLE) – immerhin ein Gremium mit rd. 1.350 Insassen – , bitte ich diese Anstalt für meine Kollegen ohne Internet um 3 Druckexemplare. Nein, Gedrucktes gibt es hier nicht aber ein pdf, zur Verfügung gestellt von der Universität Hohenheim. Das legt den Verdacht nahe, dass dies so wichtige Papier keine Auftragsarbeit der BLE war, sondern ganz andere Auftraggeber mit völlig anderen Interessen als Basis hatte. Damit aber deklassiert sich dies hochrangige Institutsgremium ohne Ross mit nunmehr zweifelhaftem Reiter selbst.

Man beginnt nunmehr nach der Wissenschaftlichkeit dieser Arbeit zu fahnden. Repräsentativ bei weniger als 1/1.000stel der verbandgebundenen Imkerschaft, d.h. weniger als Mikrozensus, geht nicht. Wo haben diese untersuchten Imker ihren Sitz? Wo stehen diese Bienenvölker? Das alles bleibt zunächst verborgen. Eine kleine Karte gibt globalen Aufschluss über die Verteilung der Untersuchungsstandorte. Schleswig-Holstein ist dabei wieder nicht berücksichtigt. Da scheinen sich Institutionen einig. Auch bei der F.R.A.N.Z. – Studie des Thünen-Instituts aus dem September 2017 ist das so gewesen. Doch was will man machen, wenn man Höfe mit min. 2.000 ha Größe sucht. Vier Imkereien in Berlin sind natürlich wichtig bei der Frage ums Bienensterben! Es ist noch nicht so bekannt, dass die Probleme in Stadt und Land doch erhebliche Unterschiede zeigen sowohl hinsichtlich der Sterblichkeit der Bienen wie im Ernteergebnis. Es sind ebenso viele Imker in Berlin untersucht worden wie in Brandenburg! Mecklenburg-Vorpommern mit 3 ausgesuchten Imkern an der polnischen Grenze und 4 Beobachtungsstandorten in der Mitte eines Agrarflächenlandes lässt doch schon bei diesem Auswahlverfahren Zweifel an der Redlichkeit wissenschaftlichen Arbeitens aufkommen.

Wer denkt sich denn so etwas aus?

Für die Ziele und die Aufgabenstellung wird geschrieben, dass für die Beobachtung möglichst dieselben Methoden im Vordergrund stehen sollen. Da muss man doch kein Wissenschaftler sein. Das ist doch eine Grundbedingung. Wer also hat die Ergebnisse hier erarbeitet, bewertet und veröffentlicht. Wer ist denn erstaunt, dass er im Bienenbrot wenig Neonikotinoide findet? Ein Abgleich der Untersuchungsergebnisse mit den Spritzprotokollen der landwirtschaftlichen Betriebe mit dem Standort der Bienen und dem mehr oder weniger belasteten Bienenprodukt findet nicht statt. Dass viele Bienen nach solch belasteter Nektaraufnahme auf Grund des gestörten Orientierungsvermögens den Weg nicht mehr in den Stock finden, bleibt unerwähnt.

Glyphosatbelastungen in Honig und Bienenbrot mit möglichem Einfluss auf das Verhalten der Bienenvölker waren bis auf zwei wohl eher unbedeutende Ausreißer eher nicht signifikant.

Wozu also und für wen werden diese Untersuchungen gemacht – für das BLE? Das ist wohl kaum der Fall. Es geht ja hier nur um die Honigbiene. Bienensterben und Wildbienen, diese Begriffe in diesem Zusammenhang scheinen von untergeordneter Bedeutung.

Durch den Verweis auf das pdf für den Schlussbericht, wird man neugierig, wie diese Anstalt (BLE) organisiert ist und womit sie sich beschäftigt. Ein großer Auftritt im Internet wird ausgebreitet für die Rechtfertigung von 1.350 Mitarbeitern. Da findet man Abhandlungen über die „Biologische Vielfalt und genetische Ressourcen“. Man findet den Ansatz über die Strategie des BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) zur Agrarbiodiversität – welch eine Wortschöpfung. Da wird auch tatsächlich eine Blüte mit einer Hummel abgebildet. „Blüte der Wegwarte mit Hummel als Bestäuber“ steht darunter. Es soll auch die Agrarbiodiversität erhalten bleiben. Dass es die zumindest in den meisten landwirtschaftlich genutzten Regionen in Deutschland überhaupt nicht mehr gibt, hat man dort noch nicht gemerkt. Die Wichtigkeit dieser biodiversen Hoffnungen betont auf diesen vielen Seiten auch in einem Vorwort die Frau Ilse Aigner. Wie aktuell ist das denn?

Die Biene aber weder als Wild- noch als Honigbiene auch nicht die vielen anderen Bestäuber werden, soweit ich das festgestellt habe, an keiner Stelle erwähnt. Die Honigbiene als drittwichtigstes Nutztier in der Landwirtschaft wird in der Anstalt des Ministeriums vergessen.

Das mag schon ein Vorgriff auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung in unserem Land sein. Entgegen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird der Einfluss der Pestizide auf das Bienensterben wie auch der entstehende Schaden in diesem Werk, so wie von den Herstellern der Produkte klein geredet.

Für das Bienensterben ist nach diesem Schlussbericht fast nur die Varroa verantwortlich. Das scheint auch das Ziel der Untersuchung gewesen zu sein. Schließlich war das Ergebnis ja auch schon 2013 erarbeitet worden.

Verwirrend ist zudem, wenn man beim Stöbern Arbeiten von Klaus Wenzel, Peter Hoppe und Anton Safer aus den Jahren 2014/2015 findet. Sie haben schon damals die Vorgängerversionen für ein Monitoring 2003/2013 in ihrer Wissenschaftlichkeit für ausgesprochen fragwürdig angesehen und dies auch detailliert dargelegt. Das Ergebnis der Arbeit (DeBiMo) war schon damals entsprechend dem heutigen anzusehen.

Wozu und für wen wird also dieser Aufwand betrieben?

Die Imker werden ratlos bleiben. Die landwirtschaftlichen Betriebe können nach „bewährtem“ Muster weiter machen wie bisher. Die Frage nach dem Rückgang der Insekten und hier vornehmlich der Bestäuber bleibt für diese Institutionen offen. Doch die wilden Insekten leiden doch so gar nicht unter der Varroamilbe. Die Milbe existiert für die solitär lebenden Verwandten der Honigbiene nicht. Und dennoch sterben die Solitärinsekten oder verschwinden. Was sagt denn das Monitoring zu einem solchen Nebenschauplatz?

Schade, dass die Plausibilität nicht einfach hinterfragt wird.

Herbizide und Fungizide verhindern das Wachstum der meisten Pflanzen. Damit werden die Insekten ferngehalten – auch die Honigbienen. Das kann man doch wohl auch ohne Monitoring kapieren!

Für den interessierten Imker geben wir hier die Möglichkeit, den Schlussbericht, anzusehen. Der Ausdruck als Hilfe für mögliche Maßnahmen gegen das Bienensterben, der lohnt nicht.

Ein solches Deutsches Bienenmonitoring macht einen Imker, einen der Natur verbundenen Menschen, einen Mitbürger, der sich auch für diese Entwicklung mit verantwortlich sieht, unglücklich, ratlos oder zornig. Nützliche, wissenschaftliche und wohl auch finanziell geförderte Arbeiten sollten solider sein. Die Beherrschung der Varroa haben die meisten Imker, selbst die, die das nur im Nebenberuf betreiben, ganz gut im Griff. Dazu werden heute keine 98 Seiten eines Schlussberichts mehr benötigt.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
07.01.2018