Kontrolle der Giftschränke

Niemals sollten die Fragen beantwortet werden, ob das Sterben der Insekten mit den landwirtschaftlich verabreichten Cocktails aus den Giftküchen der Chemieriesen im Zusammenhang zu sehen ist, oder ob diese Zugaben gar für den Menschlichen Organismus eine Gefahr darstellen. Das wollten die Konzerne doch immer vermeiden, mit dem „na ja, denn macht mal so weiter“ der Politik.
Doch das unbändige Drängen besorgter Bürger um die Naturschutzverbände und vor allem die Hartnäckigkeit der TFSP, der Task Force on Systemic Pesticides, haben die Diskussion um die Sorge für das Wohlergehen für Tier, Mensch und schließlich die Biodiversität nicht ruhen lassen. Und es scheint erfolgreich zu sein, dies stete Drängen nach Anerkennung neutral gefundener wissenschaftlicher Erkenntnisse. EFSA (wissenschaftlicher Beirat der EU) und TFSP haben nun jüngst ein Bündel an fundierten Untersuchungen auf den Tisch gelegt, das selbst Politiker möglicherweise zum Umdenken bewegen wird. Die Chance ist groß, da man zur Zeit dabei ist, das Umdenken zu lernen.

Doch wer steckt hinter dieser Task Force?

2009 haben sich Entomologen, Ornithologen und andere diese Bereiche tangierende Wissenschaftler zu einem Gedankenaustausch zusammengefunden. Der Grund war die Feststellung eines unglaublichen Rückgangs von Insekten. Es wurden Studien von unabhängigen Institutionen initiiert. Und es bestätigte sich die Vermutung, dass das Sterben oder zumindest die Verringerung der Insekten und Bestäuber im Zusammenhang stand mit der neuen Generation an Pestiziden. Die in den 90ger Jahren eingeführten systemischen Pestizide und neurotoxischen Neonikotinoide und auch das Fipronil könnten die Ursache sein. Es gab derart viele Indizien, die diesen Verdacht erhärteten, sodass man sich entschloss, eine Task Force, d.h. eine internationale Arbeitsgruppe unabhängiger Wissenschaftler zusammenzurufen. Seit 2012 hat diese Gruppe in verstärktem Ausmaß auf sich aufmerksam gemacht und alle Erkenntnisse zu diesem Themenkreis immer wieder der Öffentlichkeit und vor allem den politischen Entscheidungsträgern zugänglich gemacht. Doch die Chemiekonzerne kauften optisch seriöse Gegengutachten ein. Es stand ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor im Raum. Da wurde zunächst die Bedeutung der Gesundheit von Tier und Mensch für vertretbar unbedeutend erklärt. Nun aber sind Papiere veröffentlicht, die eine derartige wissenschaftliche Breite und bewiesene Tiefe haben, dass selbst die EFSA als Kontrollgremium die ersten Pestizide als für den Menschen gesundheitlich bedenklich eingestuft hat. Dem interessierten Leser – das sind wohl alle, die diese Seite durchsuchen – geben wir diese neuen Dokumente als Link in den Anhang.

www.efsa.europa.eu/de/press/news/180228
www.tfsp.info/de/resources/
https://link.springer.com/article/10.1007
https://link.springer.com/article/10.1007/s11356-017-1052-5

Es wird nachgewiesen, dass der Landwirtschaft kein nennenswerter Schaden entsteht, wenn sie den Giftschrank verschlossen hält, zumindest aber doch sehr behutsam damit umgeht. Wir sollten nicht nachlassen, dies Dilemma weiter zu verfolgen. Und wir sollten vor allem die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Biodiversität auch auf den einen oder anderen Acker zurückkehrt, sodass dann auch Imker die Honigbienen wieder frei fliegen lassen können, mit der Zuversicht einer lohnenden Honigernte frei von Pestiziden.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
28.02.2018