Macht uns Bayer sprachlos, machtlos oder schlaflos?

Sollen Pestizide in Europa zugelassen werden oder nicht? Welche sollen zugelassen werden?

Die EFSA (wissenschaftliche Kommission der EU) hat bereits 3 Bienen-schädliche Neonikotinoide erkannt und den Einsatz aufgrund der hohen Toxizität als schädlich bezeichnet sowie empfohlen, den Einsatz zu verbieten. In der 12. Woche 2018 sollten die EU-Gremien über das weitere Verbot entscheiden. Zudem waren Sitzungen des „Ständigen Ausschusses für Phytopharmaka“ für den 23./24.03.2018 vorbereitet. Naturprodukte als Alternativen zur chemischen Behandlung waren angedacht. Da aber war wie immer der in Kürze wohl weltweit größte Chemiekonzern wach und legte eine „wissenschaftliche“ Bayer-Publikation passend zum 22.03.2018 vor. Manion et al Curr. Biol Thiacloprid

Eine erste Stellungnahme von Prof. Randolf Menzel aus dem Mail-Verkehr mit Prof. Klaus Wenzel fügen wir zur Verdeutlichung hier ein. Menzel, Stellungnahme

Doch es ist eben wieder eine Mogelpackung. Oder wie sagt Dr. Anton Safer: eine Entlastungsstrategie. Es wird nicht differenziert die Wirkung der Neonikotinoide ausgewiesen auf die Immunabwehr, das Navigationsvermögen, die Lern- und Merkfähigkeit, den Geruchssinn und die Fortpflanzungsfähigkeit z.B. der Honigbiene. Doch die Bienen trifft es eben leider nicht alleine. Alle Insekten, Spinnen und dgl. sind betroffen.

Honigbienen und z.T. auch Wildbienen neben vielen anderen Insekten kann man in die Städte retten.

Auch wird nicht eingegangen auf die umfassende Vernichtung bzw. Vertreibung aller Bestäuber, sonstiger Insekten, der Kleinlebewesen zu Wasser und zu Land bis hin zu den Vögeln. Es wird nicht eingegangen auf die zunehmende Belastung der Böden, der Gewässer und der Lebensmittel und damit auch auf den möglichen negativen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen.

Was hier vorgelegt wurde als aktuelle Studie, ist keine umfassende Behandlung des Problems der Schädigung von Lebewesen. Es ist für einen Imker, den Pfleger dieser Spezies Biene, völlig unerklärlich, dass ein Konzern mit völlig unzureichenden Ergebnissen diese umfassenden Problemfelder um die Neonikotinoide und die vielen anderen Pestizide ausbremsen kann. Warum wird nicht einmal gesagt: Bitte hinten anstellen! Die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse und Arbeitsergebnisse unabhängiger Wissenschaftler werden so in keiner Weise widerlegt. Sie werden aber leider auch nicht gewürdigt.

Die Entscheidung der EU-Gremien ist erst einmal wieder vertagt.

Doch das „Weiter so“ ist überhaupt nicht zu rechtfertigen.

Am 19.03.2018 hat sich nun auch Herr Maske vom D.I.B. zu Wort gemeldet mit der Forderung eines Verbots der Neonikotinoide. Pressetext_Neonikotinoide_19_03_2018 Das ist doch immerhin ein erster Einstieg in den Kampf für den Schutz der Bestäuber.

Da gab es dann nun auch nach zwei Jahren Einarbeitungszeit den „Erster Bienenschutztag “ in Braunschweig, veranstaltet vom Bieneninstitut des JKI. Da hat man sich gut dargestellt am 01.03.2018. Man hat unter anderem auch die Absicht verkündet, Pflanzenschutzmittel zu bewerten. Doch längst nicht alle Pestizide schützen die Pflanze wirklich. Man möchte auch durch neutrale Drittmittel unterstützt werden. Dabei ist das JKI eine Bundesbehörde des BMEL. Wieso braucht man da noch Drittmittel?

Die Bedeutung des Instituts wäre sehr groß, wenn es denn zu Ergebnissen bei der Arbeit der 27 Angestellten kommen würde.

Informationen zu Bienenvergiftungsfällen hat das JKI auch ohne das Spezialinstitut schon vor Jahren und unter gleicher Leitung erarbeitet. Wir werden sehen, wie sich dieses Institut entwickelt, wenn es Stellung nehmen muss zu den Traktaten der chemischen Industrie. Das Klopfen auf eigene Schultern sollte erst nach guten Ergebnissen folgen und nach dem Beweis neutralen Handelns.

Den volkswirtschaftlichen Nutzen von Bienen hat derweil die Universität Hohenheim im Rahmen des „Bundesprogramm Ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft – BÖLN “ – erarbeitet.

Das ist im Prinzip nichts Neues. Doch es werden nunmehr differenzierte Werte veröffentlicht, die selbst einen Politiker, dem eher die Wirtschaft und die Ökonomie eines Landes und der Landwirtschaft am Herzen liegt, dennoch interessieren dürfte. Dabei ist bei der Erarbeitung der Studie aufgefallen, dass die positive Entwicklung der Imkereien eher in der Nähe von städtischen Ansiedlungen stattfindet. Doch es wird wohl noch lange dauern, bis man merkt, warum das so ist. Bayer & Co wird dann wieder einen adäquaten Verursacher ausmachen, da die hauseigenen Forschungsergebnisse immer wieder den völlig gefahrlosen Einsatz des chemischen Cocktails beweisen.

Doch es gibt für die Chemieriesen natürlich einen Ausweg, wie im Pressebericht „FÖL Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V.“ zu lesen ist.

Bayer & Co könnten demnach also ihre Gifte außerhalb der EU in das Saatgut einbauen und über Polen legal einführen.

Völlig unverständlich ist dabei, wie das möglich sein kann, zumal die Verantwortlichen wie jeder Bürger unseres Landes doch auch auf eine gesunde und einwandfreie Ernährung angewiesen sind.

Den Unterzeichner dieses Betrags hat diese Entwicklung zwar nicht sprachlos, schon gar nicht wortlos aber doch zeitweise schlaflos gemacht. So sind auch die Imkerkollegen – weiblich wie männlich – dieser oder einer anderen Stadt eher nicht die Zielgruppe für diese Problemfelder. Doch die Werbeabhängigkeiten der großen Medien vor allem im Printmedienbereich lassen leider nur selten objektive Stellungnahme zu diesen Problemen zu. So ist nun wieder der Zwerg www.ivbzuuev.de) gefragt.

Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, welchen mutigen Artikel zum Stop des Pestizidkarussells der Tagesspiegel am 21.03.2018 mit den Autoren Goulson, Menzel u.a. veröffentlicht hat. Es ist Zeit, das Pestizid-Karussell zu stoppen

Man kann nur hoffen, dass diese, unsere Leser dies alles weitertragen an die Nachbarn, Freunde, an einige Politiker und möglicherweise auch an die Landwirte. Es muss doch allen klar zu machen sein, wie wir uns schaden, wenn wir zulassen, dass die Artenvielfalt, die Biodiversität vernichtet wird. Und es beginnt eben bei den Bestäubern, die zunächst die landwirtschaftlich genutzten Regionen stadtwärts verlassen, weil ihnen das Futter genommen wurde. Suchen sie dann immer noch nach einer letzten tapferen Blüte, wird ihnen nach dem Leben getrachtet.

Warum haben die Wirtschaftsmächtigen keinen Zugang mehr zur lebenserhaltenden Logik?

Reinhardt Löwe
27.03.2018