Modernes Hobby: Imkern



Imkern als Hobby?

Das sagt man so. Doch wer es ernst meint mit der Pflege der ihm anvertrauten Tiere, der merkt ganz schnell: So ein richtiges Hobby ist das nicht. Da kann man sich nicht mal eben damit beschäftigen, wenn man Lust dazu hat. Da kann man nicht mal eben im Sommer für sechs Wochen in den Urlaub fahren. Man kann damit eigentlich auch nie aufhören, solange den Imker die Beine tragen können. Das ist Verantwortung lebenslang.

Nein, Imkern das ist was ganz anderes. Das ist eine Herausforderung, eine Leistungsprüfung, aber das ist auch Spaß, Genugtuung und Zufriedenheit pur. Ein Hobby ist es nur insofern, dass es am Anfang die Haushaltskasse stark belastet und dass man wie beim Modellbau häufig mal eben verschwinden muss, um etwas zu bauen (und da gibt es eine riesige Palette).

Wie kommt man dazu? Imker werden können eigentlich nur die immer Neugierigen und die Verrückten und die, die viel Verantwortung übernehmen wollen und können. Und der neue Imker braucht natürlich einen geeigneten kleinen Platz für seine Bienen und den kleinen Maschinen- und Gerätepark. Wer einen kleinen Schrebergarten hat, der hat diesbezüglich keine Sorgen. Der hat eher die Verpflichtung, Bienen zu halten. Wie viel Platz wird nun benötigt? Der Platz für das erste Volk misst mit etwas Bewegungsspielraum für die Finger 60 x 60 cm. Strebt man zunächst das Imkern mit drei Völkern an, braucht man die Standfläche von 1,80 m x 60 cm zzgl. vorn und hinten 1,00 m Bewegungs- und flugfläche. Also kommt man auf einen Platzbedarf von 2,60 m x 1,80 m. Das ist gut bemessen. Doch drei Völker sollten es schon sein, denn es gibt doch von Zeit zu Zeit Verluste bei einem strengen Winter. Dann braucht man noch Platz für die Honigernte. Das findet am Anfang in der Küche statt. Für das Material im Winter für Schleuder, leere Waben, Rähmchen div. Kleinkram, Entdeckelungsgeschirr wird sicherlich ein Stauraum von 4,00 cbm zu finden sein.

Das Startgeschirr

Wir beginnen mit der ersten kleinen Plünderung der Haushaltskasse: Zum Imkern, auch als Anfänger, braucht man Bienen. Die gibt es in vielen Vereinen das erste Mal kostenlos. Dann braucht man eine Behausung für die Tiere. Das ist eine Beute bestehend aus einem Boden, drei Zargen und einem Deckel. Dazu kommen je Zarge 11 Rähmchen mit einer Mittelwand aus Bienenwachs. Zum Schutz für den Anfänger braucht er dann einen Schleier und ev. Handschuhe, wenn er denn auf eventuelle Stiche so allergisch reagiert wie ich. Weiter wird ein Stockmeißel benötigt, um die von den Bienen zusammengekitteten Zargen auseinanderstemmen zu können und einen Smoker, um den Bienen den „Waldbrand“ zu signalisieren. Ist alles neu, sind die ersten rd. 350,00 € ausgegeben. Die Beute ist bei diesem Preis aus Kunststoff. Einige Vereine sind mit einem Einsatz von 120,00€ für ein erstes Starter-Testpaket zufrieden.

Die Bienenpflege, das erste Imkern kann nun schon einmal beginnen. Das macht der Anfänger möglichst nicht alleine. Vor der ersten Anschaffung werden Imkerkurse angeboten, die dazu beitragen sollen, erste Fehler zu vermeiden und dass es für die Tiere keine Qual ist, wenn sie dem „Neuen“ anvertraut werden. Doch dafür sorgen auch die Paten, Vereinsmitglieder mit einigermaßen pädagogischem Geschick und noch mehr Geduld als sie der Anfänger hat. Damit ist der Grundstein gelegt, damit die vielen fleißigen Mitarbeiter den Nektar der Sommerblüten eintragen, um daraus den noch köstlicheren Honig zu produzieren. Mai, Juni und Juli das sind die Hauptmonate für die Ernte dieser goldenen Köstlichkeit. Da werden wieder Geräte benötigt, die man sich aber ev. zunächst von seinem Paten oder einem anderen Vereinsmitglied im ersten Jahr ausleihen kann. Dazu muss man sagen, dass die Mitgliedschaft in einem Verein für einen Imker unerlässlich ist, um aus dem Gedankenaustausch zu lernen, viele Fehler zu vermeiden; und auch, um versichert zu sein. Doch zurück zu den Geräten, denn wer es ganz ernst meint, der besorgt sie sich. Zur ersten Ausrüstung gehört: Entdeckelungsgeschirr mit Gabel, eine schon etwas bessere 3-Wabenschleuder mit Handbetrieb, ein Doppelsieb, ein Spitzsieb und ein 50 kg Abfüllkübel. Diese Geräte sind fast ausnahmslos aus Edelstahl und halten daher bei guter Pflege fast lebenslang. Na ja, dann kommt natürlich noch immer ein bisschen Kleinkram, den jede Frau oder jeder Mann für unentbehrlich hält oder aber auch dringend benötigt: Edelstahldraht, Wachsmittelwände, zusätzliche Beuten, zusätzliche Zargen, Absperrgitter, Holzteile, Platten, Leisten etc, je nach Ernsthaftigkeit braucht man für den Imkereinsatz. Der allererste Grundstock aber, der liegt nun bei rd. 1.500,00€. Damit ist der Jungimker aber auch schon für 3 Völker gut ausgestattet; und manchmal gibt es alles auch gebraucht für erheblich weniger. Nur die Beuten und die Rähmchen sollten immer neu sein, frei von allen möglichen Krankheiten, denn das fachgerechte Reinigen dieser Teile erlernt man erst später.

Der zeitliche Rahmen

Nun noch Einiges zu den Einschränkungen und warum das Imkern eigentlich kein Hobby ist. Die Bienen entwickeln sich im Frühsommer rasant. Ca. 2.000 Eier legt die Königin täglich. Das Volk wächst zu einer Stärke rd. 50.000 Bienen heran. Dann kommt der Zeitpunkt, dass der Honig schon in die Zellen bzw. Waben gefüllt werden. Die Behausung wird zu eng. Die Königin wird unruhig. Das Volk beginnt, sich neue Königinnen zu ziehen. Die alte Königin möchte mit einer großen Mannschaft ausziehen, um sich nach einer neuen Behausung umzusehen. 16 Tage braucht ein Ei, um zu einer neuen Königin zu reifen. Das bedeutet, dass der Imker alle 10 Tage(Schwarmstimmung) max. 14 Tage (wenn das Volk noch viel Raum hatte) das Volk durchsehen muss, ob es noch mit der alten Königin zufrieden ist. Doch besser macht man diese Durchsicht wöchentlich, dann kommt man mit den Tagen nicht durcheinander. Das bedeutet nun, dass der Imker – na ja, bei einem Volk ist das noch nicht so schlimm – wöchentlich bei bis zu 6 Völkern rd. 6 Stunden beschäftigt ist. Darin enthalten sind natürlich kleinere Reparatur- und Werkelaufgaben. Hinzu kommt dann die Ernte mit allen Begleiterscheinungen wie Aufbauen der Geräte, Entdeckeln, Schleudern, Sieben, Abfüllen und Reinigen. Das bedeutet, dass dieses „Hobby“ in der Saison von März bis Juli den Imker fast einen Tag in der Woche in Anspruch nimmt.

Das aber zählt alles nicht als Last. Die Belohnung ist so riesig, dass diese Einschränkungen nicht ins Gewicht fallen. Bienen sind ein sensibles, ein ökologisch unglaublich wichtiges Gut. Es sind Haustiere in einer ungewohnten Vielzahl, die dem Imker anvertraut werden. Aber, bei guter Betreuung danken sie es dem Imker Woche für Woche, Jahr für Jahr mit eben diesen immer wiederkehrenden friedlichen Siegen, mit dem unglaublich gesunden und aromatischen Honig und den vielen anderen Produkten rund ums Imkern und rund um die Bienen. In der Imkerei steckt so viel Zufriedenheit – trotz der partiellen Angriffslust -, so viel Ruhe und Frieden, so viel kleine Siege durch das Verstehen dieser komplizierten Spezies. Einen unglücklichen Imker gibt es nur, wenn er ein Volk verloren hat durch die Launen der Natur (Krankheiten wie z.B. Faulbrut oder Varroabefall), durch Nachlässigkeit (z.B. Schwärme oder Wachsmotten) oder einen bösen Mitmenschen. Doch glückliche Imker überwiegen. Es gibt hier keine Rentner mehr.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.