Regionalkonferenz Bienen 21.06 2016 beim BMEL

– Bienen in der Kulturlandschaft –

In Behörden-gerechter Zeit von 9.00 – pünktlich um 17.10 konnte man Vieles erfahren über Bienen, über das fehlende Nahrungsangebot und über die zaghaften Versuche von Gemeinden, aus Rasenflächen einen von April bis Oktober blühenden Acker zu schaffen. Das macht immerhin hoffnungsfroh; auch dass man versucht, Landwirte zu überzeugen, Teile ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche für wilde Blüten herzugeben.
Doch Bienen in der Kulturlandschaft, die gibt es heute nur in ganz seltenen Fällen. Das wären historisch gewachsene Flächen, ein Biotop für die unterschiedlichsten Lebewesen. Sie wiederherzustellen, wäre die hauptsächlich von Naturfreunden angestrebte Rekultivierung. Das aber wurde de facto nicht thematisiert.

Herr Minister Christian Schmidt ist trotzdem voller Zuversicht, dass es den Bienen wieder besser geht, weil sie doch 2 Mrd. € Wert haben hinsichtlich der landwirtschaftlichen Produktionserträge. 80% Bestäuberleistung stecken dahinter. Er hofft auch auf eine bessere Risikobewertung durch das hauseigene Bieneninstitut am bundeseigenen JKI, dass nunmehr von Herrn Dr. Pistorius geführt wird. Lebensräume für die Insekten sollten verstärkt auch durch die Eh da-Flächen (Die Wortdefinition bleibt unausgesprochen.) gewonnen werden. Bienen sollen für die Landwirtschaft kein Nebeneffekt sein sondern ein besonderes Anliegen. Das gilt sowohl für die ökologische wie auch für die konventionelle Landwirtschaft.
Wobei anzufügen wäre, dass die konventionelle Landwirtschaft auch einmal ökologisch war.

Herr Maske als Präsident des Deutschen Bienenverbandes glaubt, dass der Landwirtschaftliche Ertrag durch eine verbesserte biodiversitäre Landschaft noch um rd. 30% zu steigern wäre. Das Problem der Bienenkrankheiten insbesondere durch die Übertragung durch die Varroa ließe sich in Zukunft u.U. durch eine genetische Veränderung der europäischen Biene verbessern.

Der Agrarökologe Matthias Trapp machte die Artenvielfalt in den Kommunen deutlich. Kombinierte Lebensräume mit Nahrungs- und Habitatangebot für die Insekten seien von besonderer Wichtigkeit. Auch hier wurden die Eh da-Flächen als gute Möglichkeit gesehen.

Wie man aber bei den kleinen zur Verfügung gestellten Flächen Habitate bzw. Biotope schaffen kann, bleibt sehr fraglich. Die Blüten alleine locken vor allem keine solitären Wildinsekten an.

Wilhelm Brinkmann als engagierter Imker zeigte die vielen Möglichkeiten auf, wie man aus Brachen und nur praktischen Rasenflächen für viele Monate des Jahres herrlich blühende Flächen schaffen kann. Der launig vorgetragene Bildereigen zeigte viele Möglichkeiten auf, wie man mit Engagement Gemeinden in Blütenmeeren versinken lassen kann.

Irgendwann wird er verraten, welche Mischungen, die er mit Daniele Felger (?) oder anderen zusammengetragen hat. Er wird uns noch beraten müssen über die Bodenbeschaffenheit, nachdem das Gelände min. 50 cm tief ausgefräst wurde.

Die Sicherung von Lebensräumen für Bestäuber ist ein Anliegen der Mitglieder des Städtetages Abt. Umwelt und Naturschutz. Das Projekt Städte wagen Wildnis soll dabei ein Baustein sein, sagte den Anwesenden Axel Welde.
Dass dabei die Städte am wenigsten vom Rückgang der Arten von Pflanze und Tier betroffen sind, sollte nicht unerwähnt bleiben.

Herr Henning Schwarz als Leiter Umweltschutz der Deutschen Bahn – hier Netz AG könnte sich die Ansiedlungen von Imkern und Bienen auf den Flächen der DB (immerhin nach den Kirchen größter Grundstückseigner in Deutschaland) vorstellen. Infrastrukturen aber für Imker könnten nicht bereitgestellt werden. Im Rahmen eines langjährigen Pacht- oder Gestattungsvertrages ließen sich aber auch Vereinbarungen über Investitionen regeln. Zu berücksichtigen ist dabei aber auch, dass das Gleisnetz der DB auch weiterhin mit Glyphosat frei gehalten wird.

Das summende Rheinland beschrieb Heiko Schmied für NRW. Die Greeningtabelle für die Berechnung von Ökologisierungsprämien durch die EU kann im Internet gelesen werden. Es wäre die Basis bei der Schaffung von ökologischer Vorrangflächen. Probleme bei der zur Verfügungstellung von Flächen und Randstreifen unterschiedlicher Breite wurden aufgezeigt. Hier sollte man bei den Diskussionen mit den landwirtschaftlichen Betrieben die Ergebnisse der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zu Rate ziehen. Nicht alles, was gut ist, ist auch Prämien-sicher.

Burkhard Golla vom JKI stellt das Projekt geobee vor. Die für Jedermann zugängliche Internetplattform zeigt die Abhängigkeit von Trachtpflanzen und Wildbienenaufkommen. Die einzelnen Trachtpflanzen sind mit Darstellung der Pollen aufgezeichnet. Es ist eine bewusst offene Datenbank, in die man sich deutschlandweit gerne einbringen kann.

Nahrungsverfügbarkeit und Fitness der Honigbienen in Abhängigkeit von Standort und Wetter. Christoph Otten zeigt für die unterschiedlichsten Regionen von Deutschland die Entwicklung des Honigertrages im Jahr auf. In dies Projekt sind nur Imker mit den modernsten Waagensystemen eingebunden (Das System wurde nicht verraten!). Durch den Sitz des Fachzentrums Bienen und Imkerei im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum , Rheinland-Pfalz konnten hier auch die dichtesten Erhebunsparameter gefunden werden.

Dorothee Lüken vom LAVES-Institut für Bienenkunde zeigte die Ertragsergebnisse von Imkern auf. Es wurde unterschieden zwischen Stadt-, Land- und Wanderimker. Dass auf Grund der Blütenvielfalt und der Blühpflanzendichte die Städte am besten abgeschnitten haben, hat nicht überrascht. Interessant aber waren die jahreszeitlichen Abhängigkeiten und der Vergleich der letzten Jahre auch im Vergleich mit Wetter und Klima.

Gedanken zur zeitgemäßen Beratung, Aus- und Fortbildung von Imkern hat Ralph Büchler vom Bieneninstitut Kirchhain vorgetragen. Bei rd. 10.000 angemeldeten Neuimkern pro Jahr sollte dringend ein Imkerberatungsdienst eingeführt werden. Ebenso ist die Qualität der Jungimkerausbildung grundsätzlich an theoretischen und begleitenden praktischen Lehrgängen zu orientieren. Die Ausbildung und das Heranführen an die Imkerei nur aus der Literatur oder über das Internet sei eine schlimme Entwicklung.

Björn Wilcken stellt sich als Veterinär und Vertreter des Veterinäramtes von Berlin-Mitte zuständig für die Bezirke Tempelhof und Schöneberg vor. Er erklärt die Wichtigkeit seiner Aufgaben im Hinblick auf die Erkennung und Beseitigung von Bienenkrankheiten. Dem Veterinär fällt gerade in einem so dicht besiedelten Gebiet wie Berlin eine besondere Aufgabe zu. Insofern ist es besonders wichtig, die Einzelstandorte der Bienen zu kennen, um bei Auftreten einer Krankheit hinsichtlich eines Sperrbezirks reagieren zu können.

Werner von der Ohe vom LAVES – Institut für Bienenkunde, Celle beschreibt die Zusammenarbeit von Imkern und Veterinärbehörden. Hierbei werden die Schwierigkeiten deutlich für die Imker in den neuen Bundesländern. Veterinärbehörden für die Belange der Imker gibt es hier häufig noch nicht. Ähnliches gilt die Versorgung von Imkern über Bieneninstitute.

Eine abschließende Diskussion mit Torsten Ellmann, Werner von der Ohe, Jens Pistorius, Henning Schwarz, Björn Wilcken und Jörg Kalisch schloss die Referentenrunde.

Den Schlussakkord aber setzte Bernhard Polten, der noch nicht lange für das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft tätig ist. Seine Sachkunde aber überraschte hinsichtlich der Zusammenfassung der Einzelthemen und Vortragsschwerpunkte dieses Tages. Welche Position Herr Polten im Hause BMEL genau bekleidet, werden wir noch herausfiltern. In jedem Fall aber freut er sich auf eine Weiterführung der Diskussion auch mit Beiträgen an das BMEL.

Da mag man denn doch sehr gespannt sein. Bis heute sind nach meiner Ansicht aus den vielen Gremien und Arbeitszirkeln hinsichtlich der blumig angekündigten Rückeroberung der Biodiversität für die landwirtschaftlich genutzten Flächen einige wenige Ackerrandstreifen herausgekommen. Die Diskussion aber hat sicherlich schon das Zehnjährige erreicht. Naturschutz- und Baumschutzbestimmungen sind auch heute noch vielfach Länder- oder gar Gemeindesache. So wird das mit der Renaturierung, der pestizidfreien oder pestizidreduzierten Landwirtschaft oder gar mit einer Rekultivierung in absehbarer Zeit nichts. So werden weitere Wildbienen und andere Bestäuber selbst von der Roten Liste verschwinden. Es gibt sie dann nicht mehr. Beruhigend aber ist (Das ist ironisch gemeint!), dass man sich wohl immer für neue Landschaften mit neuen Bienenvölkern bedienen kann, solange die vielen Stadtimker eine verantwortliche Imkerei betreiben. Hier herrscht ein Überangebot. Und die Naturschutzverbände werden in ihrem unermüdlichen Tun weiterhin dazu beitragen, dass doch die eine oder andere Gattung von Pflanze und Tier zu retten ist. Letzteres stört den Einen oder Anderen, wie eine Zwischenruferin am Ende der Veranstaltung verlauten ließ. Es wird somit umso wichtiger sein, die Rettung der Bestäuber und ihrer Nahrungs- und Habitatangebote immer wieder anzumahnen.

Die Vortragsrunde zu diesem Bienenkongress hat uns in erster Linie vermittelt, welche Möglichkeiten es für Gemeinden es gibt, das Blütenangebot übers Jahr zu verstärken, gut für die Bienen und erst recht gut fürs Auge und damit für die Seele. Es wurde aber leider kein Konzept vermittelt, was zu tun ist für die Biodiversität im landwirtschaftlich genutzten Bereich. So werden wir wenige Imker finden, die ihre Bienen ohne zu erwartende Massentrachten (Raps und Sonnenblume sind Ausnahmen) außerhalb der Städte und Gemeinden anzusiedeln. Solange wir keine Hecken und den Baumbestand zurück gewinnen, wird es nichts mit der Rekultivierung.

Reinhardt Löwe
Imkerverein Berlin-Zehlendorf und Umgebung e.V.