Glyphosat im Honig

Der zulässige Grenzwert ist überschritten. Ein Imker hat sich den Verdacht bestätigen lassen, dass durch den wohl hemmungslosen Einsatz von Glyphosat diese spezielle Honigernte nicht in den Handel kommen darf.

Das ist grundsätzlich nicht repräsentativ für die Honigqualität in Brandenburg und Deutschland.

So geht das leider nicht, lieber unbekannter Imker mit Amtstierarzt Dietmar Vogt. Es ist auch nicht hinnehmbar, wenn Sara Wiener als nunmehr auch „Ökolandwirtin“ meint, wir müssten uns daran gewöhnen, dass alle Menschen zukünftig den Nachweis von Glyphosat im Körper aushalten müssten. Öffentlichkeitsarbeit soll nicht schick sein. Sie ist wichtig, wenn sie fundiert ist.

Alle Gifte in der Landwirtschaft sind schlimm, da sie vor allem zunächst den Pflanzen und dann dem Kleingetier schaden. Wir Imker sind aufgerufen, hier noch mehr Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, als ohnehin schon.

Auf dem Imkertag in Berlin am 09.Okrober 2016 wird dies sicherlich ein wichtiges Thema sein.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.

LAUSITZER RUNDSCHAU 30.Juni 2016
Honigbienen haben fleißig Glyphosat eingesammelt
Amtstierarzt Dietmar Vogt fordert ein bundesweites Monitoring

NEUHAUSEN/SPREE In einer einzigen Probe Honig aus einer Kornblumen-Tracht bei Klein Döbbern hat ein Lebensmittelinstitut in Oldenburg hundertmal mehr Glyphosat-Rückstände gefunden, als erlaubt ist. Der Hobby-Imker muss sich jetzt zwar von einigen Imkern als „Nestbeschmutzer“ beschimpfen lassen. Doch Spree-Neiße-Amtstierarzt Dietmar Vogt regt ein bundesweites Monitoring an.

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Die Imkerei ist wieder ein beliebtes Hobby. Aber wenn auf den Flächen, die die Bienen ansteuern, Chemikalien gespritzt werden, kann eine ganze Honigernte futsch sein. Foto: dpa

Seit 35 Jahren kümmert sich der Hobby-Imker aus Neuhausen/Spree um mehrere Bienenvölker. Als er im Frühsommer 2015 beobachtete, dass auf den Feldern in seiner Nachbarschaft viel gespritzt wurde, ließ ihm das keine Ruhe. „Über den Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat und anderer Chemikalien diskutieren wir Imker ja seit vielen Jahren“, sagt er. Seinen Namen will er nicht nennen. „Die Imker hier wissen, dass ich das bin. Für einige gelte ich als Nestbeschmutzer.“

Auch Lothar Lucke, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der Brandenburger Imker, ist verärgert und fragt sich, wie diese Meldung an die Öffentlichkeit kam. „Wenn es da in Überschriften heißt, dass der Brandenburger Honig glyphosat-belastet ist, trifft uns das alle“, sagt Lothar Lucke. Dann wolle doch niemand mehr Honig aus Brandenburg.

Tatsächlich, das erklärt Dr. Dietmar Vogt, Amtstierarzt des Veterinäramtes Spree-Neiße, dürfte das die bislang einzige Honigprobe bundesweit sein, in der so viel Glyphosat gefunden wurde. Was ihn ein bisschen ärgerte, war das lange Warten auf das Ergebnis. Eine Kollegin hatte den Honig Anfang November fachgerecht der Kornblumen-Tracht des besorgten Imkers entnommen. Und gleich mit dem nächsten Sammeltransport, der zweimal in der Woche startet, wurde er zum Landeslabor geschickt. Da jedes Lebensmittelinstitut Spezialgebiete hat, kam die Antwort aus Oldenburg – und zwar am 23. Februar. Im ersten Labortest, so weiß Vogt, lag der Glyphosat-Rückstand bei 5,11 Milligramm pro Kilogramm. Die gesetzlich erlaubte Höchstmenge liegt bei 0,05 Milligramm pro Kilogramm. Im Zweittest, der in solchen Fällen die Regel ist, lag das Untersuchungsergebnis bei 4,44 Milligramm. „Im ersten Test ist dies das 102-Fache dessen, was erlaubt ist. Wir haben den Honig sofort vernichten lassen“, sagt der Veterinärmediziner.

Der betroffene Imker erinnert sich noch gut an den Anruf aus Forst. „Ich hatte mir gerade etwas Honig in meinen Kaffee gerührt, als es klingelte. Nach dem Telefonat kippte ich meinen Kaffee sofort in den Ausguss“, erzählt er. Sein Schaden ist nicht groß. „Ich bin ja nur Hobby-Imker. Der Honig, den ich gewinne, ist in der Regel schon im September weg. Als der Anruf kam, hatte ich nur noch den Honig für den Eigenbedarf – 15 bis 20 Kilogramm.“

Und es war eben auch nur die eine Tracht betroffen. Für diese Honigsorte „ernten“ seine Bienen die Kornblumen im Feld und am Feldrain ab. Wenn die Landwirte in der Zeit der Blüte noch einmal Glyphosat zur Unkrautvernichtung einsetzen, kann das nicht nur den Honig belasten, sondern auch den Bienen schaden.
Wie Wilfried Jank, Vorsitzender des Cottbuser Imkervereins, bestätigt, machen manche Chemikalien, die auf den Feldern gespritzt werden, die Bienen auch orientierungslos. „Sie fliegen langsamer oder ein bisschen wie betrunken. Manche finden dann gar nicht mehr in den Stock zurück.“ Doch diese Sorgen haben die Imker schon seit Jahrzehnten. „Da hilft oft nur, mal mit den Landwirten zu sprechen. Ideal ist, wenn uns die Landwirte rechtzeitig sagen, wann sie spritzen – sodass Imker eine Chance haben, ihre Bienen von diesem Standort wegzubringen“, so Jank. So hat es auch der Klein Döbberner Hobbyimker in diesem Jahr gemacht. „Sie stehen jetzt auf einem Gebiet weiter weg. Das bedeutet für mich zwar mehr Fahrtkosten und mehr Zeit – aber vielleicht kann ich sie schon im frühen Herbst wieder zurückholen.“ Das Gespräch mit den Landwirten hält auch Amtstierarzt Vogt für ganz wichtig. Besonders vor dem Hintergrund, dass sich die europäischen Staaten und gestern auch die EU-Kommission zu keinem Glyphosat-Verbot durchringen konnten. Weitere 18 Monate solle es eingesetzt werden können. Während der Industrieverband Agrar diese Entscheidung kritisierte, weil er eine Zulassung für 15 Jahre fordert, warf der Naturschutzbund Deutschland der EU-Kommission vor, sich „offenkundig von Interessen der Agrarindustrie“ leiten zu lassen. Der Nabu hatte gefordert, den Glyphosat-Einsatz bis zur Klärung des Krebsrisikos zu verbieten.

Amtstierarzt Vogt hat inzwischen ein Monitoring angeregt: Honig soll bundesweit untersucht werden. Und den Verbrauchern empfehlen der Amtstierarzt und der betroffene Imker derweil Linden- und Robinienhonig. Amtstierarzt Vogt: „Dass ein Lindenbaum mitten im Feld steht, ist doch ziemlich selten.“

Zum Thema:
Der Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat ist seit Jahren umstritten. Nur unter den EU-Staaten findet sich bislang keine Mehrheit für ein Glyphosat-Verbot. Lediglich Frankreich und Malta sind dagegen, sieben Staaten, darunter Deutschland, hatten sich in der jüngsten Abstimmung enthalten, 19 Staaten votierten für einen weiteren Einsatz. Die Zulassung des Unkrautvernichters läuft heute aus. Deshalb musste die EU-Kommission gestern einen Beschluss fassen: Demnach wird Glyphosat für weitere 18 Monate in Europa zugelassen. In dieser Zeit aber soll eine Chemieagentur herausfinden, ob der Unkrautvernichter krebserregend ist. Dass Glyphosat die Artenvielfalt beeinflusst, ist bereits erwiesen. dpa/ani