Immer noch nicht wahrgenommene Erkenntnisse

Dr. Werner Kratz von der FU Berlin fasst hier zusammen, welche neuen Erkenntnisse hinsichtlich des Einflusses von Neonikotinoiden auf das Verhalten von Insekten – hier Hummeln – gewonnen wurden.

Aber warum müssen jetzt alle Insektengattungen separat untersucht werden? Der Gebrauch der Logik in einem gesunden Menschenverstand zeigt uns doch viel einfachere Zwänge auf. Vernichten die Herbizide die überwiegend erforderliche Nahrungsgrundlage einmal nur der meisten Insekten, bleiben diese mehrheitlich den behandelten Flächen fern. Stellt man zudem noch fest, dass nach Behandlung der vom Kraut beseitigten Flächen und einer weiteren Behandlung mit Neonikotinoiden weitere Bestäuber und andere Insekten ausbleiben, dann muss man etwas an dieser Verfahrensweise ändern.

Einerlei wodurch das Verschwinden der Insekten und Bestäuber zu erklären ist, muss zunächst der kausalen Vermutung gefolgt werden, dass es mit der Ausbringung der Pestizide zu tun hat. Es ist dabei nicht von primärer Bedeutung, ob es sich um einen ökologischen, ökonomischen oder beim Menschen gesundheitlichen Schaden handelt.
Hier ist ganz schnell etwas in Ordnung zu bringen, was der Mensch offensichtlich durch Unachtsamkeit in Unordnung gebracht hat. Das bedeutet, dass zunächst großflächig (200 ha und mehr) alle Pestizidgaben für die nächsten fünf Jahre zu unterlassen sind. Habitate und Wasserquellen sind wieder einzurichten.

Kehren jetzt die Insekten in angemessener Vielfalt zurück, muss man die Forschung für diese Erkenntnisse nicht bemühen. Man wird sehen, es funktioniert. Plausibilitäten sind so leicht aufzuzeigen. Warum aber macht man davon so selten Gebrauch? Weil eben ganz andere Interessen im Vordergrund stehen. Das aber sollte, nein, es muss ganz schnell geändert werden.

So aber müssen wir zunächst froh sein, wenn spezielle Forschungseinrichtungen noch speziellere Ergebnisse erarbeiten und publizieren wie hier die Beeinflussung der Neonikotinoide auf das Verhalten der Hummeln. Das sind dann eben die unpraktischen Erkenntnisse, die man Steinchen für Steinchen zusammenfügen muss. Dann erreicht man das Ergebnis, dass die überwiegende Zahl der Pestizid-Rezepturen den meisten Pflanzen, den Tieren und auch dem Menschen schadet. Die Robusten werden diesen Fahrplan zeitlich und gesundheitlich überstehen.

So ist es zur Zeit nur gut, wenn Menschen wie Dr. Kratz diese kleinen Erkenntnisbausteine verbreiten. So sollen auch wir versuchen, andere auf diese Gefahren hinzuweisen eben Steinchen für Steinchen, wenn es denn nicht anders geht.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
16.11.2017

Umweltforschung: Das Schweigen der Hummeln

Getreide, Kartoffeln, Tomaten – viele Nutzpflanzen sind, nicht nur für einen hohen Ertrag, auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Dass Pestizide das Bestäubungsverhalten von Hummeln beeinträchtigen, haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der University of Stirling herausgefunden. Ihre Ergebnisse stellen sie in der Fachzeitschrift Scientific Reports vor.

Hummeln setzen Pollen per Vibrationsbestäubung frei: Sie erzeugen mit ihrem Flügelschlag Frequenzen, die die Pollen aus der Blüte herausschütteln. So entsteht das bekannte Summen, das zwei Zwecken dient:
Bestäubung anderer Blüten und Sammeln von Nahrung.

„Wir haben die Wirkung des Pestizids Neonicotinoid auf Hummeln untersucht und herausgefunden, dass es die Vibrationen, und somit auch das Summen, negativ beeinflusst“, sagt Dr. Penelope Whitehorn. Die Biologin, die jetzt am Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU) des KIT forscht, leitete die Studie an der University of Stirling.

Zusammen mit Dr. Mario Vallejo-Marin, University of Stirling, untersuchte sie durch das Pestizid belastete Hummelkolonien, überwachte deren Verhalten und nahm über einen längeren Zeitraum das Summen mit Mikrofonen auf. Danach analysierten die Wissenschaftler das akustische Signal, das die Hummeln bei der Vibrationsbestäubung erzeugen, um Veränderungen im Summen festzustellen. Sie fanden heraus, dass die permanente Belastung durch das Pestizid die Vibrationen verringert. Dies wiederum reduziere die Menge der gesammelten Pollen und somit die Nahrung der Hummeln, so die Forscher.

„Hummeln einer Kontrollgruppe, die dem Pestizid nicht ausgesetzt waren, lernten in ihrer Entwicklung nach und nach dazu, wie sie mehr Pollen sammeln und besser Blumen bestäuben können“, so Whitehorn. „Die Hummeln, die mit dem Pestizid in Berührung kamen, entwickelten ihre Fähigkeiten nicht weiter. Sie sammelten am Ende des Experiments zwischen 47 und 56 Prozent weniger Pollen als die Kontrollgruppe.“

„Unsere Forschungsergebnisse leisten einen wesentlichen Beitrag zu der Frage, wie sich Pestizide auf die Hummelpopulation und ihre Bestäubungsleistung auswirken. Sie weisen auch darauf hin, dass die Belastung durch Pestizide die Fähigkeiten der Hummeln beeinträchtigen kann, komplexe Verhaltensweisen wie die Vibrationsbestäubung weiterzuentwicklen“, sagt Vallejo-Marin. „Der nächste Schritt unserer Forschung wäre nun, den Mechanismus zu bestimmen, durch den das Pestizid die Hummeln beeinflusst. Wir glauben, dass Pestizide sich auf das Gedächtnis und die kognitiven Fähigkeiten von Hummeln auswirken. Beides sind wichtige Voraussetzung für komplexe Verhaltensweisen.“

Das Paper „Neonicotinoid pesticide limits improvement in buzz pollination by bumblebees“ veröffentlichten die Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift Scientific Reports: Reports.

Privatdozent Dr. Werner Kratz

Freien Universität Berlin, Institut für Biologie
Himbeersteig 18
14129 Berlin

kratzw@zedat.fu-berlin.de

Bienen- und Imkerwinter 2017/2018

Auf unserer letzten Versammlung haben wir uns ausgetauscht über die anstehenden Handgriffe, die der Imker zum Wohlergehen der ihm anvertrauten Tiere doch beachten sollte, ehe es so richtig kalt wird. Es wird ruhiger am Bienenstand und dennoch müssen wir kontrollieren, ob alles in Ordnung ist mit dem Kampf gegen die Varroa und dem Schutz der Bienen auch gegen Mäuse.


Mäusekeil und Fluglocheinengung gegen die leider bis zum ersten Frost immer noch räuberischen Wespen müssen nun eingesetzt werden.

Doch der Winter erinnert uns auch an die wiederholt anstehende Teilnahme an der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Einen großen Themenkreis sollten wir Imker des Vereins in Zehlendorf und Umgebung beherrschen. Im Oktoberprotokoll wird sicherlich einiges zu lesen sein.

Unseren Wünschen hinsichtlich der Standorganisation ist im Wesentlichen entsprochen worden. Außer, dass beide Tische nach wie vor 1,00 m Durchmesser haben, ist man unseren Vorstellungen gefolgt. Aber wir haben erkannt, dass das Bundesministerium sparen muss. Obwohl, das muss man nun doch festhalten, ist auch wieder die Bienen-App mit ihren zwei Tablets an unseren Stand geschraubt. Doch wird hier sicherlich eine Aktualisierung stattgefunden haben, denn die App gibt es ja schon einige Jahre. So bereiten wir uns vor und lesen schon einmal die neue Version. Doch wenn man damit beginnt, ist man dem Internet als ewig Neugieriger ausgeliefert.
Eine neue Rubrik wird aufgerufen: Jetzt Bienen füttern mit dem Smartphone.

Das lassen sich der Herr Minister Schmidt und natürlich auch unser Bundesvorsitzender Maske nicht nehmen, diese neue App-Ergänzung auf einer (War es eine Messe?) kleinen Zusammenkunft in Meckenheim vorzustellen. „Bundesminister Schmidt vor Ort“ wird die Aktivität des BMEL überschrieben. Und der Herr Minister hält eine flammende Rede: Ohne Bienen können wir nicht leben. Das Ökosystem wäre gefährdet. Ein jeder kann seinen Beitrag leisten und in seinem Garten etwas tun, damit die Bienen ganzjährig Nahrung finden.

Aber es ist dem Herrn Minister wohl noch gar nicht aufgefallen, dass das Problem überhaupt nicht mit dem möglicherweise schlecht bepflanzten Blumenkasten zusammenhängt. Aber die App und wohl auch der eingespielte Trailer sind nicht für das Fachpublikum gedacht, sagt der Herr Minister. Doch warum soll die breite Bevölkerung nicht so schlau werden wie diejenigen, die sich mit der heutigen Problematik um das Bienensterben auseinandersetzen. Warum suggeriert man hier, dass man am Balkonkasten das Bienendilemma in eine positive Richtung drehen kann? Warum scheut man eine sachdienliche Auseinandersetzung?

Also sucht man weiter nach Gründen für das Bienensterben an Orten, wo es dies Problem nicht gibt. Warum fordert und fördert man ein Bienenmonitoring? Doch was ist das? Ein Monitoring ist die systematische Erfassung von Daten, um möglicherweise ein Problem lösen zu können. Ist es ein Bienenmonitoring dann sollte es sich um den Versuch der Problemlösung hinsichtlich des Bienensterbens z.B. handeln. Warum werden die Probleme der Vertreibung aller Insekten aus landwirtschaftlichen Regionen nicht auch im beschaulichen Meckenheim angesprochen? Da genügt es nicht, die Rettung in den Gartencentern der Region zu starten. Und die Datensammlungen bringen nicht viel, wenn man sie nicht bewertet und konstruktiv daraus Konsequenzen herleitet.

Dies nicht enden wollende Warum macht natürlich weiter neugierig; und man klickt sich durchs Netz, um wieder bei dem elenden Thema Glyphosat zu landen. Doch diesen Artikel des Tagesspiegel wollen wir nicht vorenthalten, wenn wir ihn denn nun schon gefunden haben. Wir wollen informiert bleiben über den Stand der Dinge bei der Abstimmung über die weitere Zulassung dieses Herbizids, dieses Breitbandantibiotikums, dieses Giftes, das wohl doch der Hauptverursacher ist für das Bienensterben in landwirtschaftlich genutzten Bereichen ist, unabhängig von den Krebsverdächtigungen. Hoffen wir, dass Minister Christian Schmidt ebenfalls diesen Artikel liest; und hoffen wir, dass unser Landwirtschaftsminister sich zusammen mit der Frau Ministerin für Umweltschutz sich nunmehr gegen eine Verlängerung der Zulassung für Glyphosat ausspricht. Glauben wir fest daran, dass es für die Bienen auch auf dem Lande wieder eine gute Zukunft gibt.

Reinhardt Löwe
31.10.2017

EU: Bundesregierung will Glyphosat-Einsatz retten
Der Tagesspiegel, Wirtschaft, 17.10.2017 19:23 Uhr

Das deutsche Agrarministerium verhandelt über einen Kompromiss: Das Gift soll noch weitere zwei bis drei Jahre zugelassen werden.

VON MARKUS GRABITZ


Über Jahrzehnte haben Landwirte Breitbandherbizide auf Glyphosat-Basis auf ihre Felder gebracht und wollen darauf nicht mehr…FOTO: IMAGO/BLICKWINKEL

Berlin arbeitet an einem Plan B, um die weitere Verwendung des umstrittenen Wirkstoffs Glyphosat auf Äckern EU-weit sicher zu stellen. Nach Tagesspiegel-Informationen will Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) durchsetzen, dass der Wirkstoff, dessen Zulassung am 15. Dezember ausläuft, auf EU-Ebene für weitere zwei bis drei Jahre eine Genehmigung erhält. Wie zu hören ist, verhandelt das Landwirtschaftsministerium mit den beiden SPD-geführten Bundesministerien für Wirtschaft sowie Umwelt. Auch die Grünen, die demnächst Sondierungsgespräche über die Bildung der Bundesregierung führen und als Anwärter für das Bundesumweltministeriums gelten, sind in diese Gespräche eingebunden.

2016 war eine Verlängerung der Zulassung um zehn Jahre gescheitert, weil die SPD plötzlich ihr Veto gegen einen ausgehandelten Kompromiss einlegte und sich die Bundesregierung laut Koalitionsvereinbarung dann bei der Abstimmung in Brüssel enthalten musste.

Die Zeit drängt: Im Dezember läuft die Zulassung des Wirkstoffs ab, dem die beiden EU-Agenturen für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sowie für Chemikalien (ECHA) Unbedenklichkeit bescheinigen, den aber die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (IARC) für „wahrscheinlich Krebs auslösend“ hält. Am 25. Oktober will die EU-Kommission unter den 28 Mitgliedsländern die Verlängerung der Zulassung für Glyphosat um zehn Jahre abstimmen lassen. Sollte der Abgesandte der Bundesregierung aus Berlin dabei, wie so häufig in den letzten Jahren, nicht die Weisung für ein klares Ja oder klares Nein mitbringen, geht die Hängepartie weiter. Dann kommt vermutlich wieder keine qualifizierte Mehrheit zustande, weil nicht mindestens 16 Mitgliedsländer mit „Ja“ oder „Nein“ stimmen, die 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Dann könnte die Kommission selbst entscheiden.

Doch EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis hat bereits mehrfach angekündigt, dass die Kommission dies nicht will. Sie will nicht den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen für die Zulassung eines Mittels, das in weiten Teilen der Bevölkerung nicht mehr gewünscht wird.

Wenn Plan B scheitert, wird die Zulassung auslaufen

Klar ist: Sollte der Plan B von Minister Schmidt nicht aufgehen, würde die Zulassung für Glyphosat, das im Ackerbau im großen Stil eingesetzt wird, unweigerlich auslaufen. Für die Bauern würde es schwierig. Vermutlich wäre noch die nächste Ernte gesichert. Doch nach einer Übergangsfrist von bis zu 18 Monaten würden sowohl der Verkauf als auch der Einsatz des Mittels in der EU verboten, das als Allround-Pflanzenschutzmittel vielfach mit einem Breitband-Antibiotikum verglichen wird.

Die Debatte um Glyphosat wird immer emotionaler geführt. Die Gegner von der Initiative „Stop Glyphosate“ haben mit über eine Million genügend Unterschriften zusammen bekommen, um als EU-Bürgerinitiative von der EU-Kommission anerkannt zu werden. Sie fordern ein Verbot sowie eine Reform der Pestizid-Zulassung in der EU. Die Kommission wird in den nächsten Wochen in den Dialog mit der Bürgerinitiative treten, ist letztlich aber rechtlich frei, wie sie mit den Forderungen umgeht.

Die Gegner versuchen zu mobilisieren. Immer wieder lassen sie etwa Tests durchführen und weisen auf Rückstände des umstrittenen Wirkstoffes hin. Mal findet er sich im Urin, mal im Speiseeis. Im Eis fanden sich Konzentrationen, die unterhalb der Grenzwerte liegen. Zuletzt warfen die Gegner dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das federführend an der Risikoprüfung beteiligt war, unseriöse Arbeitsmethoden vor. Das BfR, so der Vorwurf der Kritiker, habe Passagen von der Industrie abgeschrieben. Das BfR verwahrt sich entschieden gegen den Vorwurf eines Plagiats: Die Gesetzgebung sehe explizit vor, dass der berichterstattende Mitgliedsstaat – im Fall von Glyphosat Deutschland – alle Informationen der durch die Antragsteller eingereichten Dokumente auf Plausibilität und Korrektheit prüft. „Wenn der berichterstattende Mitgliedstaat mit einer bestimmten Zusammenfassung oder Bewertung der Antragsteller übereinstimmt, kann er diese direkt in seinen Bericht integrieren.“ Abweichende Bewertungen würden durch eigene Kommentare ausgedrückt.

Unterdessen wurde bekannt, dass einer der exponiertesten Glyphosat-Gegner einen Interessenkonflikt haben soll, den er jahrelang verschwieg. Der Forscher Christopher Portier war als „externer Spezial-Ratgeber“ beteiligt, als die IARC zu dem Urteil kam, Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserregend“. Nach Recherchen eines US-Bloggers stand Portier auf dem Lohnzettel von zwei US-Großkanzleien, die Schadensersatz vom Glyphosat-Hersteller Monsanto wegen Krebserkrankungen erstreiten wollen. Er soll bis Juni 2017 ein Honorar von 160 000 US-Dollar bekommen haben.

Das unbekümmerte Handeln der Monsantos & Co

Im Anhang findet Ihr eine Zusammenstellung, wie Monsanto und andere Firmen Wissenschaft und sicher geglaubte Beurteilungskriterien manipuliert haben. Das ist schon lesenswert und macht doch Angst. Es erinnert ein wenig an die kleine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung aus dem Juli 2017 im Abgeordnetenhaus incl. der detaillierten Antwort. Es wird viel zu wenig gelesen, nur gesammelt und abgelegt. Es erfolgt keine Bewertung.

Anton Safer hat uns die Neuigkeiten zugespielt.

Was wir Imker nicht verstehen können ist der Verlust an einfacher, dem Menschen eigener Plausibilität.

Glyphosat oder round up oder wie man es immer nennen mag ist ein anerkanntes Herbizid. Es ist eine chemische Substanz, die fast alle Pflanzen vernichtet bis auf die eine, die man profitabel ernten möchte. Damit vernichtet man das Futter für die meisten Insekten und die anderen der ganz Kleinen im Sichtbaren und im Untergrund. Damit zerstört man die Artenvielfalt der kleinen und in der Folge der größeren und dann auch der ganz großen Tiere. Die Pflanzen und auch die Gehölze hat man schon in der Vorbereitungsphase vernichtet.

In dieser einfachen Form der Beschreibung müsste der zu erwartende Schaden doch jedem Menschen verständlich sein. Über die komplizierte Schiene der Gesundheitsgefährdung möchten einige Verantwortliche das Verbot oder die Reduzierung der Verbreitung erreichen. Ein langer zeitlicher Beweis wäre erforderlich. Also wird die Vernebelung der Chemie oder anderweitige Verbreitung dieser Substanz weiter geduldet. Wie sagt da die Landwirtschaft: Wir machen nichts Ungesetzliches. Das ist im Prinzip richtig. Doch man kann doch mit dieser Aussage nicht zufrieden sein und auf die Teilnahme des Verstandes verzichten.

Warum ändern die vielen Verantwortlichen nicht den Beurteilungsvorgang in eine logische Vorgehensweise. Warum trennen wir uns nicht einmal von der Betrachtung der Gewinnerwartung der Chemie verarbeitenden Unternehmen sowie der Landwirtschaft. Warum denken wir nicht einfach einmal an den immensen Schaden, der durch die Vertreibung und Vernichtung allein der Bestäuber angerichtet wird. Das heißt, warum denken die Verantwortlichen Volksvertreter nicht einfach einmal an die althergebrachten und bewährten Nachhaltigkeitsprinzipien der Natur. Das wäre nicht unbedingt neu, ist aber aus der Mode gekommen.

Die neuartige Zauberformel Blühstreifen sollten wir überhaupt nicht mehr erwähnen. Die Blühstreifen sind wie das Hauptfeld wenn nicht mit Herbiziden dann mit Neonikotinoiden vergiftet. Sind sie es ausnahmsweise einmal nicht, was unwahrscheinlich ist, bieten sie doch keine Habitate und bleiben damit unerreichbar für die meisten vertriebenen Bestäuber. Zwar hat das Institut für Bienenkunde in Celle ermittelt, dass es wohl Honigbienen gibt, die eine Entfernung bis zu 8 km zurücklegen können. Das aber wird nicht die Regel sein. Wissenschaftler aus den Niederlanden sehen den Einzugsradius von Honigbienen eher bei 2 km, den von Wildbienen bei 0,7 – 1,0 km. Das bedeutet, dass diese wohl historischen Bienenmodelle nicht einmal den Acker einer modernen Monokultur überqueren können.

In diesem Sinne bitte lesen, wenn es auch nicht einfach ist. Was aber noch wichtiger ist, verbreitet doch bitte weiter unser ganz einfaches der Natur zugewandtes Gedankengut. Bleibt neugierig und werdet in dieser Richtung noch redseliger. Macht es den Betrügern schwer, sich immer wieder durchzusetzen; oder aber wie im angefügten Artikel: entlarvt sie.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
14.10.2017

Anhang
Gillam 2017 Presentation_Decades od Deceit-REVELATIONS FROM THE MONSANTO PAPERS

Arte | Dokumentation | Wissenschaft: Roundup, der Prozess

Imkerfahrt in den Spreewald 2017 (II)

Im September kann der Imker erstmals im Jahr – abgesehen von den Wintermonaten – entspannt auf Reisen gehen. Wie im jeden Jahr sind wir vom Imkerverein wieder im September auf Reisen gegangen. Warum in die Ferne schweifen, haben wir uns auch dieses Mal gesagt und sind in den Spreewald gefahren. Sabine hat uns eine schöne und abwechslungsreiche Reise zusammengestellt. Wieder hat uns Eberhardt, unser Imkerfreund aus Burg im Spreewald, begleitet und mit Informationen versorgt. Hier nun der Reiseverlauf:

1. Tag

a. Besuch der Schokoladenmanufaktur Felicitas in Hornow,
b. Schlosspark Bad Muskau und Besuch des Polen Marktes,
c. Aussichtspunkt Tageabbaugebiet Jänschwalde,
d. Stadt Peitz

2. Tag

a. Stadtrundgang durch Peitz,
b. Kahnfahrt durch den Spreewald,
c. Abend der offenen Höfe in Peitz

3. Tag

a. Besichtigung der Schauimkerei in Dissen,
b. Besuch des Dorf- und Erntefestes in Raddusch,
c. Rundgang durch Lübbenau
  
  

1. Tag

Besuch der Schokoladenmanufaktur Felicitas

Die Schokoladenmanufaktur befindet sich in Hornow. Hornow ist ein kleines Dorf südlich von Cottbus. Es ist schon überraschend, dass in diesem kleinen Dorf eine über die Grenzen von Brandenburg hinweg bekannte Schokoladenmanufaktur ihren Sitz hat. Die Schokoladenmanufaktur ist eher zufällig in Hornow gegründet worden. In Hornow waren einfach gute Expansionsmöglichkeiten auf dem Gelände einer ehemaligen LPG vorhanden. Gestartet ist „Felicitas“ vor 25 Jahren ganz klein mit 2 Mitarbeitern. Damals war es noch keine Schokoladenmanufaktur, sondern nur eine kleine Schokoladenküche. Mittlerweile ist die Schokoladenmanufaktur auf 75 Mitarbeiter angewachsen. Ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Für den nächsten Tag wurde der Ministerpräsident des Landes Brandenburg zum 25-jährigen Jubiläum erwartet. Wir wurden mit einer Tasse Schokolade und Pralinen von der Inhaberin begrüßt. Dazu gab es einen Film über die Entstehung und Philosophie der Schokoladenmanufaktur. Der Name steht für 100 % Handarbeit. Jeden Tag werden 600 kg Rohschokolade verarbeitet. Zu Ostern und Weihnachten sind es sogar 800 kg Rohschokolade. Die Qualität des Produktes ergibt sich aus den Zutaten, hat uns die Chefin erklärt. Die Firma hat 2 Filialen in Dresden und 1 Filiale in Potsdam. Eigentlich sollte eine 4. Filiale am Flughaben Schönefeld hinzukommen. Daraus wurde aber nichts. Selbst wenn der Flughafen einmal eröffnet wird, wird es dort keine weitere Filiale geben. Diesen Plan hat die Firma inzwischen aufgegeben. Stattdessen hat die Firma einen neuen Plan umgesetzt. Am Stammsitz in Hornow wurde das „Schokoladenland“ eröffnet, eine Mitmachwerkstatt, ein Verkaufsraum, ein Cafe´ und ein Veranstaltungsraum. Geplant ist als nächstes eine gläserne Manufaktur. Auf lustige und interessante Art hat uns die Chefin die Geschichte der Schokoladenmanufaktur erzählt. Die Chefin hat uns verraten, dass sie jeden Tag 10 Pralinen aus der eigenen Produktion isst. Ob das wohl stimmt? Auf die Frage, wie sie es schaffe, dabei so schlank zu sein, hat sie eingestanden, dass der Stress sie schlank hält. Sie muss sich nicht nur um die Schokoladenfabrik kümmern, sondern auch um 2 Kinder, 2 Esel und einen Mann. Sehr kurzweilig hat uns die Chefin in die Welt der Schokolade eingeführt. Dann hieß es Abschied zu nehmen vom „Schokoladenland, der Schokoladenseite der Lausitz“. Nachmittags haben wir die andere Seite, die dunkle Seite der Lausitz, die Braunkohle und das Abbaugebiet Jänschwalde kennengelernt. Zunächst ging es nach Bad Muskau. Bad Muskau ist berühmt durch den vom Fürst Pückler geschaffenen Park. Der Park ist 600 ha groß. Davon liegen 1/3 auf deutscher Seite und 2/3 auf polnischer Seite. Stattlich steht das Schloss im Park, wiederauferstanden aus Ruinen. Während des Krieges ist das Schloss vollständig zerstört worden. Nach der Wende wurde es wieder aufgebaut. Es ist in einem königlichen rot angestrichen. Dazu hat uns Eberhardt die Anekdote der „Fürst-Pückler-Eisbombe“ erzählt. Die Anekdote kommt aus den 20iger Jahren des 20. Jahrhunderts. Nacheigentümer des Fürst Pückler-Schlosses waren die von Arnims. Zur Hochzeit der einzigen Tochter, Freda Antoinette Gräfin von Arnim, mit dem Fürst Alexander zu Dohna-Schlobidden wurde das Schloss renoviert, hergerichtet und dunkelrosa angestrichen. Böse Zungen sprachen damals unter Anspielung auf den Vorbesitzer Fürst Pückler von einer riesigen „Fürst-Pückler-Eisbombe“. Jetzt beherbergt das Schloss die Landschaftsarchitektenschule. Eine passende Nutzung wie ich finde. Allein der Park bietet vorzügliches Anschauungsmaterial für die Schüler Landschaftsarchitekten. Der Park gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Um das Schloss herum ist viel Wasser künstlich angelegt. Ein beliebtes Fotomotiv ist die Fuchsienbrücke. Die Zinkgusslöwen sind neu gegossen. Sie waren nach dem 2. Weltkrieg verschwunden. In die abgestorbene Blutbuche wurde ein neuer Baum gepflanzt. Warum? Um die bestehende Sichtachse zu erhalten. Der Park lässt sich am besten mit dem Fahrrad erkunden. Zu Fuß ist der Park wegen seiner Größe schon eine echte Herausforderung. Wir haben nur eine kleine Runde gedreht, sind über die Janettenbrücke gegangen und waren in Polen. Direkt an der Grenze existiert ein großer Polenmarkt. Es war für mich der erste Besuch eines Polenmarkts. In großen Hallen reiht sich Geschäft an Geschäft. Fast alles gibt es zu kaufen, von getrockneten Pilzen bis zu Gardinen. Ganz locker werden dort in Großgebinden Gifte gegen Unkraut und Insekten verkauft.
Weiter ging es zu der schwarzen Seite der Lausitz, in das Braunkohleabbaugebiet Jänschwalde. Eberhardt hat uns von der Vertreibung der betroffenen Bewohner erzählt. Viele Dörfer mussten der Braunkohle weichen. Davon betroffen waren auch die Einwohner von Horno. Die Einwohner von Horno haben 26 Jahre für ihren Ort gekämpft. Vergeblich. Jetzt wohnen sie in Neu Horno. Ein Ort aus der Retorte. Der Ort sieht gepflegt aus, menschenleer, ein bisschen steril. Einen Blick über das Braunkohleabbaugebiet haben wir vom Aussichtspunkt Jänschwalde geworfen. Vor uns ein „liegender Eifelturm“. So groß ist das Gerät, mit der die Kohle vollmaschinell abgegraben wird. Auf Transportbändern wird die gewonnene Kohle direkt in das Kraftwerk zur Kohleverstromung gebracht. Der Abraum wird auf der einen Seite direkt wieder ausgespukt. Eine öde Landschaft soweit das Auge reicht. Im Hintergrund die dampfenden Kühltürme des Kraftwerks. Auf der anderen Seite des „liegenden Eifelturms“ ebenfalls Ödnis. Erde, die auf den Abbau wartet. Der Mutterboden und die Bäume und Sträucher sind bereits entfernt. Kein bisschen grün ist zu sehen. Das Kraftwerk Jänschwalde ist mit 3000 Megawatt das 3. größte Kraftwerk Deutschlands. Mit einem CO2 – Ausstoß von 23,3 Mio. Tonnen verursacht das Kraftwerk die vierthöchsten Treibhausgasemissionen aller europäischen Kraftwerke. Jeden Tag benötigt das Kraftwerk 80.000 t Braunkohle. Für die Region ist die Braunkohle ein wichtiger Arbeitgeber. Außer Tourismus gibt es sonst kaum Arbeitsmöglichkeiten für die Menschen. Später in Peitz haben die Menschen mehrfach ihre Sorge zum Ausdruck gebracht. Sie wissen nicht wie es weiter gehen soll, wenn das Kraftwerk Jänschwalde dicht gemacht wird.

Letzte Station des Tages war Peitz, eine früher einmal sehr bedeutsame Festungsstadt. Dort haben wir im Hotel „Zum Goldenen Löwen“ übernachtet. Leckeres Abendessen hat uns erwartete. Die Spezialität des Hauses war eine Karpfenbratwurst. Die Spreewaldgurke in allen Variationen fehlte nicht. In Peitz gibt es die größten Karpfenteiche der Welt.

2. Tag

Peitz und Spreewald

Anlässlich einer Stadtführung hat uns unser Stadtführer die geschichtliche Bedeutung des Ortes erklärt. Peitz ist eine ehemalige Festungsstadt. Zum Schutz der Stadt wurde Mitte des 16. Jahrhunderts mit dem Bau einer Festung begonnen und vor der Stadt 5000 Morgen große Teiche sowie zu deren Flutung der Hammergraben angelegt. 1559-1562 wurde die Zitadelle, die obere Festung gebaut. Es folgte 1590-1595 die Festungsanlage um die Stadt, die untere Festung. Der Bau wurde vom Festungsbaumeister Graf Rochus zu Lynar geleitet, der auch als Erbauer der Zitadelle Spandau gilt. Es waren viele Soldaten in der Stadt stationiert. In der Stadt lagerten Waffen und Munition für 30.000 Soldaten. Versorgt wurden die Soldaten von etwa 90 Kneipen. Auf Befehl des preußischen Königs Friedrich II wurde 1767 die Festung weitgehend abgerissen. Erhalten ist der Festungsturm und die Malzhausbastei. Der rd. 36 Meter hohe Festungsturm hat Außenmauern, die bis zu 6 m dick sind. Seit Ende des 16. Jahrhunderts wird in den Peitzer Teichen Fischzucht betrieben. Der Name „Peitzer Karpfen“ soll überregional bekannt sein. Das Peitzer Teichgebiet ist mit rd. 1000 ha das größte zusammenhängende Teichgebiet Deutschlands. Nach der Wende hat der Ort bevölkerungsmäßig einen Aderlass erlitten. Wenn der Tagebau in Jänschwalde schließt, ist zu befürchten, dass sich dieser Trend fortsetzt. Daher setzt der Ort auf Tourismus. Der Wirt vom Hotel „Zum Goldenen Löwen“ versucht durch attraktive Arrangements Touristen in die Stadt zu holen. Zu diesem Arrangement gehört auch eine Kahnfahrt durch den Spreewald. Den Nachmittag haben wir auf der Spree verbracht. Der Wirt hat uns durch den Spreewald gestakt. Es war sehr malerisch. Kaum Touristen unterwegs. Das Wetter hat auch weitgehend gehalten. Der Wirt hatte vorgesorgt und Schirme mitgebracht. Zwischendurch haben wir angelegt. Es gab Kaffee und Kuchen. Unterwegs gab es Gurkenstationen. In die Boote gereicht wurden uns Schmalzbrot und verschiedene Gurkenvariationen: Salzgurke, Gewürzgurke, Senfgurke… Mir hat es die Senfgurke angetan. Zwei Schleusen haben wir passiert. Wieder haben Kinder die Schleusen bedient. Das Schleusen ist bei den Kindern beliebt, weil es ein einträgliches Geschäft ist. Es gibt gute und schlechte Schleusen. Gut und schlecht richtet sich danach, wieviel Kanus die Schleuse passieren. Die Touristen geben zum Dank für die Mühe der Kinder eine Münze. Der Wirt erzählte uns, dass er als Kind auch geschleust hat. Am Ende des Tages ist ein schönes Sümmchen zusammen kommen.

3. Tag

Auf dem Programm stand zunächst ein Kurzbesuch in Dissen. Im letzten Jahr waren wir auch in Dissen gewesen und haben uns das Museum mit Kirche, das mittelalterliche Dorf und den Kräutergarten angesehen. Diesmal stand auf dem Programm die neu errichtete Schauimkerei des örtlichen Imkervereins. Innerhalb eines Jahres ist eine kleine Sammlung zusammen gekommen. Im Juni des Jahres ist die Sammlung zur Landpartie des NDR eingeweiht worden. Besonders gefallen hat mir der dazugehörende Wildgarten mit reichlich blühender Cosmea. Im Hintergrund war das Geschnatter der Gänse zu hören. Überhaupt haben wir viele Gänse auf den Wiesen gesehen. Sie leben noch bis Weihnachten. Weiter ging es zum Dorf- und Erntefest nach Raddusch. Das Dorf- und Erntefest wird jedes Jahr – immer in einem anderen Ort im Land Brandenburg – gefeiert. Das ganze Dorf war ein einziger Festplatz. Am Ortseingang standen die Auto-Oldtimer, dann kamen die Buden und Festzelte. Lange Zeit habe ich dem Treiben auf der Bühne des RBB in der Dorfmitte zugeschaut. Viele Zuschauer standen dort in sorbischer Tracht. Auf der Bühne drehte sich alles um die sorbische Kultur. Es wurden sorbische Bräuche vorgestellt, auch bekannte sorbische Liedermacher haben in der sorbischen Sprache gesungen. Die Moderatoren redeten erst sorbisch. Dann haben sie alles übersetzt. Es wurden die Bräuche mit den Trachten erklärt. Der Reichtum eines Ortes ließ sich an seiner Tracht, an der Borte am Rock und der Breite der Spitze, ablesen. Jeder Ort hat seine eigene Tracht. Die Gürtel sind mit Perlen bestickt. Haube und Brusttuch bestickt die Trägerin immer selbst. Jeder Anlass hat seine eigene Tracht. Es gibt die Tracht für den Kirchgang und die Arbeitstracht. Die Farbe der Trauer ist weiß.

Letzte Station unserer Fahrt war Lübbenau. Dort machten wir noch einen Abschiedsspaziergang mit Eberhard, unserem Reiseführer aus dem Spreewald, um dann wieder nach Berlin zurück zu kehren. Eine gelungene Reise. Wir freuen uns schon auf die Fahrt im September 2018.

Birgit Hach-Klarholz

IGW 2018 (19.01. – 28.01.2018 Halle 23a)

Die IGW 2018 (19.01. – 28.01.2018 Halle 23a) rückt näher und soll von uns wieder im Rahmen der Sonderschau des BMEL farbig präsentiert werden. Gut positioniert, wie in den vergangenen Jahren, werden wir wieder ein breit gefächertes Publikum zu erwarten und zu bedienen haben.

Wettbewerb „Zukunftspreis 2017“ der psd Bank

Liebe Freunde der Bienen und Insekten,

schon wieder wagen wir etwas Neues. Bekommen wir einen Förderpreis, dann wollen wir das Thema „Trachtverhalten“ weiter vertiefen in Richtung Rekultivierung.

Das Wettbewerbssystem ist ein klein wenig ungewöhnlich. Es scheint hier schwerwiegend auf die Volkesstimme anzukommen. Das ist dann so ähnlich wie beim „Eurovision Song Contest“. Für einen Wettbewerb, der dem Naturschutz mit fast wissenschaftlichen Wurzeln verbunden scheint, ist das schon eher sehr ungewöhnlich. Doch die psd-Bank ist kein gemeinnütziger Verein und möchte wohl auch ein wenig Werbung für die Großherzigkeit betreiben. Das darf man als angemessen betrachten.

Dennoch sind Zuwendungen – in welcher Höhe auch immer – für einen Verein wie den Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V., der sich ausschließlich gemeinnützig dem Thema Bienen und Naturschutz verschrieben hat, von stets großer Bedeutung. Und wir werden damit sehr redlich umgehen.

Über diesen Link könnt Ihr täglich neu Eure Zustimmung geben. Es wäre toll, wir könnten da ganz vorne landen. Bis jetzt sind wir abgeschlagen.

Beste Grüße

Reinhardt Löwe, 26.9.2017

BERLINER IMKERTAG 2017

Am Sonntag, den 8. Oktober 2017, findet zum 7. Mal der Berliner Imkertag statt. Die Vorträge und die Podiumsdiskussion versprechen auch dieses Mal wieder äußerst interessant zu werden. Im Anschluss sind Sie eingeladen das bunte Erntefest mit seinen Marktständen auf der Domäne Dahlem zu besuchen. Es besteht die Möglichkeit zum Fachsimpeln, Informieren oder Bummeln.

Der Imker- und Gartenmeister Jaesch wird auf der Domäne mit einem Verkaufsstand präsent sein. Möchte man spezielle Blumenwünsche oder Gehölze für die Bienen haben, gibt es die Möglichkeit der rechtzeitigen Vorbestellung beim „Immengarten Jaensch“ per Internet. Die Ware stünde dann auf der Domäne zur Verfügung. Weiterhin wird Herr Krüger für Diskussionen für sein Varroa-Sound-Abwehrsystem zur Verfügung stehen.

Datum: Sonntag, 8.10.2017
Uhrzeit: 10:00 bis 16:00 Uhr

Adresse:
Freie Universität Berlin
Großer Hörsaal der Anorganischen und Analytischen Chemie
Fabeckstraße 34/36
14195 Berlin

Eintritt: 5 Euro
(der Tagungspreis beeinhaltet den Eintritt für das Erntefest auf der Domäne Dahlem)

Themen und Referenten

  • Umweltmonitoring – Mit Bienenvölkern in der Stadt und auf dem Land
    Referent: Dr. Werner von der Ohe, Institut für Bienenkunde Celle
  • Rechts und Links der Honigbiene
    Referentin: Dr. Melanie von Orlow, Sprecherin der Facharbeitsgruppe Hymenopterenschutz im Naturschutzbund Deutschland
  • Wassergehalt des Honigs – Schicksal oder Leidenschaft?
    Referent: Dr. Jens Radtke, Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf

Weitere detaillierte Informationen zum Programm und den Vorträgen finden Sie im Programmheft als PDF zum Herunterladen.

Pressemitteilung: Globale Forschung dokumentiert neue, bedrohliche ökologische Auswirkungen von Neonikotinoid-Pestiziden

Hallo Imkerinnen und Imker,
Freunde der Bienen und der anderen Nützlinge,

das hier ist keine Pressemitteilung. Es ist die Definition der Neonikotinoide. Es ist ein sehr ernst zu nehmendes Ergebnis von 3 Jahren Recherche und unabhängiger Bewertung von veröffentlichten Forschungsergebnissen. 
Namhafte Wissenschaftler aus den verschiedensten Ländern dieser Erde haben sich zusammengeschlossen. Sie veranstalten Kongresse und tauschen sich laufend aus. Sie machen nichts Geheimnisvolles sondern veröffentlichen die Ergebnisse unabhängiger Forschungen, die sie unentgeltlich zusammenstellen, unter ihrem Namen. Durch diese Bekenntnisse wären sie angreifbar, wenn sich diese Ergebnisse als falsch oder gar getürkt (Dies Wort hat heute eine aktuelle Bedeutung.) oder haltlos erweisen. Leider sind viele Institutionen, Verbände, Parteien verstrickt und vernetzt in einem solchen Beziehungskonvolut, dass ein gemeinsames Bekenntnis zum Verbot der Pestizide in Natur und Landwirtschaft bis heute nur sehr zögerlich durchsetzbar ist.
So sollten wir uns glücklich schätzen, dass uns unsere Informanden auf dem Laufenden halten über die schädlichen Substanzen, die den Bienen und der Natur so schlimm zusetzen und die auch für uns Menschen sicherlich nicht verträglich sind.

Reinhardt Löwe, 21.09.2017

Pressemitteilung der Internationalen Taskforce für Systemische Pestizide (TFSP.info) vom 19.09.2017

Globale Forschung dokumentiert neue, bedrohliche ökologische Auswirkungen von Neonikotinoid-Pestiziden

Die Übersichtsarbeit der Task Force für systemische Pestizide 2017 zeigt in der Bewertung der Neonikotinoide neue Risiken für Biodiversität und Ökosysteme auf

OTTAWA, KANADA  — Pestizide aus der Klasse der Neonikotinoide stellen weltweit ernsthafte Bedrohungen für Ökosysteme dar. Dies zeigen neue Informationen, die in einem Update zur weltweit umfassendsten wissenschaftlichen Überprüfung der ökologischen Auswirkungen von systemischen Pestiziden enthalten sind.

Die Task Force für systemische Pestizide (TFSP) veröffentlichte die zweite Auflage ihrer weltweiten integrierten Bewertung der Auswirkungen von systemischen Pestiziden auf Biodiversität und Ökosysteme („Worldwide Integrated Assessment of the Effects of Systemic Pesticides on Biodiversity and Ecosystems“) heute in Ottawa, Kanada. Es ist eine Überblicksarbeit und Zusammenschau aus mehr als 500 wissenschaftlichen Veröffentlichungen seit 2014, darunter einige von der Industrie geförderte Studien. Die Überprüfung umfasst auch das in Europa verwendete Fipronil, ein eng verwandtes systemisches Pestizid.

Neonikotinoide sind auch bei sehr niedrigen Dosen toxisch. Sie sind wasserlöslich und sehr persistent (d.h. nicht leicht abbaubar) im Boden, was zu einer anhaltenden und chronischen Exposition in terrestrischen und aquatischen Umgebungen führt. Die umfangreiche und routinemäßige Anwendung von Neonikotinoiden in der Landwirtschaft führt zu einer großflächigen Umweltverschmutzung und einer erheblichen Bedrohung der Biodiversität.
 
Die Toxizität der Neonikotinoide wurde zuerst in Verbindung mit dem sog. Bienensterben beschrieben; inzwischen wurde erkannt, dass sie auch die Bereiche unserer Nahrungsmittelproduktion kontaminieren können. Fipronil, ein mit den Neonikotinoiden eng verwandtes systemisches Pestizid, steht derzeit im Brennpunkt eines um sich greifenden Lebensmittelsicherheits-Skandals in Europa, nachdem Eier und daraus hergestellten Produkte mit unzulässig hohen Rückständen des toxischen Insektizids in in 15 EU-Staaten sowie in der Schweiz und in Hongkong verkauft worden waren. Millionen von Eiern wurden wegen Bedenken aus Geschäften und Lagerhäusern in ganz Europa zurückgerufen, da Rückstands-belastete Eier ein ernstes Sicherheitsrisiko für Verbraucher darstellen könnten.
 
Die aktualisierte Bewertung bestätigt, dass der Einsatz von Neonikotinoiden massive Auswirkungen hat und eine weltweite Bedrohung für Biodiversität, Ökosysteme und Ökosystemdienstleistungen darstellt. In den 1990er Jahren eingeführt, sind Neonikotinoide derzeit die weltweit am häufigsten verwendeten Insektizide. Ihr Einsatz in der Landwirtschaftlichen umfasst Saatgutbehandlungen, Bodenbehandlungen, Blattspritzungen und Rasenprodukte. Neonikotinoide werden auch in der Forstwirtschaft, zur Flohbehandlung bei Haustieren sowie bei Haus- und Gewerbe-Rasenpflegeprodukten eingesetzt.
 
„Die heutigen Erkenntnisse bestätigen die Notwendigkeit, den massiven Einsatz von systemischen Pestiziden zu beenden, einschließlich der dringendsten vorbeugenden Verwendung bei der Saatgutbehandlung“, sagte Jean-Marc Bonmatin, Wissenschaftler am französischen Centre National de la Recherche Scientifique und stellvertretender Vorsitzender der TFSP. „Die Verwendung dieser Pestizide steht im Gegensatz zu umweltverträglichen landwirtschaftlichen Praktiken. Es bietet keinen wirklichen Nutzen für die Landwirte, verringert die Bodenqualität, schadet der Biodiversität und verunreinigt Wasser, Luft und Nahrung. Es gibt keinen Grund mehr, diesen Weg der Zerstörung fortzusetzen. „
 
Der Bericht besteht aus drei Veröffentlichungen, die neue Daten über die Wirkungsweise, den Stoffwechsel, die Toxizität und die Umweltkontamination von Neonikotinoiden und Fipronil untersuchen: die tödlichen und subletalen Wirkungen von Neonikotinoiden und Fipronil auf Organismen und deren Auswirkungen auf Ökosysteme, die Wirksamkeit von Neonikotinoiden und Fipronil in der Landwirtschaft sowie alternative Ansätze zur Schädlingsbekämpfung.
 
„Nur ein kleiner Bruchteil der Verwendung von Pestiziden dient dem Zweck, Schädlinge zu bekämpfen. Am häufigsten wird die Umwelt durch vorbeugende Pestizidverwendung verunreinigt – mit umfangreichen Schäden an Nicht-Ziel-Organismen“, sagte Faisal Moola, Honorar-Professor für Ökologie an der Universität von Toronto.
 
Im Jahr 2013 hatte die Europäische Union ein Moratorium für bestimmte Verwendungen der Neonikotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam bei Bienen-attraktiven Kulturpflanzen verhängt und erwägt nun die zur Fortsetzung und Erweiterung dieses Moratoriums zu empfehlen. Frankreichs neues Biodiversitätsgesetz beinhaltet eine Bestimmung, die alle Neonikotinoide ab September 2018 verbietet.
 
„Insgesamt erweist sich das globale Experiment mit Neonikotinoiden als ein klares Beispiel für das Versagen in der Schädlingsbekämpfung“, sagte Bonmatin. „Regierungen auf der ganzen Welt müssen dem Vorbild von Ländern wie Frankreich folgen, Neonikotinoide verbieten und zu nachhaltigen, integrierten Methoden der Schädlingsbekämpfung übergehen – ohne jede Verzögerung.“
 
Das TFSP-Update 2017 wird in einer kommenden Ausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift Environmental Science and Pollution Research veröffentlicht.

Die Task Force on Systemic Pesticides ( tfsp.info) ist eine internationale Gruppe unabhängiger Wissenschaftler, die von der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) einberufen wird; sie ist die Antwort der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf die Bedenken in Bezug auf die globalen Auswirkungen von Neonikotinoid-Insektiziden auf die Biodiversität und Ökosysteme.
 
Im Jahr 2015 erstellte die TFSP die weltweit erste umfassende wissenschaftliche Bewertung der ökologischen Auswirkungen von Neonikotinoiden: Die weltweit integrierte Bewertung der Effekte von systemischen Pestiziden auf Biodiversität und Ökosysteme (Worldwide Integrated Assessment of the Effects of Systemic Pesticides on Biodiversity and Ecosystems, WIA). Diese bahnbrechende Review-Arbeit betrachtete mehr als 1.100 Peer-reviewte wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie Daten von Herstellern. Es wurden deutliche Beweise für die Schädigung von Honigbienen sowie eine Vielzahl anderer nützlicher Arten, einschließlich der Wasserinsekten an der Basis der Nahrungskette, an Bodenarthropoden wie Regenwürmern und verbreiteten Vogelarten (bedingt durch Kaskadeneffekte) identifiziert.
 
Neonikotinoid-Pestizide („Neonikotinoide“) sind Insektizide auf Nikotin-Basis, die auf das zentrale Nervensystem der Insektenschädlinge zielen. Sie wirken systemisch, das heißt, sie werden von der Pflanze aufgenommen und in alle Pflanzengewebe verteilt und integriert – Wurzeln, Stängel, Blätter, Blüten sowie Pollen und Nektar. Neonikotinoide sind auch bei sehr niedrigen Dosen toxisch. Sie sind wasserlöslich und sehr persistent (d.h. nicht leicht abbaubar) im Boden, was zu einer anhaltenden und chronischen Exposition in terrestrischen und aquatischen Umgebungen (Boden und Wasser) führt. Die umfangreiche und routinemäßige Anwendung von Neonikotinoiden in der Landwirtschaft führt zu großflächiger Umweltbelastung und dadurch zu erheblichen Auswirkungen auf die Biodiversität (Vielfalt der Lebewesen und Pflanzen); dies stellt eine massive Bedrohung für alle Ökosysteme dar.

Für weitere Informationen oder zur Vereinbarung eines Interviews wenden Sie sich bitte an:

Prof. Dr. med. Klaus-Werner Wenzel    
Tel.: +49 – (0) 30 – 802 40 21
Kwwenzel@gmx.de

oder

Dr. Anton Safer
Tel.:+49 – (0) 1752957435
antonsafer@gmail.com

 

Neonikotinoide – Pestizide bedrohen Wildbienen und Schmetterlinge

SPIEGEL Online, 17.08.2017

Die Zahl der Wildbienen und Schmetterlinge geht stark zurück. Nun verdichten sich die Hinweise, dass bestimmte Pflanzenschutzmittel, sogenannte Neonikotinoide, die wichtigen Bestäuber gefährden.


Foto: DPA, Biene auf dem Lohrberg in Frankfurt am Main

Eine Studie des britischen Zentrums für Ökologie und Hydrologie (NERC) legt einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Neonikotinoiden und dem Rückgang von Wildbienen-Populationen nahe.

Forscher um den Insektenkundler Ben Woodcock haben untersucht, wie sich der großflächige Einsatz von Neonikotinoiden auf 62 Wildbienenarten in Großbritannien von 1994 bis 2011 ausgewirkt hat. 2002 waren die Pestizide dort erstmalig zugelassen worden.

Neonikotinoide wirken als Fraß- oder Kontaktgift auf die Nervenzellen von Insekten und sollen Pflanzen sowohl vor saugenden als auch beißenden Schädlingen schützen. Bei ihrer Einführung galten sie noch als besonders schonende Pestizide, die gut von Pflanzen über deren Wurzeln in die Blätter aufgenommen werden.

Das Ergebnis der im Fachblatt „Nature Communications“ veröffentlichten Analyse: Bei Wildbienenarten, die sich vorrangig von mit Neonikotinoiden behandeltem Raps ernährten, schrumpften die Populationen dreimal stärker als bei jenen Arten, die andere, nicht behandelte Pflanzen bevorzugten. Bei fünf der untersuchten Wildbienenarten könne man sogar davon ausgehen, dass der Einsatz der Mittel 20 Prozent der lokalen Populationen vernichtet habe.

Wer hat die Studie finanziert?

Drei der beteiligten Forscher erhalten derzeit Gelder von den Pestizidherstellern Syngenta und Bayer CropScience, um auf einem Testfeld den Einfluss von Neonikotinoiden auf Bienen zu untersuchen. Die aktuelle Studie wurde jedoch nicht von den Firmen, sondern vom britischen Natural Environment Research Council unterstützt.

Das Datenmaterial stellte „The Bees, Wasps and Ants Recording Society“ zur Verfügung, ein Verband von Naturfreunden, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts akribisch Informationen über Bienen, Wespen und Ameisen auf den britischen Inseln sammeln.

„Als blühendes Getreide ist Raps sehr nützlich für bestäubende Insekten“, erklärt Woodcock in einer Mitteilung. „Dieser Nutzen scheint aber durch die Effekte der Neonikotinoid-Behandlung für eine ganze Reihe von Wildbienenarten mehr als aufgehoben.“ Wildbienen leben – im Gegensatz zu den Honigbienen – meist als Einzelgänger.


Kohlweißling auf einer Rapsblüte

Orientierung und Geruchssinn beeinträchtigt

Nach Ansicht des Neurobiologen Randolf Menzel, der zu den führenden Bienenforschern Deutschlands zählt, zeigt die Studie, wie groß der Einfluss der Neonikotinoide wirklich ist – und das über einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum.

„Bei experimentellen Studien wird oft bezweifelt, wie aussagekräftig diese für das gesamte Ökosystem sind“, so Menzel. Jene Zweifel würden nun widerlegt. Er sieht sich in seiner Grundannahme über die Wirkweise der Nervengifte bestätigt. Der Neurobiologe hatte in seiner Forschung an der Freien Universität Berlin bereits belegt, dass Bienen schon nach kleinsten Dosen der Insektizide ihre Orientierung und ihr Gedächtnis verlieren.
Allerdings hätte er sich eine genauere Aufschlüsselung der verwendeten Neonikotinoide gewünscht: So seien etwa Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in Großbritannien seit vergangenem Jahr wieder zugelassen. „Bei ebenjenen drei ist sehr wahrscheinlich, dass sie großen Schaden anrichten“, erklärt Menzel.

Andere Experten betonen, dass es auch andere Gründe für den Rückgang von Bienen-Populationen gibt, darunter die Varroamilbe.

Gefahr für den Nachwuchs

Mainzer und Frankfurter Wissenschaftler hatten kürzlich entdeckt, dass Neonikotinoide selbst in geringen Konzentrationen den im Futtersaft von Ammenbienen enthaltenen Botenstoff Acetylcholin vermindern. Das Signalmolekül ist für die Larvenaufzucht von Honigbienen wichtig.
„Unsere Forschungsergebnisse bestätigen das von Neonikotinoiden ausgehende Risiko für die Brutentwicklung von Honigbienen“, sagte Professor Ignatz Wessler vom Institut für Pathologie an der Universitätsmedizin Mainz. Die Ergebnisse ihrer Forschung veröffentlichten die Wissenschaftler aus Mainz und der Frankfurter Universität in der Fachzeitschrift „Plos One“.

Immer weniger Schmetterlinge in Kalifornien

Nicht nur Bienen scheinen unter den Mitteln zu leiden: Eine Studie aus den USA legt nahe, dass der Bestand von Schmetterlingen mindestens ebenso durch die Pestizide bedroht ist wie durch die fortschreitende Vernichtung ihres Lebensraums.

Die Forscher um den Biologen Matthew Forister von der Universität von Nevada untersuchten das Vorkommen von 67 Schmetterlingsarten in Nordkalifornien anhand von Daten aus den vergangenen 40 Jahren. Die Studie wurde im Fachmagazin „Biology Letters“ veröffentlicht.

Das Ergebnis: Die Zahl der Schmetterlingsarten geht dramatisch zurück – und das vor allem seit 1995, als Neonikotinoide in der Region erstmals eingesetzt wurden.

Strengere Regeln in der EU

Bereits im April 2015 hatten Forscher der Europäischen Union berichtet, dass es starke Beweise für negative Auswirkungen von Neonikotinoiden auf andere Organismen wie Motten und Schmetterlinge gebe. Auch auf insektenfressende Vögel hätten die Pestizide Auswirkungen, hieß es damals.

Die Brüsseler Behörde hatte 2013 als Reaktion auf das massenhafte Bienensterben den Gebrauch der umstrittenen Insektizide in der EU stark eingeschränkt. Ihr Einsatz bei der Behandlung von Saatgut, im Boden und beim Besprühen von Pflanzen wurde weitgehend verboten.

Andreas Reeg / DER SPIEGEL

Biologische Vielfalt: Auf der Spur der Insekten

Verschwinden gerade Käfer, Bienen, Fliegen und Schmetterlinge? Warum es so schwierig ist, das zu beantworten.
Von Fritz Habekuß – mit einem Leserbrief von Reinhadt Löwe

16. August 2017, 17:15 Uhr, Editiert am 17. August 2017, 10:13 Uhr
AUS DERZEIT NR. 34/2017

Ein schillernder Blattkäfer, dessen Art der Fotograf leider nicht verraten hat. © Alan Emery/unsplash.com

INHALT
1. — Auf der Spur der Insekten
2. — „Überall sind die Zahlen im Keller“
3. — Ausgeräumte Landschaften

Wenn irgendjemand dieses Fotoalbum von Josef Settele fände, er würde dessen Besitzer für einen mäßig talentierten Fotografen halten, noch dazu für jemanden mit einer sehr ausgefallenen Vorliebe. Und Josef Settele würde wahrscheinlich nicht einmal widersprechen.

Den Mann, der hier seit mehreren Stunden über feuchte, ungemähte Wiesen in der Pfalz wandert, treibt eine ebenso spezielle wie auch seltene Form des Wissensdrangs. Er interessiert sich leidenschaftlich für Insekten. Settele arbeitet ganz woanders, am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle. Er beschrieb zusammen mit anderen Autoren im Weltklimabericht den Einfluss der Erderwärmung auf die Biosphäre, und er koordiniert nun gerade den zweiten Bericht des UN-Weltrates für biologische Vielfalt. Außerdem will er, der momentan einer der wichtigsten deutschen Ökologen ist, lieber geduzt werden: „Von mir aus gerne Sepp.“

Dieser Sepp Settele ist der richtige Mann, um über ein Wort zu sprechen, das Wissenschaftler seit Jahren im Mund führen und das in diesem Sommer plötzlich in Zeitungen und Nachrichtensendungen auftauchte: Insektensterben. Verliert Deutschland gerade die Vielfalt seiner Bienenund Käfer, Heuschrecken und Schmetterlinge – und all der anderen sechsbeinigen Tiere?

Ökologe Sepp Settele sucht nach Faltereiern in Blüten des Wiesenknopfs. © Anne-Sophie Stolz für DIE ZEIT

Beantworten lässt sich das nur draußen, also los. Sepp stapft voraus und hält Ausschau nach den Blättern des Krausen Ampfers, eines Knöterichs. Er beugt sich zu ihnen hinunter, dreht ein Blatt zu sich hin, sucht erst die Oberseite ab, dann die Unterseite. Was er sucht, sind winzige Punkte, die mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen sind. Dann das nächste Blatt, die nächste Pflanze. Und weiter zur nächsten Wiese. Denn die winzigen Punkte sind Schmetterlingseier. Erst unter der Lupe wird ihre Form sichtbar; sie erinnern an mikroskopisch kleine Kaiserbrötchen. Rund hundert Weiden und Wiesen durchstreift Settele so Jahr für Jahr in der Pfalz, schon seit 1989 hält er sich dafür jeden Sommer zehn Tage frei.

Mit der Kamera hat er festgehalten, wie die Wiesen sich verändert haben, und die Fotos bewahrt er in diesem seltsamen Album auf. Erste Erkenntnis beim Blättern: Eine Wiese sah vor 30 Jahren auch schon aus wie eine Wiese heute. Was aber sieht man auf den ersten Blick nicht?

Wie es den übersehenen Wesen geht, mit denen wir uns Felder, Wiesen, Städte und Wälder teilen, das ist mitnichten eine ästhetische oder ethische Frage, sondern eine existenzielle. „Es sind die Kleinsten, die unsere Welt am Laufen halten“, hat der große Biologe E. O. Wilson einmal gesagt. Zwei Drittel der hundert wichtigsten Nutzpflanzen sind ganz oder teilweise von der Bestäubung durch Bienen, Schmetterlinge oder Schwebfliegen abhängig. Diese Leistung taxieren Experten auf weltweit 235 bis 577 Milliarden US-Dollar – jährlich. Gleichzeitig gehören Insekten zu den ersten Betroffenen, wenn sich die Umweltbedingungen verschlechtern. Das wiederum spüren all die Vögel, Nager, Reptilien, die sich von ihnen ernähren.

Der Forscher fotografiert jeden einzelnen Standort. Auf dieser Wiese hat sich invasives Springkraut ausgebreitet. © Anne-Sophie Stolz für DIE ZEIT

Dreierlei weiß man: In vielen Gebieten geht die Vielfalt zurück, vor allem spezialisierte Arten verlieren, Generalisten hingegen scheinen zu profitieren. Zweitens finden Forscher von den einzelnen Arten immer weniger Individuen. Und drittens verringert sich offenbar die Biomasse, also das Gesamtgewicht aller krabbelnden, fliegenden und schwirrenden Tiere. Diese Trends zeigen eindeutig in eine Richtung. Doch gleichzeitig sind die Befunde extrem lückenhaft.

Deshalb sucht Josef Settele an diesem Tag Eier von Schmetterlingen, genauer vom geschützten Großen Feuerfalter, der seine Eier auf Ampfer ablegt. Und jene des Dunklen und des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings. Die heißen so, weil ihre Raupen sich irgendwann von der Blüte fallen lassen und einen Duft produzieren, um Ameisen hereinzulegen. Diese glauben, ihre eigene Brut zu erschnuppern, und tragen die Betrüger in ihr Nest, wo die Schmetterlingsraupen dann die Ameisenlarven auffressen oder sich durchfüttern lassen. Ein verstörendes Schauspiel der Natur auf einer pfälzischen Wiese.
Als Settele hier mit seiner Feldforschung begann, absolvierte er gerade seinen Zivildienst in der Region. 150 Bewerbungen hatte er dafür verfasst, in denen er ausführlich beschrieb, was er als Zivi erwarte. Drei positive Antworten bekam er, am Ende landete er im Pollichia-Museum für Naturkunde in Bad Dürkheim. Damit begann die Geschichte, in der Settele nun in diesem Juli, im 29. Jahr seiner Forscherkarriere, die Blätter des Krausen Ampfers umdreht.

Biologische Vielfalt:Auf der Spur der Insekten
„Überall sind die Zahlen im Keller“

Dieses Handbuch zur Bestimmung hat der Forscher auf seiner Tour dabei. © Anne-Sophie Stolz für DIE ZEIT

Wissenschaftliche Daten über Insekten zu erheben, das ist Gedulds- und Fleißarbeit. Keine Gruppe im Reich der Tiere hat mehr Vertreter, allein in Deutschland soll es 33.000 Arten geben, viele davon sind noch nicht einmal beschrieben. So lückenhaft ist das Wissen.

Seit aber in diesem Sommer eine Abgeordnete der Grünen eine Kleine Anfrage an die Regierung gestellt hat, ist da plötzlich eine Zahl im Umlauf (siehe Seite 30). Die Zahl steht in der Antwort des Umweltministeriums: Studien zufolge gebe es an Versuchsstandorten „dramatische Rückgänge der Insektenbiomasse vom Jahr 1982 bis zum Jahr 2017 um bis zu 80 Prozent“. Bis zu 80 Prozent, das klingt konkret, präzise und objektiv.
Bloß war das zumindest suggestiv.

Und das liegt nicht nur am Zusatz „bis zu“, der leicht vergessen wird, während die Zahl hängen bleibt. Absolute Aussagen lassen die wenigen Zeitreihen schlicht nicht zu. Dafür gibt es zu wenige Sepps. Und weniger Gewissheit, als das Wort „Insektensterben“ vermittelt. Das ist der erste Fallstrick.

Der zweite ist der Umkehrschluss. Dass mangels klarer Belege die ganze Sache nur eine Mär sei, das Insektensterben ein (Wahl-)Kampfbegriff von Ökos und Grünen, passend lanciert vor der Bundestagswahl.
Insektensterben, gibt es das, Sepp? „Ich würde nicht sagen, ein Insektensterben gibt es nicht“, antwortet der Ökologe, „alles, was wir wissen, deutet darauf hin. Nur wissen wir sehr wenig über die Details und Kausalitäten.“

Die doppelte Verneinung, mit der sich Settele zum Thema äußert, kennzeichnet den Forscher, dessen Gegenstand ähnlich komplex ist wie der Klimawandel. Laien verstehen das Problem eher, wenn es auf klare Botschaften und Zahlen heruntergebrochen wird. Das aber macht angreifbar, denn jede Vereinfachung kann auch missbraucht und instrumentalisiert werden.

Welche Ausmaße das Sterben der Kleinsten hat und was die Gründe dafür sind, darauf gibt es bis heute keine klare Antwort. Es gibt eine Befundlage, die man sich wie ein ziemlich unvollständiges Mosaik vorstellen kann: Viel fehlt, große Lücken, aber das Motiv lässt sich schon erahnen. Und dieses Motiv ist sehr düster.

Eines der größten Steinchen in diesem Mosaik kommt aus Krefeld am Niederrhein. Dort gibt es eine Gruppe von ehrenamtlichen Insektenkundlern, den Entomologischen Verein Krefeld. Schon im Jahr 2013 veröffentlichte der ein starkes Indiz für den Insektenschwund in der Umgebung. Die Mitglieder hatten seit Jahrzehnten immer wieder an vielen Orten Insektenfallen aufgestellt, den Fang gesammelt, gewogen und ihre Ergebnisse verglichen. Ein Resultat: An einer Stelle, im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch, waren 1989 noch rund 1.400 Gramm Insekten in den Fallen des Vereins gelandet. Als die Vereinsmitglieder 2013 maßen, waren es dort gerade noch 300 Gramm – ein Minus von fast 80 Prozent.

Diese Zahl wurde als Kronzeuge zitiert und falsch interpretiert, auch vor anderthalb Jahren in der ZEIT (Nr. 11/16), wo sie als Durchschnittsangabe bezeichnet wurde, obwohl sie ein Extremwert ist. Richtig bleibt der Befund des Vereinsvorsitzenden Josef Tumbrinck von damals: „Überall sind die Zahlen im Keller.“ Denn an jeder einzelnen Messstation waren weniger Wildbienen, Mücken, Schwebfliegen, Heuschrecken und Schmetterlinge in die Fallen gegangen. Der Verein hat erst einen kleinen Teil aller Ergebnisse veröffentlicht, und das mit der gebotenen Genauigkeit. Aber seit 2013 ist eben diese eine Zahl in der Welt.

Seit 1989 besucht Settele jedes Jahr die Reiterwiesen. Manche sind inzwischen zugewachsen.© Anne-Sophie Stolz für DIE ZEIT

Sie suggeriert Gewissheit und Klarheit angesichts einer Entwicklung, über deren Gründe Forscher wenig wissen. Die industrielle Landwirtschaft mit ihren Pestiziden und Monokulturen ist der Hauptverdächtige, bei einigen Arten könnte auch der Klimawandel eine Rolle spielen oder der Schwund von Wiesen und Weiden. All das sind plausible Vermutungen. Um sie zu bestätigen, müssten Forscher im Labor und im Freiland experimentieren, einzelne Faktoren isoliert testen, über mehrere Jahre hinweg und in Kooperation mit den Bauern der umliegenden Felder. Das aber geschieht kaum.

Und ähnlich wie bei der Klimaforschung braucht man auch bei den Insekten für sichere Trendaussagen viele Messpunkte – und jahrzehntelange Ausdauer. Die haben die meisten staatlich finanzierten Wissenschaftler nicht. Förderprogramme sind auf drei, höchstens fünf Jahre angelegt, dann müssen Ergebnisse her. Ein Langzeitprogramm zur groß angelegten Erfassung von Artenvielfalt und Biomasse von Insekten, das frühestens in 20 Jahren spannende Ergebnisse verspricht? Ein schöner Traum, wo schon kleine Datenreihen ohne Exoten wie Settele und Ehrenamtliche wie die Krefelder undenkbar sind.

Biologische Vielfalt:Auf der Spur der Insekten
Ausgeräumte Landschaften

Bei Landau in der Pfalz: Ein Bläuling ruht, die Kälte macht ihn träge. © Anne-Sophie Stolz für DIE ZEIT

Bis heute gibt es in Deutschland keine Anstrengung, mit einem breiten, qualitativ hochwertigen Insekten-Monitoring zu beginnen, weder die Deutsche Forschungsgemeinschaft noch das Bundesforschungsministerium haben bislang etwas unternommen. Die Folge: Obwohl plötzlich öffentliches Interesse für dieses Spezialthema vorhanden ist, obwohl es beinahe zum Politikum geworden ist, kann die Wissenschaft das Phänomen weder anständig beschreiben noch zweifelsfrei die Gründe bestimmen.

Aber es gibt Lichtblicke: Seit 2005 liefern 500 Freiwillige dem Umweltforschungszentrum in Halle Daten über Tagfalter in Deutschland. Noch sind die Reihen zu kurz, doch deutet sich an, dass die Populationen starken jährlichen Schwankungen unterliegen – wie vieles in der belebten Umwelt. Zusammen mit anderen europäischen Daten belegt das Monitoring, dass auf Wiesen und Weiden lebende Arten von 1990 bis 2015 auf 70 Prozent zurückgegangen sind.

Das hat Folgen. Schon seit Jahren sind die Bestände von insektenfressenden Vögeln wie Feldlerche, Mönchsgrasmücke oder Singdrossel im Sinkflug. Die Hälfte aller 580 Wildbienenarten Deutschlands stehen als bedroht auf der Roten Liste. Imker beobachten seit Jahren das Phänomen des Völkerkollapses.
„Viele Forscher, die schon länger mit Insekten arbeiten, berichten davon, dass die Zahlen zurückgehen“, sagt Alexandra-Maria Klein. Die Ökologin ist Professorin an der Uni Freiburg. Genau wie Sepp Settele – die beiden arbeiten häufig zusammen – sieht sie viele Indizien für einen Rückgang von Insekten, findet es aber unseriös, detaillierte Wirkzusammenhänge herzustellen. „Welchen Einfluss bestimmte Insektizide auf die Biomasse von Insekten haben? Um das sagen zu können, fehlen uns schlicht die Daten“, sagt sie, „aber natürlich ist es zu erwarten, dass sie zurückgeht, wenn wir Insektizide ausbringen.“
Denn – Vorsicht, Falle – die Abwesenheit von Daten über genaue Zusammenhänge bedeutet auch nicht, dass kein Zusammenhang existiert.

Klein sagt, sie appelliere lieber an den Verbraucher als an die Politik. Wenn ein Bauer anfange, ökologisch zu wirtschaften, stiegen auch die Chancen für Insekten. Die Liebe der Deutschen zu Ordnung und Effizienz schlägt sich in der Landschaft nieder: kaum Hecken, wenig Blühstreifen, keine vergessenen Ackerränder, auf denen Unkräuter und Wildblumen wachsen könnten. Also auch kaum Nahrung für Insekten. Die Fachleute haben ein schaurig-nüchternes Wort dafür: ausgeräumte Landschaften.

Insektensterben
VOR 55 JAHREN: RACHEL CARSON

„Einst hatte in der frühen Morgendämmerung die Luft widergehallt vom Chor der Wander- und Katzendrosseln, der Tauben, Häher, Zaunkönige und unzähliger anderer Vogelstimmen, jetzt hörte man keinen Laut mehr …“ – Nicht etwa in einer aktuellen Reportage aus Iowa oder Mecklenburg steht das, sondern im Ökologie-Bestseller aus dem Jahr 1962, Silent Spring. Poetisch und fundiert warnte die Amerikanerin Rachel Carson: Pestizide können Schädlinge und Unkräuter vernichten, aber ebenso Vögel und Insekten – und auch den Menschen krank machen. Der stumme Frühling warnte vor dem giftigen DDT. Ökologie war damals, vor 55 Jahren, noch ein Fremdwort, als die Biologin Carson erklärte, wie eingespielte Lebensgemeinschaften in Feld, Wald und Wiese Biotope stabil halten. Sie mit Monokulturen und Chemie zu zerstören, statt von ihnen zu lernen, gefährde die eigenen Existenzgrundlagen. Ihre Kritik an der Agroindustrie bleibt bis heute relevant.

Jahrzehnte später besinnen sich Forscher, deren Waffen im Pflanzenschutz stumpf werden, auf die Kooperation mit Pflanzen, Tieren und Mikroben.

Carson starb, bevor die Macht ihres Buchs sich zeigte: im DDT-Verbot, der Gründung der US-Umweltbehörde, in einer globalen Ökobewegung.

Sepp Settele steht vor einer Wiese. „Wenn man so guckt – sieht nach gar nichts aus. Bisschen unordentlich vielleicht. Müsste mal gemäht werden.“ Dann stapft er voran, zeigt auf eine gelbe Krabbenspinne, die auf einer roten Blüte sitzt und ihre Vorderbeine fangfertig aufgespannt hat, zeigt auf einen Schmetterling aus der Spannerfamilie, deren Raupen sich so merkwürdig fortbewegen, dass man ihre Familie Geometroidae genannt hat – Erdvermesser –, während eine Mehlschwalbe im Tiefflug eine Grille von einer weißen Dolde holt und eine große Gottesanbeterin sich nur halb im Gras versteckt.

Man braucht ein wenig Zeit, um all das wahrzunehmen, und würde nicht der Biologe Settele begeistert von Halm zu Halm gehen und in der kleinen Welt das große Ganze erklären, man würde kaum wahrnehmen, welche Überlebensstrategien, Feindschaften und Abhängigkeiten hier gepflegt werden, auf dieser unscheinbaren Wiese mitten in der Pfalz.

Kommentar von Reinhadt Löwe, auch an die Redaktion der Zeit geschickt
Überschrift: Biologische Vielfalt

Auf der Spur der Insekten
Überall sind die Zahlen im Keller
Ausgeräumte Landschaften

Ein Beitrag aus der ZEIT Nr. 34/2017, der nicht nur Wohlwollen und Freude ausgelöst haben dürfte. Es war ein wohl wunderschöner Tag mit dem Ökologen Sepp, wie Herr Settele gerne genannt werden möchte. Man entdeckt Schmetterlingseier. Sind es denn weniger geworden, seit Sepp 1989 das Zählen begann? Beiläufig wird erwähnt dass die ökonomische Bestäubungsleistung von Insekten auf 235 bis 577 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Das ist für einen Menschen wie mich, der keine Waffen exportiert, doch eine beachtliche Spanne. Man sollte da einmal über die Differenz nachdenken. Dann kommt der Passus, dass man schon Vieles weiß über den Insektenrückgang. Aber die Befunde sind lückenhaft. Dann kommen noch einige Zeilen über die Lückenhaftigkeit des Wissens.

Im Folgenden wird ein kleiner Hieb auf die „Grünen“ mit ihrer kleinen Anfrage verteilt. Sie wird abgetan als Wahlkampfgetümmel. Da hätte der Herr Habekuß aber doch einmal genauer lesen sollen. Diese kleine Anfrage (Drucksache 18/13143 mit der Antwort Drucksache 18/12859) war gar nicht so klein und sie hatte Hand und Fuß. Dass dabei herausgekommen ist, dass man die vielen Berichte und Forschungsergebnisse fleißig gesammelt hat, aber noch nicht gelesen und verwertet, das ist doch zumindest ein gutes Ergebnis. Das kann noch besser werden. Und wenn dabei der Verdacht aufkommt, dass ein Rückgang von bis zu 80% der Biomasse, sagen wir es einmal vorsichtig, zu befürchten ist, dann zeichnet sich ein Drama von unvorstellbarem Ausmaß ab. Da sollte man von Seiten der Regierungsverantwortlichen ganz schnell drüber nachdenken. Aber da darf man doch nicht so nachdenken, wie die beiden Informatoren auf der Wiese. Gibt es ein Insektensterben? Ich würde nicht sagen, dass es das nicht gibt. Woow!

Dann werden die mühsamen Ergebnisse der Krefelder Gruppe ad absurdum gestellt. Natürlich gilt ein Insektenrückgang von 80% nicht überall in Deutschland. Wenn wir uns aber nicht beeilen, dann gibt es gar keine Insekten mehr, deren Biomasse messbar wäre. Man muss doch unterscheiden zwischen landwirtschaftlich genutzten Regionen, Gebieten des Naturschutzes, ökologisch genutzte Regionen und nicht zuletzt die Städte und dicht besiedelten Gebiete, die weitgehend pestizidfrei zu bezeichnen sind.

Ein ganz kleines Imker Ein mal Eins ist die Tatsache, dass es kaum noch Insekten gibt in Bereichen der intensiven Landwirtschaft. Die Herbizide vernichten alles an Kraut bis auf die Pflanze, die es auszubeuten gilt. Das ist schon einmal der erste Schritt: Keine Blüten mehr, kein Futter für das Kleingetier, damit auch keine Insekten mehr. Gibt es doch noch blühenden Randbewuchs, ist der in der Regel durch Neonikotinoide aus der zweiten Behandlung der Hauptfelder belastet. Damit kämen wir zum Resume des nächsten Textes Ihrer Zeitschrift: Ohne Bienen wären wir aufgeschmissen. Und in der Landwirtschaft sieht man immer weniger Bienen.

Ein Bienen- und Insektenmonitoring mit entsprechend begleitender Forschung wäre wünschenswert. Zunächst aber wäre ein gesunder Menschenverstand mit plausiblen Erkenntnissen schon völlig ausreichend. Und Daten gibt es bereits unendlich viele. Die verarbeitet nur kein unabhängiger Forscher. Die bei der chemischen Industrie gebundenen Wissenschaftler würden ihren Job verlieren, wenn sie feststellen, dass die Insekten tatsächlich durch die Pflanzenschutzmittel vernichtet werden. Es bleibt übrigens unerklärlich, warum man diese Mittel so nennen darf. Sie schützen doch nur eine einzige Pflanze.

In Berlin haben wir zur Zeit eine Bienendichte von etwas mehr als 6 Bienenvölker / km², im Hochsommer sind es durch die Wanderimker rd. 10. Mecklenburg-Vorpommern liegt bei 0,6, Brandenburg bei 0,75. Die Völkerverluste über den Winter liegen in den Städten bei 15-20%, in den landwirtschaftlich genutzten Regionen bei bis 50%. Und die immer wieder gern zitierte Varroa gibt es in der Zwischenzeit in jedem Bienenstock. Die Behandlungsmethoden sind überall ähnlich. Das hat sich bei den Imkern alles herumgesprochen. Der Honigertrag in den Städten liegt bei 40-50 kg/Volk, auf dem Lande bei max. 30 kg. Darüber sollte man einmal nachdenken, ehe man mit Herrn Settele auf einigermaßen heiler Wiese Schmetterlingseier sucht, was sicherlich auch wichtig ist. Das Insektensterben aber fängt woanders an. Und es ist vor allem kein Wahlkampfgeschrei der „Grünen“.

Reinhardt Löwe, 23.08.2017

Kataster, AFB-Sperrbezirke

Die AFB-Sperrbezirke mit entsprechendem Kataster findet man unter ApisNETZ.de

Bienen und Blüten im August 2017

Deutscher Bundestag Drucksache 18/13143 vom 18.07.2017

Neustart , Zündstoff, Hoffnung ? –

Eine fundierte Anfrage der „Grünen“ – Drucksache 18/12859 – hat bei der Bundesregierung bewirkt, ein umfägliches Literaturstudium zu betreiben.

Insekten in Deutschland und Auswirkungen ihres Rückgangs

Eine sehr gut recherchierte Fragerunde der „Grünen“ hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit für die Bundesregierung beantwortet.

Die Antworten sind zwar nicht als Analyseergebnis zu werten, so hat man sich doch sehr eingehend mit Forschungsergebnissen und einschlägiger Literatur zum Thema befasst. Dass dabei die Arbeiten der Professoren Menzel und Wenzel fehlen, ist hoffentlich keine Absicht. Es lässt also hoffen, dass das unter Umständen das Ende der bis jetzt gepflegten politischen Sorglosigkeit ist.

Wenngleich kein Ergebnis zur Wende hinsichtlich der Vernichtung der Biodiversität zu erkennen ist, so bleibt doch die Hoffnung, dass das hier Zusammengetragene nunmehr zügig aufgearbeitet wird. Eine Wende der landwirtschaftlichen Bearbeitungskultur ist dringend angesagt.

d.R.
13.08.2017


Kommentar von Prof. Dr.med. Klaus-Werner Wenzel

Zur Kenntnisnahme die Antwort der Bundesregierung auf die sachkundige Anfrage der GRÜNEN bzgl. Insektenschwund, Rückgang Vogelzahlen, Niedergang der Biodiversität:

Die Analyse des besorgniserregenden Ist-Zustandes erscheint mir erstaunlich fundiert. Mangels wissenschaftlicher Untersuchungen werden sogar die Analysen von Entomologischen Vereinen herangezogen.Es wird sogar auf die deletären Neonikotinoiden hingewiesen (Dieses gefährliche „Unwort“ wird sonst von der Agro/Chemie-Lobby und den von ihr beeinflussten Regierungsinstitutionen konsequent vermieden.). Auch die negativen Aussichten für die nähere Zukunft werden ziemlich konkret dargestellt. Es ist das Bundes-Ministerium für Umweltschutz (Ministerin Hendricks), welches die umfangreichen Daten zusammengetragen und erstaunlich deutliche Rückschlüsse gefolgert hat. (Stellen Sie sich vor, die Beantwortung hätte das Landwirtschaftsministerium (Minister Christian Schmidt) erstellt ?).

Sehr mau sind dann die Antworten bzgl. Förderung wissenschaftlicher Erfassung des Artenschwundes (z.B. bundesweites Monitoring), ganz zu schweigen von Planungen auf Abhilfe. Die genannten Absichtserklärungen bleiben eben nur Absicht (denn für effektive Programme und Finanzhilfen wäre ja die Bundesregierung selbst zuständig). Stellen Sie sich vor, die nächste Bundes-Regierung würde von Schwarz/Gelb gestellt? Von einem Umwelt-Ministerium würden wohl keine zutreffenden Analysen und sinnvollen Absichtserklärungen mehr zu erwarten sein, wenn dann nicht überhaupt das Landwirtschaftsministerium federführend wäre.

Fazit:
Zu loben ist die kompetente Initiative der GRÜNEN, und vom
Bundesministerium das angesichts der dürftigen Datenlage doch
sorgfältig zusammengestellte Material zum Ist-Zustand.

Zukunft:
Es bleibt noch sehr viel Raum für Verbesserungen (aber eine Regierung
ist so, wie das Volk sie wählt!).

Mit entomologischen Grüßen.
Klaus-Werner Wenzel

Drucksache 1813142 Insekten

Infobrief von APIS e.V.

Den Infobrief des Vereins zur Förderung der Bienenkunde der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen kann man sich hier bestellen.

Der Bienenweideobmann

August 2017
Blühpflanzen für Beete Juli, August

Oktober 2017
Wildzwiebeln_klein

November 2017
Unterpflanzung_von_Gehoelzen_klein

Januar 2018
Wildbienenhotels

Das große Glück der Berliner Imker

Berlin ist bis auf die Randbereiche ohne Kontakt zur intensiven Landwirtschaft und damit auch fast frei von Pflanzenschutzmitteln (PSM). Das ist gut für die Bienen und gut für die Menschen. Ungeachtet dessen sollen wir aber dennoch weiter informiert werden über die Zulassungsverfahren und die Gefahren, denen wir dennoch ausgesetzt sind.

Wir verzehren mit dem Obst und Gemüse viel schädliche Chemie, die zugelassen und ungeniert in der Landwirtschaft in stattlichen Mengen verbraucht wird.

Beigefügte Aufstellung hat der Imker Rainer Bergwardt ausgegraben. Zusätzlich kommentiert wurden die Inhalte durch Brigitte Meibeck.

Danach brauchen wir uns über Glyphosat nicht mehr zu unterhalten. Wir lassen uns auf sehr hohem Niveau mit Zulassung oder Sonderzulassung gesetzeskonform vergiften. Aber in der Stadt können wir doch wenigstens unsere Bienen retten, wenn wir umsichtig sind.

Reinhardt Löwe
08.08.2017

Hier ein Text von der Homepage des BMEL. Offensichtlich wurde 2014 ein Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Fipronil in Deutschland zugelassen:

Genehmigung zur Anwendung des Pflanzenschutzmittels „Goldor Bait“ in Kartoffeln

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 23. Januar 2014 die Anwendung des Pflanzenschutzmittels „Goldor Bait“ zur Bekämpfung des Drahtwurms in Kartoffeln genehmigt. Es handelt sich um eine Zulassung für Notfallsituationen, die vom 27. Januar 2014 bis zum 26. Mai 2014 gilt. Die Anwendung ist beschränkt auf Flächen mit Starkbefall, wenn der Pflanzenschutzdienst einen entsprechenden Warndienstaufruf herausgegeben hat.

Bei „Goldor Bait“ handelt es sich um ein Ködergranulat mit dem Wirkstoff Fipronil, das beim Legen der Kartoffeln in die Pflanzfurche gestreut wird. Die Zulassung ist mit Anwendungsbestimmungen und Auflagen verbunden, die insbesondere auf den Schutz von Bienen abzielen. So darf die Anwendung nur mit Granulatstreugeräten erfolgen, die in einer Liste des Julius Kühn-Instituts aufgeführt sind. Diese Geräte verfügen über technische Einrichtungen, die sicherstellen, dass das Granulat vollständig mit Erde bedeckt wird und keine wirkstoffbelasteten Stäube auf Nachbarflächen verfrachtet werden. Darüberhinaus sind die Betriebsleiter verpflichtet, mindestens 48 Stunden vor der Anwendung Imker zu informieren, die ihre Bienenstände im Umkreis von 60 m um die vorgesehene Behandlungsfläche stehen haben. Bei Beachtung aller Vorschriften zur Anwendung wird das Risiko für Bienen als sehr gering bewertet.

Im November 2013 hatte das BVL die entsprechenden Anträge zunächst abgelehnt. Der entscheidende Grund war eine erwartete Absenkung des Rückstandshöchstgehaltes für Fipronil in Kartoffeln von 0,01 mg/kg auf 0,005 mg/kg. Nach den vorliegenden Rückstandsdaten ist der abgesenkte Wert bei der Anwendung von „Goldor Bait“ nicht einhaltbar. Zwar ist nach wie vor davon auszugehen, dass der Rückstandshöchstgehalt auf EU-Ebene abgesenkt wird, es liegen jedoch inzwischen verlässliche Informationen der Europäischen Kommission vor, dass die im Jahr 2014 erzeugten Kartoffeln davon noch nicht betroffen sein werden. Ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher besteht bei Rückständen in Kartoffeln bis 0,01 mg/kg nicht; dies geht aus einer Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit vom 15. Januar 2014 hervor. Bei dieser Sachlage hat das BVL den Widersprüchen der Antragsteller stattgegeben.

In jedem Jahr werden zu den schon zugelassenen 1.477 PSM noch zusätzlich für einen begrenzten Zeitraum oder unter bestimmten Bedingungen zusätzliche PSM zugelassen.

Wir fragen uns hier: Wer erteilt diese Genehmigungen? Wer kontrolliert vor Ort, ob die Begründungen ausreichen?
Und natürlich ist hier anzumerken, dass bei den Zulassungsverfahren die additive Wirkung von mehreren PSM, die gleichzeitig oder nach einander aufgebracht werden, nie untersucht wird! Man also von deutlich größeren Belastungen von Gesundheit und Umwelt ausgehen muss!

Zulassungen für Notfallsituationen (letzte Änderung: 28. Juli 2017)

http://www.bvl.bund.de/DE/04_Pflanzenschutzmittel/01_Aufgaben/02_ZulassungPSM/01_ZugelPSM/02_Genehmigungen/psm_ZugelPSM_notfallzulassungen_node.html;jsessionid=84F74976980FC4108E8561BDF8B880EF.2_cid332
Wenn eine Gefahr anders nicht abzuwehren ist, kann das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kurzfristig das Inverkehrbringen eines Pflanzenschutzmittels für eine begrenzte und kontrollierte Verwendung und für maximal 120 Tage zulassen. Rechtsgrundlage ist Artikel 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009. 

„Notfallzulassungen“ pro Jahr

2017 47
2016 46
2015 42

Liste der für 2017 zusätzlich zugelassenen PSM

NeemAzal-T/S Azadirachtin 28.07.2017
bis 24.11.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Kartoffelkäfer an
Kartoffeln; nur auf befallsgefährdeten Flächen im ökologischen
Landbau
mehr
CURATIO Schwefelkalkbrühe 20.07.2017
bis 16.11.2017
gegen
Blattfallkrankheit (Marssonina coronaria) und
Regenfleckenkrankheit/Fliegenschmutzkrankheit an Kernobst
mehr
Karate
Zeon
lambda-Cyhalothrin 17.07.2017
bis 13.11.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Weichwanzen an
Hopfen
mehr
DuPont
Benevia
Cyantraniliprole 28.06.2017
bis 25.10.2017
gegen
Kleine Kohlfliege in Wirsing und Brokkoli
mehr
Proman Metobromuron 27.06.2017
bis 24.10.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen einjährige
zweikeimblättrige Unkräuter (ausgenommen Klettenlabkraut) in
Feldsalat
mehr
DuPont
Benevia
Cyantraniliprole 27.06.2017
bis 24.10.2017
gegen
Thripse in Bundzwiebeln
mehr
Permit Halosulfuron 22.06.2017
bis 19.10.2017
gegen
Erdmandelgras und Standsimse in Mais (Silo- und Körnermais)
mehr
Funguran
progress
Kupferhydroxid 12.06.2017
bis 09.10.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen
Cercospora-Blattflecken an Zuckerrübe; gilt nur für die
Resistenzrisikogebiete in Bayern
mehr
DuPont
Benevia
Cyantraniliprole 01.06.2017
bis 28.09.2017
gegen
Kleine Kohlfliege in Radieschen
mehr
Mospilan
SG
Acetamiprid 01.07.2017
bis 28.10.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Drosophila-Arten in
Weinrebe; Keltertrauben
mehr
DuPont
EXIREL
Cyantraniliprole 01.07.2017
bis 28.10.2017
gegen
Kirschessigfliege (Drosophila
suzukii)
in Weinrebe; Tafel- und Keltertrauben
mehr
Karate
Zeon
lambda-Cyhalothrin 15.06.2017
bis 12.10.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Kirschessigfliege
(Drosophila
suzukii)
in johannisbeerartigem Beerenobst, Heidelbeerarten, Holunder und
himbeerartigem Beerenobst
mehr
DuPont
EXIREL
Cyantraniliprole 15.06.2017
bis 12.10.2017
gegen
Kirschessigfliege (Drosophila
suzukii)
in Johannisbeere, Stachelbeere und Heidelbeere
mehr
Karate
Zeon
lambda-Cyhalothrin 15.07.2017
bis 11.11.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Drosophila-Arten in
Weinrebe; Tafel- und Keltertrauben
mehr
SpinTor Spinosad 15.06.2017
bis 12.10.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Kirschessigfliege
(Drosophila
suzukii)
in Erdbeere
mehr
Movento
SC 100
Spirotetramat 01.06.2017
bis 28.09.2017
gegen
Erdbeermilbe (Phytonemus
pallidus)
an Erdbeere
mehr
Karate
Zeon
lambda-Cyhalothrin 01.06.2017
bis 28.09.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Amerikanische
Rebzikade (Scaphoideus
titanus)
an Weinrebe (Pflanzgut in Rebschulen) als Vektor der Goldgelben
Vergilbung
mehr
SpinTor Spinosad 01.06.2017
bis 28.09.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Kirschessigfliege
(Drosophila
suzukii)
in Pfirsich und Aprikose
mehr
Ordoval Hexythiazox 09.05.2017
bis 05.09.2017
gegen
Spinnmilben an Hopfen;
nur auf Flächen zur Erzeugung von
Export-Hopfen für die USA
mehr
ABC-V14 Cydia
pomonella Granulovirus Isolat V14
02.05.2017
bis 29.08.2017
gegen
Apfelwickler (Cydia
pomonella)
in Kernobst; für ökologisch wirtschaftende Betriebe mit
nachgewiesenen Resistenzproblemen
mehr
Karate
Zeon
lambda-Cyhalothrin 15.06.2017
bis 12.10.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Kirschessigfliege
(Drosophila
suzukii)
in Pflaume, Zwetsche, Mirabelle, Reneklode, Pfirsisch und
Aprikose
mehr
Karate
Zeon
lambda-Cyhalothrin 01.05.2017
bis 28.08.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Kirschessigfliege
(Drosophila
suzukii)
in Süßkirsche und Sauerkirsche
mehr
Vertimec
Pro
Abamectin 26.04.2017
bis 24.08.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Gemeinen
Birnenblattsauger (Psylla
pyri)
an Birne
mehr
SpinTor Spinosad 15.06.2017
bis 12.10.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Kirschessigfliege
(Drosophila
suzukii)
in Pflaume, Zwetsche, Mirabelle und Reneklode
mehr
SpinTor Spinosad 01.05.2017
bis 28.08.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Kirschessigfliege
(Drosophila
suzukii)
in Süßkirsche und Sauerkirsche
mehr
DuPont
EXIREL
Cyantraniliprole 07.06.2017
bis 04.10.2017
gegen
Kirschessigfliege (Drosophila
suzukii)
in Pflaume, Zwetsche und Mirabelle
mehr
DuPont
EXIREL
Cyantraniliprole 01.05.2017
bis 28.08.2017
gegen
Kirschessigfliege (Drosophila
suzukii)
und Kirschfruchtfliege (Rhagoletis
cerasi bzw. Rhagoletis
cingulata)
in Süßkirsche und Sauerkirsche
mehr
Insegar Fenoxycarb 15.05.2017
bis 11.09.2017
gegen
Pflaumenwickler an Pflaume, Zwetschge und Mirabelle
mehr
Movento
SC 100
Spirotetramat 01.05.2017
bis 28.08.2017
gegen
Birnenblattsauger an Birne
mehr
Karate
Zeon
lambda-Cyhalothrin 01.04.2017
bis 31.05.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Grüne Futterwanze an
Apfel
mehr
Movento
SC 100
Spirotetramat 25.04.2017
bis 22.08.2017
gegen
Apfelblutlaus an Apfel
mehr
Merpan
80 WDG
Captan 17.03.2017
bis 14.07.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Auflaufkrankheiten an
Ölkürbis
mehr
Cuprofor
flow
Kupferoxychlorid 17.03.2017
bis 14.07.2017
gegen
Auflaufkrankheiten an Ölkürbis
mehr
VitiSan Kaliumhydrogencarbonat 01.04.2017
bis 29.07.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Schorf und
Regenflecken an Apfel und Birne
mehr
Curatio Schwefelkalkbrühe 23.03.2017
bis 20.07.2017
gegen
Schorf an Kernobst
mehr
Ercole
(SIP 50815)
lambda-Cyhalothrin 22.04.2017
bis 19.08.2017
gegen
Schnellkäferlarven (Drahtwurm) an Saatmais; die Bekämpfung ist
nur für Saatmais auf befallsgefährdeten Maiszüchtungs- bzw.
Maisvermehrungsflächen vorgesehen.
mehr
Belem
0,8% MG
Cypermethrin 15.04.2017
bis 12.08.2017
gegen
Erdraupen und Schnellkäferlarven (Drahtwurm) an Saatmais
mehr
Aatiram
65
Thiram 15.02.2017
bis 14.06.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen Auflaufkrankheiten
(Diaporthe/Phomopsis-Komplex)
an Sojabohne
mehr
Proman Metobromuron 20.02.2017
bis 19.06.2017
über
die bestehende Zulassung hinaus:
gegen einjährige
zweikeimblättrige Unkräuter (ausgenommen Klettenlabkraut) in
Feldsalat
mehr
Stähler
Rebwachs Pro
2,5-Dichlorbenzoesäuremethylester 07.02.2017
bis 06.06.2017
zur
Wundbehandlung und zum Wundverschluss an Weinrebe
(Rebpflanzguterzeugung)
mehr
Velifer Beauveria
bassiana Stamm PPRI 5339
15.02.2017
bis 14.06.2017
gegen
Schnellkäferlarven (Drahtwurm) an Kartoffel
mehr
Boni
Protect forte
Aureobasidium
pullulans
DSM 14940 und 14941
15.03.2017
bis 12.07.2017
gegen
Grauschimmel (Botrytis
cinerea)
an Erdbeere;
nur im Freiland
mehr
Boni
Protect forte
Aureobasidium
pullulans
DSM 14940 und 14941
15.04.2017
bis 12.08.2017
gegen
Grauschimmel (Botrytis
cinerea)
an Heidelbeere und Himbeere
mehr
LMA Aluminiumkaliumsulfat 01.04.2017
bis 29.07.2017
gegen
Feuerbrand an Kernobst
mehr
ATTRACAP Metarhizium
brunneum Stamm C15
15.02.2017
bis 14.06.2017
gegen
Schnellkäferlarven (Drahtwurm) an Kartoffel
mehr
Vintec
(BCP511B)
Trichoderma
atroviride Stamm SC1
01.01.2017
bis 30.04.2017
gegen
die ESCA-Erreger Phaeoacremonium
aleophilum und Phaeomoniella
chlamydospora(Togninia
minima)
bei der Erzeugung von Rebpflanzgut und in Junganlagen bis zum 4.
Standjahr
mehr

2016

Beltanol-L 8-Hydroxychinolin 01.12.2016
bis 31.03.2017
gegen
Botrytis cinerea und holzzerstörende Pilze in Weinrebe
(Rebenpflanzgut)
PMV-01 Pepinomosaikvirus,
Stamm
CH2, Isolat 1906
03.10.2016
bis 30.01.2017
gegen
Pepinomosaikvirus an Tomate

Tabelle
zu den Aussagen aus den Datenblättern zu den Notfallzulassungen von PSM

PSM
Pflanzenart
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
NemmAzal
Kartoffeln
X X X X X

x x

CURATIO
Kernobst
X X

X X

X

Karate
Zeon !
Hopfen
Beerenobst,
Weintrauben, Kernobst, Apfel
X X X

X 20m X X

DuPunt
Benevia !
Wirsing,
Broccoli, Zwiebeln
X X X X 5m X X
Proman
Feldsalat
(kann zu Schäden führen, die außerhalb D beanstandet warden)
X X X X 10m X X
Permit
Mais
X X X X 5m X X
Fungur
progress
Zuckerrüben
X X x X x
Mospilan
SB
Weintrauben
X X X 5m X
DuPont
Exirel
Weintrauben,
Beerenobst, Kernobst
X X X 5m X X X
SpinTor
Steinobst
X X X X 5m X x X X
Movento
SC 100
Erdbeeren,
Birne, Apfel (Ernte darf im Anwendungsjahr nicht in den Verzehr
gelangen)
X X X X X 5m X X
Ordoval
Hopfen
(nur auf Flächen die für die USA bestimmt sind)
X X X X X x
ABC-V14
Kernobst
X X X X
Vertimec
Pro
Brine
X X X X X 5m X X X
Insegar
Kernobst
X X

X 3m X X X X

Merpan
80 WDG
Ölkürbis
X

X

X

X

X
Cuprofor
flow
Ölpürbis
X X X

X

X

X
Vitisan
Apel,
Birne
X

X

Ercole
(SIP 50815)
Mais
X x

X 5m

Belem
0,8% MG
Mais
X x

x 5m

Atiram
65
Sojabohne
X X x

x

x

X
Stähler
Rebwachs pro
Wein
X

X

X

Velifer
Kartoffel
X

X X

X xx

Boni
protect forte
Erdbeeren
(nur Freiland), Heidelkbeeren, Himbeeren
X

X

LMA
Kernobst
X X

X X

X

Attracap
Kartoffel
X

Vintec
(BCP 511B)
Wein
X

X X

X x

Beltanol-L
Wein
– keine Angaben mehr im Netz

PMV
01
Tomate
– keine Angqaben mehr im Netz

Erläuterung der Spalten in der Tabelle:
1: darf nicht ins Wasser gelangen, verursacht dauerhafte Schäden
2.: giftig für Fische
3: kann Allergien auslösen
4: Fläche erst nach dem Abtrocknen wieder betreten
5: umweltschädlich
6: Abstand zu den Gewässern muss eingehalten werden
7: darf nicht an Oberflächengewässer angewendet werden, es drohen Strafen von bis zu 50.000 €
8: gesundheitsschädlich
9: schädigt Nutzinsekten
10: die behandelte Fläche darf auch 48 nach der Aufbringung nur mit Schutzkleidung betreten werden
11. Giftig für Vögel

Kommentar von Brigitte Meibeck

Man erfährt doch immer wieder neue, erschreckende Dinge. Über einen Bericht von Herrn Berwardt habe ich erfahren, dass es zusätzlich zu den schon zugelassenen 1.477 PSM in jedem Jahr noch Notfallzulassungen von besonderen PSM für angeblich besonderen Befall gibt, d.h. die dürfen angeblich nur in bestimmten Fällen eingesetzt werden z.B. bei besonderes hohem Befall von „Schadinsekten“.  Auch der Einsatzzeitpunkt ist dort genau angegeben, natürlich oft im Sommer in der Hauptblütezeit und in der Zeit, da alle Tiere ihren Nachwuchs versorgen! Wer allerdings diesen Sonderfall beurteilt und ob eine Genehmigung und  vom wem ausgesprochen werden muss, konnte ich nicht in Erfahrung bringen!

Im Rahmen dieser Sonderzulassungen wurde 2014 auch ein PSM mit Fipronil zugelassen. Viele dieser „Sonderzulassungen“ gelten vor allem im Bereich Obst- Kartoffel- und Weinanbau und wenn man dann gleichzeitig die Aussage des Sachverständigenrates zu den angewandten PSM auf einer Fläche betrachtet, kann einem schon „schlecht“ werden. Für Kartoffeln wurde dort angegeben, dass 13 verschiedenen PSM in der konventionellen Landwirtschaft zum Einsatz kommen, bei Tafeläpfeln 34 und bei Wein 23! Da kommt es wohl auf ein Nervengift mehr oder weniger auch nicht mehr an?

Immerhin sind 3 dieser Mittel giftig für Vögel, 7 schädigen Nutzinsekten, 14 können Allergien auslösen und alle dürfen nicht ins Wasser gelangen da sie dauerhafte Schäden verursachen. Außerdem waren mehrere Mittel dabei, die als Beize ausgewiesen wurden. Da frage ich mich, wie kann man denn schon bei der Aussaat wissen, dass ein besonderer Befall droht? Die Informationen zu den „Sonderzulassungen“ 2017, immerhin 47, findet Ihr im Anhang.

Brigitte

Neonikotinoide – Schädlich nicht nur für Bienen

Die sogenannten Neonikotinoide sollen Pflanzen vor dem Befall durch Schadinsekten schützen. Die Mittel sind umstritten, weil sie auch nützliche Insekten wie beispielsweise Bienen schädigen können und möglicherweise sogar den Ackerboden. Deshalb wird auf EU-Ebene über ein Verbot einiger Stoffe beraten.

Von Daniela Siebert
Deutschlandfunk, 19.07.2017


Nicht nur Bienen können durch Neonikotinoide geschädigt werden. (picture alliance/dpa/Foto: Patrick Pleul)

Damit Schadinsekten die teuren Samenkörner nicht wegfressen, beizen manche Hersteller die Körner vorab mit Neonikotinoiden. Das Problem dabei: Über 98 Prozent des Wirkstoffs landen im Boden, berichtet das Netzwerkforum für Biodiversitätsforschung Deutschland. Dort sind sie offenbar noch bis zu drei Jahre wirksam. Und oft genug trifft das Gift dann auch Organismen, die gar nicht Ziel des Insektizids sind, zum Beispiel Ameisen, Regenwürmer und Springschwänze. Wenn sie leiden, verschlechtert sich auch die Qualität des Bodens und letztlich kann sich das auch negativ auf die behandelte Pflanze auswirken. Diese Zusammenhänge sind aber noch nicht ausreichend untersucht, betont das Netzwerkforum.
Wissenslücken rund um die Neonikotinoide

Das Problem sieht auch der Agraringenieur und Epidemiologe Anton Safer. Der langjährige Mitarbeiter des Instituts für Öffentliche Gesundheit an der Universität Heidelberg hat sich auf die Neonikotinoide spezialisiert und sieht ebenfalls große Wissenslücken. Das fängt schon dabei an, wieviel Neonikotinoide eigentlich im Boden landen:

„Studien zeigen sehr unterschiedliche Zahlen: Was in die Pflanze geht, sind Bruchteile von bis zu 20 Prozent, etwa in der Größenordnung. Und der Rest bleibt im Boden, wird abgedriftet, geht ins Grundwasser, alles das. Die Halbwertszeit der Ausgangssubstanzen kann wenige Stunden oder Tage betragen, geht aber auch bis in die Jahre. Das Ganze hängt vom Neonikotinoid ab, gibt schnell abbauende, aber auch von den Bedingungen der Umgebung.“

Eine Rolle spiele auch, wieviel es regnet, wie kalt es ist und wieviel Sauerstoff der Boden enthält. Sicher ist laut Safer, dass Neonikotinoide auch Enzyme in Organismen blockiere, die für die Entgiftung der Körper zuständig sind. Nachgewiesen sei dieser Effekt zum Beispiel bei Regenwürmern und vermindere deren Lebensfähigkeit.

An Regenwürmern hätten sich außerdem schon andere Schäden durch Neonikotinoide gezeigt: Sie waren weniger aktiv, hatten Probleme mit der Verdauung und mit der Fortpflanzung. Auch sogenannte Collembole, kleine Sechsfüsser, die für den Nährstoffkreislauf im Boden wichtig sind, seien stark von Neonikotinoiden betroffen ergänzt das Umweltbundesamt.

Völlig unklar ist aus Sicht von Anton Safer, wie sich Neonikotinoide im Zusammenspiel mit anderen Mitteln auswirkten, etwa Fungiziden, die Pilzbefall der Pflanzen bekämpfen sollen.
Unterschiede bei unterschiedlichen Stoffen

Zu wenig wisse man auch, was aus den Abbauprodukten der Neonikotinoide im Boden werde, so Anton Safer. In mancher Hinsicht müsse zudem zwischen den einzelnen Stoffen aus dieser Gruppe unterschieden werden.

„Wir wissen, dass beispielsweise ein neuer Neonikotinoidwirkstoff der vierten Generation – Guadipyr – zum Beispiel keine Erbgutschädigungen an Regenwürmern macht, zumindest nicht in den ackerüblichen Dosen. Und es geht mit weniger Öko-Toxizität einher als die fünf älteren Neonikotinoide wie Imidacloprid, Acetamiprid, Nitenpiram, Chlotianidin und Thiacloprid.“

Zwei der genannten Substanzen werden jetzt möglicherweise in der EU verboten. Das Umweltbundesamt sieht die unbeabsichtigten Wirkungen von Neonikotinoiden auch kritisch und fasst die Prüfergebnisse so zusammen:

„Eine Bewertung der Risiken einer Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, die Neonikotinoide enthalten, zeigt häufig auf der Basis von Laborstudien erstmal ein unakzeptables Risiko für Bodenorganismen an. Die weiterführenden Studien, die nach den heute gültigen Leitfäden mit Neonicotinoiden durchgeführt wurden, zeigen ein akzeptables Risiko im Freiland.“

Zwar werden im deutschen Zulassungsverfahren auch Effekte an einzelnen Arten im Labor getestet, zum Beispiel an Regenwürmern. Alles in allem hält das Umweltbundesamt die heutigen Prüfverfahren für Pflanzenschutzmittel aber für ungeeignet und würde sie auch mit Blick auf die Neonikotinoide gerne ändern.

„Aus unserer Sicht sind Feldversuche, die das Vorkommen und die Vielfalt von Bodentieren im Freiland untersuchen, besser geeignet, die Wirkungen auf Bodenorganismen zu erfassen und somit das Risiko für diese Gruppe korrekter zu beschreiben.“

Experten halten Prüfmethoden für ungenügend

Auch Anton Safer hält die heutigen Prüfmethoden für ungenügend.

„Worauf wir gar nicht schauen im Boden, das sind beispielsweise viele Arten von Bakterien, die also im Zersetzungsprozess des organischen Materials beteiligt sind. Da sind auch Kleinlebewesen dabei, beispielsweise Springschwänze, die ganz wichtige Arbeit leisten, damit Bodenmaterial zersetzt wird. Und wenn ich das nicht untersuche, dann, denke ich, ich habe einen Vorteil in der Schädlingsbekämpfung, dieser Vorteil begrenzt sich aber dadurch, dass ich auf der anderen Seite Schäden auslöse als Landwirt, die dann sich langfristig eben negativ auswirken. Die mir auch meine Bodenfruchtbarkeit als Landwirt kaputt machen.“

Anton Safer plädiert für realitätsnähere Studien, die die fertigen Präparate prüfen und nicht nur einzelne Wirkstoffe. Und das auch auf echten, typisch behandelten Ackerböden, auf denen also viele Substanzen zum Einsatz kommen. Vor allem brauche es Prüfungen über längere Zeiträume. Nicht im Labor.

Link zum Audiofile

Außerdem beim Deutschlandfunk zu finden:

Neonicotinoide alleine gar nicht unbedingt das Problem

Insektengift-Moratorium in der Kritik

Wo sind sie geblieben, unsere Insekten?

Von Berlin nach Hamburg und zurück bei zügiger Fahrt im Hochsommer am 19.Juli 2917 stellen sich viele Fragen nach dem Verbleib von Insekten. Die Windschutzscheibe musste nur am Ende dieses Tages ein wenig gereinigt werden. Wo sind sie also geblieben, die vielen Tausend, die einem Autofahrer sonst die Sicht genommen haben?

Mit der Varroa hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun. Honigbienen haben selten auf der Scheibe geklebt; und nur da, im Bienenstock, fühlt sich dieser üble Schmarotzer wohl.

Das heißt, dass wir uns ins unserer Meinung durch folgenden Artikel in der Science bestätigt fühlen.

Unsere Insekten in ihrer Vielfalt mit ihren vielen Aufgaben für den Bestand der Natur sind schlichtweg ohne jede Überlegung vergiftet worden oder vertrieben, weil man ihnen die Nahrungsgrundlage genommen hat. Herbizide und Neonikotinoide sind insgesamt Pestizide, die mit Ausnahme einer Pflanzenart alles andere vernichten.

Auf dem Acker ausgebracht, wird dieses Gift durch Abdrift auch in Regionen getragen, die man möglicherweise schützen wollte oder muss. Es sind Naturschutzreservate oder einfach Eigentumsflächen, die man sauber halten möchte. Es ist dabei nicht nur die Abdrift wärend des Sprühvorganges, sondern auch die nach Trocknung von Gift und Bodenkrume. Noch überhaupt nicht untersucht ist der Einfluss der Thermik. Ein Drachenflieger in Langerwisch schraubt sich nach kurzem Anlauf durch die Thermik in unglaubliche Höhen, so gesehen vor einer Woche. Die Verbreitung der Stäube durch höhere Luftschichten ist nicht mehr berechenbar. Sind es 50 km, 100 km oder 3.000 km wie der feine Sand der Sahara, der von Zeit zu Zeit über die Alpen getragen wird? Diese vielen Fragezeichen, diese Unwägbarkeiten zusammen mit den unten aufgezeigten Forschungsergebnissen lassen doch nur den einen Schluß zu, dass die Landwirtschaft gut beraten ist, ohne Chemie saubere Lebensmittel zu produzieren. Mais für die Bio-Gasanlagen gehört nicht auf den Acker. Es ist ein Geschäft, das nur durch Förderung funktioniert; und was ist daran eigentlich noch Bio? Die viel zitierten 80% der Kultur- und Nutzpflanzen, die von Bienen und anderen Insekten bestäubt werden sind nicht der einzige Grund für eine Rückbesinnung. 22 Mrd. € stehen hier immer im Raum. Zum Teil sind es 100% der Pflanzen die auf die Insektenbestäubung angewiesen sind. Dass es um viel mehr geht, begeift ein Landwirt in der Regel nicht einmal in der so aufgeklärten und von Informationen so verwöhnten Zeit. Es bleibt völlig unverständlich, dass niemand verstehen will, dass man die zerstörte Vielfalt mit seinen abertausend Abhängigkeiten nicht ausgleichen kann durch die paar spendierte Moonsamen am Feldrand.

Die folgende Zusammenstellung vieler internationaler Forschungsergebnisse zeigt doch nur deutlich, dass ein lediglich schnödes Interesse insgesondere der Chemikalien-verarbeitenden Instudrie diese seit langem bestehenden Forschungsergebnisse aus reinem Eigennutz und ohne Rücksicht auf Verluste und die Gesundheit der Mitmenschen vom Tisch gewischt hat.

Wir Imker geben die Hoffnung nicht auf, dass auch die Entscheidungsebene der Politik sich einmal mit den Inhalten dieser hier von uns weitergereichten Arbeiten auseinandersetzen.

Reinhardt Löwe
31.07.2017

Science

10.Mai 2017


Glühwürmchen, wie diese in einem Wald in den Niederlanden, sind aus einigen Gebieten in Nordamerika und Europa verschwunden, wo sie einmal reichlich waren.
PAUL VAN HOOF / MINDEN BILDER

Wohin sind alle Insekten gegangen?

Von Gretchen Vogel  10.Mai 2017, 9:00 Uhr

Entomologen nennen es das Windschutzscheibenphänomen. „Wenn Sie mit Leuten reden, haben sie ein Bauchgefühl. Sie erinnern sich, wie Insekten auf Ihrer Windschutzscheibe zerschlagen haben“, sagt Wolfgang Wägele, Direktor des Leibniz-Instituts für Tierbiodiversität in Bonn. Heute verbringen die Fahrer weniger Zeit beim Schaben und Schrubben. „Ich bin ein sehr datengesteuerter Mensch“, sagt Scott Black, Geschäftsführer der Xerces Society for Invertebrate Conservation in Portland, Oregon. „Aber es ist eine viszerale Reaktion, wenn Sie erkennen, dass Sie das Chaos nicht mehr sehen.“

Einige Leute argumentieren, dass Autos heute aerodynamischer sind und daher weniger tödlich für Insekten sind. Aber Black sagt, sein Stolz und seine Freude als Teenager in Nebraska war sein 1969 Ford Mustang Mach 1 – mit einigen ziemlich glatten Linien. „Ich musste immer mein Auto waschen, es war immer mit Insekten bedeckt.“ In letzter Zeit hat Martin Sorg, ein Entomologe hier, das Gegenteil gesehen: „Ich fahre einen Land Rover, mit der Aerodynamik eines Kühlschranks, und in diesen Tagen bleibt es sauber.“

Obwohl Beobachtungen über bespritzte Bugs nicht wissenschaftlich sind, gibt es nur wenige zuverlässige Daten über das Schicksal wichtiger Insektenarten. Die Wissenschaftler haben alarmierende Niederschläge in domestizierten Honigbienen, Monarch-Schmetterlingen und Blitzwanzen verfolgt. Aber nur wenige haben die Motten beachtet, die Fliegen, die Käfer und die unzähligen anderen Insekten, die durch die warmen Monate brummen und fliegen. „Wir haben eine ziemlich gute Erfolgsbilanz, um die meisten nichtcharismatischen Arten zu ignorieren“, die die meisten Insekten sind, sagt Joe Nocera, ein Ökologe an der Universität von Neubraunschweig in Kanada.

Von den kleinen Aufzeichnungen, die es gibt, kommen viele von Amateur-Naturforscher, ob Schmetterlingskollektoren oder Vogelbeobachter. Nun kommt eine neue Reihe von Langzeitdaten zum Vorschein, diesmal von einer engagierten Gruppe von meist Amateur-Entomologen, die seit den 80er Jahren Insektenreichtum an mehr als 100 Naturschutzgebieten in Westeuropa verfolgt haben.

In dieser Zeit hat die Gruppe, die Krefeld Entomologische Gesellschaft, die jährlichen Insektenfänge schwanken gesehen, wie erwartet. Aber im Jahr 2013 sahen sie etwas Schreckliches. Als sie von 1989 an eine ihrer frühesten Fangplätze zurückkehrten, war die Gesamtmasse ihres Fangs um fast 80% gefallen. Vielleicht war es ein besonders schlechtes Jahr, dachten sie, also machten sie die Fallen wieder im Jahr 2014. Die Zahlen waren genauso niedrig. Durch mehr direkte Vergleiche, die Gruppe, die Tausende von Proben über 3 Jahrzehnte bewahrt hatte, fanden dramatische Rückgänge über mehr als ein Dutzend anderer Standorte.


Hover Fliegen, oft für Bienen oder Wespen verwechselt, sind wichtige Bestäuber. Ihre Zahlen sind in den Naturschutzgebieten in Deutschland abgesunken.
JEF MEUL / NIS / MINDEN BILDER / NATIONALE GEOGRAFISCHE KREATIVE

Solche Verluste hängen die Nahrungskette auf. „Wenn du ein insektenfressender Vogel bist, der in diesem Gebiet lebt, ist im letzten Vierteljahrhundert vier Fünftel deines Essens verschwunden“, sagt Dave Goulson, ein Ökologe an der Universität von Sussex im Vereinigten Königreich , Der mit der Krefelder Gruppe zusammenarbeitet, um einige der Daten zu analysieren und zu veröffentlichen. „Man hofft fast, dass es nicht repräsentativ ist – dass es ein seltsames Artefakt ist.“

Niemand weiß, wie breit repräsentativ die Daten von Trends an anderer Stelle sind. Aber die Besonderheit der Beobachtungen bietet ein einzigartiges Fenster in den Zustand einiger der weniger geschätzten Arten des Planeten. Deutschlands „Rote Liste“ gefährdeter Insekten sieht auf den ersten Blick nicht alarmierend aus, sagt Sorg, der die umfangreiche Sammlung von Insektenproben der Krefeld-Gesellschaft kuratiert. Wenige Arten sind als ausgestorben, weil sie noch in einer oder zwei Seiten gefunden werden. Aber das verdunkelt die Tatsache, dass viele aus großen Gebieten verschwunden sind, wo sie einmal üblich waren. Überall in Deutschland sind nur drei Hummelarten verschwunden, aber die Krefelder Region hat mehr als die Hälfte der zwei Dutzend Hummelarten verloren, die die Gesellschaftsmitglieder schon im 20. Jahrhundert dokumentierten.

Die Mitglieder der Krefelder Gesellschaft haben seit 1905 Insekten aus der Region – und um die Welt – beobachtet, aufgenommen und gesammelt. Einige der rund 50 Mitglieder – darunter Lehrer, Telekommunikationstechniker und Buchverleger – sind zu Weltexperten geworden Lieblingsinsekten. Siegfried Cymorek zum Beispiel, der in den 1950er Jahren bis in die 1980er Jahre in der Gesellschaft tätig war, absolvierte die Hochschule nicht. Er wurde als Teenager in die Armee eingezogen, und nach dem Krieg arbeitete er im Holzschutzbereich an einer örtlichen Chemieanlage. Die Schweizerische Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich verlieh ihm wegen seiner umfangreichen Kenntnis der holzbohrenden Käfer 1979 eine Ehrendoktorwürde. Im Laufe der Jahre haben die Mitglieder mehr als 2000 Publikationen über Insekten-Taxonomie, Ökologie und Verhalten vergeben.

Der Hauptsitz der Gesellschaft ist eine ehemalige Schule im Zentrum von Krefeld, einer Industriestadt am Ufer des Rheins, die einst berühmt war, Seide zu produzieren. Unbenutzte Klassenzimmer speichern mehr als eine Million Insektenproben einzeln gepinnt und benannt in Vitrinen. Die meisten wurden in der Nähe gesammelt, aber einige kommen aus exotischen Schauplätzen. Unter ihnen sind die aus der Sammlung eines lokalen Priesters, ein aktives Mitglied in den 1940er und 1950er Jahren, die Kollegen an Missionsstationen auf der ganzen Welt überredeten, ihm Exemplare zu schicken. (Die Sammlung und das Archiv der Gesellschaft sind unter Denkmalschutz geschützt.)

Gewichtiges Verschwinden

Die Masse der Insekten, die durch die Überwachung der Fallen im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch in Nordwestdeutschland gesammelt wurden, sank in 24 Jahren um 78%.


(GRAFIK) G. GRULLÓN / WISSENSCHAFT ; (DATEN) M. SORG ET AL. , MITTEILUNGEN AUS DEM ENTOMOLOGISCHEN VEREIN KREFELD 1, 1-5 (2013) © 2013 ENTOMOLOGISCHER VEREIN KREFELD

Zehn Millionen mehr Insekten schwimmen in sorgfältig beschrifteten Flaschen Alkohol – der Ertrag aus den gesellschaftlichen Monitoring-Projekten in Naturschutzgebieten rund um die Region. Die Reserven, die für ihren ökologischen ökologischen Wert beiseite gelegt werden, sind keine unberührten Wildnis, sondern „seminaturale“ Lebensräume wie ehemalige Heuwiesen, voller Wildblumen, Vögel, kleine Säugetiere und Insekten. Manche beinhalten sogar Teile der landwirtschaftlichen Felder, die die Landwirte mit herkömmlichen Methoden befreien können. Heinz Schwan, ein pensionierter Chemiker und langjähriger Gesellschaftsmitglied, der Tausende von Fallproben gewogen hat, sagt, dass die Gesellschaft begann, langfristige Aufzeichnungen über Insektenreichtum teilweise durch Zufall zu sammeln. In den späten 1970er und frühen achtziger Jahren forderten die örtlichen Behörden die Gruppe auf, zu untersuchen, wie verschiedene Strategien für die Verwaltung der Reserven die Insektenpopulationen und die Vielfalt beeinträchtigten.

Die Mitglieder überwachten jeden Standort nur einmal alle paar Jahre, aber sie stellen jeweils identische Insektenfallen an der gleichen Stelle auf, um saubere Vergleiche zu gewährleisten. Denn handelsübliche Fallen variieren in einer Weise, die den Fang beeinflusst, die Gruppe macht ihre eigenen. Für den schwedischen Entomologen René Malaise benannt, der in den 1930er Jahren das Grunddesign entwickelte, ähnelt jede Falle einem schwimmenden Zelt. Schwarzes Mesh-Gewebe bildet die Basis, überragt von einem Zelt aus weißem Stoff und auf dem Gipfel ein Sammelbehälter – ein Plastikgefäß mit einer Öffnung in ein anderes Glas Alkohol. Insekten, die in den Stoff gefangen sind, fliegen bis zum Glas, wo die Dämpfe allmählich sie einmischen und in den Alkohol fallen. Die Fallen sammeln vor allem Arten, die einen Meter oder so über den Boden fliegen. Für Leute, die sich Sorgen machen, dass die Fallen selbst Insektenpopulationen abbauen könnten.

Sorg sagt, dass Gesellschaftsmitglieder alle Samples gespeichert haben, denn selbst in den 1980er Jahren erkannten sie, dass jeder eine Momentaufnahme von potentiell faszinierenden Insektenpopulationen darstellte. „Wir fanden es faszinierend – trotz der Tatsache, dass 1982 der Begriff“ Biodiversität „kaum existierte“, sagt er. Viele Proben sind noch nicht sortiert und katalogisiert – eine mühsame Arbeit der Liebe mit Pinzette und einem Mikroskop. Auch die Ergebnisse der Gruppe wurden nicht veröffentlicht. Aber einige der Daten entstehen in Gesprächen von Gesellschaftsmitgliedern und bei einer Anhörung beim Deutschen Bundestag, dem Nationalparlament, und sie sind beunruhigend.

Über den markanten Rückgang der gesamten Insekten-Biomasse hinaus geht der Datenpunkt auf Verluste in übersehenen Gruppen, für die fast niemand Aufzeichnungen geführt hat. In den Krefeld-Daten schweben Fliegen-wichtige Bestäuber, die oft mit Bienen verwechselt werden, einen besonders starken Rückgang. Im Jahr 1989 sammelten sich die Fallen der Gruppe in einer Reserve 17.291 Fliegen von 143 Arten. Im Jahr 2014, an den gleichen Standorten, fanden sie nur 2737 Individuen aus 104 Arten.

Seit ihren ersten Erkenntnissen im Jahr 2013 hat die Gruppe jedes Jahr mehr Fallen installiert. Mit den Forschern an mehreren Universitäten arbeiten die Gesellschaftsmitglieder nach Korrelationen mit Wetter, Veränderungen in der Vegetation und anderen Faktoren. Es ist noch kein einfacher Grund entstanden. Auch in Reserven, in denen sich die Pflanzenvielfalt und die Fülle verbessert haben, sagt Sorg: „Die Insektenzahlen sind immer noch gestürzt.“

Eine Wetterstation für die Biodiversität

Forscher in Deutschland hoffen, einen Satz automatisierter Sensoren zu entwickeln, die die Fülle und Vielfalt von Pflanzen, Tieren und Pilzen mit Hilfe von Mustererkennung und DNA- und Chemikalienanalyse überwachen.

Änderungen der Landnutzung, die die Reserven umgeben, spielen wahrscheinlich eine Rolle. „Wir haben riesige Mengen an Lebensraum verloren, was sicherlich zu all diesen Niederlagen beigetragen hat“, sagt Goulson. „Wenn wir alle seminaturalen Lebensräume zu Weizen- und Getreidefeldern verwandeln, dann wird es praktisch kein Leben in diesen Feldern geben.“ Wenn die Felder sich ausdehnen und Hecken verschwinden, können die isolierten Inseln des Lebensraums weniger Arten unterstützen. Erhöhte Dünger auf verbleibenden Weideflächen begünstigt Gräser über die verschiedenen Wildblumen, die viele Insekten bevorzugen. Und wenn die Entwicklung die Landschaft ersetzt, erzeugen Straßen und Gebäude Lichtverschmutzung, die nächtliche Insekten in die Irre führt und ihre Paarung unterbricht.

Neonotinoid-Pestizide, die bereits im weitverbreiteten Crash von Bienenpopulationen verwickelt sind, sind ein weiterer Hauptverdächtiger. Eingeführt in den 1980er Jahren, sind sie jetzt die weltweit beliebtesten Insektizide, die zunächst als relativ gutartig angesehen werden, weil sie oft direkt auf Samen anstatt gesprüht werden. Aber weil sie wasserlöslich sind, bleiben sie nicht in die Felder, wo sie benutzt werden. Goulson und seine Kollegen berichteten im Jahr 2015, dass Nektar und Pollen von Wildblumen neben behandelten Feldern höhere Konzentrationen von Neonicotinoiden als die Kulturpflanzen haben können. Obwohl die anfänglichen Sicherheitsstudien zeigten, dass die zulässigen Konzentrationen der Verbindungen die Honigbienen nicht direkt abtöten, beeinflussen sie die Fähigkeiten der Insekten, nach der späteren Forschung zu navigieren und zu kommunizieren.

Weniger ist bekannt darüber, wie diese Chemikalien andere Insekten beeinflussen, aber neue Studien von parasitoiden Wespen deuten darauf hin, dass diese Effekte signifikant sein könnten. Diese einsamen Wespen spielen in der Ökosysteme mehrere Rollen – als Bestäuber, Raubtiere anderer Insekten und Beute für größere Tiere. Ein Team von der Universität Regensburg in Deutschland berichtete in wissenschaftlichen Berichten im Februar, dass die Wespe Nasonia vitripennis auf nur 1 Nanogramm einer gemeinsamen Neonicotinoid-Schnitt-Paarungsraten um mehr als die Hälfte und verringerte die Fähigkeit der Frauen, Gastgeber zu finden. „Es ist, als ob das [exponierte] Insekt tot ist“ aus der Sicht der Bevölkerung, weil es keine Nachkommen hervorbringen kann, sagt Lars Krogmann, ein Entomologe am Stuttgarter Naturhistorischen Museum in Deutschland.

Niemand kann beweisen, dass die Pestizide für den Rückgang schuld sind. „Es gibt keine Daten über Insektizidspiegel, vor allem in Naturschutzgebieten“, sagt Sorg. Die Gruppe hat versucht, herauszufinden, welche Arten von Pestiziden in Feldern in der Nähe der Reserven verwendet werden, aber das hat sich als schwierig erwiesen, sagt er. „Wir wissen einfach nicht, was die Fahrer sind“ in den Krefeld-Daten, sagt Goulson. „Es ist kein Experiment, es ist eine Beobachtung dieses massiven Niedergangs, die Daten selbst sind stark, das Verständnis und das Wissen, was zu tun ist, ist schwierig.“


Die Sammlungen der Krefeld Entomologischen Gesellschaft enthalten Millionen von Insektenproben.
© ENTOMOLOGISCHER VEREIN KREFELD

Die Faktoren, die Schwierigkeiten für die Schwebefliegen, Motten und Hummeln in Deutschland verursachen, sind wahrscheinlich anderswo, wenn saubere Windschutzscheiben irgendwelche Anzeichen dafür sind. Seit 1968 betreiben die Wissenschaftler von Rothamsted Research, einem landwirtschaftlichen Forschungszentrum in Harpenden, UK, ein System von Saugfallen – 12 Meter lange Saugrohre, die nach oben zeigen. In Feldern aufstellen, um landwirtschaftliche Schädlinge zu überwachen, erfassen die Fallen alle Arten von Insekten, die über sie fliegen; Sie sind „effektiv umgedrehte Hoovers, die 24/7 laufen, fortwährend die Luft für die Migration von Insekten“, sagt James Bell, der die Rothamsted Insect Survey leitet.

Zwischen 1970 und 2002 fiel die in den Fallen im Süden Englands gefangene Biomasse nicht signifikant ab. Die Fänge in Südschottland gingen jedoch im selben Zeitraum um mehr als zwei Drittel zurück. Bell stellt fest, dass die Gesamtzahlen in Schottland zu Beginn der Studie viel höher waren. „Es könnte so viel von der [Insekten] Fülle in Süd-England war bereits verloren“ bis 1970, sagt er, nach den dramatischen Nachkriegsänderungen in der Landwirtschaft und Landnutzung.

Die stabilen Fänge in Süd-England sind zum Teil auf konstante Schädlinge wie Blattläuse, die gedeihen können, wenn ihre Insekten-Raubtiere entfernt werden. Solche Arten können von einer Vielzahl von Umgebungen profitieren, große Distanzen bewegen und mehrmals pro Jahr reproduzieren. Manche können sogar von Pestiziden profitieren, weil sie sich schnell genug vermehren, um Resistenz zu entwickeln, während ihre Raubtiere abnehmen. „So viele Insekten werden toll machen, aber die Insekten, die wir lieben, können nicht“, sagt Black. Andere, sichtbarere Kreaturen können die Auswirkungen der Insektenverluste fühlen. In ganz Nordamerika und Europa sind Vogelarten, die fliegende Insekten essen, wie Lerchen, Schwalben und Swifts, im steilen Abfall. Habitatverlust spielt sicher eine Rolle, sagt Nocera, „aber der offensichtliche Faktor, der sie alle zusammen verbindet, ist ihre Diät.“

Einige faszinierende, obgleich indirekte Hinweise kommen aus einem seltenen ökologischen Schatz: jahrzehntelange geschätzte Vogelkot. Nocera und seine Kollegen haben untersucht, Schornsteine ​​in ganz Kanada, in denen Schornstein Swifts ihre Nester für Generationen gebaut haben. Aus dem Kot können er und seine Kollegen die Diäten der Vögel rekonstruieren, die fast ausschließlich Insekten essen, die auf dem Flügel gefangen werden.
Die Schichten zeigten eine auffällige Veränderung der Vögel-Diäten in den 1940er Jahren, um die Zeit DDT eingeführt wurde. Der Anteil des Käfers bleibt weg, was darauf hindeutet, dass die Vögel kleinere Insekten essen und weniger Kalorien pro Fang bekommen. Der Anteil der Käferteile erhöhte sich wieder, nachdem DDT in den 1970er Jahren verboten war, aber niemals seine früheren Niveaus erreichte. Der Mangel an direkten Daten über Insektenpopulationen ist frustrierend, sagt Nocera. „Es ist alles korrelativ, wir wissen, dass die Insektenpopulationen sich verändert haben könnten, um den Bevölkerungsrückgang zu schaffen, den wir jetzt haben, aber wir haben nicht die Daten, und wir werden es niemals tun, weil wir nicht rechtzeitig zurückkehren können.“

Sorg und Wägele stimmen zu. „Wir bedauern zutiefst, dass wir vor 20 oder 30 Jahren noch keine Fallen aufgestellt haben“, sagt Sorg. Er und andere Krefeld-Gesellschaftsmitglieder arbeiten nun mit der Gruppe von Wägele zusammen, um zu entwickeln, was sie früher hätten: ein System von automatisierten Überwachungsstationen, die sie hoffen, Audioaufnahmen, Kamerafallen, Pollen- und Sporenfilter zu kombinieren und Insektenfallen zu einem “ Biodiversitätswetterstation „. Anstelle einer langwierigen manuellen Analyse hoffen sie, automatisierte Sequenzierung und genetische Barcoding zu verwenden, um die Insektenproben zu analysieren. Solche Daten könnten dazu beitragen, festzustellen, was den Rückgang verursacht – und wo Anstrengungen umzukehren, könnte es am besten funktionieren.

Aufmerksamkeit auf das, was EO Wilson „die kleinen Dinge, die die Welt führen“ nennt, lohnt sich, sagt Sorg. „Wir werden nicht alle Insekten ausrotten, das ist Quatsch, die Wirbeltiere würden zuerst sterben, aber wir können massiven Schaden an Biodiversitätsschäden verursachen, die uns schaden.“

Legaler Pestizidschmuggel

Mit einer Empfehlung vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Warum ist den Verantwortlichen das Leben der Tiere und der Menschen so wenig wert?

Important information regarding oilseed rape seed treatment with Lumiposa 625 FS (cyantraniliprole) in Poland !
 (Deutsche Version im Original-Mail unten zu finden)

The preparation is deemed extremely bee-toxic. Cyantraniliprole has been approved in US, Canada, China and India, and now in Poland.
Lumiposa-treated OSR seeds may be exported from Poland to the other EU cuntries and be used there for winter rape seeding.

Recommended pre-cautions by the BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Landwirtschaft):
Farmers intending to use Lumiposa-treated OSR should comply to the following rules:

No spreading of treated seed in wind with velocities above 5m / s.
Seeding should only be carried out with a pneumatic seeder, if the device is listed in the „List of drift reducing devices“ of the Julius Kühn Institute.
The treated seed, including any dusts arising during the sowing process, must be completely deposited and retained in the soil.

As a precaution, farmers should disclose the areas planted for sowing at least 48 hours before sowing, and inform beekeepers as to maintain a minimum distance to the beehives of at least 60m from the sowing area. 
(I can’t believe that this distance would be sufficient in any case!!!)
Please spread this message to the beekeepers, beekeepers unions, and to the press!

Diese Nachricht wurde von meinem Android Mobiltelefon mit WEB.DE Mail gesendet.

Am 21.07.2017, 7:17, Imkerei Bunsen schrieb:

Winterrapssaat: Empfehlungen für Importe

Karlsruhe – Ende April 2017 hat die polnische Zulassungsbehörde das Pflanzenschutzmittel Lumiposa 625 FS mit dem Wirkstoff Cyantraniliprole für die Saatgutbehandlung von Winterraps zugelassen. In Polen behandeltes Saatgut darf nach Deutschland importiert und hier ausgesät werden.

Dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) liegen keine näheren Informationen über die Qualität der Beizung – insbesondere im Hinblick auf die Staubfreiheit – in Polen vor.Aufgrund der hohen Bienengiftigkeit und der systemischen Wirkungsweise des Cyantraniliprole-Wirkstoffs empfiehlt das BVL allen Landwirten, die mit Lumiposa 625 FS behandeltes Saatgut auszusäen wollen, vorsorglich nachfolgende Bedingungen einzuhalten:
– Keine Ausbringung des behandelten Saatgutes bei Wind mit Geschwindigkeiten über 5m/s.
– Die Aussaat sollte nur dann mit einem pneumatischen Gerät erfolgen, wenn dieses in der „Liste der abdriftmindernden Sägeräte“ des Julius Kühn-Instituts aufgeführt ist.
– Das behandelte Saatgut einschließlich enthaltener oder beim Sävorgang entstehender Stäube vollständig in den Boden einbringen.

Betriebsleiter sollten vorsorglich die zur Aussaat vorgesehenen Flächen mindestens 48 Stunden vor der Aussaat Imkern bekannt geben, deren Bienenstände sich im Umkreis von 60m um die Aussaatflächenbefinden.

Hinweis: In vielen Versuchen in Deutschland erzielte die Beizung mit Cyantraniliprole eine gute Wirkung gegen die Kleine Kohlfliege. Im Vergleich dazu war die Wirkung gegen den Rapserdfloh nicht immer befriedigend.

(Wichtige Informationen vom Regierungspräsidium Stuttgart vom 19.07.2017)  

WHERE HAVE ALL THE INSECTS GONE?

WHERE HAVE ALL THE INSECTS GONE?