Imkerliches von der internationalen Bienenkonferenz in Berlin 2017

Es war ein reichhaltiges Angebot über zwei Tage im März in Berlin. Für eine von jeweils 3 Foren musste man sich entscheiden. 1. Pathogenes – die Gesundheit der Bienen Beeinflussendes, 2. Biodiversität mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten und 3. Pflanzenschutzmittel – Umweltschutz.

Für den immer neugierigen Imker war das eine schwere Kost. Schon die Ent-scheidung für ein Forum fiel nicht leicht. So können denn nur einige Stichpunkte erwähnt bzw. bewertet werden.

Der Bericht muss somit unvollkommen bleiben.

Man kann aber vorwegnehmen, dass die vielen Erfahrungen und Meinungen der Imker für die Zukunftsaussichten für die Honigbiene und die vielen anderen Bestäuber hier weitgehend eine wissenschaftliche Bestätigung gefunden haben. Umso erstaunlicher sind da im Nachhinein die Entscheidungen oder vermehrt die Nichtentscheidungen der Politik, hier nicht heilend einzuwirken. Es bleibt zu hoffen, dass sich das nun zeitnah ändern wird.
Josef Settele vom Helmholz-Zentrum bestätigt die Wichtigkeit der Bestäuber, die für den Ertrag von 75% der Nutzpflanzen und von 90% aller Pflanzen zuständig sind. 50 Nationen sind beteiligt an der Erarbeitung von Entscheidungsgrundlagen nicht nur für das IPBES. Es soll eine Plattform sein für die Wiederherstellung bzw. der Rettung weltweiter Biodiversität.

Mari Moora aus Estland zeigt die Gefahren des Klimawandels auf. Dies allerdings wurde im Hinblick auf die Pflanzen-Biodiversität vorgetragen. Die Bienen haben klimatische Veränderungen über viele millionen Jahre durch ständige Anpassung ertragen. Die derzeitige Klimaerwärmung aber hat gefährlich viel Fahrt aufgenommen und ist damit nicht mit früheren Phänomenen vergleichbar. Ein besonderes Problem ist dabei die geringe Anpassungsfähigkeit eines Pilzes (Mycorrhizal), der in Symbiose das Wachstum von 80% aller Pflanzen ausgehend vom Wurzelstock gewährleistet. Stirbt der Pilz, stirbt auch die Pflanze.

Der Verlust der Biodiversität bei der Entwicklung und Verbreitung von Haustierrassen war der von Roswitha Baumann vorgetragene Forschungsschwerpunkt für die FAO. Dass zukünftig die Honigbienen mit ins Programm aufgenommen werden, war wohl ein Produkt aus der Referentenwahl für diesen Kongress. Das für die Welternährung drittwichtigste Haustier wurde bis dato weitgehend vernachlässigt.

Überraschend war z.T. die wissenschaftliche Definition der Biodiversität. Bis jetzt wurde für den Durchschnittsbürger mit dem besonderen Hang zur Natur unter diesem Begriff die Artenvielfalt von Pflanze und Tier verstanden. Sie war schon heute in weiten Teilen verloren gegangen. Dass aber durch Sammlung von Sperma vieler unterschiedlicher Bienenrassen Kreuzungen gezüchtet werden, die dann zur verstärkten Biodiversität beitragen, das war doch zumindest überraschend. Diese weltweit gesammelten Samenspenden werden auch eingefroren, um hier in Zukunft weiter tätig sein zu können. Das Institut von Walter Sheppard ist federführend in dieser Entwicklung. Es mag im den USA ein Ausweg sein, da seit 1922 die Einfuhr von Bienenrassen aus Ländern außerhalb der USA verboten ist.

Das Projekt Smartbees, das von Kaspar Bienefeld vom LIB in Hohen Neuendorf vorgestellt wurde und mit 6,0 Mio € EU-Fördergeld betrieben wird, zeigt ähnliche Ansätze. Hier allerdings soll durch Züchtungen die Varroatoleranz verbessert werden. Eingestreute Beispiele von Versuchen in Nepal und Syrien haben für den einfachen Imker keinen Zusammenhang erkennen lassen. Da kann man nur gespannt sein, welche Forschungsergebnisse eines Tages auf dem Tisch liegen. Zur Zeit wird hier auch die Virenvielfalt, die von der Varroa ins Bienenvolk getragen wird, verstärkt untersucht.

Interessant waren die Ausführungen von James Cresswell, der in wissenschaftlich fundierten 10-Tagestests die Auswirkungen von Pestiziden auf den Organismus von Bienen dargestellt hat. Insbesondere wurden Toxiditäten von Produkten getestet, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Volker Grimm hat den Zuhörer mit Modelluntersuchungen vertraut gemacht. Diese Modellierungen sollen auf Grund von eingegebenen Einzeldaten Zukunftsperspektiven erkennbar werden lassen. Die Vielzahl der Axiomen aber lassen auch einen sehr unseriösen Gebrauch zu. Es beginnt mit der Eingabe von Daten, die für wichtig gehalten werden. Wer entscheidet das? Hier ist die Brauchbarkeit trotz der Entwicklungsleistung von Juliane Horn und Matthias Becher nach Vorlage der Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. Interessenten sollten sich im Internet mit der Arbeit BEEHVE vertiefend beschäftigen.

Verfolgen sollte man die weiteren Ergebnisse der Forschung an der Plant Research in Wageningen, die von Sjef van der Steen dargestellt wurden. Der Einfluss von Pestiziden auf die Honigbiene, die Hummeln und Wildbienen – hier am Beispiel der Osmia – wurde hier in aufwendigen Feldversuchen durchgeführt und dargestellt. 2×60 Bienenvölker für Testreihen zu bewerten, scheint mehr als repräsentativ zu sein. Interessant sind dabei auch die Beobachtungen, dass eine Honigbiene bei der Nektar- und Pollensammlung ungern mehr als 1 km zurücklegt. Die bis jetzt immer angenommenen 4 km sind eher die Ausnahme. Eine Wildbiene z.B. sieht ihren Flugradius bei 150 m als Maximum an. Das sind entscheidende Erkenntnisse bei dem Versuch einer Rekultivierung ländlicher Regionen. Hier sind vor allem Erkenntnisse hinsichtlich der von den Bestäubern bevorzugten einjährigen Blühpflanzen, Stauden und Gehölze zu beachten. Über die fehlenden Habitate bei der Anlage von Blühstreifen wurde nicht gesprochen. Die empfohlene Anlage von Hecken mach diesen Hinweis aber möglicherweise auch überflüssig.

Die von Tom Steeger aus den USA vorgetragenen Methoden für wissenschaftliche Risikobewertung ist wohl ein imponierendes Instrumentarium für politische Entscheidungen in den vereinigten Staaten. Da aber die Datenbasis weitgehend auf den Mitteilungen auskunftswilliger Imker beruht, ist das Ergebnis zumindest sehr kritisch zu hinterfragen. Es kommt hinzu, dass man sich bei der Erarbeitung von Statistiken vieler Subinstitutionen bedient. Auf das Phänomen des auch für die USA gewaltigen Bienensterbens (500.000 Völker in einem Jahr) konnte nicht klärend eingegangen werden.

Insgesamt hat sich gezeigt, dass wissenschaftliche Ergebnisse die Erkenntnisse von praktizierenden Imkern betätigen. Möglicherweise werden diese „Amateur-ergebnisse“ in Zukunft mehr beachtet.

Pflanzenschutzmittel sind ein Dilemma. Sie schützen wirklich nur die Pflanzen, vernichten aber die Fauna und können ein Risiko für den Menschen darstellen. Auf die vernichtende Wirkung der Neonikotinoide wurde in diesen beiden vom Unterzeichner besuchten Foren wenig eingegangen.

Die Varroa ist eine Geißel für die Honigbiene. Sie muss weiter erforscht werden, um die Bekämpfung weiter zu verbessern.

Die Landwirtschaft ist aufgerufen, nach der Intensivierung landwirtschaftlich genutzter Regionen wieder den Futteranreiz herzustellen für alle Bestäuber. Es hat sich gezeigt, dass die Biodiversität auch nach dem herkömmlichen Verständnis für alle Menschen – egal ob Erzeuger oder Verbraucher – von besonderer Wichtigkeit ist. Es bedarf eigentlich keiner Fördermechanismen, wenn man erkennt, dass das Wohlergehen aller Lebewesen von dieser Vielfalt abhängt.

Dieser Bericht mag vorrangig eine persönliche Einschätzung sein. Da wir uns in dem Imkerverein Berlin-Zehlendorf aber seit Jahren mit diesen Themenkreisen kritisch auseinandersetzen, sollte Vieles richtig bewertet worden sein.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
29.03.2017