Das unbekümmerte Handeln der Monsantos & Co

Im Anhang findet Ihr eine Zusammenstellung, wie Monsanto und andere Firmen Wissenschaft und sicher geglaubte Beurteilungskriterien manipuliert haben. Das ist schon lesenswert und macht doch Angst. Es erinnert ein wenig an die kleine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung aus dem Juli 2017 im Abgeordnetenhaus incl. der detaillierten Antwort. Es wird viel zu wenig gelesen, nur gesammelt und abgelegt. Es erfolgt keine Bewertung.

Anton Safer hat uns die Neuigkeiten zugespielt.

Was wir Imker nicht verstehen können ist der Verlust an einfacher, dem Menschen eigener Plausibilität.

Glyphosat oder round up oder wie man es immer nennen mag ist ein anerkanntes Herbizid. Es ist eine chemische Substanz, die fast alle Pflanzen vernichtet bis auf die eine, die man profitabel ernten möchte. Damit vernichtet man das Futter für die meisten Insekten und die anderen der ganz Kleinen im Sichtbaren und im Untergrund. Damit zerstört man die Artenvielfalt der kleinen und in der Folge der größeren und dann auch der ganz großen Tiere. Die Pflanzen und auch die Gehölze hat man schon in der Vorbereitungsphase vernichtet.

In dieser einfachen Form der Beschreibung müsste der zu erwartende Schaden doch jedem Menschen verständlich sein. Über die komplizierte Schiene der Gesundheitsgefährdung möchten einige Verantwortliche das Verbot oder die Reduzierung der Verbreitung erreichen. Ein langer zeitlicher Beweis wäre erforderlich. Also wird die Vernebelung der Chemie oder anderweitige Verbreitung dieser Substanz weiter geduldet. Wie sagt da die Landwirtschaft: Wir machen nichts Ungesetzliches. Das ist im Prinzip richtig. Doch man kann doch mit dieser Aussage nicht zufrieden sein und auf die Teilnahme des Verstandes verzichten.

Warum ändern die vielen Verantwortlichen nicht den Beurteilungsvorgang in eine logische Vorgehensweise. Warum trennen wir uns nicht einmal von der Betrachtung der Gewinnerwartung der Chemie verarbeitenden Unternehmen sowie der Landwirtschaft. Warum denken wir nicht einfach einmal an den immensen Schaden, der durch die Vertreibung und Vernichtung allein der Bestäuber angerichtet wird. Das heißt, warum denken die Verantwortlichen Volksvertreter nicht einfach einmal an die althergebrachten und bewährten Nachhaltigkeitsprinzipien der Natur. Das wäre nicht unbedingt neu, ist aber aus der Mode gekommen.

Die neuartige Zauberformel Blühstreifen sollten wir überhaupt nicht mehr erwähnen. Die Blühstreifen sind wie das Hauptfeld wenn nicht mit Herbiziden dann mit Neonikotinoiden vergiftet. Sind sie es ausnahmsweise einmal nicht, was unwahrscheinlich ist, bieten sie doch keine Habitate und bleiben damit unerreichbar für die meisten vertriebenen Bestäuber. Zwar hat das Institut für Bienenkunde in Celle ermittelt, dass es wohl Honigbienen gibt, die eine Entfernung bis zu 8 km zurücklegen können. Das aber wird nicht die Regel sein. Wissenschaftler aus den Niederlanden sehen den Einzugsradius von Honigbienen eher bei 2 km, den von Wildbienen bei 0,7 – 1,0 km. Das bedeutet, dass diese wohl historischen Bienenmodelle nicht einmal den Acker einer modernen Monokultur überqueren können.

In diesem Sinne bitte lesen, wenn es auch nicht einfach ist. Was aber noch wichtiger ist, verbreitet doch bitte weiter unser ganz einfaches der Natur zugewandtes Gedankengut. Bleibt neugierig und werdet in dieser Richtung noch redseliger. Macht es den Betrügern schwer, sich immer wieder durchzusetzen; oder aber wie im angefügten Artikel: entlarvt sie.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.
14.10.2017

Anhang
Gillam 2017 Presentation_Decades od Deceit-REVELATIONS FROM THE MONSANTO PAPERS

Arte | Dokumentation | Wissenschaft: Roundup, der Prozess

Imkerfahrt in den Spreewald 2017 (II)

Im September kann der Imker erstmals im Jahr – abgesehen von den Wintermonaten – entspannt auf Reisen gehen. Wie im jeden Jahr sind wir vom Imkerverein wieder im September auf Reisen gegangen. Warum in die Ferne schweifen, haben wir uns auch dieses Mal gesagt und sind in den Spreewald gefahren. Sabine hat uns eine schöne und abwechslungsreiche Reise zusammengestellt. Wieder hat uns Eberhardt, unser Imkerfreund aus Burg im Spreewald, begleitet und mit Informationen versorgt. Hier nun der Reiseverlauf:

1. Tag

a. Besuch der Schokoladenmanufaktur Felicitas in Hornow,
b. Schlosspark Bad Muskau und Besuch des Polen Marktes,
c. Aussichtspunkt Tageabbaugebiet Jänschwalde,
d. Stadt Peitz

2. Tag

a. Stadtrundgang durch Peitz,
b. Kahnfahrt durch den Spreewald,
c. Abend der offenen Höfe in Peitz

3. Tag

a. Besichtigung der Schauimkerei in Dissen,
b. Besuch des Dorf- und Erntefestes in Raddusch,
c. Rundgang durch Lübbenau
  
  

1. Tag

Besuch der Schokoladenmanufaktur Felicitas

Die Schokoladenmanufaktur befindet sich in Hornow. Hornow ist ein kleines Dorf südlich von Cottbus. Es ist schon überraschend, dass in diesem kleinen Dorf eine über die Grenzen von Brandenburg hinweg bekannte Schokoladenmanufaktur ihren Sitz hat. Die Schokoladenmanufaktur ist eher zufällig in Hornow gegründet worden. In Hornow waren einfach gute Expansionsmöglichkeiten auf dem Gelände einer ehemaligen LPG vorhanden. Gestartet ist „Felicitas“ vor 25 Jahren ganz klein mit 2 Mitarbeitern. Damals war es noch keine Schokoladenmanufaktur, sondern nur eine kleine Schokoladenküche. Mittlerweile ist die Schokoladenmanufaktur auf 75 Mitarbeiter angewachsen. Ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Für den nächsten Tag wurde der Ministerpräsident des Landes Brandenburg zum 25-jährigen Jubiläum erwartet. Wir wurden mit einer Tasse Schokolade und Pralinen von der Inhaberin begrüßt. Dazu gab es einen Film über die Entstehung und Philosophie der Schokoladenmanufaktur. Der Name steht für 100 % Handarbeit. Jeden Tag werden 600 kg Rohschokolade verarbeitet. Zu Ostern und Weihnachten sind es sogar 800 kg Rohschokolade. Die Qualität des Produktes ergibt sich aus den Zutaten, hat uns die Chefin erklärt. Die Firma hat 2 Filialen in Dresden und 1 Filiale in Potsdam. Eigentlich sollte eine 4. Filiale am Flughaben Schönefeld hinzukommen. Daraus wurde aber nichts. Selbst wenn der Flughafen einmal eröffnet wird, wird es dort keine weitere Filiale geben. Diesen Plan hat die Firma inzwischen aufgegeben. Stattdessen hat die Firma einen neuen Plan umgesetzt. Am Stammsitz in Hornow wurde das „Schokoladenland“ eröffnet, eine Mitmachwerkstatt, ein Verkaufsraum, ein Cafe´ und ein Veranstaltungsraum. Geplant ist als nächstes eine gläserne Manufaktur. Auf lustige und interessante Art hat uns die Chefin die Geschichte der Schokoladenmanufaktur erzählt. Die Chefin hat uns verraten, dass sie jeden Tag 10 Pralinen aus der eigenen Produktion isst. Ob das wohl stimmt? Auf die Frage, wie sie es schaffe, dabei so schlank zu sein, hat sie eingestanden, dass der Stress sie schlank hält. Sie muss sich nicht nur um die Schokoladenfabrik kümmern, sondern auch um 2 Kinder, 2 Esel und einen Mann. Sehr kurzweilig hat uns die Chefin in die Welt der Schokolade eingeführt. Dann hieß es Abschied zu nehmen vom „Schokoladenland, der Schokoladenseite der Lausitz“. Nachmittags haben wir die andere Seite, die dunkle Seite der Lausitz, die Braunkohle und das Abbaugebiet Jänschwalde kennengelernt. Zunächst ging es nach Bad Muskau. Bad Muskau ist berühmt durch den vom Fürst Pückler geschaffenen Park. Der Park ist 600 ha groß. Davon liegen 1/3 auf deutscher Seite und 2/3 auf polnischer Seite. Stattlich steht das Schloss im Park, wiederauferstanden aus Ruinen. Während des Krieges ist das Schloss vollständig zerstört worden. Nach der Wende wurde es wieder aufgebaut. Es ist in einem königlichen rot angestrichen. Dazu hat uns Eberhardt die Anekdote der „Fürst-Pückler-Eisbombe“ erzählt. Die Anekdote kommt aus den 20iger Jahren des 20. Jahrhunderts. Nacheigentümer des Fürst Pückler-Schlosses waren die von Arnims. Zur Hochzeit der einzigen Tochter, Freda Antoinette Gräfin von Arnim, mit dem Fürst Alexander zu Dohna-Schlobidden wurde das Schloss renoviert, hergerichtet und dunkelrosa angestrichen. Böse Zungen sprachen damals unter Anspielung auf den Vorbesitzer Fürst Pückler von einer riesigen „Fürst-Pückler-Eisbombe“. Jetzt beherbergt das Schloss die Landschaftsarchitektenschule. Eine passende Nutzung wie ich finde. Allein der Park bietet vorzügliches Anschauungsmaterial für die Schüler Landschaftsarchitekten. Der Park gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Um das Schloss herum ist viel Wasser künstlich angelegt. Ein beliebtes Fotomotiv ist die Fuchsienbrücke. Die Zinkgusslöwen sind neu gegossen. Sie waren nach dem 2. Weltkrieg verschwunden. In die abgestorbene Blutbuche wurde ein neuer Baum gepflanzt. Warum? Um die bestehende Sichtachse zu erhalten. Der Park lässt sich am besten mit dem Fahrrad erkunden. Zu Fuß ist der Park wegen seiner Größe schon eine echte Herausforderung. Wir haben nur eine kleine Runde gedreht, sind über die Janettenbrücke gegangen und waren in Polen. Direkt an der Grenze existiert ein großer Polenmarkt. Es war für mich der erste Besuch eines Polenmarkts. In großen Hallen reiht sich Geschäft an Geschäft. Fast alles gibt es zu kaufen, von getrockneten Pilzen bis zu Gardinen. Ganz locker werden dort in Großgebinden Gifte gegen Unkraut und Insekten verkauft.
Weiter ging es zu der schwarzen Seite der Lausitz, in das Braunkohleabbaugebiet Jänschwalde. Eberhardt hat uns von der Vertreibung der betroffenen Bewohner erzählt. Viele Dörfer mussten der Braunkohle weichen. Davon betroffen waren auch die Einwohner von Horno. Die Einwohner von Horno haben 26 Jahre für ihren Ort gekämpft. Vergeblich. Jetzt wohnen sie in Neu Horno. Ein Ort aus der Retorte. Der Ort sieht gepflegt aus, menschenleer, ein bisschen steril. Einen Blick über das Braunkohleabbaugebiet haben wir vom Aussichtspunkt Jänschwalde geworfen. Vor uns ein „liegender Eifelturm“. So groß ist das Gerät, mit der die Kohle vollmaschinell abgegraben wird. Auf Transportbändern wird die gewonnene Kohle direkt in das Kraftwerk zur Kohleverstromung gebracht. Der Abraum wird auf der einen Seite direkt wieder ausgespukt. Eine öde Landschaft soweit das Auge reicht. Im Hintergrund die dampfenden Kühltürme des Kraftwerks. Auf der anderen Seite des „liegenden Eifelturms“ ebenfalls Ödnis. Erde, die auf den Abbau wartet. Der Mutterboden und die Bäume und Sträucher sind bereits entfernt. Kein bisschen grün ist zu sehen. Das Kraftwerk Jänschwalde ist mit 3000 Megawatt das 3. größte Kraftwerk Deutschlands. Mit einem CO2 – Ausstoß von 23,3 Mio. Tonnen verursacht das Kraftwerk die vierthöchsten Treibhausgasemissionen aller europäischen Kraftwerke. Jeden Tag benötigt das Kraftwerk 80.000 t Braunkohle. Für die Region ist die Braunkohle ein wichtiger Arbeitgeber. Außer Tourismus gibt es sonst kaum Arbeitsmöglichkeiten für die Menschen. Später in Peitz haben die Menschen mehrfach ihre Sorge zum Ausdruck gebracht. Sie wissen nicht wie es weiter gehen soll, wenn das Kraftwerk Jänschwalde dicht gemacht wird.

Letzte Station des Tages war Peitz, eine früher einmal sehr bedeutsame Festungsstadt. Dort haben wir im Hotel „Zum Goldenen Löwen“ übernachtet. Leckeres Abendessen hat uns erwartete. Die Spezialität des Hauses war eine Karpfenbratwurst. Die Spreewaldgurke in allen Variationen fehlte nicht. In Peitz gibt es die größten Karpfenteiche der Welt.

2. Tag

Peitz und Spreewald

Anlässlich einer Stadtführung hat uns unser Stadtführer die geschichtliche Bedeutung des Ortes erklärt. Peitz ist eine ehemalige Festungsstadt. Zum Schutz der Stadt wurde Mitte des 16. Jahrhunderts mit dem Bau einer Festung begonnen und vor der Stadt 5000 Morgen große Teiche sowie zu deren Flutung der Hammergraben angelegt. 1559-1562 wurde die Zitadelle, die obere Festung gebaut. Es folgte 1590-1595 die Festungsanlage um die Stadt, die untere Festung. Der Bau wurde vom Festungsbaumeister Graf Rochus zu Lynar geleitet, der auch als Erbauer der Zitadelle Spandau gilt. Es waren viele Soldaten in der Stadt stationiert. In der Stadt lagerten Waffen und Munition für 30.000 Soldaten. Versorgt wurden die Soldaten von etwa 90 Kneipen. Auf Befehl des preußischen Königs Friedrich II wurde 1767 die Festung weitgehend abgerissen. Erhalten ist der Festungsturm und die Malzhausbastei. Der rd. 36 Meter hohe Festungsturm hat Außenmauern, die bis zu 6 m dick sind. Seit Ende des 16. Jahrhunderts wird in den Peitzer Teichen Fischzucht betrieben. Der Name „Peitzer Karpfen“ soll überregional bekannt sein. Das Peitzer Teichgebiet ist mit rd. 1000 ha das größte zusammenhängende Teichgebiet Deutschlands. Nach der Wende hat der Ort bevölkerungsmäßig einen Aderlass erlitten. Wenn der Tagebau in Jänschwalde schließt, ist zu befürchten, dass sich dieser Trend fortsetzt. Daher setzt der Ort auf Tourismus. Der Wirt vom Hotel „Zum Goldenen Löwen“ versucht durch attraktive Arrangements Touristen in die Stadt zu holen. Zu diesem Arrangement gehört auch eine Kahnfahrt durch den Spreewald. Den Nachmittag haben wir auf der Spree verbracht. Der Wirt hat uns durch den Spreewald gestakt. Es war sehr malerisch. Kaum Touristen unterwegs. Das Wetter hat auch weitgehend gehalten. Der Wirt hatte vorgesorgt und Schirme mitgebracht. Zwischendurch haben wir angelegt. Es gab Kaffee und Kuchen. Unterwegs gab es Gurkenstationen. In die Boote gereicht wurden uns Schmalzbrot und verschiedene Gurkenvariationen: Salzgurke, Gewürzgurke, Senfgurke… Mir hat es die Senfgurke angetan. Zwei Schleusen haben wir passiert. Wieder haben Kinder die Schleusen bedient. Das Schleusen ist bei den Kindern beliebt, weil es ein einträgliches Geschäft ist. Es gibt gute und schlechte Schleusen. Gut und schlecht richtet sich danach, wieviel Kanus die Schleuse passieren. Die Touristen geben zum Dank für die Mühe der Kinder eine Münze. Der Wirt erzählte uns, dass er als Kind auch geschleust hat. Am Ende des Tages ist ein schönes Sümmchen zusammen kommen.

3. Tag

Auf dem Programm stand zunächst ein Kurzbesuch in Dissen. Im letzten Jahr waren wir auch in Dissen gewesen und haben uns das Museum mit Kirche, das mittelalterliche Dorf und den Kräutergarten angesehen. Diesmal stand auf dem Programm die neu errichtete Schauimkerei des örtlichen Imkervereins. Innerhalb eines Jahres ist eine kleine Sammlung zusammen gekommen. Im Juni des Jahres ist die Sammlung zur Landpartie des NDR eingeweiht worden. Besonders gefallen hat mir der dazugehörende Wildgarten mit reichlich blühender Cosmea. Im Hintergrund war das Geschnatter der Gänse zu hören. Überhaupt haben wir viele Gänse auf den Wiesen gesehen. Sie leben noch bis Weihnachten. Weiter ging es zum Dorf- und Erntefest nach Raddusch. Das Dorf- und Erntefest wird jedes Jahr – immer in einem anderen Ort im Land Brandenburg – gefeiert. Das ganze Dorf war ein einziger Festplatz. Am Ortseingang standen die Auto-Oldtimer, dann kamen die Buden und Festzelte. Lange Zeit habe ich dem Treiben auf der Bühne des RBB in der Dorfmitte zugeschaut. Viele Zuschauer standen dort in sorbischer Tracht. Auf der Bühne drehte sich alles um die sorbische Kultur. Es wurden sorbische Bräuche vorgestellt, auch bekannte sorbische Liedermacher haben in der sorbischen Sprache gesungen. Die Moderatoren redeten erst sorbisch. Dann haben sie alles übersetzt. Es wurden die Bräuche mit den Trachten erklärt. Der Reichtum eines Ortes ließ sich an seiner Tracht, an der Borte am Rock und der Breite der Spitze, ablesen. Jeder Ort hat seine eigene Tracht. Die Gürtel sind mit Perlen bestickt. Haube und Brusttuch bestickt die Trägerin immer selbst. Jeder Anlass hat seine eigene Tracht. Es gibt die Tracht für den Kirchgang und die Arbeitstracht. Die Farbe der Trauer ist weiß.

Letzte Station unserer Fahrt war Lübbenau. Dort machten wir noch einen Abschiedsspaziergang mit Eberhard, unserem Reiseführer aus dem Spreewald, um dann wieder nach Berlin zurück zu kehren. Eine gelungene Reise. Wir freuen uns schon auf die Fahrt im September 2018.

Birgit Hach-Klarholz

IGW 2018 (19.01. – 28.01.2018 Halle 23a)

Die IGW 2018 (19.01. – 28.01.2018 Halle 23a) rückt näher und soll von uns wieder im Rahmen der Sonderschau des BMEL farbig präsentiert werden. Gut positioniert, wie in den vergangenen Jahren, werden wir wieder ein breit gefächertes Publikum zu erwarten und zu bedienen haben.

Wettbewerb „Zukunftspreis 2017“ der psd Bank

Liebe Freunde der Bienen und Insekten,

schon wieder wagen wir etwas Neues. Bekommen wir einen Förderpreis, dann wollen wir das Thema „Trachtverhalten“ weiter vertiefen in Richtung Rekultivierung.

Das Wettbewerbssystem ist ein klein wenig ungewöhnlich. Es scheint hier schwerwiegend auf die Volkesstimme anzukommen. Das ist dann so ähnlich wie beim „Eurovision Song Contest“. Für einen Wettbewerb, der dem Naturschutz mit fast wissenschaftlichen Wurzeln verbunden scheint, ist das schon eher sehr ungewöhnlich. Doch die psd-Bank ist kein gemeinnütziger Verein und möchte wohl auch ein wenig Werbung für die Großherzigkeit betreiben. Das darf man als angemessen betrachten.

Dennoch sind Zuwendungen – in welcher Höhe auch immer – für einen Verein wie den Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V., der sich ausschließlich gemeinnützig dem Thema Bienen und Naturschutz verschrieben hat, von stets großer Bedeutung. Und wir werden damit sehr redlich umgehen.

Über diesen Link könnt Ihr täglich neu Eure Zustimmung geben. Es wäre toll, wir könnten da ganz vorne landen. Bis jetzt sind wir abgeschlagen.

Beste Grüße

Reinhardt Löwe, 26.9.2017

BERLINER IMKERTAG 2017

Am Sonntag, den 8. Oktober 2017, findet zum 7. Mal der Berliner Imkertag statt. Die Vorträge und die Podiumsdiskussion versprechen auch dieses Mal wieder äußerst interessant zu werden. Im Anschluss sind Sie eingeladen das bunte Erntefest mit seinen Marktständen auf der Domäne Dahlem zu besuchen. Es besteht die Möglichkeit zum Fachsimpeln, Informieren oder Bummeln.

Der Imker- und Gartenmeister Jaesch wird auf der Domäne mit einem Verkaufsstand präsent sein. Möchte man spezielle Blumenwünsche oder Gehölze für die Bienen haben, gibt es die Möglichkeit der rechtzeitigen Vorbestellung beim „Immengarten Jaensch“ per Internet. Die Ware stünde dann auf der Domäne zur Verfügung. Weiterhin wird Herr Krüger für Diskussionen für sein Varroa-Sound-Abwehrsystem zur Verfügung stehen.

Datum: Sonntag, 8.10.2017
Uhrzeit: 10:00 bis 16:00 Uhr

Adresse:
Freie Universität Berlin
Großer Hörsaal der Anorganischen und Analytischen Chemie
Fabeckstraße 34/36
14195 Berlin

Eintritt: 5 Euro
(der Tagungspreis beeinhaltet den Eintritt für das Erntefest auf der Domäne Dahlem)

Themen und Referenten

  • Umweltmonitoring – Mit Bienenvölkern in der Stadt und auf dem Land
    Referent: Dr. Werner von der Ohe, Institut für Bienenkunde Celle
  • Rechts und Links der Honigbiene
    Referentin: Dr. Melanie von Orlow, Sprecherin der Facharbeitsgruppe Hymenopterenschutz im Naturschutzbund Deutschland
  • Wassergehalt des Honigs – Schicksal oder Leidenschaft?
    Referent: Dr. Jens Radtke, Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf

Weitere detaillierte Informationen zum Programm und den Vorträgen finden Sie im Programmheft als PDF zum Herunterladen.

Pressemitteilung: Globale Forschung dokumentiert neue, bedrohliche ökologische Auswirkungen von Neonikotinoid-Pestiziden

Hallo Imkerinnen und Imker,
Freunde der Bienen und der anderen Nützlinge,

das hier ist keine Pressemitteilung. Es ist die Definition der Neonikotinoide. Es ist ein sehr ernst zu nehmendes Ergebnis von 3 Jahren Recherche und unabhängiger Bewertung von veröffentlichten Forschungsergebnissen. 
Namhafte Wissenschaftler aus den verschiedensten Ländern dieser Erde haben sich zusammengeschlossen. Sie veranstalten Kongresse und tauschen sich laufend aus. Sie machen nichts Geheimnisvolles sondern veröffentlichen die Ergebnisse unabhängiger Forschungen, die sie unentgeltlich zusammenstellen, unter ihrem Namen. Durch diese Bekenntnisse wären sie angreifbar, wenn sich diese Ergebnisse als falsch oder gar getürkt (Dies Wort hat heute eine aktuelle Bedeutung.) oder haltlos erweisen. Leider sind viele Institutionen, Verbände, Parteien verstrickt und vernetzt in einem solchen Beziehungskonvolut, dass ein gemeinsames Bekenntnis zum Verbot der Pestizide in Natur und Landwirtschaft bis heute nur sehr zögerlich durchsetzbar ist.
So sollten wir uns glücklich schätzen, dass uns unsere Informanden auf dem Laufenden halten über die schädlichen Substanzen, die den Bienen und der Natur so schlimm zusetzen und die auch für uns Menschen sicherlich nicht verträglich sind.

Reinhardt Löwe, 21.09.2017

Pressemitteilung der Internationalen Taskforce für Systemische Pestizide (TFSP.info) vom 19.09.2017

Globale Forschung dokumentiert neue, bedrohliche ökologische Auswirkungen von Neonikotinoid-Pestiziden

Die Übersichtsarbeit der Task Force für systemische Pestizide 2017 zeigt in der Bewertung der Neonikotinoide neue Risiken für Biodiversität und Ökosysteme auf

OTTAWA, KANADA  — Pestizide aus der Klasse der Neonikotinoide stellen weltweit ernsthafte Bedrohungen für Ökosysteme dar. Dies zeigen neue Informationen, die in einem Update zur weltweit umfassendsten wissenschaftlichen Überprüfung der ökologischen Auswirkungen von systemischen Pestiziden enthalten sind.

Die Task Force für systemische Pestizide (TFSP) veröffentlichte die zweite Auflage ihrer weltweiten integrierten Bewertung der Auswirkungen von systemischen Pestiziden auf Biodiversität und Ökosysteme („Worldwide Integrated Assessment of the Effects of Systemic Pesticides on Biodiversity and Ecosystems“) heute in Ottawa, Kanada. Es ist eine Überblicksarbeit und Zusammenschau aus mehr als 500 wissenschaftlichen Veröffentlichungen seit 2014, darunter einige von der Industrie geförderte Studien. Die Überprüfung umfasst auch das in Europa verwendete Fipronil, ein eng verwandtes systemisches Pestizid.

Neonikotinoide sind auch bei sehr niedrigen Dosen toxisch. Sie sind wasserlöslich und sehr persistent (d.h. nicht leicht abbaubar) im Boden, was zu einer anhaltenden und chronischen Exposition in terrestrischen und aquatischen Umgebungen führt. Die umfangreiche und routinemäßige Anwendung von Neonikotinoiden in der Landwirtschaft führt zu einer großflächigen Umweltverschmutzung und einer erheblichen Bedrohung der Biodiversität.
 
Die Toxizität der Neonikotinoide wurde zuerst in Verbindung mit dem sog. Bienensterben beschrieben; inzwischen wurde erkannt, dass sie auch die Bereiche unserer Nahrungsmittelproduktion kontaminieren können. Fipronil, ein mit den Neonikotinoiden eng verwandtes systemisches Pestizid, steht derzeit im Brennpunkt eines um sich greifenden Lebensmittelsicherheits-Skandals in Europa, nachdem Eier und daraus hergestellten Produkte mit unzulässig hohen Rückständen des toxischen Insektizids in in 15 EU-Staaten sowie in der Schweiz und in Hongkong verkauft worden waren. Millionen von Eiern wurden wegen Bedenken aus Geschäften und Lagerhäusern in ganz Europa zurückgerufen, da Rückstands-belastete Eier ein ernstes Sicherheitsrisiko für Verbraucher darstellen könnten.
 
Die aktualisierte Bewertung bestätigt, dass der Einsatz von Neonikotinoiden massive Auswirkungen hat und eine weltweite Bedrohung für Biodiversität, Ökosysteme und Ökosystemdienstleistungen darstellt. In den 1990er Jahren eingeführt, sind Neonikotinoide derzeit die weltweit am häufigsten verwendeten Insektizide. Ihr Einsatz in der Landwirtschaftlichen umfasst Saatgutbehandlungen, Bodenbehandlungen, Blattspritzungen und Rasenprodukte. Neonikotinoide werden auch in der Forstwirtschaft, zur Flohbehandlung bei Haustieren sowie bei Haus- und Gewerbe-Rasenpflegeprodukten eingesetzt.
 
„Die heutigen Erkenntnisse bestätigen die Notwendigkeit, den massiven Einsatz von systemischen Pestiziden zu beenden, einschließlich der dringendsten vorbeugenden Verwendung bei der Saatgutbehandlung“, sagte Jean-Marc Bonmatin, Wissenschaftler am französischen Centre National de la Recherche Scientifique und stellvertretender Vorsitzender der TFSP. „Die Verwendung dieser Pestizide steht im Gegensatz zu umweltverträglichen landwirtschaftlichen Praktiken. Es bietet keinen wirklichen Nutzen für die Landwirte, verringert die Bodenqualität, schadet der Biodiversität und verunreinigt Wasser, Luft und Nahrung. Es gibt keinen Grund mehr, diesen Weg der Zerstörung fortzusetzen. “
 
Der Bericht besteht aus drei Veröffentlichungen, die neue Daten über die Wirkungsweise, den Stoffwechsel, die Toxizität und die Umweltkontamination von Neonikotinoiden und Fipronil untersuchen: die tödlichen und subletalen Wirkungen von Neonikotinoiden und Fipronil auf Organismen und deren Auswirkungen auf Ökosysteme, die Wirksamkeit von Neonikotinoiden und Fipronil in der Landwirtschaft sowie alternative Ansätze zur Schädlingsbekämpfung.
 
„Nur ein kleiner Bruchteil der Verwendung von Pestiziden dient dem Zweck, Schädlinge zu bekämpfen. Am häufigsten wird die Umwelt durch vorbeugende Pestizidverwendung verunreinigt – mit umfangreichen Schäden an Nicht-Ziel-Organismen“, sagte Faisal Moola, Honorar-Professor für Ökologie an der Universität von Toronto.
 
Im Jahr 2013 hatte die Europäische Union ein Moratorium für bestimmte Verwendungen der Neonikotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam bei Bienen-attraktiven Kulturpflanzen verhängt und erwägt nun die zur Fortsetzung und Erweiterung dieses Moratoriums zu empfehlen. Frankreichs neues Biodiversitätsgesetz beinhaltet eine Bestimmung, die alle Neonikotinoide ab September 2018 verbietet.
 
„Insgesamt erweist sich das globale Experiment mit Neonikotinoiden als ein klares Beispiel für das Versagen in der Schädlingsbekämpfung“, sagte Bonmatin. „Regierungen auf der ganzen Welt müssen dem Vorbild von Ländern wie Frankreich folgen, Neonikotinoide verbieten und zu nachhaltigen, integrierten Methoden der Schädlingsbekämpfung übergehen – ohne jede Verzögerung.“
 
Das TFSP-Update 2017 wird in einer kommenden Ausgabe der wissenschaftlichen Zeitschrift Environmental Science and Pollution Research veröffentlicht.

Die Task Force on Systemic Pesticides ( tfsp.info) ist eine internationale Gruppe unabhängiger Wissenschaftler, die von der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) einberufen wird; sie ist die Antwort der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf die Bedenken in Bezug auf die globalen Auswirkungen von Neonikotinoid-Insektiziden auf die Biodiversität und Ökosysteme.
 
Im Jahr 2015 erstellte die TFSP die weltweit erste umfassende wissenschaftliche Bewertung der ökologischen Auswirkungen von Neonikotinoiden: Die weltweit integrierte Bewertung der Effekte von systemischen Pestiziden auf Biodiversität und Ökosysteme (Worldwide Integrated Assessment of the Effects of Systemic Pesticides on Biodiversity and Ecosystems, WIA). Diese bahnbrechende Review-Arbeit betrachtete mehr als 1.100 Peer-reviewte wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie Daten von Herstellern. Es wurden deutliche Beweise für die Schädigung von Honigbienen sowie eine Vielzahl anderer nützlicher Arten, einschließlich der Wasserinsekten an der Basis der Nahrungskette, an Bodenarthropoden wie Regenwürmern und verbreiteten Vogelarten (bedingt durch Kaskadeneffekte) identifiziert.
 
Neonikotinoid-Pestizide („Neonikotinoide“) sind Insektizide auf Nikotin-Basis, die auf das zentrale Nervensystem der Insektenschädlinge zielen. Sie wirken systemisch, das heißt, sie werden von der Pflanze aufgenommen und in alle Pflanzengewebe verteilt und integriert – Wurzeln, Stängel, Blätter, Blüten sowie Pollen und Nektar. Neonikotinoide sind auch bei sehr niedrigen Dosen toxisch. Sie sind wasserlöslich und sehr persistent (d.h. nicht leicht abbaubar) im Boden, was zu einer anhaltenden und chronischen Exposition in terrestrischen und aquatischen Umgebungen (Boden und Wasser) führt. Die umfangreiche und routinemäßige Anwendung von Neonikotinoiden in der Landwirtschaft führt zu großflächiger Umweltbelastung und dadurch zu erheblichen Auswirkungen auf die Biodiversität (Vielfalt der Lebewesen und Pflanzen); dies stellt eine massive Bedrohung für alle Ökosysteme dar.

Für weitere Informationen oder zur Vereinbarung eines Interviews wenden Sie sich bitte an:

Prof. Dr. med. Klaus-Werner Wenzel    
Tel.: +49 – (0) 30 – 802 40 21
Kwwenzel@gmx.de

oder

Dr. Anton Safer
Tel.:+49 – (0) 1752957435
antonsafer@gmail.com

 

Neonikotinoide – Pestizide bedrohen Wildbienen und Schmetterlinge

SPIEGEL Online, 17.08.2017

Die Zahl der Wildbienen und Schmetterlinge geht stark zurück. Nun verdichten sich die Hinweise, dass bestimmte Pflanzenschutzmittel, sogenannte Neonikotinoide, die wichtigen Bestäuber gefährden.


Foto: DPA, Biene auf dem Lohrberg in Frankfurt am Main

Eine Studie des britischen Zentrums für Ökologie und Hydrologie (NERC) legt einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Neonikotinoiden und dem Rückgang von Wildbienen-Populationen nahe.

Forscher um den Insektenkundler Ben Woodcock haben untersucht, wie sich der großflächige Einsatz von Neonikotinoiden auf 62 Wildbienenarten in Großbritannien von 1994 bis 2011 ausgewirkt hat. 2002 waren die Pestizide dort erstmalig zugelassen worden.

Neonikotinoide wirken als Fraß- oder Kontaktgift auf die Nervenzellen von Insekten und sollen Pflanzen sowohl vor saugenden als auch beißenden Schädlingen schützen. Bei ihrer Einführung galten sie noch als besonders schonende Pestizide, die gut von Pflanzen über deren Wurzeln in die Blätter aufgenommen werden.

Das Ergebnis der im Fachblatt „Nature Communications“ veröffentlichten Analyse: Bei Wildbienenarten, die sich vorrangig von mit Neonikotinoiden behandeltem Raps ernährten, schrumpften die Populationen dreimal stärker als bei jenen Arten, die andere, nicht behandelte Pflanzen bevorzugten. Bei fünf der untersuchten Wildbienenarten könne man sogar davon ausgehen, dass der Einsatz der Mittel 20 Prozent der lokalen Populationen vernichtet habe.

Wer hat die Studie finanziert?

Drei der beteiligten Forscher erhalten derzeit Gelder von den Pestizidherstellern Syngenta und Bayer CropScience, um auf einem Testfeld den Einfluss von Neonikotinoiden auf Bienen zu untersuchen. Die aktuelle Studie wurde jedoch nicht von den Firmen, sondern vom britischen Natural Environment Research Council unterstützt.

Das Datenmaterial stellte „The Bees, Wasps and Ants Recording Society“ zur Verfügung, ein Verband von Naturfreunden, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts akribisch Informationen über Bienen, Wespen und Ameisen auf den britischen Inseln sammeln.

„Als blühendes Getreide ist Raps sehr nützlich für bestäubende Insekten“, erklärt Woodcock in einer Mitteilung. „Dieser Nutzen scheint aber durch die Effekte der Neonikotinoid-Behandlung für eine ganze Reihe von Wildbienenarten mehr als aufgehoben.“ Wildbienen leben – im Gegensatz zu den Honigbienen – meist als Einzelgänger.


Kohlweißling auf einer Rapsblüte

Orientierung und Geruchssinn beeinträchtigt

Nach Ansicht des Neurobiologen Randolf Menzel, der zu den führenden Bienenforschern Deutschlands zählt, zeigt die Studie, wie groß der Einfluss der Neonikotinoide wirklich ist – und das über einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum.

„Bei experimentellen Studien wird oft bezweifelt, wie aussagekräftig diese für das gesamte Ökosystem sind“, so Menzel. Jene Zweifel würden nun widerlegt. Er sieht sich in seiner Grundannahme über die Wirkweise der Nervengifte bestätigt. Der Neurobiologe hatte in seiner Forschung an der Freien Universität Berlin bereits belegt, dass Bienen schon nach kleinsten Dosen der Insektizide ihre Orientierung und ihr Gedächtnis verlieren.
Allerdings hätte er sich eine genauere Aufschlüsselung der verwendeten Neonikotinoide gewünscht: So seien etwa Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam in Großbritannien seit vergangenem Jahr wieder zugelassen. „Bei ebenjenen drei ist sehr wahrscheinlich, dass sie großen Schaden anrichten“, erklärt Menzel.

Andere Experten betonen, dass es auch andere Gründe für den Rückgang von Bienen-Populationen gibt, darunter die Varroamilbe.

Gefahr für den Nachwuchs

Mainzer und Frankfurter Wissenschaftler hatten kürzlich entdeckt, dass Neonikotinoide selbst in geringen Konzentrationen den im Futtersaft von Ammenbienen enthaltenen Botenstoff Acetylcholin vermindern. Das Signalmolekül ist für die Larvenaufzucht von Honigbienen wichtig.
„Unsere Forschungsergebnisse bestätigen das von Neonikotinoiden ausgehende Risiko für die Brutentwicklung von Honigbienen“, sagte Professor Ignatz Wessler vom Institut für Pathologie an der Universitätsmedizin Mainz. Die Ergebnisse ihrer Forschung veröffentlichten die Wissenschaftler aus Mainz und der Frankfurter Universität in der Fachzeitschrift „Plos One“.

Immer weniger Schmetterlinge in Kalifornien

Nicht nur Bienen scheinen unter den Mitteln zu leiden: Eine Studie aus den USA legt nahe, dass der Bestand von Schmetterlingen mindestens ebenso durch die Pestizide bedroht ist wie durch die fortschreitende Vernichtung ihres Lebensraums.

Die Forscher um den Biologen Matthew Forister von der Universität von Nevada untersuchten das Vorkommen von 67 Schmetterlingsarten in Nordkalifornien anhand von Daten aus den vergangenen 40 Jahren. Die Studie wurde im Fachmagazin „Biology Letters“ veröffentlicht.

Das Ergebnis: Die Zahl der Schmetterlingsarten geht dramatisch zurück – und das vor allem seit 1995, als Neonikotinoide in der Region erstmals eingesetzt wurden.

Strengere Regeln in der EU

Bereits im April 2015 hatten Forscher der Europäischen Union berichtet, dass es starke Beweise für negative Auswirkungen von Neonikotinoiden auf andere Organismen wie Motten und Schmetterlinge gebe. Auch auf insektenfressende Vögel hätten die Pestizide Auswirkungen, hieß es damals.

Die Brüsseler Behörde hatte 2013 als Reaktion auf das massenhafte Bienensterben den Gebrauch der umstrittenen Insektizide in der EU stark eingeschränkt. Ihr Einsatz bei der Behandlung von Saatgut, im Boden und beim Besprühen von Pflanzen wurde weitgehend verboten.

Andreas Reeg / DER SPIEGEL

Biologische Vielfalt: Auf der Spur der Insekten

Verschwinden gerade Käfer, Bienen, Fliegen und Schmetterlinge? Warum es so schwierig ist, das zu beantworten.
Von Fritz Habekuß – mit einem Leserbrief von Reinhadt Löwe

16. August 2017, 17:15 Uhr, Editiert am 17. August 2017, 10:13 Uhr
AUS DERZEIT NR. 34/2017

Ein schillernder Blattkäfer, dessen Art der Fotograf leider nicht verraten hat. © Alan Emery/unsplash.com

INHALT
1. — Auf der Spur der Insekten
2. — „Überall sind die Zahlen im Keller“
3. — Ausgeräumte Landschaften

Wenn irgendjemand dieses Fotoalbum von Josef Settele fände, er würde dessen Besitzer für einen mäßig talentierten Fotografen halten, noch dazu für jemanden mit einer sehr ausgefallenen Vorliebe. Und Josef Settele würde wahrscheinlich nicht einmal widersprechen.

Den Mann, der hier seit mehreren Stunden über feuchte, ungemähte Wiesen in der Pfalz wandert, treibt eine ebenso spezielle wie auch seltene Form des Wissensdrangs. Er interessiert sich leidenschaftlich für Insekten. Settele arbeitet ganz woanders, am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle. Er beschrieb zusammen mit anderen Autoren im Weltklimabericht den Einfluss der Erderwärmung auf die Biosphäre, und er koordiniert nun gerade den zweiten Bericht des UN-Weltrates für biologische Vielfalt. Außerdem will er, der momentan einer der wichtigsten deutschen Ökologen ist, lieber geduzt werden: „Von mir aus gerne Sepp.“

Dieser Sepp Settele ist der richtige Mann, um über ein Wort zu sprechen, das Wissenschaftler seit Jahren im Mund führen und das in diesem Sommer plötzlich in Zeitungen und Nachrichtensendungen auftauchte: Insektensterben. Verliert Deutschland gerade die Vielfalt seiner Bienenund Käfer, Heuschrecken und Schmetterlinge – und all der anderen sechsbeinigen Tiere?

Ökologe Sepp Settele sucht nach Faltereiern in Blüten des Wiesenknopfs. © Anne-Sophie Stolz für DIE ZEIT

Beantworten lässt sich das nur draußen, also los. Sepp stapft voraus und hält Ausschau nach den Blättern des Krausen Ampfers, eines Knöterichs. Er beugt sich zu ihnen hinunter, dreht ein Blatt zu sich hin, sucht erst die Oberseite ab, dann die Unterseite. Was er sucht, sind winzige Punkte, die mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen sind. Dann das nächste Blatt, die nächste Pflanze. Und weiter zur nächsten Wiese. Denn die winzigen Punkte sind Schmetterlingseier. Erst unter der Lupe wird ihre Form sichtbar; sie erinnern an mikroskopisch kleine Kaiserbrötchen. Rund hundert Weiden und Wiesen durchstreift Settele so Jahr für Jahr in der Pfalz, schon seit 1989 hält er sich dafür jeden Sommer zehn Tage frei.

Mit der Kamera hat er festgehalten, wie die Wiesen sich verändert haben, und die Fotos bewahrt er in diesem seltsamen Album auf. Erste Erkenntnis beim Blättern: Eine Wiese sah vor 30 Jahren auch schon aus wie eine Wiese heute. Was aber sieht man auf den ersten Blick nicht?

Wie es den übersehenen Wesen geht, mit denen wir uns Felder, Wiesen, Städte und Wälder teilen, das ist mitnichten eine ästhetische oder ethische Frage, sondern eine existenzielle. „Es sind die Kleinsten, die unsere Welt am Laufen halten“, hat der große Biologe E. O. Wilson einmal gesagt. Zwei Drittel der hundert wichtigsten Nutzpflanzen sind ganz oder teilweise von der Bestäubung durch Bienen, Schmetterlinge oder Schwebfliegen abhängig. Diese Leistung taxieren Experten auf weltweit 235 bis 577 Milliarden US-Dollar – jährlich. Gleichzeitig gehören Insekten zu den ersten Betroffenen, wenn sich die Umweltbedingungen verschlechtern. Das wiederum spüren all die Vögel, Nager, Reptilien, die sich von ihnen ernähren.

Der Forscher fotografiert jeden einzelnen Standort. Auf dieser Wiese hat sich invasives Springkraut ausgebreitet. © Anne-Sophie Stolz für DIE ZEIT

Dreierlei weiß man: In vielen Gebieten geht die Vielfalt zurück, vor allem spezialisierte Arten verlieren, Generalisten hingegen scheinen zu profitieren. Zweitens finden Forscher von den einzelnen Arten immer weniger Individuen. Und drittens verringert sich offenbar die Biomasse, also das Gesamtgewicht aller krabbelnden, fliegenden und schwirrenden Tiere. Diese Trends zeigen eindeutig in eine Richtung. Doch gleichzeitig sind die Befunde extrem lückenhaft.

Deshalb sucht Josef Settele an diesem Tag Eier von Schmetterlingen, genauer vom geschützten Großen Feuerfalter, der seine Eier auf Ampfer ablegt. Und jene des Dunklen und des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings. Die heißen so, weil ihre Raupen sich irgendwann von der Blüte fallen lassen und einen Duft produzieren, um Ameisen hereinzulegen. Diese glauben, ihre eigene Brut zu erschnuppern, und tragen die Betrüger in ihr Nest, wo die Schmetterlingsraupen dann die Ameisenlarven auffressen oder sich durchfüttern lassen. Ein verstörendes Schauspiel der Natur auf einer pfälzischen Wiese.
Als Settele hier mit seiner Feldforschung begann, absolvierte er gerade seinen Zivildienst in der Region. 150 Bewerbungen hatte er dafür verfasst, in denen er ausführlich beschrieb, was er als Zivi erwarte. Drei positive Antworten bekam er, am Ende landete er im Pollichia-Museum für Naturkunde in Bad Dürkheim. Damit begann die Geschichte, in der Settele nun in diesem Juli, im 29. Jahr seiner Forscherkarriere, die Blätter des Krausen Ampfers umdreht.

Biologische Vielfalt:Auf der Spur der Insekten
„Überall sind die Zahlen im Keller“

Dieses Handbuch zur Bestimmung hat der Forscher auf seiner Tour dabei. © Anne-Sophie Stolz für DIE ZEIT

Wissenschaftliche Daten über Insekten zu erheben, das ist Gedulds- und Fleißarbeit. Keine Gruppe im Reich der Tiere hat mehr Vertreter, allein in Deutschland soll es 33.000 Arten geben, viele davon sind noch nicht einmal beschrieben. So lückenhaft ist das Wissen.

Seit aber in diesem Sommer eine Abgeordnete der Grünen eine Kleine Anfrage an die Regierung gestellt hat, ist da plötzlich eine Zahl im Umlauf (siehe Seite 30). Die Zahl steht in der Antwort des Umweltministeriums: Studien zufolge gebe es an Versuchsstandorten „dramatische Rückgänge der Insektenbiomasse vom Jahr 1982 bis zum Jahr 2017 um bis zu 80 Prozent“. Bis zu 80 Prozent, das klingt konkret, präzise und objektiv.
Bloß war das zumindest suggestiv.

Und das liegt nicht nur am Zusatz „bis zu“, der leicht vergessen wird, während die Zahl hängen bleibt. Absolute Aussagen lassen die wenigen Zeitreihen schlicht nicht zu. Dafür gibt es zu wenige Sepps. Und weniger Gewissheit, als das Wort „Insektensterben“ vermittelt. Das ist der erste Fallstrick.

Der zweite ist der Umkehrschluss. Dass mangels klarer Belege die ganze Sache nur eine Mär sei, das Insektensterben ein (Wahl-)Kampfbegriff von Ökos und Grünen, passend lanciert vor der Bundestagswahl.
Insektensterben, gibt es das, Sepp? „Ich würde nicht sagen, ein Insektensterben gibt es nicht“, antwortet der Ökologe, „alles, was wir wissen, deutet darauf hin. Nur wissen wir sehr wenig über die Details und Kausalitäten.“

Die doppelte Verneinung, mit der sich Settele zum Thema äußert, kennzeichnet den Forscher, dessen Gegenstand ähnlich komplex ist wie der Klimawandel. Laien verstehen das Problem eher, wenn es auf klare Botschaften und Zahlen heruntergebrochen wird. Das aber macht angreifbar, denn jede Vereinfachung kann auch missbraucht und instrumentalisiert werden.

Welche Ausmaße das Sterben der Kleinsten hat und was die Gründe dafür sind, darauf gibt es bis heute keine klare Antwort. Es gibt eine Befundlage, die man sich wie ein ziemlich unvollständiges Mosaik vorstellen kann: Viel fehlt, große Lücken, aber das Motiv lässt sich schon erahnen. Und dieses Motiv ist sehr düster.

Eines der größten Steinchen in diesem Mosaik kommt aus Krefeld am Niederrhein. Dort gibt es eine Gruppe von ehrenamtlichen Insektenkundlern, den Entomologischen Verein Krefeld. Schon im Jahr 2013 veröffentlichte der ein starkes Indiz für den Insektenschwund in der Umgebung. Die Mitglieder hatten seit Jahrzehnten immer wieder an vielen Orten Insektenfallen aufgestellt, den Fang gesammelt, gewogen und ihre Ergebnisse verglichen. Ein Resultat: An einer Stelle, im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch, waren 1989 noch rund 1.400 Gramm Insekten in den Fallen des Vereins gelandet. Als die Vereinsmitglieder 2013 maßen, waren es dort gerade noch 300 Gramm – ein Minus von fast 80 Prozent.

Diese Zahl wurde als Kronzeuge zitiert und falsch interpretiert, auch vor anderthalb Jahren in der ZEIT (Nr. 11/16), wo sie als Durchschnittsangabe bezeichnet wurde, obwohl sie ein Extremwert ist. Richtig bleibt der Befund des Vereinsvorsitzenden Josef Tumbrinck von damals: „Überall sind die Zahlen im Keller.“ Denn an jeder einzelnen Messstation waren weniger Wildbienen, Mücken, Schwebfliegen, Heuschrecken und Schmetterlinge in die Fallen gegangen. Der Verein hat erst einen kleinen Teil aller Ergebnisse veröffentlicht, und das mit der gebotenen Genauigkeit. Aber seit 2013 ist eben diese eine Zahl in der Welt.

Seit 1989 besucht Settele jedes Jahr die Reiterwiesen. Manche sind inzwischen zugewachsen.© Anne-Sophie Stolz für DIE ZEIT

Sie suggeriert Gewissheit und Klarheit angesichts einer Entwicklung, über deren Gründe Forscher wenig wissen. Die industrielle Landwirtschaft mit ihren Pestiziden und Monokulturen ist der Hauptverdächtige, bei einigen Arten könnte auch der Klimawandel eine Rolle spielen oder der Schwund von Wiesen und Weiden. All das sind plausible Vermutungen. Um sie zu bestätigen, müssten Forscher im Labor und im Freiland experimentieren, einzelne Faktoren isoliert testen, über mehrere Jahre hinweg und in Kooperation mit den Bauern der umliegenden Felder. Das aber geschieht kaum.

Und ähnlich wie bei der Klimaforschung braucht man auch bei den Insekten für sichere Trendaussagen viele Messpunkte – und jahrzehntelange Ausdauer. Die haben die meisten staatlich finanzierten Wissenschaftler nicht. Förderprogramme sind auf drei, höchstens fünf Jahre angelegt, dann müssen Ergebnisse her. Ein Langzeitprogramm zur groß angelegten Erfassung von Artenvielfalt und Biomasse von Insekten, das frühestens in 20 Jahren spannende Ergebnisse verspricht? Ein schöner Traum, wo schon kleine Datenreihen ohne Exoten wie Settele und Ehrenamtliche wie die Krefelder undenkbar sind.

Biologische Vielfalt:Auf der Spur der Insekten
Ausgeräumte Landschaften

Bei Landau in der Pfalz: Ein Bläuling ruht, die Kälte macht ihn träge. © Anne-Sophie Stolz für DIE ZEIT

Bis heute gibt es in Deutschland keine Anstrengung, mit einem breiten, qualitativ hochwertigen Insekten-Monitoring zu beginnen, weder die Deutsche Forschungsgemeinschaft noch das Bundesforschungsministerium haben bislang etwas unternommen. Die Folge: Obwohl plötzlich öffentliches Interesse für dieses Spezialthema vorhanden ist, obwohl es beinahe zum Politikum geworden ist, kann die Wissenschaft das Phänomen weder anständig beschreiben noch zweifelsfrei die Gründe bestimmen.

Aber es gibt Lichtblicke: Seit 2005 liefern 500 Freiwillige dem Umweltforschungszentrum in Halle Daten über Tagfalter in Deutschland. Noch sind die Reihen zu kurz, doch deutet sich an, dass die Populationen starken jährlichen Schwankungen unterliegen – wie vieles in der belebten Umwelt. Zusammen mit anderen europäischen Daten belegt das Monitoring, dass auf Wiesen und Weiden lebende Arten von 1990 bis 2015 auf 70 Prozent zurückgegangen sind.

Das hat Folgen. Schon seit Jahren sind die Bestände von insektenfressenden Vögeln wie Feldlerche, Mönchsgrasmücke oder Singdrossel im Sinkflug. Die Hälfte aller 580 Wildbienenarten Deutschlands stehen als bedroht auf der Roten Liste. Imker beobachten seit Jahren das Phänomen des Völkerkollapses.
„Viele Forscher, die schon länger mit Insekten arbeiten, berichten davon, dass die Zahlen zurückgehen“, sagt Alexandra-Maria Klein. Die Ökologin ist Professorin an der Uni Freiburg. Genau wie Sepp Settele – die beiden arbeiten häufig zusammen – sieht sie viele Indizien für einen Rückgang von Insekten, findet es aber unseriös, detaillierte Wirkzusammenhänge herzustellen. „Welchen Einfluss bestimmte Insektizide auf die Biomasse von Insekten haben? Um das sagen zu können, fehlen uns schlicht die Daten“, sagt sie, „aber natürlich ist es zu erwarten, dass sie zurückgeht, wenn wir Insektizide ausbringen.“
Denn – Vorsicht, Falle – die Abwesenheit von Daten über genaue Zusammenhänge bedeutet auch nicht, dass kein Zusammenhang existiert.

Klein sagt, sie appelliere lieber an den Verbraucher als an die Politik. Wenn ein Bauer anfange, ökologisch zu wirtschaften, stiegen auch die Chancen für Insekten. Die Liebe der Deutschen zu Ordnung und Effizienz schlägt sich in der Landschaft nieder: kaum Hecken, wenig Blühstreifen, keine vergessenen Ackerränder, auf denen Unkräuter und Wildblumen wachsen könnten. Also auch kaum Nahrung für Insekten. Die Fachleute haben ein schaurig-nüchternes Wort dafür: ausgeräumte Landschaften.

Insektensterben
VOR 55 JAHREN: RACHEL CARSON

„Einst hatte in der frühen Morgendämmerung die Luft widergehallt vom Chor der Wander- und Katzendrosseln, der Tauben, Häher, Zaunkönige und unzähliger anderer Vogelstimmen, jetzt hörte man keinen Laut mehr …“ – Nicht etwa in einer aktuellen Reportage aus Iowa oder Mecklenburg steht das, sondern im Ökologie-Bestseller aus dem Jahr 1962, Silent Spring. Poetisch und fundiert warnte die Amerikanerin Rachel Carson: Pestizide können Schädlinge und Unkräuter vernichten, aber ebenso Vögel und Insekten – und auch den Menschen krank machen. Der stumme Frühling warnte vor dem giftigen DDT. Ökologie war damals, vor 55 Jahren, noch ein Fremdwort, als die Biologin Carson erklärte, wie eingespielte Lebensgemeinschaften in Feld, Wald und Wiese Biotope stabil halten. Sie mit Monokulturen und Chemie zu zerstören, statt von ihnen zu lernen, gefährde die eigenen Existenzgrundlagen. Ihre Kritik an der Agroindustrie bleibt bis heute relevant.

Jahrzehnte später besinnen sich Forscher, deren Waffen im Pflanzenschutz stumpf werden, auf die Kooperation mit Pflanzen, Tieren und Mikroben.

Carson starb, bevor die Macht ihres Buchs sich zeigte: im DDT-Verbot, der Gründung der US-Umweltbehörde, in einer globalen Ökobewegung.

Sepp Settele steht vor einer Wiese. „Wenn man so guckt – sieht nach gar nichts aus. Bisschen unordentlich vielleicht. Müsste mal gemäht werden.“ Dann stapft er voran, zeigt auf eine gelbe Krabbenspinne, die auf einer roten Blüte sitzt und ihre Vorderbeine fangfertig aufgespannt hat, zeigt auf einen Schmetterling aus der Spannerfamilie, deren Raupen sich so merkwürdig fortbewegen, dass man ihre Familie Geometroidae genannt hat – Erdvermesser –, während eine Mehlschwalbe im Tiefflug eine Grille von einer weißen Dolde holt und eine große Gottesanbeterin sich nur halb im Gras versteckt.

Man braucht ein wenig Zeit, um all das wahrzunehmen, und würde nicht der Biologe Settele begeistert von Halm zu Halm gehen und in der kleinen Welt das große Ganze erklären, man würde kaum wahrnehmen, welche Überlebensstrategien, Feindschaften und Abhängigkeiten hier gepflegt werden, auf dieser unscheinbaren Wiese mitten in der Pfalz.

Kommentar von Reinhadt Löwe, auch an die Redaktion der Zeit geschickt
Überschrift: Biologische Vielfalt

Auf der Spur der Insekten
Überall sind die Zahlen im Keller
Ausgeräumte Landschaften

Ein Beitrag aus der ZEIT Nr. 34/2017, der nicht nur Wohlwollen und Freude ausgelöst haben dürfte. Es war ein wohl wunderschöner Tag mit dem Ökologen Sepp, wie Herr Settele gerne genannt werden möchte. Man entdeckt Schmetterlingseier. Sind es denn weniger geworden, seit Sepp 1989 das Zählen begann? Beiläufig wird erwähnt dass die ökonomische Bestäubungsleistung von Insekten auf 235 bis 577 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Das ist für einen Menschen wie mich, der keine Waffen exportiert, doch eine beachtliche Spanne. Man sollte da einmal über die Differenz nachdenken. Dann kommt der Passus, dass man schon Vieles weiß über den Insektenrückgang. Aber die Befunde sind lückenhaft. Dann kommen noch einige Zeilen über die Lückenhaftigkeit des Wissens.

Im Folgenden wird ein kleiner Hieb auf die „Grünen“ mit ihrer kleinen Anfrage verteilt. Sie wird abgetan als Wahlkampfgetümmel. Da hätte der Herr Habekuß aber doch einmal genauer lesen sollen. Diese kleine Anfrage (Drucksache 18/13143 mit der Antwort Drucksache 18/12859) war gar nicht so klein und sie hatte Hand und Fuß. Dass dabei herausgekommen ist, dass man die vielen Berichte und Forschungsergebnisse fleißig gesammelt hat, aber noch nicht gelesen und verwertet, das ist doch zumindest ein gutes Ergebnis. Das kann noch besser werden. Und wenn dabei der Verdacht aufkommt, dass ein Rückgang von bis zu 80% der Biomasse, sagen wir es einmal vorsichtig, zu befürchten ist, dann zeichnet sich ein Drama von unvorstellbarem Ausmaß ab. Da sollte man von Seiten der Regierungsverantwortlichen ganz schnell drüber nachdenken. Aber da darf man doch nicht so nachdenken, wie die beiden Informatoren auf der Wiese. Gibt es ein Insektensterben? Ich würde nicht sagen, dass es das nicht gibt. Woow!

Dann werden die mühsamen Ergebnisse der Krefelder Gruppe ad absurdum gestellt. Natürlich gilt ein Insektenrückgang von 80% nicht überall in Deutschland. Wenn wir uns aber nicht beeilen, dann gibt es gar keine Insekten mehr, deren Biomasse messbar wäre. Man muss doch unterscheiden zwischen landwirtschaftlich genutzten Regionen, Gebieten des Naturschutzes, ökologisch genutzte Regionen und nicht zuletzt die Städte und dicht besiedelten Gebiete, die weitgehend pestizidfrei zu bezeichnen sind.

Ein ganz kleines Imker Ein mal Eins ist die Tatsache, dass es kaum noch Insekten gibt in Bereichen der intensiven Landwirtschaft. Die Herbizide vernichten alles an Kraut bis auf die Pflanze, die es auszubeuten gilt. Das ist schon einmal der erste Schritt: Keine Blüten mehr, kein Futter für das Kleingetier, damit auch keine Insekten mehr. Gibt es doch noch blühenden Randbewuchs, ist der in der Regel durch Neonikotinoide aus der zweiten Behandlung der Hauptfelder belastet. Damit kämen wir zum Resume des nächsten Textes Ihrer Zeitschrift: Ohne Bienen wären wir aufgeschmissen. Und in der Landwirtschaft sieht man immer weniger Bienen.

Ein Bienen- und Insektenmonitoring mit entsprechend begleitender Forschung wäre wünschenswert. Zunächst aber wäre ein gesunder Menschenverstand mit plausiblen Erkenntnissen schon völlig ausreichend. Und Daten gibt es bereits unendlich viele. Die verarbeitet nur kein unabhängiger Forscher. Die bei der chemischen Industrie gebundenen Wissenschaftler würden ihren Job verlieren, wenn sie feststellen, dass die Insekten tatsächlich durch die Pflanzenschutzmittel vernichtet werden. Es bleibt übrigens unerklärlich, warum man diese Mittel so nennen darf. Sie schützen doch nur eine einzige Pflanze.

In Berlin haben wir zur Zeit eine Bienendichte von etwas mehr als 6 Bienenvölker / km², im Hochsommer sind es durch die Wanderimker rd. 10. Mecklenburg-Vorpommern liegt bei 0,6, Brandenburg bei 0,75. Die Völkerverluste über den Winter liegen in den Städten bei 15-20%, in den landwirtschaftlich genutzten Regionen bei bis 50%. Und die immer wieder gern zitierte Varroa gibt es in der Zwischenzeit in jedem Bienenstock. Die Behandlungsmethoden sind überall ähnlich. Das hat sich bei den Imkern alles herumgesprochen. Der Honigertrag in den Städten liegt bei 40-50 kg/Volk, auf dem Lande bei max. 30 kg. Darüber sollte man einmal nachdenken, ehe man mit Herrn Settele auf einigermaßen heiler Wiese Schmetterlingseier sucht, was sicherlich auch wichtig ist. Das Insektensterben aber fängt woanders an. Und es ist vor allem kein Wahlkampfgeschrei der „Grünen“.

Reinhardt Löwe, 23.08.2017

Kataster, AFB-Sperrbezirke

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