Forschung für den guten Zweck?

Am 08.Juni dieses Jahres weiht Herr Bundesminister Christian Schmidt das Fachinstitut für Bienenschutz im Julius Kühn-Institut in Berlin-Dahlem ein. Der Sitz der neuen Forschungseinrichtung befindet sich in Braunschweig. Leiter der Einrichtung ist der Dipl.-Agr. Biologe Dr. Jens Pistorius. Herr Dr. Pistorius ist seit vielen Jahren Mitarbeiter im Hause JKI. Im Rahmen eines Berufungsverfahrens wurde er zum 1. April 2016 als Leiter des neu gegründeten Institutes benannt.

Aus der Pressemitteilung des JKI vom 01.04.2016 geht hervor, dass zu den künftigen Hauptaufgaben des Instituts die Beratung der Bundesregierung zu Fragen des Schutzes von Honig- und Wildbienen und Erarbeitung von Entscheidungshilfen zählt.

Eine weitere Aufgabe ist die Erfüllung gesetzlich zugewiesener Aufgaben (was immer darunter zu verstehen ist) im Rahmen der zonalen und nationalen Prüfungs- und Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel und der harmonisierten EU-Wirkstoffprüfung.

Das alles ist im Prinzip nicht schlecht. Doch garantiert eine Hausberufung eines bundeseigenen Instituts wirklich Forschungsneutralität? Die Bundesregierung, hier das BMEL, hat viele Interessen zu wahren. Die Interessen einer immer mächtiger werdenden Industrie, der landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebe, an der Gesundheit der Bürger, am Wohlergehen der Imker und der für die Landwirtschaft so wichtigen Bestäuber sind zu berücksichtigen. Wer setzt hier Prioritäten? Wer beeinflusst hier wen? Wer achtet auf die Neutralität der Forschungsergebnisse und der Berichterstattung?

2009 wird im Deutschen Bienenjournal (Heft 4/2009) Herr Pistorius als Kriminologe in Sachen Bienengifte gesehen. Imker können den Verdacht der Vergiftung der Bienen untersuchen lassen. Das Beizmittel Clothianidin wird als ein Hauptverursacher für das Bienensterben regional unterschiedlich erkannt.
In den DLG-Mitteilungen (3/2009) schreibt Herr Pistorius unter „ Das Feindbild vieler Imker „ dass die Bienenschäden in Deutschland zurückgehen, wenngleich die größte Anzahl an Vergiftungen seit 30 Jahren gerade 2008 festgestellt werden musste. Er beschreibt auch die mögliche Wechselwirkung und Beeinflussung von Pflanzenschutzmitteln bei Nosema erkrankten Bienen besteht. Daneben finden wir eine halbseitige Anzeige von Syngenta. Wie geht das denn zusammen? Er sucht nach Ursachen der Vergiftung durch unsachgemäßen Gebrauch der Pestizide. Die Staubemission müsse deutlich reduziert werden. Zur ganzjährigen Verfügbarkeit von Trachtquellen schreibt er, dass neben der Förderung von Randstreifenprogrammen ebenfalls der Anbau von blühenden Zwischenfrüchten eine vielfältige Kulturlandschaft mit vielen blühenden Kulturen der Bienengesundheit dient.

Rekultivierung nennt man das. Doch wer betreibt ein solches Programm ernsthaft? Es werden zu diesem Themenzyklus immer nur neue Kommissionen und Arbeitskreise national und international gegründet.

Der Tagesspiegel schreibt am 02.Juni 2016. „Weniger Gift, mehr Erosion“ über die Problematik von Glyphosat. Ralf Nestler recherchiert hier auch über die Mitarbeiter des JKI. Da geht es denn nicht mehr um Bienengesundheit. Ein klein wenig werden die Risiken für den Menschen beschrieben. Die Internationale Krebsagentur wird so nebenbei als untauglich beschrieben. Die Qualen der Landwirtschaft aber, die liegen den Mitarbeitern des JKI doch wohl sehr am Herzen. 5.000 – in Worten fünftausend – Tonnen Glyphosat werden jährlich in Deutschland auf Äcker und in Weinbergen versprüht und das nur auf rd. 40% der landwirtschaftlichen Anbaufläche, allerdings ohne Weinanbau- und Obstanbauflächen. Untersuchungen haben gezeigt, dass es schon jetzt außer der Belastung im Pflanzenmaterial auch eine zunehmende Belastung des Grundwassers besteht. Der Regen wird dreißig Jahre brauchen, das Gift aus dem Boden zu waschen.
Und die Schädigung der Bestäuber auch der Honigbiene könnte sein, aber will man doch auch eigentlich nicht so genau wissen. Warum werden die aufwendigen Untersuchungen von Prof. Randolf Menzel und seine wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht ins Kalkül gezogen. Braucht man das alles nicht mehr zu machen, wenn es denn das Bundes-eigene Fachinstitut für Bienenschutz am Julius Kühn-Institut gibt. Da kommen doch hinsichtlich der bis jetzt ausgebrachten, sehr unterschiedlichen Sichtweisen große Zweifel auf.

Bayer möchte Monsanto kaufen. Das wird wohl auch geschehen oder umgekehrt. Wird es dann noch ein Veto für den Einsatz von Glyphosat geben? Da wird dann wohl kein Bundes-eigenes Institut gesundheitliche Risiken entdecken.

Der Unterzeichner dieser kritischen Betrachtung ist kein wissenschaftlicher Biologe oder Biochemiker. Er ist lediglich ein sehr aufmerksamer Betrachter und sorgenvoller Beobachter seines Umfeldes, vor allem wenn es um die Gesundheit und vor allem um die seiner Kinder geht. Er ist einer von rd. 104.000 Imkern des DIB in diesem Land, die versuchen, die ihnen anvertrauten Tiere, so wie es die Natur zulässt, am Leben zu erhalten und möglichst ohne Krankheiten und Parasitenbesatz durch den nächsten Winter zu bringen.
Man darf gespannt sein, was die Regionalkonferenz Bienen des BMEL am 21.06.2016 an neuen Erkenntnissen bringt?

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.